24.02.2022 | Presseinfo Nr. 14

Mit Motivation Tiefpunkte bewältigen

Sergej Janzen findet nach langer Suche Beschäftigung bei der Weserstadtwerke-Service GmbH
 

Sergej Janzen ist 31 Jahre alt, fährt gerne E-Bike, und hat eine abgeschlossene Ausbildung zum Bürokaufmann. Er lebt aber auch mit diversen körperlichen Einschränkungen, mit denen die meisten anderen Menschen in seinem Alter nicht umgehen müssen. Umso eindrucksvoller ist sein Weg zu einer Anstellung in der freien Wirtschaft.

Der heute 31-jährige Höxteraner machte trotz besonderer gesundheitlicher Einschränkungen seinen Abschluss zum Bürokaufmann.

Dann jedoch folgt für ihn zunächst die Ernüchterung: Er schreibt etliche Bewerbungen, erhält aber nur Absagen. Fünf Jahre lang konnte er nach Abschluss der Ausbildung weder Arbeits- noch Praktikumsplatz finden. „Ich war dann irgendwann definitiv auch an einem Punkt, an dem ich ganz unten war“, erinnert er sich. Eine verständliche Reaktion. Doch der junge Mann gab trotz alledem nicht auf – und heute kann er behaupten, dass das die richtige Einstellung war: Nach der Teilnahme an der Unterstützten Beschäftigung der Agentur für Arbeit Paderborn und Praktika zur betrieblichen Erprobung ist er heute bei der Weserstadtwerke-Service GmbH als kaufmännischer Mitarbeiter eingestellt. Das Unternehmen hält in den Städten Höxter und Holzminden Wasser- und Gasleitungen instand, legt Hausanschlüsse und verkauft auch Strom, Wasser und Gas.

Andreas Nolte, Vertriebsleiter bei der Weserstadtwerke-Service GmbH, ist von seinem neuen Mitarbeiter überzeugt: „Es passt zwischen uns und im Team menschlich, er ist motiviert und trotz der für ihn besonderen Herausforderungen gut dabei. Und für mich ist es besonders wichtig: Er denkt mit, sieht Arbeit, man muss ihm nicht alles sagen. Er gehört inzwischen einfach fest zu unserem Team im Kundenbüro.“ Auch der junge Bürokaufmann selbst ist glücklich mit seiner Situation: „Ich habe hier vieles dazu gelernt, zum Beispiel die für meine Arbeit notwendigen Funktionen des Programms SAP, die ich vorher nicht kannte. Jetzt macht es mir aber sehr viel Spaß, mit dem Programm zu arbeiten.“ Es habe aber auch Herausforderungen gegeben: Der direkte Umgang mit Kunden fiel ihm zunächst schwer. „Da hatte ich wirklich Hemmungen. Aber inzwischen bin ich da sehr viel sicherer geworden.“ Das Unternehmen vermietet unter anderem auch E-Bikes. „Da Sergej ja selbst gern E-Bike fährt und sich mit den Bikes besonders gut auskennt, kann er den Kunden hier bei Fragen direkt helfen“, bestätigt Nolte.

Doch wie kamen Janzen und Nolte – Arbeitnehmer und Arbeitgeber - zusammen? Sein Erfolgsweg begann, als seine Beraterin bei der Arbeitsagentur, Elke Epping, ihm vorschlug, an der Unterstützten Beschäftigung bei IN VIA St. Lioba in Paderborn teilzunehmen. Die Beraterin im Team Berufliche Rehabilitation und Teilhabe veranlasste alles Notwendige, sodass Sergej Janzen ab Januar 2020 an der Förderung teilnehmen konnte. Sie berichtet: „Da Herr Janzen aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen öffentliche Verkehrsmittel nicht nutzen kann, übernahm die Agentur für Arbeit neben den Kosten für die Teilnahme an der Maßnahme auch eine KFZ-Förderung, die einen Zuschuss zur Anschaffung des Autos und die Finanzierung des behinderungsbedingt notwendigen Umbaus beinhaltet. So konnte seine Mobilität erhöht werden und er kann seine jetzige Arbeitsstelle besser erreichen.“

Bei der Unterstützten Beschäftigung kümmert sich Qualifizierungstrainerin Marita Mollet mit ihren Kolleginnen und Kollegen um die Teilnehmer der Fördermaßnahme – so auch um Sergej Janzen. „Unser Hauptziel ist es, die Menschen mit Behinderung unmittelbar in einem Betrieb unterzubringen, denn für uns geht es darum, diese Menschen in eine reguläre Beschäftigung zu bringen“, erläutert Mollet. Das ist auch bei Sergej Janzen der Ansatz gewesen: Es wurden seine Fähigkeiten und Stärken erarbeitet. Neben der Wiederaufnahme von logopädischen und physiotherapeutischen Behandlungen stand insbesondere die Suche nach einem Praktikumsplatz auf der Agenda. „Herr Janzen hatte viele Vorschläge, brachte sich hochmotiviert ein, nannte Unternehmen, die er aus seiner Heimatregion kannte. Geklappt hat es schließlich bei den Weserstadtwerken.“

Gesagt, getan, und Sergej Janzen konnte sein Praktikum im Holzmindener Büro beginnen und mit einer – zunächst befristeten – Anstellung erfolgreich anschließen. Andreas Nolte betont: „Mir war es wichtig, Sergej eine Chance zu geben. Natürlich war seine Einarbeitung im Team anders und langwieriger, aber er hat andere Stärken, die er ins Team einbringt. Der soziale Zusammenhalt hier im Team hat auch spürbar davon profitiert. Aus dem Haus bekomme ich ebenfalls positive Rückmeldungen.“

Der besondere Einsatz des Arbeitgebers wird neben einem Eingliederungszuschuss (EGZ) der Agentur für Arbeit durch den Integrationsfachdienst unterstützt. Der Integrationsfachdienst hilft Menschen mit einer Behinderung dabei eine für sie geeignete Beschäftigung zu finden. In diesem Rahmen können auch Arbeitgeber unter gewissen Voraussetzungen finanzielle Leistungen, finanziert vom LWL, erhalten.

Heike Pollmeier ist dort als Fachkraft auch für die Förderung von Beschäftigungen am ersten Arbeitsmarkt als Alternative zur Behinderten-Werkstatt zuständig. „Das ist auch bei Herrn Janzen und der Weserstadtwerke-Service GmbH der Fall. Über 5 Jahre kann das Unternehmen einen Zuschuss bekommen“, erklärt sie.

Für die Beraterin der Arbeitsagentur, Elke Epping, ist Janzens Geschichte ein wichtiger Mutmacher: „Viele Menschen mit Behinderung haben aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen große Sorge keinen Arbeitsplatz am allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Oft kommen weitere Hemmnisse hinzu. Dieses können zum Beispiel ein fehlender Abschluss oder fehlende Mobilität sein. Hier gilt es diese Hemmnisse perspektivisch auszugleichen.“ Geschichten wie Herrn Janzens können diesen Menschen viel Hoffnung machen, da ist sie sich sicher – zumal auch die Zusammenarbeit aller Parteien super geklappt habe, da ist man sich einig.

Sergej Janzen selbst ist sich sicher: Man darf nicht aufgeben. „Jeder ist mal an einem Tiefpunkt angekommen. Ich war da ja auch. Wichtig ist, dass man immer weitermacht, wieder aus dem Loch herauskommt. Irgendwann kommt dann meist die Chance, die das Blatt wendet – bei mir war es die Unterstützte Beschäftigung bei IN VIA St. Lioba.“

Menschen mit Behinderung, die auf eine besondere Unterstützung angewiesen sind, können sich unter Paderborn.161-Reha@arbeitsagentur.de an das Team für Berufliche Rehabilitation und Teilhabe wenden.

Arbeitgeber, die auf Personalsuche sind und eine Beratung zur Einstellung von Menschen mit Behinderung wünschen, aber auch solche, die grundsätzliche Beratung in Personalfragen benötigen, können sich an den gemeinsamen Arbeitgeber-Service vor Ort per Telefon 05251 120-261 oder E-Mail Paderborn.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de wenden.