29.07.2022 | Presseinfo Nr. 83

Kreis Höxter Der Arbeitsmarkt im Juli 2022

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes im Kreis Höxter

Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Höxter hat sich im Juli 2022 gegenüber dem Vormonat mit einem Plus von 283 auf nun 2.857 Personen deutlich erhöht. Dies ist eine Steigerung von 11 Prozent. „Verglichen mit den Zahlen von vor einem Jahr befinden wir uns aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau“, so Heinz Thiele, Leiter der Agentur für Arbeit Paderborn. „Dies hatten wir durch die Aufnahme geflüchteter Ukrainer*innen in die Grundsicherung erwartet. Der Übergang in die Betreuung durch das Jobcenter läuft seit dem 1. Juni und wird auch noch andauern. „Endgültige Zahlen erwarte ich hier erst im Herbst“, so Thiele. Hinzu kommt die jährliche Sommerflaute, weshalb im Juli zu Beginn der Ferien auch die Zahlen in der Arbeitslosenversicherung gestiegen sind.

Die Sommerferien zeigen sich auch in der Steigerung der Jugendarbeitslosigkeit. „Die ansonsten sehr geringe Zahl im Kreis Höxter ist im Vergleich zum Vormonat um 83 Personen oder 37,1 Prozent auf 307 im Juli gestiegen“, erklärt Heinz Thiele. Dies ist aufgrund von beendeten Ausbildungs- und Schulabschlüssen für diese Jahreszeit jedoch typisch.

Die mit 1.767 weiterhin hohe Zahl an Stellenangeboten zeige zudem, dass der Arbeitsmarkt im Kreis Höxter nach wie vor aufnahmefähig und stabil ist. „Somit sinkt erfahrungsgemäß Richtung Spätsommer und Herbst auch die Jugendarbeitslosigkeit wieder“, so Thiele.

Arbeitslosigkeit
Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Höxter im Juli 2022 gestiegen. Insgesamt waren 2.857 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 283 Personen oder 11,0 Prozent mehr. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres sinkt die Zahl der Arbeitslosen um 252 Personen bzw. 8,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Juli 2022 3,8 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 4,1 Prozent (minus 0,3 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 1.159 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat um 110 Personen bzw. 10,5 Prozent erhöht. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um 150 Personen oder 11,5 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II
In der Grundsicherung sind 173 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 102 weniger als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 11,3 Prozent zum Vormonat bzw. minus 5,7 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 1.698 Personen und damit 59,4 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.                                 

Jugendarbeitslosigkeit
307 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Höxter unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 83 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 30 mehr arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 37,1 Prozent zum vorherigen Monat bzw. minus 8,9 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre
Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen (plus 32 Personen oder plus 3,2 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 238 Arbeitslose weniger (minus 18,7 Prozent). Insgesamt sind 1.036 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Höxter betroffen.

Langzeitarbeitslose
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Höxter im Berichtsmonat gesunken. 842 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 80,2 Prozent (675 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 10 Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 276 Personen.        

Stellenangebote
Die Unternehmen aus dem Kreis Höxter haben in diesem Monat 287 Stellen gemeldet (plus 1 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 1.767 offene Stellen, 65 mehr als im Vormonat und 347 mehr als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe  
Die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe ist im Juli 2022 gestiegen. Aktuell sind 61.841 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 4.113 oder 7,1 Prozent Arbeitslose mehr als zum Vormonat aber immer noch 4,3 Prozent weniger als zum Juli 2021.

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli eines Jahres ist saisonüblich und betrug in den letzten sieben Jahren durchschnittlich plus 2,4 Prozent. Üblicherweise hängt dies unter anderem mit der Beendigung von Berufsausbildungsverhältnissen ohne Anschlussbeschäftigung und der Sommerflaute bei den Einstellungen zusammen. Im Juli 2022 stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat allerdings um 7,1 Prozent an.

Auch in diesem Jahr ist dies zum Teil auf die Arbeitslosmeldung junger Menschen zurückzuführen, welche nach Beendigung ihres Berufsausbildungsverhältnisses auf der Suche nach einem neuen Job sind. So stieg die Arbeitslosigkeit in der Personengruppe unter 20-Jähriger um 333 Personen (plus 37,0 Prozent) im Vergleich zum Vormonat an.

Besonders auffällig ist jedoch der erneute Anstieg von arbeitslosen Ausländern. Die Zunahme im Vergleich zum Vormonat betrug in dieser Personengruppe plus 2.666 Personen (plus 14,1 Prozent). Darunter sind 2.223 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit. Aufgrund der gesetzlichen Änderung zum 01. Juni 2022 können Menschen, welche aus der Ukraine geflohen sind, bei den Jobcentern Leistungen zur Grundsicherung erhalten, was zu einem Anstieg arbeitslos gemeldeter ukrainischer Staatsangehöriger geführt hat. Aufgrund unterschiedlicher interner Prozesse der Jobcenter konnten diese Personen im Umstellungsprozess nicht vollständig im Berichtsmonat Juni erfasst werden, weshalb auch in diesem Berichtsmonat ein starker Anstieg stattgefunden hat.

In Ostwestfalen-Lippe sind aktuell 4.320 ukrainische Staatbürger arbeitslos gemeldet, davon 98,4 Prozent im Rechtskreis SGB II. Das sind ca. 4.000 Personen mehr als im Februar 2022, dem Berichtsmonat vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist erfreulicherweise weiter gesunken. Im aktuellen Berichtsmonat sind 24.795 Personen länger als ein Jahr auf Arbeitssuche. Das sind 17,6 Prozent mehr als im Juli 2019. Jedoch beschleunigt sich die rückläufige Entwicklung. In den Julimonaten der Jahre 2016 bis 2019 nahm die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat durchschnittlich um 7,3 Prozent ab. Im Juli 2022 beträgt dieser Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat 11,6 Prozent. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen ist mit 40,1 Prozent weiterhin hoch (2021: 43,4 Prozent, 2020: 32,6 Prozent, 2019: 35,6 Prozent).

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, steigt weiter an und beträgt im aktuellen Berichtsmonat 28.375 Stellen. Das ist eine Zunahme zum Vorjahresmonat um 5.596 Stellen bzw. 24,6 Prozent. Im Juli 2022 wurden 3.954 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 1.692 Stellen weniger gemeldet. Damit zeigen sich erste Auswirkungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten bezogen auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässe. Arbeitgeber zeigen sich vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und scheinen weniger Arbeitskräfte neu einzustellen, worauf der Zuwachs des Bestandes an gemeldeten Arbeitsstellen hindeutet. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch nicht zurückgezogen werden lässt eine Hoffnung der Arbeitgeber auf baldige Verbesserung der Lage erkennen. Insgesamt ist der Arbeitsmarkt weiterhin aufnahmefähig und stabil.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,8 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (4,1 Prozent), Paderborn (5,2 Prozent), Minden-Lübbecke (5,2 Prozent), Herford (5,4 Prozent), Lippe (5,5 Prozent) und der Stadt Bielefeld (8,0 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent (Vormonat 5,1 Prozent, Vorjahr 5,7 Prozent).