30.09.2022 | Presseinfo Nr. 105

Kreis Paderborn Der Arbeitsmarkt im September 2022

Die Entwicklung des Arbeitslosenbestandes im Kreis Paderborn

„Der Arbeitsmarkt im Kreis Paderborn zeigt sich nach wie vor robust und widerstandfähig“, sagt Heinz Thiele, Leiter der Agentur für Arbeit Paderborn. „Die Zahl der Arbeitslosen ist im September um 65 Personen gegenüber dem Vormonat leicht gesunken und liegt auch vor dem Hintergrund der Aufnahme geflüchteter Menschen aus der Ukraine in die Statistik mit 8.990 Arbeitslosen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Welche Auswirkungen und Folgen die Krisen, die derzeit das Weltgeschehen bestimmen, in den nächsten Wochen und Monaten für den regionalen Arbeitsmarkt bedeuten, lässt sich allerdings nicht vorhersehen. Die Herausforderung der demographischen Entwicklung und dem damit verbundenen Arbeitskräftebedarf lassen aber vermuten, dass trotz der negativen Wirtschaftsprognosen die Effekte auf dem Arbeitsmarkt eher gering sein werden, da die Unternehmen versuchen ihr Personal zu halten und die Stellenangebote auf hohem Niveau verbleiben. Bei Bedarf werden wir auch das Instrument der Kurzarbeit offensiv einsetzen, um möglichst viele um Arbeitsplätze zu sichern“, so Heinz Thiele.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Paderborn im September 2022 gesunken. Insgesamt waren 8.990 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonats sind dies 65 Personen oder 0,7 Prozent weniger. Im Vergleich zum September des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 623 Personen bzw. 7,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im September 2022 5,1 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 4,8 Prozent (plus 0,3 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 2.480 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat verringert um 84 Personen bzw. 3,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um 121 Personen oder 4,7 Prozent.
 

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 19 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 744 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 0,3 Prozent zum Vormonat bzw. plus 12,9 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 6.510 Personen und damit 72,4 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.
 

Jugendarbeitslosigkeit

826 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Paderborn unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 26 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 64 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 3,3 Prozent zum vorherigen Monat bzw. plus 8,4 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gesunken (minus 21 Personen oder minus 0,6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 129 Arbeitslose mehr (4,1 Prozent). Insgesamt sind 3.311 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Paderborn betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Paderborn im Berichtsmonat gesunken. 3.174 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 90,8 Prozent (2.881 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonats sind dies 89 Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 501 Personen.

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 513 Stellen gemeldet (minus 46 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 3.437 offene Stellen, 237 weniger als im Vormonat und 345 mehr als im Vorjahresmonat.

DER ARBEITSMARKT IN OSTWESTFALEN-LIPPE

Nach drei Monaten steigender Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe geht diese, typisch für die Zeit nach der Sommerpause, nun wieder zurück. Aktuell sind 61.489 Personen arbeitslos gemeldet, das ist ein Minus zum Vormonat um 734 Menschen oder 1,2 Prozent. Im Vergleich zum September 2021 liegt die Arbeitslosigkeit dagegen um 1.576 Menschen oder 2,6 Prozent höher. Die Arbeitslosmeldungen im aktuellen Monat fallen mit 12.438 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat ebenso deutlich um 1.535 höher aus.

Auch im September sind weitere geflüchtete Menschen aus der Ukraine, die seit dem 1. Juni durch die Jobcenter betreut werden, dort als (erstmalig) arbeitslos erfasst worden. Dem folgend ist es nicht überraschend, dass sich die Arbeitslosigkeit der Ausländer im Monatsvergleich mit einem Plus von 0,3 Prozent (plus 70 Personen), entgegen der sinkenden Arbeitslosigkeit insgesamt, entwickelt.

Ohne den Zugang der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in die Arbeitslosigkeit wäre die Arbeitslosigkeit um etwa 900 Personen gesunken. Typisch für einen September ist in Ostwestfalen-Lippe ein deutlich stärkerer Rückgang der Arbeitslosigkeit, welcher in den letzten sieben Jahren durchschnittlich 2.570 Personen betrug. Der eher verhaltene Rückgang der Arbeitslosigkeit geht unter anderem auf das (weiterhin) vorsichtige Einstellungsverhalten der Arbeitgeber zurück. Die Abgänge in Erwerbstätigkeit fallen in einem September eigentlich höher aus und spiegeln die aktuellen Sorgen der Arbeitgeber wieder.

In Ostwestfalen-Lippe sind aktuell etwa 5.430 ukrainische Staatbürger arbeitslos gemeldet, davon über 99 Prozent im Rechtskreis SGB II. Dies sind ca. 5.300 Personen mehr als im Februar 2022, dem Berichtsmonat vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist wieder leicht zurückgegangen. Im aktuellen Berichtsmonat sind 24.591 Personen länger als ein Jahr auf Arbeitssuche. Das sind 16,7 Prozent mehr als im September 2019, aber 10,3 Prozent weniger als zum September 2021. In den Septembermonaten der Jahre 2016 bis 2019 nahm die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat durchschnittlich um 6,8 Prozent ab. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen ist aktuell mit 40,0 Prozent weiterhin hoch (2021: 45,8 Prozent, 2020: 35,5 Prozent, 2019: 35,9 Prozent, jeweils September).

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, geht aktuell weiter zurück und beträgt im Berichtsmonat 26.596 Stellen. Das ist aber immer noch ein Plus zum Vorjahresmonat um 2.186 Stellen
oder 9,0 Prozent. Das Stellenangebot bewegt sich damit immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Im September 2022 wurden 4.045 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden damit 911 Stellen oder 18,4 Prozent weniger gemeldet. Damit zeigen sich unverändert die Auswirkungen der wirtschaftlichen Unsicherheiten mit Blick auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässe. Arbeitgeber sind vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und stellen weniger Arbeitskräfte neu ein. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch zu einem großen Teil nicht zurückgezogen werden, zeigt, dass Arbeitgeber trotz aller Risiken grundsätzlich an der Einstellung passender Kräfte, vor allem auf Fachkraftebene, interessiert sind.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,9 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (4,1 Prozent), Paderborn (5,1 Prozent), Lippe (5,3 Prozent), Herford (5,3 Prozent), Minden-Lübbecke (5,5 Prozent) und der Stadt Bielefeld (7,9 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent (Vormonat 5,5 Prozent, Vorjahr 5,3 Prozent).