18.11.2020 | Presseinfo Nr. 80

Unternehmen sollten bis ans andere Ende der aufgespannten Brücke gehen

Um sich über die regionale Umsetzung von Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft in der zweiten Welle der Covid-19-Pandemie auszutauschen, haben sich die Leitungen der Arbeitsagenturen OWL am Dienstag mit Spitzenvertretern der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld getroffen.

Aus der zweiten Welle der Pandemie und den vorübergehend beschlossenen Infektionsschutzmaßnahmen erwachsen für Unternehmen und Beschäftigte in Industrie und Handel große Unsicherheiten. Es steht zu erwarten, dass die Pandemie und die erlassenen Beschränkungen die Konjunktur im Winter dämpfen werden. Um sich zur regionalen Umsetzung von Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft zu beraten, sind die Leitungen der Arbeitsagenturen OWL am Dienstag mit Spitzenvertretern der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) zusammengekommen. „Wer Kurzarbeitergeld beantragt, kann weiter mit einer schnellen und zuverlässigen Bearbeitung rechnen. Unternehmen in Industrie und Handel ist unsere Unterstützung sicher“, sagte der Leiter der Bielefelder Arbeitsagentur, Thomas Richter, für die Vorsitzenden der Geschäftsführungen der Arbeitsagenturen OWL. Es habe weiterhin neben dem Gesundheitsschutz der Kunden und Mitarbeiter oberste Priorität, die Beschäftigtenverhältnisse der Menschen zu sichern und Unternehmen in Ostwestfalen zu stabilisieren.

„Der Teillockdown ist eine harte Einschränkung, die die ostwestfälische Wirtschaft vor große Herausforderungen stellt. Die Unterstützungspakete der Politik helfen zumindest dabei, die Situation etwas abzufedern“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke.

Außer dem Leiter der Arbeitsagentur Bielefeld, Thomas Richter, nahmen Frauke Schwietert, Leiterin der Agentur für Arbeit Herford, und Heinz Thiele, Leiter der Arbeitsagentur Paderborn, an der über Videokommunikation durchgeführten Besprechung teil. Für die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld war neben der Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke auch der IHK-Geschäftsführer für die Bereiche Industrie, Öffentlichkeitsarbeit und Volkswirtschaft, Dr. Christoph von der Heiden, vertreten.

Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation bewerteten die Teilnehmer als fordernd.

„Die Ergebnisse unserer Herbstkonjunkturumfrage haben gezeigt, dass sich die Unternehmen nach dem dramatischen Einbruch im ersten Lockdown wieder etwas erholt haben. Allerdings befürchten wir, dass die zweite Welle einige Branchen sehr stark treffen wird, wie beispielsweise die Gastronomie und davon abhängige Branchen“, schätzte Pigerl-Radtke die aktuelle Lage ein.

„Viele Unternehmen spüren die Folgen der zweiten Pandemie-Welle deutlich. Doch erweist sich die in hohem Maße diversifizierte Wirtschaft Ostwestfalens insgesamt erwartungsgemäß als widerstandsfähig“, sagte Thomas Richter für die Vorsitzenden der Geschäftsführungen der Arbeitsagenturen OWL. Die Unternehmen hätten in der Krise bisher ganz überwiegend besonnen reagiert. „Es bleibt richtig und von unverminderter Wichtigkeit, dass Unternehmen das Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen und folgerichtig bis ans andere Ende der aufgespannten Brücke gehen. Wir erwarten für das Gesamtjahr 2021 eine wirtschaftliche Erholung“, sagte Richter.

Die Teilnehmer des Treffens beabsichtigen, die gute Zusammenarbeit der vergangenen Jahre zwischen den Arbeitsagenturen OWL und der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld angesichts der großen Herausforderungen in der zweiten Welle der Pandemie auszubauen und den fruchtbaren Dialog zu vertiefen. Um die Corona-Krise mit den Unternehmen gemeinsam gut zu bewältigen und für die Zeit nach der Pandemie wichtige Weichen zu stellen, bedürfe es auf allen Ebenen eines guten Informationsaustauschs.

Gemeinsame Bemühungen werden die Arbeitsagenturen OWL und die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld auf den Ausbildungsmarkt richten. „Wer junge Fachkräfte in der Corona-Krise ausbildet, übernimmt nicht nur gesellschaftliche Verantwortung, sondern handelt auch wirtschaftlich“, sagte Thomas Richter: „Entscheider in Industrie und Handel sollten bedenken: Durch die Ausbildung gewinnen sie Mitarbeiter, die sich in einer zunehmend digitalen und elektrifizierten Wirtschaft gut zurechtfinden. In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels werden ihre Unternehmen im Wettbewerb besser bestehen können.“

Wie in allen Wirtschaftsbereichen, ist auch in Industrie und Handel die Zahl der Ausbildungsstellen und Bewerber im Ausbildungsjahr 2019/2020 zurückgegangen. Insbesondere als Folge der Pandemie, aber auch durch Effekte aufgrund der Demografie. Momentan läuft noch für das Ausbildungsjahr das sogenannte „fünfte Quartal“. Dieses geht noch bis Ende Januar 2021. „Die Betriebe können Jugendliche nach wie vor einstellen – und junge Menschen haben gute Chancen, noch fürs Ausbildungsjahr 2020 ihren Einstieg in ihren Beruf zu finden“, unterstrich Pigerl-Radtke.

Für die betriebliche Weiterbildung stehen den Unternehmen in Industrie und Handel zudem Förderleistungen zur Verfügung: Die Übernahme von Lehrgangskosten und Arbeitsentgeltzuschüssen durch die Arbeitsagenturen ist möglich. Auch können Arbeitgeber für ihre Personalplanung im Arbeitgeber-Service Beratungsdienstleistungen anfragen.

Langfristige Herausforderungen für den regionalen Arbeitsmarkt und den Ausbildungsmarkt in OWL sehen die Leitungen der Arbeitsagenturen und die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld im demographischen und strukturellen Wandel. Neue Ansätze für die lebenslange Beratung und Vermittlung von Frauen und Männern im beschäftigungsfähigen Alter, sowie Fördermöglichkeiten für eine berufliche Weiterbildung, die etwa auch individuelleren Erwerbsbiographien Rechnung trägt, werden daher eingeführt. „Das sind entscheidende Stellschrauben für einen funktionierenden regionalen Arbeitsmarkt und Ausbildungsmarkt in Zukunft“, sagte Thomas Richter für die Vorsitzenden der Geschäftsführungen der Arbeitsagenturen OWL.