18.01.2021 | Presseinfo Nr. 4

Bilanz Arbeitsmarkt Jahr 2020

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge:
- 4,9 Prozent Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt
- rund 6.300 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt
- über 500 Arbeitslose mehr im Vergleich zu 2019
- mehr als 4.700 offene Arbeitsstellen in 2020 gemeldet

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben seit dem Frühjahr Spuren auf dem lokalen Arbeitsmarkt hinterlassen. Seit mehr als zehn Jahren Wachstum ist die Zahl der Beschäftigten im Landkreis gesunken und erstmalig seit 15 Jahren ist die jahres-durchschnittliche Zahl arbeitsloser Menschen gestiegen", bilanziert Gerlinde Hildebrand die Arbeitsmarktentwicklung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Jahr 2020. „Viele Unternehmen haben das Kurzarbeitergeld genutzt und ihr Personal an Bord gehalten. Auch Ausbildung stand weiterhin im Fokus der Betriebe. Allerdings ist die Suche nach neuen Personal entgegen der letzten Entwicklungen bis 2019 deutlich verhaltener geworden. Wir wollen die Unternehmen zum Durchhalten ermuntern, denn das Thema Fachkräfte wird nach Corona weiterhin Bestand haben", appelliert die Chefin der Agentur für Arbeit Pirna.

„Wir können derzeit nur den aktuellen Stand betrachten und ein verlässlicher Aus-blick für 2021 ist momentan schwierig", erklärt Hildebrand und ergänzt: „Wir sind weiterhin für die Menschen und Arbeitgeber im Landkreis ein verlässlicher Partner. Auch wenn die Sicherung der Geldleistungen im Fokus steht, sind wir trotzdem für die Vermittlung in Arbeit und Förderung der Aus- und Weiterbildung da."

„2020 war ein Jahr mit hohem Veränderungsdruck. Wir alle mussten uns der pande-mischen Lage stellen und damit Arbeitsabläufe und die Zugänge ins Haus für unsere Kundschaft anpassen", so der Geschäftsführer des Jobcenters Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Micheal Kühne. „Mit Beginn der Pandemie haben wir auf die terminierte Telefonberatung umgestellt. Zwischenzeitlich konnten im neuen Regelbetrieb auch wieder persönliche Gespräche unter Einhaltung der Hygienevorschriften geführt werden. Das ist derzeit leider nicht möglich. Momentan sind die telefonische Beratung und die Nutzung des eService unsere Hauptkommunikationswege. Damit können wir den Kontakt zu unserer Kundschaft und unser Dienstleistungsangebot aufrechterhalten. Das gilt gleichermaßen für Arbeitgeberanliegen."

Arbeitslosigkeit

Innerhalb des letzten Jahres stieg die Arbeitslosigkeit im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erstmals seit 15 Jahren wieder an. Im Agenturbezirk Pirna waren im vergangenen Jahr durchschnittlich 6.260 Menschen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit 2019 war das ein Anstieg von 512 Personen bzw. 8,9 Prozent. Im Jahr 2020 stieg die durchschnittliche Arbeitslosenquote um 0,4 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent.

Die höchste Arbeitslosenzahl wurde durch die Auswirkungen der ersten Welle der Corona-Pandemie im Mai mit 6.701 Arbeitslosen verzeichnet. Der niedrigste Wert wurde vor Einsetzen der Pandemie im März mit 5.904 arbeitslosen Frauen und Män-nern registriert.

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III) waren im Jahres-durchschnitt 2020 2.732 Menschen bei der Agentur für Arbeit Pirna arbeitslos gemeldet, 554 bzw. 25,5 Prozent mehr als im Jahr 2019.

Im Bereich der Grundsicherung (Rechtskreis SGB II) wurden im Jobcenter Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Jahresdurchschnitt 2020 3.528 Arbeitslose gezählt. Das waren 636 Personen bzw. 1,2 Prozent weniger als 2019.

Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Jugendliche

Jüngere waren stärker von den Corona-Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt betroffen. Im Frühjahr zuerst mit Freisetzungen und im Sommer stieg die Arbeitslosenzahl nach Ausbildungsende nochmal an. So war ihre Betroffenheit in 2020 im Vergleich zu allen Arbeitslosen mehr als doppelt so hoch.

Jahresdurchschnittlich waren 539 Jugendliche im Alter von 15 bis unter 25 Jahre als arbeitslos registriert. Somit stieg die Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2020 um 95 bzw. 21,5 Prozent.

Ältere Arbeitnehmer über 50 Jahre

Auch die Zahl der älteren Arbeitslosen ab 50 Jahre stieg im Vergleich zum Vorjahr. 2.703 Frauen und Männer ab 50 Jahre waren letztes Jahr im Durchschnitt bei Arbeitsagentur und Jobcenter arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zu 2019 waren das 165 ältere Arbeitslose mehr, ein Plus von 6,5 Prozent. Ihr Anteil an der Gesamtheit der Arbeitslosen lag bei 43,2 Prozent.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen ist im Jahr 2020 leicht gesunken. Jahresdurchschnittlich waren insgesamt 1.987 Langzeitarbeitslose bei der Arbeitsagentur oder beim Jobcenter registriert. Das waren 9 bzw. 0,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Ihr Anteil an der Gesamtheit der Arbeitslosen lag bei 31,7 Prozent.

Menschen mit Behinderung

Durchschnittlich 391 Schwerbehinderte oder ihnen Gleichgestellte waren letztes Jahr bei Arbeitsagentur und Jobcenter ohne Arbeit registriert. Im Vergleich zum Jahr 2019 waren das 49 Menschen mit Handicap mehr, ein Anstieg von 14,4 Prozent.

Ausländer

Die Zahl der arbeitslosen Ausländer ist im Jahr 2020 ebenfalls angestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 542 Ausländer arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Jahr 2019 waren das 48 Menschen mehr, ein Zuwachs von 9,8 Prozent.

Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt war trotz allem stabil, robust und zeichnete sich durch viele Zu- und Abgänge aus. So mussten sich im Jahr 2020 insgesamt 14.960 Menschen arbeitslos melden und gleichzeitig haben sich 14.163 abgemeldet. Hier zeigt sich die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt mit über 29.000 An- und Abmeldungen.

Die Vorjahre waren jedoch durch eine deutlich höhere Dynamik gekennzeichnet, weil 2020 der Arbeitsmarkt zeitweise nahezu ruhte, weniger Beschäftigungsaufnahmen erfolgten und Qualifizierungen beginnen konnten.

5.556 Arbeitslose nahmen im Jahresverlauf 2020 eine Erwerbstätigkeit auf, 570 bzw. 9,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. 3.427 begannen eine Qualifizierung oder Ausbildung, 1.386 bzw. 28,8 Prozent weniger als im Jahr 2019.

Arbeitskräftenachfrage

Trotz der Einschränkungen in einigen Branchen hatten viele Betriebe im Landkreis weiterhin einen relativ hohen Personalbedarf. Die Betriebe aus dem Landkreis meldeten dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Pirna und des Jobcenters Sächsische Schweiz-Ostergebirge im Jahr 2020 insgesamt 4.744 zu besetzende Stellen. Das waren 756 Stellen bzw. 13,7 Prozent weniger als letztes Jahr. Ein Viertel aller Stellen kam aus der Zeitarbeit (1.183). Daneben meldeten die Verarbeitende Industrie (627), das Gesundheits- und Sozialwesen (467) sowie der Handel (systemrelevante Versorgung – 417) die meisten Personalbedarfe.

Nach dem Einbruch an neu gemeldeten Stellen im April wurden insbesondere nach dem Sommer wieder mehr neue Stellen gemeldet. Damit schwankte der Bestand an freien Stellen im Jahresverlauf, konnte sich aber nach dem Tiefststand im Mai (1.671 freie Stellen) wieder verhältnismäßig stabilisieren und lag zuletzt wieder bei fast zweitausend (Dezember: 1.958 freie Stellen).

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 1.882 Jobs im Landkreis zu besetzen. Die meisten davon in Vollzeit und unbefristet. Damit lag der durchschnittliche Stellenbestand um 39 bzw. 2,0 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Kurzarbeit

Kurzarbeitergeld sichert seit Beginn der Pandemie tausende Arbeitsplätze im Landkreis. Zum ersten Lockdown erreichten die Kurzarbeiterzahlen einen historischen Höchststand. Damals hatten im März und April insgesamt fast 3.000 Betriebe für über 30.000 Menschen Kurzarbeit angezeigt. Der Höchststand der Kurzarbeit wurde im April erreicht – 1.972 Betriebe mit 15.276 Kurzarbeitern. Damals wurde in jedem dritten Betrieb des Landkreises kurzgearbeitet und jeder fünfte Beschäftigte war von einem Arbeitsausfall betroffen. Der durchschnittliche Arbeitsausfall lag im April bei 48 Prozent. Ab April waren die Kurzarbeitergeldzahlen rückläufig und im November stiegen die Anzeigen wieder an.

Hochrechnungen zufolge befanden sich nach letzten Werten im August 2020 630 Betriebe mit 6.489 Personen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge tatsächlich in Kurzarbeit.

Der überwiegende Teil der Kurzarbeitenden war im Verarbeitenden Gewerbe (7.049), dem Gastgewerbe (1.045) oder dem Handel (795) tätig. (Angaben vom Juni 2020)