29.01.2021 | Presseinfo Nr. 6

Der Arbeitsmarkt im Januar 2021

- Arbeitslosenquote steigt über fünf Prozent
- Arbeitskräftenachfrage zurückhaltend
- wieder mehr Anzeigen auf Kurzarbeit

I. Überblick

Wie üblich ist zum Jahresbeginn 2021 die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge angestiegen. Im Januar waren knapp siebentausend - konkret 6.974 - Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 737 Menschen mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Arbeitslosigkeit auch weiterhin aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf deutlich hö-heren Niveau. Im Januar 2020 wurden 808 Arbeitslose weniger gezählt (6.237).

Die Arbeitslosenquote – berechnet auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen – kletterte innerhalb eines Monats um 0,6 Prozentpunkte und liegt aktuell bei 5,5 Prozent. Der Anstieg fiel genauso aus wie beim Jahreswechsel 2019 zu 2020.

Nachdem die Arbeitskräftenachfrage im Dezember wieder etwas zugelegt hatte, trat zum Jahresbeginn wieder eine leichte Verschlechterung ein. Es wurden weniger freie Stellen gemeldet als im Dezember und auch das Niveau von Januar 2020 wurde nicht erreicht.

„Der zweite Lockdown und die anhaltende Pandemie sind spürbar, bilden sich aber nicht unmittelbar im Anstieg der Arbeitslosigkeit ab. Dieser war zum Jahreswechsel nicht stärker als zu anderen Zeiten. Jedoch war das Niveau von dem er ausging deutlich höher als in den letzten Jahren. Mit den Beschränkungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie stiegen zuletzt wieder die Anzeigen auf Kurzarbeit. Der lokale Arbeitsmarkt hält sich weiter recht robust", erklärt die Chefin der Pirnaer Agentur für Arbeit.

„Menschen, die schon länger ohne Arbeit waren, haben nun ungünstigere Bedingungen, um wieder in einem Job zu starten. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen nimmt seit Beginn der Pandemie stetig zu. Das bereitet uns Sorge. Wir sind auch jetzt für die Menschen in der Region der erste Ansprechpartner, wenn es um veränderte oder neue berufliche Wege geht. Eine Weiterbildung oder Umschulung ist oft der Schlüs-sel für die Rückkehr in die Beschäftigung. Viele Bildungsanbieter haben sich auf die neuen Rahmenbedingungen eingestellt und unterrichten in digitalen Formaten. Rund um kaufmännische Berufe, für IT, Handel sowie Medienberufe oder auch im Bereich CAD-Anwendungen sind die Angebote vielfältig. Wir beraten und informieren aber auch zu Qualifizierungsmöglichkeiten, die aktuell in Präsenz noch nicht durchgeführt werden dürfen, damit diese vorbereitet und geplant werden können", informiert Gerlinde Hildebrand, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Pirna.

II. Kurzarbeit

Im Januar haben wieder mehr Betriebe aus dem Landkreis Kurzarbeitergeld neu anzeigen müssen, weil von einem Arbeitsausfall auszugehen war oder die ursprüngliche Anzeige verlängert werden musste. So haben in den vergangenen Wochen 403 regionale Betriebe Kurzarbeit neu angezeigt. Hinter diesen Anzeigen standen 2.727 Beschäftigte.

Für die tatsächlich realisierte Kurzarbeit im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge liegt die aktuelle Hochrechnung für den Monat September vor. Demnach haben bislang für den September 566 Betriebe konjunkturelles Kurzarbeitergeld für insgesamt 6.086 beschäftigte Frauen und Männer beantragt.

III. Arbeitslosigkeit

Bewegung am Arbeitsmarkt

Der Zuwachs an Personen, die sich seit Beginn der Corona-Krise aufgrund von Ent-lassungen oder Aufgabe ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit arbeitslos melden mussten, hat sich zuletzt etwas abgeschwächt. Zuwächse in diesem Bereich ver-zeichnete insbesondere der Handel. Beschäftigungsaufnahmen sind aufgrund der Auswirkungen der Pandemie seitdem deutlich gesunken.

1.511 Frauen und Männer im Landkreis meldeten sich neu oder erneut arbeitslos. Das waren 347 mehr als im Vormonat und 363 weniger als im Januar 2020. Insgesamt 972 Personen meldeten sich nach einer Erwerbstätigkeit arbeitslos, das entsprach 419 mehr gegenüber dem Vormonat und 161 weniger als vor einem Jahr.

783 arbeitslose Menschen konnten im Januar die Arbeitslosigkeit beenden, 195 weniger als im Dezember und 354 weniger wie im Januar 2020. 294 Frauen und Männer nahmen im aktuellen Monat eine Erwerbstätigkeit auf, eine*r weniger als im Vormonat und 68 weniger als ein Jahr zuvor. 109 Personen begannen eine Qualifizierung oder Ausbildung.

Langzeitarbeitslose

Zum Jahresbeginn stieg insbesondere die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Sie sind mittlerweile die am stärksten von der Corona-Krise betroffene Personengruppe. Mehr als jeder dritte Arbeitslose im Landkreis ist über ein Jahr ohne Job.

2.407 Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge waren im Berichtsmonat von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, 179 Personen mehr als im Dezember. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 597 mehr arbeitslose Menschen, die ein Jahr und länger ohne Beschäftigung waren.

Jugendliche

Die Zahl arbeitsloser Jugendlicher unter 25 Jahre ist innerhalb des letzten Monats um 45 Personen gestiegen. Damit waren im Januar 2021 insgesamt 567 junge Menschen arbeitslos gemeldet. Zum Start des vergangenen Jahres gab es 123 weniger Jugendliche, die ohne Job waren.

Die Personengruppe der Jugendlichen unter 20 Jahre war wiederum nicht von diesem Anstieg betroffen - im Vergleich zum Januar des vergangenen Jahres ging deren Arbeitslosigkeit leicht zurück.

Ältere

Die Zahl der älteren Arbeitslosen stieg im Januar ebenfalls an. Zuletzt waren 3.079 über 50-Jährige arbeitslos gemeldet, 354 mehr als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl der Menschen ohne Job in dieser Altersgruppe um 262 höher.

IV. Grundsicherung

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit seit März ist nach wie vor im Rechtskreis der Versi-chertengemeinschaft (SGB III) stärker ausgeprägt als im Bereich der Grundsicherung.

Die Arbeitsagentur Pirna registrierte zuletzt 3.310 Arbeitslose und damit 564 Personen mehr als im Dezember sowie 589 mehr als vor einem Jahr.

3.664 arbeitslose Menschen gehörten zum Rechtskreis SGB II und wurden vom Jobcenter Sächsische Schweiz-Osterzgebirge betreut. Die Zahl stieg innerhalb des letzten Monats um 173 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 219 SGB II-Arbeitslose mehr gezählt.

Die Zahl der Menschen, die Leistungen der Grundsicherung erhalten, ist im Vergleich zum Vormonat erneut leicht zurückgegangen und insgesamt seit Mai rückläufig - aktuell wurden 7.850 erwerbsfähige Leistungsberechtigte registriert (Vormonat: 7.908).

Im Vergleich zum Vorjahr beziehen somit deutlich weniger Menschen Leistungen der Grundsicherung (minus 453), wobei unter ihnen mehr Beschäftigte und Selbständige sind. Insbesondere die Zahl der Selbständigen mit Grundsicherungsleistungen ist zum Jahresbeginn nochmals angestiegen.

V. Blick auf die Geschäftsstellen

Die Geschäftsstellen der Pirnaer Arbeitsagentur entwickelten sich zwar unterschiedlich, jedoch gab es im Januar in allen Regionen mehr arbeitslose Menschen als im Dezember. Im Raum Sächsische Schweiz – Pirna und Sebnitz – fiel der Anstieg zum Jahresbeginn prozentual stärker aus, als in den Regionen des Osterzgebirges – Freital und Dippoldiswalde.

Im Vergleich zum Vorjahr waren wiederum die Geschäftsstellenbereiche Freital und Dippoldiswalde von einem stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen. In der Region Sebnitz gab es zuletzt sogar weniger arbeitslose Menschen als vor einem Jahr.

VI. Stellenangebote

Aufgrund der Corona-Auswirkungen und bestehenden Unsicherheiten hält die Zu-rückhaltung in der Arbeitskräftenachfrage weiter an. Seit April 2020 wurden bis jetzt 598 bzw. 13,4 Prozent weniger neue Stellen gemeldet.

Arbeitgeber aus dem Landkreis meldeten im Januar 336 neue Stellenangebote, 86 weniger als im Dezember und 15 weniger als im Januar des Vorjahres.

Neue Arbeitskräftebedarfe wurden insbesondere in der Zeitarbeit (102) gemeldet. Des Weiteren gab es Stellenmeldungen im Verarbeitenden Gewerbe (41), im Baugewerbe (39), im Gesundheits- und Sozialwesen (34), in der öffentlichen Verwaltung (27) und im Handel (25) sowie im Bereich freiberuflich, wissenschaftlich und technischen Dienstleistungen (22).

Insgesamt 1.818 freie Arbeitsstellen aus der Region waren beim Arbeitgeber-Service registriert. Das waren 140 weniger als im Dezember und 123 weniger als im Januar 2020

VII. Unterbeschäftigung

Die Zunahme der Unterbeschäftigung bleibt weiterhin hinter der Entwicklung der Ar-beitslosigkeit zurück, weil die Zahl der Personen in entlastenden Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik gegenüber März gesunken ist.

Nach vorläufigen Berechnungen belief sich die Zahl der Arbeitslosen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die den Arbeitsmarkt entlasten, im Berichtsmonat auf 8.614 Männer und Frauen. Das waren 268 mehr im Vergleich zum Januar des Vorjahres. Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen lag die Unterbeschäftigungsquote im Berichtsmonat bei 6,7 Prozent (Vormonat: 6,2 Prozent/ Vorjahr: 6,4 Prozent).

VIII. Beschäftigung

Die Zahl der Beschäftigten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist gesunken. Im Juni 2020* gab es 79.544 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Frauen und Männer in der Region. (* letzter Quartalsstichtag mit gesicherten Angaben)

Im Vergleich zum Vorjahr waren 553 weniger Menschen angestellt, was einem Be-schäftigungsrückgang von 0,7 Prozent entspricht.

Vom Beschäftigungsrückgang weniger betroffen waren Frauen bzw. Jüngere unter 25 Jahre und Ältere über 55 Jahre.

Beschäftigungsverluste gab es insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe, im Gast-gewerbe und im Bereich wirtschaftliche Dienstleistungen sowie in der Zeitarbeit.

Den kräftigsten Beschäftigungszuwachs verzeichnete der Bereich Heime & Sozialwesen sowie die Öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen.

IX. Ausbildungsmarkt

Im laufenden Ausbildungsmarktjahr 2020/2021 haben sich seit Beginn des Berichtsjahres bereits 814 Bewerber für Ausbildungsstellen bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur Pirna gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Bewerber lag niedriger als im letzten Jahr (minus 70 bzw. minus 7,9 Prozent).

Insgesamt wurden bisher 696 Berufsausbildungsstellen, davon 683 betriebliche, bei der Arbeitsagentur Pirna gemeldet (plus 29 bzw. plus 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr).

Die meisten Ausbildungsangebote gibt es derzeit in diesen Berufen:

Kaufmann/-frau im Einzelhandel

57 Lehrstellen

Zerspanungsmechaniker/in

33 Lehrstellen

Verkäufer/in

31 Lehrstellen

Handelsfachwirt/in

24 Lehrstellen

Werkzeugmechaniker/in

22 Lehrstellen

Elektroniker/in - Energie- und Gebäudetechnik

22 Lehrstellen

Fachverkäufer/in - Lebensmittelhandwerk – Bäckerei

21 Lehrstellen

Kfz-Mechatroniker/in Pkw

19 Lehrstellen

Verfahrensmechaniker/in – Kunststoff

16 Lehrstellen

Hotelfachmann/-frau

16 Lehrstellen