20.05.2021 | Presseinfo Nr. 26

„Man muss sich bei den Bewerbern bewerben“

Der Fachkräftemangel und der demografische Wandel ist eine große Herausforderung für Unternehmen in der heutigen Zeit. Die Corona-Krise macht die Akquise von Nachwuchskräften nicht einfacher. Und doch kann man auch in diesen Zeiten bei der Azubi-Suche erfolgreich sein.

Das Marienmünsteraner Unternehmen Hecker System Holzbau kann in diesem August trotz Corona-Pandemie sogar drei – statt der geplanten zwei Auszubildenden zum Zimmerer einstellen. Damit qualifiziert sich das Unternehmen nicht nur für eine Ausbildungsprämie im Rahmen des Bundesprogramms „Ausbildungsplätze sichern“, sondern kämpft damit auch gegen den Fachkräftemangel an. „Unser Durchschnittsalter im Betrieb würde ich auf knapp unter 40 Jahre schätzen. Einen Fachkräftemangel gibt es jetzt schon und der wird sich damit in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren nur noch verstärken. Und dem können wir am besten mit Ausbildung im eigenen Haus entgegenwirken“, berichtet Andrea Hecker, die sich im Familienbetrieb um die Akquise von Nachwuchskräften kümmert.

Doch woher rührt dieser Erfolg, wo doch andere Betriebe große Schwierigkeiten haben, ihre Stellen zu besetzen? Andrea Hecker: „Ich will hoffen, dass es an unseren Bemühungen der letzten Jahre liegt. Als erstes muss man die Ausbildungsstellen natürlich ausschreiben, insbesondere auch bei der Arbeitsagentur. Aber auch darüber hinaus haben wir bei allen Aktionen, die es in der Region gibt, mitgemacht – Boys‘ Day, Girls‘ Day, Tag der offenen Betriebstür, reguläre Schulpraktika, Azubi-Speed-Datings, die Ausbildungsmesse STEP1. Das ist immer mit Personalaufwand verbunden, aber es lohnt sich.“ Andrea Heckers Aussage bestätigt sich, wenn man sich die Ergebnisse ansieht: Einer der neuen Auszubildenden wurde von der Arbeitsagentur erfolgreich vermittelt, zwei weitere kamen über Praktika in das Unternehmen.

Ina Mischewski, Vermittlerin im gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Kreis Höxter, stimmt dem voll zu. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei auch während der Corona-Krise weiterhin hoch, so berichtet sie. Mit Stand Ende April gab es im gesamten Hochstift noch 1.467 offene Ausbildungsstellen: „Damit sind wir ungefähr auf dem Vorjahresniveau. Einen generellen Rückgang der Ausbildungsbereitschaft kann ich nicht bestätigen.“

Der Fachkräftemangel sei in den Köpfen angekommen. Doch bei der Bewerber-Akquise sei das Umdenken der Arbeitgeber noch nicht komplett abgeschlossen: „Heutzutage muss man sich um die Bewerber „bewerben“, sich als Unternehmen interessant machen. Viele Unternehmen haben das erkannt, aber bei weitem noch nicht alle. Wenn ich eine Ausbildungsstelle für unsere Jobbörse aufnehme, erzählen mir meine Ansprechpartner aus den Unternehmen oft, was sie vom Bewerber erwarten. Danach frage ich, was der Betrieb dem Bewerber bietet – denn auch das gehört heutzutage in eine Ausschreibung. Das macht manche dann doch noch stutzig.“

Andrea Hecker selbst weiß, dass die Corona-Krise starke Auswirkungen hat – und die Baubranche dabei bei weitem nicht die am stärksten betroffene Branche ist. Dennoch betont sie, wie wichtig Ausbildung ist, vor allem auf mittel- bis langfristige Sicht. „Ich kann anderen Unternehmen nur raten, sich sichtbar zu machen. Es gibt immer interessierte Jugendliche, man muss sich nur auch als Unternehmen präsentieren. Dabei sind Praktika ganz wichtig. Und ja, manchmal investiert man Zeit und Personal und am Ende geht der Jugendliche nach dem Praktikum zurück in die Schule und weiß, dass er auf keinen Fall in diesem Beruf arbeiten will. Aber auch das ist eine wertvolle Erkenntnis – für beide Seiten.“ Manchmal sehe man die Ergebnisse der eigenen Anstrengungen nicht sofort, fügt sie hinzu. „Aber die Leute sprechen, tauschen sich aus und der Betrieb bleibt in den Köpfen.“

Außerdem weiß sie, dass auch ihr im Jahr 2001 gegründeter Betrieb nicht immer so viel Erfolg bei der Azubi-Suche haben wird wie aktuell. „Aber gerade deswegen sollte man flexibel sein und – sofern die richtigen Bewerber da sind – auch mal mehr einstellen, als geplant. Das gleicht schwache Jahre dann wieder aus. Und ja, das gilt auch in schwierigen Jahren wie diesen. Langfristig wird es dem Unternehmen nur helfen.“

Nicht zuletzt können Unternehmen, die ihr Ausbildungsniveau in diesem Jahr halten oder sogar steigern können, unter bestimmten Voraussetzungen die Ausbildungsprämie ausgezahlt bekommen. Diese wurde im Vergleich zum letzten Jahr sogar verdoppelt. „Viele Arbeitgeber wissen gar nicht, dass es diese Prämie gibt, oder dass sie dafür qualifiziert wären. Das ist nicht verwunderlich, haben die meisten doch aktuell viele andere Sorgen. Wenden Sie sich deshalb gerne an uns, wir prüfen das für Sie“, verspricht Mischewski. Sie betont auch: „Jugendliche sollten sich bei der Berufsberatung melden, denn es gibt noch genügend Stellen! Die Berufsberatung steht mit uns im Arbeitgeber-Service in Kontakt. Oft können wir gemeinsam etwas Passendes finden, so wie wir auch für Frau Hecker einen Auszubildenden finden konnten.“

Unternehmen, die noch Ausbildungsstellen ausschreiben oder sich über die Ausbildungsprämie informieren möchten, können sich unter 0800 4 5555 20 oder hoexter.arbeitgeber@arbeitsagentur.de an den lokalen Arbeitgeber-Service wenden. Er gibt gerne auch Auskunft über andere Fördermöglichkeiten.

Jugendliche, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind oder weitere Perspektiven für die Zeit nach ihrem Schulabschluss suchen, können sich bei der Berufsberatung telefonisch unter 05251 120 301 oder per Mail unter Hoexter.Jugendberufsagentur@arbeitsagentur.de  melden. Gemeinsam suchen die Berater nach den individuell besten Möglichkeiten auf dem Weg in das Berufsleben.