01.09.2020 | Presseinfo Nr. 45

Der Arbeitsmarkt im August 2020

Corona-Krise und Sommerpause wirken auf den Arbeitsmarkt
- leichter Anstieg der Arbeitslosenquote auf 5,1 Prozent
- über eintausend Arbeitslose mehr als im letzten August
- Arbeitskräftenachfrage auf niedrigen Niveau
 
 

I. Überblick

Im August ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge leicht angestiegen. Zuletzt waren in der Region 6.491 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 161 Personen mehr als im Juli. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,0 auf 5,1 Prozent. Vor einem Jahr gab es im Arbeitsagenturbezirk Pirna 1.076 Arbeitslose weniger bei einer Quote von 4,2 Prozent.

Die Entwicklung fiel damit in diesem Jahr schlechter aus als im Vorjahr, was insbesondere auf die Auswirkungen der Corona-Krise aber auch die Lage der Ferien und damit verbundenen Sommerpause zurückzuführen ist. So meldeten sich zahlreiche Jugendliche im August arbeitslos und vergleichsweise wenig Arbeitslose nahmen eine neue Arbeit auf. Ausbildungen und Qualifizierungen starten zumeist im September.

Zudem bewegte sich die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften im August weiter auf einem niedrigen Niveau. Der Stellenbestand stabilisierte sich, erreichte aber nicht den Stand des Vorjahres.

„Im Berichtsmonat August waren sowohl Corona als auch die Ferienpause weiterhin auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Die Zahl Jugendlicher, die sich nach ihrer Schulzeit oder Ausbildung arbeitslos meldeten, lag deutlich höher als im vergangenen Jahr. Zudem fanden Beschäftigungsaufnahmen und Einstiege in Qualifizierungen sowie Ausbildungsbeginne eher zögerlich statt, so dass auch weniger Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten“, informiert die Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit Pirna, Dana Vogt, zur aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

„Wir hoffen, dass viele der Jugendlichen nach der Sommerpause ihren Weg aus der Arbeitslosigkeit in die erste Beschäftigung finden bzw. mit der Ausbildung oder dem Studium planmäßig starten können. Wir unterstützen dabei mit ganzer Kraft und bieten auch Hilfen an“, erklärt die Vizechefin der Pirnaer Arbeitsagentur und ergänzt abschließend: „Kurzarbeit konnte bisher das Gröbste in der Corona-Krise abwenden. Für den Spitzenmonat April liegen nun erste Erkenntnisse vor, dass mit diesem Instrument mehr als 14.000 Arbeitsplätze im Landkreis gesichert werden konnten.“

II. Kurzarbeit

Die Entwicklung der Anzeigen für Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Im Wesentlichen erfolgten die Anzeigen im März und April 2020. Danach kamen kaum neue Anzeigen hinzu.

Hintergrund: Die Anzeigen auf Kurzarbeit und die darin enthaltenen Personen bilden eine Obergrenze ab. Der tatsächliche Umfang der Kurzarbeit fällt geringer aus.
Kurzarbeit muss durch die Unternehmen zuerst angezeigt werden. Nach der Bewilligung der Anzeige können die Unternehmer das bereits vorfinanzierte und an die Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit beantragen. Erst mit dem monatlich nachträglich gestellten Antrag sind der konkrete Umfang des Arbeitsausfalls und die davon betroffenen Beschäftigten ersichtlich.

Hochrechnungen zufolge waren im April 2020 2.012 Betriebe mit 14.529 Personen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge tatsächlich in Kurzarbeit.

III. Arbeitslosigkeit

Bewegung am Arbeitsmarkt

Im aktuellen Berichtsmonat war die Zahl der Zugänge in Arbeitslosigkeit höher wie die Zahl der Abgänge aus der Arbeitslosigkeit.

Im August meldeten sich 1.252 Frauen und Männer im Landkreis neu oder erneut arbeitslos. Das waren 295 mehr als im Vormonat und 181 weniger als im August 2019. Insgesamt 462 Personen meldeten sich nach einer Erwerbstätigkeit arbeitslos, das waren 66 mehr als im Vormonat und 16 mehr als vor einem Jahr. 467 Personen meldeten sich nach einer Ausbildung oder Qualifizierung arbeitslos. Im Vorjahr waren das 503 Frauen und Männer.

1.087 gemeldete Personen konnten im August die Arbeitslosigkeit beenden, 60 mehr als im Juli aber 299 weniger als im August 2019. 441 Frauen und Männer nahmen im aktuellen Monat eine Erwerbstätigkeit auf, 27 weniger als im Vormonat und 8 mehr als vor einem Jahr. 282 Personen begannen eine Qualifizierung oder Ausbildung, 129 weniger als im August des vergangenen Jahres.

Langzeitarbeitslose

Innerhalb des letzten Monats stieg erneut die Zahl der Arbeitslosen, die länger als ein Jahr ohne Job sind, um 47 Personen. Insgesamt waren im August 2.043 Bürgerinnen und Bürger im Landkreis von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.

Der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr lag bei plus 153 bzw. plus 8,1 Prozent.

Jugendliche

Jugendliche unter 25 Jahre sind von den aktuellen Entwicklungen stärker betroffen. Im August stieg die Zahl arbeitsloser Jugendlicher weiter. Zuletzt waren 667 junge Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 96 mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Jugendarbeitslosigkeit um 178 Personen bzw. 36,4 Prozent höher.

Ältere

Die Zahl der älteren Arbeitslosen ist im August um 14 gestiegen. Aktuell waren 2.668 über 50-Jährige arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl der Menschen ohne Job in dieser Altersgruppe um 369 höher.

IV. Grundsicherung

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im August war erneut im Rechtskreis der Versichertengemeinschaft (SGB III) stärker ausgeprägt als im Bereich der Grundsicherung.

Die Arbeitsagentur Pirna registrierte zuletzt 2.924 Arbeitslose und damit 138 mehr als im Juli sowie 946 mehr als vor einem Jahr.

3.567 arbeitslose Menschen gehörten zum Rechtskreis SGB II und wurden vom Jobcenter Sächsische Schweiz-Osterzgebirge betreut. Die Zahl stieg innerhalb des letzten Monats um 23 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 130 SGB II-Arbeitslose mehr gezählt.

Die Zahl der Menschen, die Leistungen der Grundsicherung erhalten, ist innerhalb der letzten Monate wieder rückläufig – aktuell 8.443 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vorjahr beziehen ebenfalls deutlich weniger Menschen Leistungen der Grundsicherung (minus 511).

V. Blick auf die Geschäftsstellen

In den Geschäftsstellen der Pirnaer Arbeitsagentur entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im August etwas unterschiedlich. So wurde in den Regionen Freital und Dippoldiswalde ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 0,2 Prozentpunkte verzeichnet und in Pirna um 0,1 Prozentpunkte, wohingegen die Quote in Sebnitz leicht sank (minus 0,1 Prozentpunkte).

Die höchste Arbeitslosenquote gab es mit 5,6 Prozent in Pirna. In Freital und Sebnitz lag sie auf gleicher Höhe bei jeweils 5,0 Prozent. Nach wie vor ist die Arbeitslosigkeit im Geschäftsbereich Dippoldiswalde am niedrigsten bei einer aktuellen Quote von 4,0 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr gab es in alle Regionen deutlich mehr Arbeitslose.

VI. Stellenangebote

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften lag den zweiten Monat infolge auf einem sehr niedrigen Niveau. Arbeitgeber aus dem Landkreis meldeten im August insgesamt 337 neue Stellenangebote, 42 weniger als im Juli. Vor einem Jahr wurden 475 neue Arbeitsstellen im August registriert.

Neue Arbeitskräftebedarfe gab es insbesondere in der Zeitarbeit, im Verarbeitenden Gewerbe und im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in den Bereichen Handel/Kfz, Verwaltung und Gastgewerbe.

Insgesamt waren 1.805 freie Arbeitsstellen aus der Region beim Arbeitgeber-Service registriert. Im Vergleich zum August 2019 gab es damit 142 Stellen weniger im Bestand.

VII. Beschäftigung

Im Dezember 2019* waren im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 80.273 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Mit einem Zuwachs von 534 Personen bzw. 0,7 Prozent ist die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr wieder gestiegen, wobei der Anstieg weniger kräftig ausfiel (Vorquartalsanstieg plus 1,7 Prozent).

Das Beschäftigungswachstum entfiel nahezu vollständig auf die Gruppe der Männer (plus 520), denn es gab lediglich 14 weibliche Beschäftigte mehr.

Insbesondere wuchs die Zahl der Beschäftigten bei Jüngeren unter 25 Jahre (plus 300) und bei Älteren über 55 Jahre (848) überdurchschnittlich.

Zuletzt waren weniger Menschen in Vollzeit beschäftigt (minus 123), jedoch stieg dafür die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 657.

Den kräftigsten Beschäftigungsaufbau gab es im Bereich Lager und Verkehr, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Öffentlichen Verwaltung. Im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen wurden erneut überdurchschnittliche Beschäftigungsverluste registriert.

VIII. Ausbildungsmarkt

Seit Beginn des Ausbildungsjahres haben sich 1.247 Ausbildungsplatzbewerber bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur Pirna gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Bewerber für Berufsausbildungsstellen lag damit niedriger als im letzten Jahr (minus 50).

Von regionalen Unternehmen wurden 971 betriebliche Berufsausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur Pirna gemeldet (minus 89 im Vergleich zum Vorjahr).

303 Ausbildungsangebote davon waren im August noch unbesetzt.

Die meisten noch freien Ausbildungsstellen im Landkreis gibt es in den Berufen:

  1. Zerspanungsmechaniker/in (19 Stellen)
  2. Kaufmann/-frau im Einzelhandel (15 Stellen)
  3. Elektroniker/in (12 Stellen)
  4. Koch/Köchin (10 Stellen)

Auch für die Ausbildungsberufe Werkzeugmechaniker/in, Kfz-Mechatroniker/in, Bäckereiverkäufer/in, Metallbauer/in, Industriemechaniker/in und Verfahrensmechaniker/in Kunststoff gibt es noch mehrere freie Lehrstellen in der Region sowie in weiteren anderen anerkannten Ausbildungsberufen.

Ein Überblick über gemeldete freie regionale Lehrstellen wird regelmäßig im Internet veröffentlicht: www.arbeitsagentur.de/pirna >> Ausbildung und Studium >> Ausbildungsangebote im Landkreis