21.05.2021 | Presseinfo Nr. 27

Ausbildung ist das beste Mittel gegen den Fachkräftemangel

Die Corona-Krise ist ein akutes Problem für die Wirtschaft. Ein mittel- bis langfristiges Problem ist der Fachkräftemangel. Diesen darf man trotz der Krise aber nicht aus den Augen verlieren. Eine Ausbildung hat viele Vorteile – für Betriebe und Auszubildende. 

Das weiß auch Dietmar Papenkordt, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens poe aus Büren. Sein Unternehmen entwickelt und vertreibt seit 1997 kaufmännische Softwarelösungen für den Handel und ist einer der IT-Ausbilder im Kreis Paderborn. Nach mehr als zwanzig Jahren Selbstständigkeit blickt er auf viel Erfahrung zurück und kann feststellen: „Das, was wir für die Zukunft brauchen, sind top motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Die Ausbildung im eigenen Haus ist da die größte Chance, gutes Personal zu entwickeln. Wer während der Krise die Ausbildung für den eigenen Betrieb aus den Augen verliert, der denkt zu kurz.“ Die Corona-Pandemie sei eine Situation, mit der man umgehen müsse und Ausbildung nach wie vor wichtig, um für die Zeit danach gut aufgestellt zu sein.

Kadir Yilmaz (Name geändert) und Justin Dolecki sind zwei seiner aktuellen Auszubildenden, die er 2020 während der Corona-Krise eingestellt hat. Justin Dolecki ist einer der ersten Auszubildenden zum Fachinformatiker für Daten- und Prozessanalyse in Ostwestfalen – einem neuen Ausbildungsberuf. „Ich habe mich schon früh für Computer und IT interessiert und mein Abitur auch mit dem Schwerpunkt Technische Informatik gemacht. Mir gefällt insbesondere die Abwechslung, denn man wird mit verschiedenen Kundenwünschen konfrontiert und muss unterschiedliche Probleme lösen. Diese „Rätselarbeit“ macht mir Spaß.“

Kadir Yilmaz musste vor einigen Jahren aus seiner Heimat flüchten und in Deutschland einen neuen Anfang wagen – als Auszubildender zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Er hat ein abgeschlossenes Physik-Studium, welches ihm auch in Deutschland auf Bachelor-Niveau anerkannt wurde. Er sieht die Schnittstellen zum Bereich IT: „Mathematische, technische, multimediale Bereiche, das ist auch in der Physik mein Fachgebiet. Die Herausforderung, sich in die IT einzuarbeiten, nehme ich gerne an. Es ist auch eine Branche mit Zukunft, das war mir wichtig.“ Er möchte möglichst bald seine Familie aus der Heimat zu sich holen. Er weiß: „Dafür brauche ich einen sicheren Arbeitsplatz.“

Kadir Yilmaz ist nicht der einzige geflüchtete Mensch, den Dietmar Papenkordt in sein Team aufgenommen hat. Zwei weitere haben ihre Ausbildung bereits erfolgreich absolviert und arbeiten weiterhin im Betrieb. „Nationalität oder ähnliche Aspekte spielen keine Rolle. Das sollten sie auch nicht. Für uns ist wichtig, dass Motivation da ist und jemand in unser Team passt. Deshalb ist ein Praktikum vor Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags bei uns auch Pflicht“, so Papenkordt.

Natürlich gibt es aber auch Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Insbesondere im Hinblick auf den Fachkräftemangel: „Gerade im Bereich Software-Entwicklung haben wir schon seit Jahren einen starken Fachkräftemangel und konnten dem nur mit der eigenen Ausbildung entgegenwirken. Hinzu kommt: Unser Unternehmensstandort befindet sich in Büren. Es ist zwar eine schöne Kleinstadt mit tollen Angeboten und vielfältigen Möglichkeiten, leider aber keine Großstadt oder ein IT-Hotspot. Aber wir haben sehr namhafte Kunden aus ganz Europa in unserem Portfolio und sehr interessante Aufgaben. Trotzdem bekommen wir aktuell deutlich weniger Bewerbungen als noch vor einigen Jahren - etwa ein Drittel von dem, was üblich war. Corona macht die Situation sicherlich nicht einfacher.“ Herr Papenkordt gibt gerne auch Studienabbrechern eine zweite Chance. Auch in diesem Bereich hat sich die Anzahl der Bewerbungen, auch aufgrund der Ausnahmesituation in den Universitäten, ebenfalls deutlich verringert.

Dass die Ausbildungssuche momentan für Jugendliche nicht einfach ist, können auch Justin Dolecki und Kadir Yilmaz verstehen. Dennoch raten sie dazu, nicht aufzugeben. „Es lohnt sich nicht, die Zeit, die man jetzt sowieso zuhause ist, einfach „abzusitzen“. Im Lebenslauf ist eine Lücke mit der Begründung „Corona-Pandemie“ keine gute Ausrede. Man sollte die Zeit lieber für Bewerbungen nutzen, damit man am Ende trotzdem etwas erreicht hat.“ Kadir Yilmaz zitiert den Leitsatz des Unternehmens: „Stop wishing, start doing. Im Leben stößt man immer wieder auf schwere Zeiten. Menschen können dabei ihre Hoffnung verlieren. Aber wir müssen unsere Träume im Blick behalten und sie weiterverfolgen.“

Auf Arbeitgeberseite ist die Situation sehr unterschiedlich, weiß Vanessa Rohde vom gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters im Kreis Paderborn. Sie betreut poe und hat auch bei der Vermittlung von Kadir Yilmaz tatkräftig unterstützt. „Manche Unternehmen haben schon seit Monaten Ausbildungsstellen ausgeschrieben und fragen sich, wo die Bewerbungen bleiben, andere fangen gerade erst an. Offene Ausbildungsplätze gibt es deshalb noch immer einige. Stand Ende April zuletzt 1.500 freie im Hochstift.“

Nicht zuletzt können Betriebe unter bestimmten Bedingungen bei Erhöhung oder dem Halten des Ausbildungsniveaus trotz der Pandemie-Auswirkungen eine Ausbildungsprämie beantragen. Durch sein Engagement für die Ausbildung hat das auch Herr Papenkordt geschafft, er konnte sich die „Ausbildungsprämie plus“ sichern. „Im neuen Jahr sind die Bedingungen noch einmal angepasst worden und auch die Prämienhöhe hat sich verdoppelt.“, weiß die Expertin vom Arbeitgeber-Service. Gemeinsam mit ihren Kollegen und Kolleginnen im Team bietet sie Arbeitgebern umfangreiche Beratung zu den Ausbildungsprämien, aber auch zu anderen Fördermöglichkeiten an.

Auch Dietmar Papenkordt hat für sein Unternehmen wieder Ausbildungsstellen im Bereich Informatik für einen Start im August 2021 zu vergeben. „Bewerbungen sind immer willkommen. Wie erwähnt gerne auch Studienabbrecher“, betont er.

Jugendliche, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind oder weitere Perspektiven für die Zeit nach ihrem Schulabschluss suchen, können sich bei der Berufsberatung telefonisch unter 05251 120 301 oder per Mail unter Paderborn.151-Berufsberatung-vor-dem-Erwerbsleben@arbeitsagentur.de melden. Gemeinsam suchen die Berater nach den individuell besten Möglichkeiten auf dem Weg in das Berufsleben.

Unternehmen, die noch Ausbildungsstellen ausschreiben möchten, können sich unter 0800 4 5555 20 oder paderborn.arbeitgeber@arbeitsagentur.de an den lokalen Arbeitgeber-Service wenden. Er gibt gerne auch Auskunft über die Ausbildungsprämien und berät zu weiteren Fördermöglichkeiten bei der Mitarbeitersuche und -entwicklung.