Umschulung eröffnet neue berufliche Perspektiven

Den eigenen Traumberuf finden – das ist wohl einer der Wünsche, den viele Menschen hegen. Doch manche finden ihn nicht – oder nicht sofort. Dann ist eine berufliche Umorientierung auch im fortgeschrittenen Berufsleben sinnvoll. Tanja Volmer aus Bökendorf hat sich im letzten Jahr für diesen Weg entschieden.

23.09.2022 | Presseinfo Nr. 104

Die 50-jährige absolviert seit August 2021 eine schulische Umschulung zur Erzieherin am Berufskolleg Kreis Höxter am Standort Brakel. Gefördert wird die Ausbildung durch die Agentur für Arbeit. „Die schulische Umschulung zur Erzieherin ist, anders als betriebliche Einzelumschulungen, nicht auf zwei Jahre verkürzt. Sie wird zudem durch die Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes während der zweijährigen Schulzeit gefördert, um den Umschülern eine finanzielle Grundlage zu geben. Das dritte Jahr der Umschulung ist durch das Gehalt während des Berufspraktikums finanziell abgesichert“, erläutert Bettina Struk-Evertz, Arbeitsvermittlerin in der Agentur für Arbeit Höxter. Sie begleitete Tanja Volmer auf dem Weg in die Umschulung.

Tanja Volmer selbst hat bereits zwei Ausbildungen hinter sich, sich Anfang 50 aber noch einmal neu gefunden: „Bevor ich die Umschulung begonnen habe, habe ich sieben Jahre lang in einer Flüchtlingsunterkunft gearbeitet. Da habe ich gemerkt, dass ich mich in sozialen Berufen wohlfühle. Ich habe mich dann bei der Agentur für Arbeit gemeldet und mich nach Umschulungsmöglichkeiten erkundigt, denn natürlich kann man sich nicht sicher sein, wie lange es derartige Flüchtlingsunterkünfte noch gibt oder braucht. Ich wollte mir eine Perspektive schaffen.“

Dass jemand auf sie zukommt und direkt nach einer Umschulung fragt ist eher ungewöhnlich, weiß Struk-Evertz: „Die meisten unserer Kunden kommen nach einem Arbeitsplatzverlust auf uns zu und wollen möglichst schnell eine neue Stelle finden. Wenn berufliche Qualifikationen fehlen, veraltet sind oder aktuell am Arbeitsmarkt nicht nachgefragt werden, kann der Weg aus der beruflichen Sackgasse über eine Umschulung oder Qualifizierung führen.  Oft muss man den von einem Jobverlust betroffenen Menschen unser Förderangebot erst nahebringen, aber die meisten, die sich für eine Umschulung oder Weiterbildung entschieden haben, bereuen es am Ende nicht.“ Eine Einzelumschulung könne für all jene gefördert werden, die keinen Berufsabschluss haben oder aber zuvor mindestens vier Jahre in einer berufsfremden oder ungelernten Tätigkeit gearbeitet haben. Die meisten Umschulungen finden betrieblich oder auch überbetrieblich statt und werden in der Regel um ein Drittel der regulären Ausbildungszeit verkürzt.

Inhaltlich öffnet die Umschulung viele Türen und Tore, wie Martina Lübbemeier-Tillmann, die Leiterin der Fachschule für Sozialpädagogik am Berufskolleg Kreis Höxter, Standort Brakel, weiß: „Tanja Volmer absolviert eine konsekutive Ausbildung, das heißt, sie lernt erst bei uns und geht dann im Anschluss in das Berufspraktikum. Die späteren Einsatzfelder sind vielfältig: Ob Kindertageseinrichtung, Offene Ganztagsschule, Jugendzentren, die stationäre Jugendarbeit oder die Arbeit mit jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf.“ Wichtig ist aber auch, was die angehenden Erzieher und Erzieherinnen mitbringen: Der mittlere Bildungsabschluss (Fachoberschulreife) ist Grundvoraussetzung. Zusätzlich benötigt man noch weitere Qualifikationen, beispielsweise eine abgeschlossene Ausbildung oder die Fachoberschulreife im Bereich Gesundheit und Soziales, hinzu kommt oft ein sechswöchiges Praktikum im sozialen Bereich, um zur Ausbildung zugelassen zu werden. „Die Voraussetzungen sind komplex, bieten aber auch viele Möglichkeiten. Hier muss man jeden Lebenslauf individuell betrachten.“

Tanja Volmer ist eine von 49 Auszubildenden, die in ihrem Jahrgang am Berufskolleg Kreis Höxter in Brakel in die Ausbildung zur Erzieherin gestartet sind. Sie ist die älteste in der Klasse, sieht das aber als Bereicherung: „Der Klassenzusammenhalt ist groß und durch das unterschiedliche Alter erfährt man unterschiedliche Perspektiven auf manche Situationen. Das ist für mich bereichernd, und ich hoffe und denke, meine Klassenkameraden sehen das genauso.“ Aber man sollte so eine Umschulung auch nicht auf die leichte Schulter nehmen: „Ich musste das Lernen auch erst wieder lernen. Das war nicht so einfach. Aber das kommt mit der Zeit auch wieder. Wichtig ist vor allem die Motivation.“


Selbst sieht sie sich nach dem Abschluss der Umschulung weniger im Kinder- und eher im Bereich der Jugendarbeit. Genau entscheiden wird sich das aber erst mit Abschluss ihrer nächsten Praktikumsphase im November. Diese Phasen finden in den beiden theoretischen Jahren statt: „Das erste Praktikum ist in einer Kindertageseinrichtung. Das zweite Praktikum, was jetzt auch bei Frau Volmer ansteht, wird in einem anderen Arbeitsfeld, zum Beispiel im offenen Ganztag, oder der offenen Jugendarbeit, absolviert. Aber auch bewerben muss sich jeder selbst. Das dient zur beruflichen Orientierung, aber auch zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt“, berichtet Lübbemeier-Tillmann. Im Anschluss folgt das Berufspraktikum – ein Erfolgskonzept. „Viele unserer ehemaligen Auszubildenden werden nach dem Berufspraktikum direkt von den Betrieben in eine feste Anstellung übernommen“, so die Leiterin der Fachschule.

Tanja Volmer selbst ist glücklich über ihre Entscheidung und freut sich auf ihre weitere Ausbildung, ihren Abschluss und ihren anschließenden Berufsweg. Auf die Frage hin, was sie anderen raten würde, die beruflich neue Wege einschlagen wollen: „Nicht zögern! Man sollte in sich hineinhorchen, ehrlich mit sich sein: Was willst du wirklich, was erfüllt dich? Und danach sollte man entscheiden. Der erste Ausbildungsweg ist nicht immer der Richtige.“

Bei Interesse an einer Erzieher-Ausbildung beim Berufskolleg Kreis Höxter am Standort Brakel finden sich unter www.bkhx.de eine Vielzahl an Informationen zu Zugangsvoraussetzungen, Lehrinhalten und vielem mehr. Bei Fragen kann man sich auch unter luebbemeier-tillmann@bkhx.de oder 05272 3725-0 direkt an das Berufskolleg wenden.

Menschen, die Interesse an einer Umschulung haben, können sich online oder persönlich an Ihre Agentur für Arbeit in Höxter oder Warburg wenden. Auch eine Beratungsmöglichkeit durch die Berufsberatung im Erwerbsleben ist gegeben.

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