29.07.2022 | Presseinfo Nr. 82

Kreis Paderborn Der Arbeitsmarkt im Juli 2022

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes im Kreis Paderborn

Die Arbeitslosigkeit im Kreis Paderborn hat sich im Vergleich zum Vormonat um 10,3 Prozent erhöht, liegt aber mit insgesamt 9.054 Arbeitslosen immer noch um 4,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

„Die Sommermonate mit Ferienbeginn und dem Abschluss zahlreicher Ausbildungsverhältnisse ohne eine direkte Anschlussbeschäftigung führt saisonal zu einem Anstieg der (Jugend-) Arbeitslosigkeit“, erklärt Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur. „Im August und September, mit Beginn des neuen Ausbildungs- und Schuljahres und dem Ende der Ferien auch in vielen Betrieben, wird die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen erfahrungsgemäß wieder spürbar abnehmen. Diese kalkulierbaren Schwankungen, die uns jeden Sommer erneut betreffen, sind deshalb kein Indiz für grundsätzliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Der Arbeitsmarkt im Kreis Paderborn zeigt sich seit Monaten äußerst solide und aufnahmefähig.

Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes zeigt sich auch in dem hohen Bestand an Stellenangeboten und der großen Bewegung am Arbeitsmarkt.

Im Juli meldeten sich 2.410 Personen arbeitslos und 1.560 konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Hinzu kommen allerdings als neuere Entwicklung weitere Zugänge Geflüchteter aus der Ukraine: in diesem Monat sind im Kreis Paderborn 638 Arbeitslose mit Staatsangehörigkeit Ukraine gemeldet. Hier sind noch weitere Effekte zu erwarten, da die Überführung aller Geflüchteten in die Grundsicherung noch nicht abgeschlossen ist. Ein genaues Bild werden wir erst in einigen Wochen haben,“ so der Agenturchef.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Paderborn im Juli 2022 gestiegen. Insgesamt waren 9.054 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 849 Personen oder 10,3 Prozent mehr. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres sinkt die Zahl der Arbeitslosen um 417 Personen bzw. 4,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Juli 2022 5,2 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 5,4 Prozent (minus 0,2 Prozentpunkte).                                                                       

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 2.796 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht um 350 Personen bzw. 14,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um 472 Personen oder 14,4 Prozent.       

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 499 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 55 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 8,7 Prozent zum Vormonat bzw. plus 0,9 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 6.258 Personen und damit 69,1 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen. Seit Juni sind Geflüchtete aus der Ukraine in der Betreuung und Vermittlung des Jobcenters, soweit die Voraussetzungen hierfür vorliegen.        

Jugendarbeitslosigkeit

884 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Paderborn unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 176 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 97 mehr arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 24,9 Prozent zum vorherigen Monat bzw. minus 9,9 Prozent im Vorjahresvergleich.                                                                               

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen (plus 124 Personen oder plus 4,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 144 Arbeitslose weniger (minus 4,2 Prozent). Insgesamt sind 3.261 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Paderborn betroffen.                                                              

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Paderborn im Berichtsmonat gesunken. 3.252 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 90,4 Prozent (2.939 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies neun Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 581 Personen.                                                                                

Stellenangebote

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 569 Stellen gemeldet (plus 43 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 3.602 offene Stellen, 22 weniger als im Vormonat und 844 mehr als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe  

Die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe ist im Juli 2022 gestiegen. Aktuell sind 61.841 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 4.113 oder 7,1 Prozent Arbeitslose mehr als zum Vormonat aber immer noch 4,3 Prozent weniger als zum Juli 2021.

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli eines Jahres ist saisonüblich und betrug in den letzten sieben Jahren durchschnittlich plus 2,4 Prozent. Üblicherweise hängt dies unter anderem mit der Beendigung von Berufsausbildungsverhältnissen ohne Anschlussbeschäftigung und der Sommerflaute bei den Einstellungen zusammen. Im Juli 2022 stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat allerdings um 7,1 Prozent an.

Auch in diesem Jahr ist dies zum Teil auf die Arbeitslosmeldung junger Menschen zurückzuführen, welche nach Beendigung ihres Berufsausbildungsverhältnisses auf der Suche nach einem neuen Job sind. So stieg die Arbeitslosigkeit in der Personengruppe unter 20-Jähriger um 333 Personen (plus 37,0 Prozent) im Vergleich zum Vormonat an.

Besonders auffällig ist jedoch der erneute Anstieg von arbeitslosen Ausländern. Die Zunahme im Vergleich zum Vormonat betrug in dieser Personengruppe plus 2.666 Personen (plus 14,1 Prozent). Darunter sind 2.223 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit. Aufgrund der gesetzlichen Änderung zum 01. Juni 2022 können Menschen, welche aus der Ukraine geflohen sind, bei den Jobcentern Leistungen zur Grundsicherung erhalten, was zu einem Anstieg arbeitslos gemeldeter ukrainischer Staatsangehöriger geführt hat. Aufgrund unterschiedlicher interner Prozesse der Jobcenter konnten diese Personen im Umstellungsprozess nicht vollständig im Berichtsmonat Juni erfasst werden, weshalb auch in diesem Berichtsmonat ein starker Anstieg stattgefunden hat.

In Ostwestfalen-Lippe sind aktuell 4.320 ukrainische Staatbürger arbeitslos gemeldet, davon 98,4 Prozent im Rechtskreis SGB II. Das sind ca. 4.000 Personen mehr als im Februar 2022, dem Berichtsmonat vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist erfreulicherweise weiter gesunken. Im aktuellen Berichtsmonat sind 24.795 Personen länger als ein Jahr auf Arbeitssuche. Das sind 17,6 Prozent mehr als im Juli 2019. Jedoch beschleunigt sich die rückläufige Entwicklung. In den Julimonaten der Jahre 2016 bis 2019 nahm die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat durchschnittlich um 7,3 Prozent ab. Im Juli 2022 beträgt dieser Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat 11,6 Prozent. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen ist mit 40,1 Prozent weiterhin hoch (2021: 43,4 Prozent, 2020: 32,6 Prozent, 2019: 35,6 Prozent).

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, steigt weiter an und beträgt im aktuellen Berichtsmonat 28.375 Stellen. Das ist eine Zunahme zum Vorjahresmonat um 5.596 Stellen bzw. 24,6 Prozent. Im Juli 2022 wurden 3.954 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 1.692 Stellen weniger gemeldet. Damit zeigen sich erste Auswirkungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten bezogen auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässe. Arbeitgeber zeigen sich vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und scheinen weniger Arbeitskräfte neu einzustellen, worauf der Zuwachs des Bestandes an gemeldeten Arbeitsstellen hindeutet. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch nicht zurückgezogen werden lässt eine Hoffnung der Arbeitgeber auf baldige Verbesserung der Lage erkennen. Insgesamt ist der Arbeitsmarkt weiterhin aufnahmefähig und stabil.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,8 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (4,1 Prozent), Paderborn (5,2 Prozent), Minden-Lübbecke (5,2 Prozent), Herford (5,4 Prozent), Lippe (5,5 Prozent) und der Stadt Bielefeld (8,0 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent (Vormonat 5,1 Prozent, Vorjahr 5,7 Prozent).