30.06.2022 | Presseinfo Nr. 72

Kreis Paderborn

Der Arbeitsmarkt im Juni 2022

Heinz Thiele, Leiter der Agentur für Arbeit Paderborn kommentiert die aktuellen Zahlen wie folgt:

„Der Arbeitsmarkt im Kreis Paderborn zeigt sich weiterhin stabil. Mit 8.205 Arbeitslosen liegt die Arbeitslosigkeit um 1.182 Personen oder 12,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Seit 2000 war die Arbeitslosigkeit in einem Juni noch nie so gering. Der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung und nach wie vor aufnahmefähig.

Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vormonat ist zurückzuführen auf den von der Bundesregierung beschlossene Wechsel der geflüchteten Ukrainer*innen zum 1. Juni aus dem Bereich des Asylbewerberleistungsgesetztes in die Grundsicherung gemäß SGB II.

Sollten die Geflüchteten aus der Ukraine länger bei uns bleiben wollen, stellt dies eine große Chance dar, die Herausforderung der demographischen Entwicklung und dem damit verbundenen Fachkräftebedarf besser zu bewältigen.“

Kurzarbeit

Im Juni 2022 wurden von Unternehmen aus dem Kreis Paderborn 16 neue Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In diesen Anzeigen sind 361 Personen als potenziell von Kurzarbeit betroffene Beschäftige benannt. Im Vormonat waren es 23 Anzeigen und 403 Personen.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Paderborn im Juni 2022 gestiegen. Insgesamt waren 8.205 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 320 Personen bzw. 4,1 Prozent mehr. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres sinkt die Zahl der Arbeitslosen dagegen um 1.182 Personen bzw. 12,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Juni 2022 4,7 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich noch auf 5,4 Prozent (minus 0,7 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 2.446 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht um 73 Personen bzw. 3,1 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um 663 Personen bzw. 21,3 Prozent.                   

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 247 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 519 weniger als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 4,5 Prozent zum Vormonat bzw. minus 8,3 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 5.759 Personen und damit 70,2 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.                                 

Jugendarbeitslosigkeit

708 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Paderborn unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 72 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 129 mehr arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 11,3 Prozent zum vorherigen Monat bzw. minus 15,4 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen (plus 56 Personen bzw. plus 1,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es allerdings 295 Arbeitslose weniger (minus 8,6 Prozent). Insgesamt sind 3.137 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Paderborn betroffen.                 

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Paderborn im Berichtsmonat gesunken. 3.261 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 90,3 Prozent (2.946 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 42 Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 617 Personen.                                             

Stellenangebote

Die Unternehmen aus dem Kreis Paderborn haben in diesem Monat 526 Stellen gemeldet (minus 40 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 3.624 offene Stellen, 14 weniger als im Vormonat und 1.097 mehr als im Vorjahresmonat.          

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe ist im Juni 2022 gestiegen. Aktuell sind 57.728 Personen arbeitslos gemeldet. Die Meldungen von Personen, welche im aktuellen Berichtsmonat neu arbeitslos geworden sind, fällt mit 12.065 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2.363 höher aus.

Saisonüblich wäre ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit von Mai auf Juni eines Jahres. Vor der Pandemie (2015 – 2019) betrug dieser Rückgang durchschnittlich 1,2 Prozent (2020: plus 1,5 Prozent, 2021: minus 1,4 Prozent). Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von Mai auf Juni in diesem Jahr von 3,6 Prozent ist vorrangig einer gesetzlichen Änderung zum 01.06.2022 zuzuordnen. Bislang erhielten Personen, welche aufgrund des Krieges in der Ukraine von dort geflohen sind Asylbewerberleistungen. Ab dem 01.06.2022 kann dieser Personenkreis unter bestimmten Voraussetzungen Grundsicherung von den Jobcentern erhalten. Die Beantragung der entsprechenden Leistung geht mit einer Arbeitslosmeldung bei den Jobcentern einher. Im Vergleich zum Vormonat ist der Bestand arbeitsloser Ausländer im Juni 2022 um 1.774 Personen gestiegen (plus 10,4 Prozent). Im Juni 2021 waren in Ostwestfalen-Lippe 141 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit arbeitslos gemeldet. Im aktuellen Berichtsmonat stieg die Anzahl Arbeitsloser dieses Personenkreises um 1.956 auf nun 2.097 Personen an. Davon sind ca. 97 Prozent allein bei den Jobcentern gemeldet.

Ein weiterer Grund für die saisonunübliche Zunahme der Arbeitslosigkeit im Berichtsmonat Juni 2022 ist der frühe Beginn der Sommerferien. Durch die damit verbundene Beendigung von Berufsausbildungsverhältnissen sind einige junge Menschen bereits im Juni arbeitslos geworden, bis sie in den nächsten Monaten eine neue Beschäftigung beginnen werden. Üblicherweise wäre diese Entwicklung in den Monaten Juli und August zu erwarten. In Ostwestfalen-Lippe sind im aktuellen Berichtsmonat 573 junge Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren mehr arbeitslos gemeldet als im Vormonat (plus 12Prozent).

Insgesamt entspricht der Bestand an arbeitslos gemeldeten Personen im aktuellen Berichtsmonat etwa dem Niveau des Juni 2019 (57.482).

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist während der Pandemie stark angestiegen und beträgt aktuell 24.853. Das sind 1.115 Menschen oder 4,7 Prozent mehr als im Juni 2020. Seit April letzten Jahres ist ein kontinuierliches Abschmelzen der Langzeitarbeitslosen zu beobachten. So ist die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr auf Arbeitssuche sind aktuell um 3.548 Menschen bzw. 12,5 Prozent niedriger als im Juni 2021. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen beträgt aktuell 43,1 Prozent (Juni 2021: 43,9 Prozent; Juni 2020: 32,6 Prozent) und ist im Vergleich zum Vormonat (Mai 2022: 45,0 Prozent) deutlich gesunken. Diese plötzliche Verschiebung des Anteils ist jedoch auf die schlagartige Zunahme der Arbeitslosen insgesamt wegen der Arbeitslosmeldung ukrainischer Flüchtlinge zum 01.06.2022 zurückzuführen.

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, hat ein Rekordhoch von 28.069 Stellen erreicht. Das ist eine Zunahme zum Vorjahresmonat um 6.836 Stellen oder 32,2 Prozent. Der zweithöchste Bestand im Juni in den letzten fünf Jahren betrug 21.692 im Juni 2018. Im aktuellen Berichtsmonat wurden 4.139 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Damit sind im Vergleich zum Vorjahresmonat 368 Stellen weniger gemeldet worden. Damit zeigen sich erste Auswirkungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten bezogen auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässen. Arbeitgeber zeigen sich vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und scheinen weniger Arbeitskräfte neu einzustellen, worauf der Zuwachs des Bestandes an gemeldeten Arbeitsstellen hindeutet. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch nicht zurückgezogen werden, lässt eine Hoffnung der Arbeitgeber auf baldige Verbesserung der Lage erkennen.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,4 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (3,8 Prozent), Paderborn (4,7 Prozent), Minden-Lübbecke (4,9 Prozent), Herford (5,2 Prozent), Lippe (5,2 Prozent) und der Stadt Bielefeld (7,6 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Vormonat 4,9 Prozent, Vorjahr 5,7 Prozent).