29.10.2020 | Presseinfo Nr. 47

Der Arbeitsmarkt im Oktober 2020

- Arbeitslosigkeit weiter leicht gesunken
- mehr Arbeitslose als im Oktober 2019
- weniger neue Arbeitskräfte gesucht

I. Überblick

Die Arbeitslosigkeit im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist im Oktober erneut zurückgegangen. In der Region waren insgesamt 6.067 Menschen arbeitslos gemeldet. Somit sank im Vergleich zum September die Zahl der Arbeitslosen um 165 und die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte zurück.

Wenn auch das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht werden konnte, hat sich jedoch der Abstand zum Vorjahr weiter verringert. Vor einem Jahr gab es im „goldenen Oktober 2019" lediglich 5.141 Arbeitslose bei einer Spitzenquote von glatten 4 Prozent, der bisher niedrigsten Arbeitslosigkeit im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

In diesem Oktober ging insbesondere auch die Zahl arbeitsloser Jugendlicher zurück, wie auch üblich zu dieser Zeit. Somit konnten junge Menschen im Wesentlichen auch in diesem Jahr in einer Ausbildung oder als Berufsanfänger ihren Platz finden.

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften hat jedoch weiter nachgelassen, wobei der Bestand freier Arbeitsstellen auf dem Stand Oktober 2019 liegt.

„Vor einem Jahr verkündeten wir Rekordwerte vom lokalen Arbeitsmarkt – erstmalig mit glatten vier Prozent Arbeitslosenquote. Davon sind wir ein ganzes Stück entfernt. Der Arbeitsmarkt konnte sich bis zum aktuellen Berichtsmonat zwar wieder stabilisieren, wobei die Auswirkungen der Corona-Pandemie Spuren hinterlassen haben. Vor allem die Kurzarbeit konnte im Wesentlichen einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit abfedern", informiert die Arbeitsagenturchefin, Gerlinde Hildebrand, zur aktuellen Arbeitsmarktentwicklung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und ergänzt: „Betriebe können sich weiterhin auf dieses Instrument verlassen und sollten Kurzarbeitergeld nutzen, um auch während der nächsten herausfordernden Monate ihre Beschäftigten im Unternehmen zu halten."

„Erfreulicherweise ging im letzten Monat insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit wieder zurück. Somit war auch in diesem Jahr die Arbeitslosigkeit vieler Jugendlicher meist von vorübergehender Natur und sie fanden in den letzten Monaten eine Ausbildung oder starteten als Berufsanfänger", erklärt die Vorsitzende der Geschäftsführung weiter.

II. Kurzarbeit

Der Kurzarbeit kommt seit Beginn der Corona-Pandemie bei der Arbeitsmarktb-trachtung eine große Bedeutung zu. Mit Beginn der ersten Corona-Welle erfolgten in den Frühjahrsmonaten Anzeigen auf Kurzarbeit in nie dagewesener Größenordnung. Danach kamen nur bedingt neue hinzu (Kurzarbeitergeld in der Region).

Im April 2020 wurde in einem von drei regionalen Betrieben kurzgearbeitet. Tatsächlich von Kurzarbeit betroffen waren aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft somit etwas mehr als 19 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Demzufolge befanden sich mehr als 15.000 Menschen in knapp zweitausend Unternehmen in der Region in Kurzarbeit. Sowohl Männer - Anteil rund 52 Prozent - als auch Frauen waren annähernd gleichermaßen betroffen. Der durchschnittliche Arbeitsausfall lag bei rund 48 Prozent.

Mehr als vier von zehn Kurzarbeitenden waren im Verarbeitenden Gewerbe tätig, was mit rund 6.500 den größten Personenanteil ausmachte. Aus dem Gastgewerbe kamen rund 2.000 Kurzarbeitende, damit befanden sich ca. 60 Prozent aller Beschäftigten dieser Branche in der Region im April in Kurzarbeit. Des Weiteren waren rund 1.800 Beschäftigte aus dem Handel sowie jeweils rund 1.000 aus dem Gesundheits-wesen und Dienstleistungsbereich in größeren Umfang von Kurzarbeit betroffen.

Hochrechnungen zufolge befanden sich nach letzten Werten im Juni 2020 noch etwas mehr als eintausend Betriebe mit mehr als 11.000 Personen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge tatsächlich in Kurzarbeit.

Hintergrund: Die Anzeigen auf Kurzarbeit und die darin enthaltenen Personen bilden eine Obergrenze ab. Der tatsächliche Umfang der Kurzarbeit fällt geringer aus. Kurzarbeit muss durch die Unternehmen zuerst angezeigt werden. Nach der Bewilligung der Anzeige können die Unternehmer das bereits vorfinanzierte und an die Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit beantragen. Erst mit dem monatlich nachträglich gestellten Antrag sind der konkrete Umfang des Arbeitsausfalls und die davon betroffenen Beschäftigten ersichtlich.

III. Arbeitslosigkeit

Bewegung am Arbeitsmarkt

Die Zahl der Personen, die sich aufgrund von Entlassungen oder Aufgabe ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet haben, ist von April bis Oktober im Vorjahresvergleich angestiegen. Im selben Zeitraum sind die Beschäftigungsaufnahmen aus Arbeitslosigkeit heraus gesunken.

1.155 Frauen und Männer im Landkreis meldeten sich neu oder erneut arbeitslos. Das waren 81 mehr als im Vormonat und 314 weniger als im Oktober 2019. Insgesamt 464 Personen meldeten sich nach einer Erwerbstätigkeit arbeitslos, das ent-sprach 69 mehr gegenüber dem Vormonat und 40 weniger als vor einem Jahr.

1.317 gemeldete Personen konnten im Oktober die Arbeitslosigkeit beenden, 23 weniger als im September und 299 weniger wie im Oktober 2019. 526 Frauen und Männer nahmen im aktuellen Monat eine Erwerbstätigkeit auf, 13 mehr als im Vormonat und 56 mehr als ein Jahr zuvor. 371 Personen begannen eine Qualifizierung oder Ausbildung.

Langzeitarbeitslose

Den vierten Monat infolge ist die Zahl langzeitarbeitsloser Menschen wieder ange-stiegen. 2.119 Bürgerinnen und Bürger waren im Oktober von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Die Steigerung im Vergleich zum Vormonat lag bei 32 bzw. 1,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Langzeitarbeitslosigkeit damit um 320 bzw. 17,8 Prozent angewachsen.

Jugendliche

Aufgrund weiterer Eintritte in Ausbildung konnten zahlreiche Jugendliche - wie eigentlich auch üblich im Oktober – ihre Arbeitslosigkeit nach kurzer Dauer beenden. Wobei auch im nächsten Berichtsmonat noch mit Abmeldungen junger Menschen gerechnet werden kann, da der Vorlesungsbeginn deutschlandweit auf den 1. November 2020 gelegt wurde.

Aktuell sind im Landkreis 548 junge Menschen unter 25 Jahre ohne Job, 67 bzw. 10,9 Prozent weniger als im September. Unabhängig davon waren jedoch Jugendliche unter 25 Jahre von den Corona-Auswirkungen bisher stärker betroffen. So liegt die Zahl arbeitsloser Jugendlicher im Vergleich zum Vorjahr bei plus 143 bzw. 35,3 Prozent.

Ältere

Die Zahl der älteren Arbeitslosen ist den dritten Monat infolge weiter zurückgegan-gen. Im Oktober waren 2.578 über 50-Jährige arbeitslos gemeldet, 41 bzw. 1,6 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl der Men-schen ohne Job in dieser Altersgruppe um 310 bzw. 13,7 Prozent höher.

IV. Grundsicherung

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Oktober verlief im Wesentlichen im Rechtskreis der Versichertengemeinschaft (SGB III), wohingegen die Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Grundsicherung nahezu unverändert blieb.

Die Arbeitsagentur Pirna registrierte zuletzt 2.589 Arbeitslose und damit 148 weniger als im September sowie 705 mehr als vor einem Jahr.

3.478 arbeitslose Menschen gehörten zum Rechtskreis SGB II und wurden vom Job-center Sächsische Schweiz-Osterzgebirge betreut. Die Zahl sank innerhalb des letzten Monats lediglich um 17 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 221 SGB II-Arbeitslose mehr gezählt.

Die Zahl der Menschen, die Leistungen der Grundsicherung erhalten, ist im Vergleich zum Vormonat erneut gesunken und insgesamt seit Juni 2020 rückläufig – aktuell 8.002 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vorjahr beziehen eben-falls deutlich weniger Menschen Leistungen der Grundsicherung (minus 567).

V. Blick auf die Geschäftsstellen

In den Geschäftsstellen der Pirnaer Arbeitsagentur entwickelte sich die Arbeitslosig-keit im Oktober relativ einheitlich. Seit September wurde in allen Region weniger ar-beitslose Menschen gezählt, wobei der Rückgang im Freitaler Raum etwas stärker ausfiel. Die Quote sank binnen Monatsfrist jeweils um 0,1 Prozentpunkte und in Freital um 0,2 Prozentpunkte. Sie liegt nach wie vor in Dippoldiswalde mit 3,7 Prozent am niedrigsten und in Pirna mit 5,2 Prozent am höchsten.

Im Vergleich zum Vorjahr gab es in allen Regionen deutlich mehr Arbeitslose, wobei der Abstand zum Oktober 2019 im Altweißeritzkreis höher ausfiel. Damals lag die Quote in Freital unter vier und in Dippoldiswalde sogar unter drei Prozent – den bisher niedrigsten Werten.
VI. Stellenangebote

Die Zahl der neu gemeldeten Arbeitsstellen lag im Oktober deutlich unter dem Vor-jahresniveau. Arbeitgeber aus dem Landkreis meldeten zuletzt insgesamt 409 neue Stellenangebote, 6 weniger als im September und 42 weniger als im Oktober des Vorjahres. Seit Jahresbeginn wurden bisher 745 Stellen weniger gemeldet.

Neue Arbeitskräftebedarfe gab es im Verarbeitenden Gewerbe, in der Zeitarbeit und im Gesundheits- und Sozialwesen. Aber auch im Baubereich, im Handel sowie in den Bereichen Dienstleistung und Verwaltung wurden freie Arbeitsstellen gemeldet.

Insgesamt waren 1.908 freie Arbeitsstellen aus der Region beim Arbeitgeber-Service registriert. Das waren annähernd so viele wie im Oktober 2019.

VII. Beschäftigung

Im März 2020* waren im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 79.934 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Mit einem Zuwachs von 800 Personen bzw. 1,0 Prozent ist die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr wieder gestiegen, wobei der Anstieg wieder kräftig ausfiel (Vorquartalsanstieg plus 0,7 Prozent).

Das Beschäftigungswachstum entfiel nahezu vollständig auf die Gruppe der Männer (plus 468), denn es gab lediglich 332 weibliche Beschäftigte mehr.

Insbesondere wuchs die Zahl der Beschäftigten bei Jüngeren unter 25 Jahre (plus 315) und bei Älteren über 55 Jahre (832) überdurchschnittlich.

Zuletzt waren weniger Menschen in Vollzeit beschäftigt (minus 472), jedoch stieg dafür die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 1.272.

Den kräftigsten Beschäftigungsaufbau gab es im Bereich Heime & Sozialwesen, dem Gesundheitswesen, dem Gastgewerbe sowie in der Öffentlichen Verwaltung. Im Ver-arbeitenden Gewerbe sowie im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen wurden erneut überdurchschnittliche Beschäftigungsverluste registriert.