29.10.2020 | Presseinfo Nr. 21

Berliner Ausbildungsbilanz 2019/2020

Das Berufsberatungsjahr 2019/20 war ab März geprägt von den gesellschaftlichen Einschränkungen und hohen konjunkturellen Risiken in Folge der Corona-Pandemie. Die Ausbildungsvermittlung fand unter erheblich erschwerten Bedingungen statt und verzögerte sich. Bei den Unternehmen und bei Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung interessierten, war die Unsicherheit groß. Alle Beteiligten am Ausbildungsmarkt – der Berliner Senat, die Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie die Verbände, Kammern und Gewerkschaften - haben viele Anstrengungen unternommen, um in dieser schwierigen Zeit Bewerber und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen.

Das Berufsberatungsjahr 2019/20 war ab März geprägt von den gesellschaftlichen Einschränkungen und hohen konjunkturellen Risiken in Folge der Corona-Pandemie. Die Ausbildungsvermittlung fand unter erheblich erschwerten Bedingungen statt und verzögerte sich. Bei den Unternehmen und bei Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung interessierten, war die Unsicherheit groß. Alle Beteiligten am Ausbildungsmarkt – der Berliner Senat, die Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie die Verbände, Kammern und Gewerkschaften - haben viele Anstrengungen unternommen, um in dieser schwierigen Zeit Bewerber und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen. Messen und Veranstaltungen zur Berufswahl, die normalerweise mit Publikumsverkehr stattfinden, wurden zunehmend digital durchgeführt. Trotz der Kontaktbeschränkungen war die Möglichkeit der Beratung an den Standorten der Jugendberufsagentur gegeben – vor allem per Telefon und Mail. Gleichzeitig haben digitale Angebote wie Lehrstellenbörsen und Berufsorientierungstools an Bedeutung gewonnen.

Von Oktober 2019 bis Ende September 2020 meldeten sich in Berlin insgesamt 20.232 Jugendliche bei der Berufsberatung der Agenturen für Arbeit, um bei der Suche nach einen Ausbildungsplatz Unterstützung zu erhalten. Das waren 1.448 junge Bewerber weniger als im letzten Jahr. Die Zahl der beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagenturen gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen verringerte sich um 1.808 auf 14.109. Ende September waren 3.355 Bewerber unversorgt, 133 mehr als vor einem Jahr. 1.626 betriebliche Ausbildungsstellen waren noch unbesetzt. Das waren 324 mehr als im September 2019.

Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales: „Der Senat sowie die Wirtschafts- und Sozialpartner bieten vielfältige Beratungs- und Unterstützungsleistungen, um Jugendliche beim Abschluss eines Ausbildungsvertrags verstärkt zu unterstützen. Diese Unterstützung gilt gleichermaßen für Betriebe, die ausbilden. Ich empfehle allen Ausbildungsinteressierten, in den kommenden Wochen und Monaten weiter zu suchen und sich weiter zu bewerben. Es ist für die jungen Menschen und für die Betriebe, die Fachkräfte suchen, eine Investition in die Zukunft.“

Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: „Alle Partner am Ausbildungsmarkt haben große Anstrengungen unternommen, um trotz der Corona-Pandemie einen möglichst guten Start in das neue Ausbildungsjahr zu gewährleisten. Gemessen an den schwierigen Umständen ist es gelungen, viele Bewerber und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen. Auch im Oktober fanden noch zahlreiche Vermittlungsaktionen statt. Das ist nicht das Ende der Anstrengungen: Wir nutzen intensiv die nächsten Tage und Wochen, um weitere Ausbildungsplätze zu besetzen. Jetzt holen wir nach, was im Frühjahr nur sehr eingeschränkt möglich war. Für das anlaufende neue Jahr der Berufsberatung müssen wir die Erfahrungen aus der Corona-Zeit analysieren und neue Dienstleistungsformen weiterentwickeln, insbesondere im digitalen Bereich. In Zusammenarbeit aller Partner haben wir bereits jetzt viele Informationen zu Ausbildung und Berufswahlthemen auf unserer Webseite ausbildungjetzt.berlin gebündelt. Selbst wenn die Pandemie gerade unser Leben bestimmt: Fachkräfte werden auch in Zukunft gebraucht. Die Bundesregierung unterstützt mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ deshalb kleine und mittelständische Unternehmen, die ihr Ausbildungsengagement trotz der Krise aufrechterhalten oder sogar ausbauen. Anträge nehmen die Agenturen für Arbeit entgegen.“

Alexander Schirp, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB): „Die Pandemie hat in diesem Ausbildungsjahr Spuren hinterlassen. Rund 1.600 unbesetzte Ausbildungsplätze sind das schmerzliche Ergebnis. Glücklicherweise hatten viele Unternehmen ihre Lehrverträge zu Beginn des ersten Lockdowns bereits unter Dach und Fach. Sonst hätte sich Corona noch viel deutlicher ausgewirkt. Denn Beratung und Vermittlung sind seit März leider zu oft auf der Strecke geblieben.  Das darf im kommenden Jahr nicht noch einmal passieren. Angesichts des Infektionsgeschehens könnte es für Firmen und Berufsberater über Monate schwierig werden, die jungen Menschen zu erreichen. Die Unternehmen und vor allem die Jugendberufsagentur müssen deshalb alle Gelegenheiten und alle verfügbaren Kanäle nutzen, um Bewerberinnen und Bewerber zu informieren und zu vermitteln. Der persönliche Kontakt mit den jungen Menschen ist jedoch durch nichts zu ersetzen. Deshalb muss es für jeden jungen Menschen, der für eine Ausbildung ab September 2021 in Frage kommt, einen Präsenztermin zur Beratung und zur Vermittlung geben. Dafür müssen alle Partner der Jugendberufsagentur Berlin jetzt die Voraussetzungen schaffen.“

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg: „Dieses Jahr ist ein besonders schwieriges für die berufliche Ausbildung. Das Engagement zur Nachvermittlung der freien Ausbildungsstellen haben wir mit voller Überzeugung unterstützt, gerade deshalb müssen wir unumwunden feststellen: die Zwischenbilanz kann keinesfalls befriedigen. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ist von ohnehin niedrigem Niveau nochmals gesunken, die Zahl der unversorgten Bewerber viel zu hoch. Auch für die nächste Etappe – zum Ausbildungsbeginn im Winter am 1. Februar und zum nächsten Ausbildungsjahr – müssen die Vermittlungsbemühungen ganz offensichtlich noch intensiver werden. Dabei müssen auch die digitalen Angebote zur Beratung und Vermittlung ausgebaut werden.

Was man nicht vergessen darf: In Berlin blieben bereits vor Corona jährlich mehrere Tausend ausbildungswillige Jugendliche ohne Lehrstelle, hier gibt es eine politische Baustelle erster Ordnung für Berlin. Diese Jugendlichen drohen der dualen Ausbildung dauerhaft verloren zu gehen – das bedeutet für viele junge Leute schlechtere Chancen im Arbeitsleben, für die Berliner Wirtschaft einen bedrohlichen Substanzverlust an Fachkräften. Dem müssen die Unternehmen entgegensteuern, in dem sie auch in der schwierigen Situation schauen, ob sie mehr Plätze anbieten oder neu in die duale Ausbildung einsteigen können – denn ohne Fachkräfte kann die Wirtschaft nicht richtig Fahrt aufnehmen.“

Jörg Nolte, Geschäftsführer Wirtschaft & Politik der Industrie- und Handelskammer Berlin: „Trotz der Corona-Pandemie halten weite Teile der Berliner Wirtschaft ihr Ausbildungsangebot aufrecht. In einigen Branchen, wie zum Beispiel Forschung und Entwicklung, Versicherungen und Bau, werden sogar mehr Neuverträge geschlossen als im Vorjahr. Trotz Kurzarbeit in vielen Branchen konnte die Zahl der Vertragslösungen zudem um 23 Prozent reduziert werden. Die Krise schweißt also zusammen, verschärft allerdings auch bestehende Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt. Der deutliche Anstieg an unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr bestätigt dieses Bild und darf sich nicht wiederholen. Mit Blick auf den anstehenden Corona-Winter brauchen wir vor allem eine Ermöglichungskultur, die Wege findet, Jugendliche unkonventionell aber verbindlich zu erreichen, krisenbetroffene Unternehmen schnell und pragmatisch zu unterstützen, innovative Kontaktmöglichkeiten zur Besetzung von Plätzen zu schaffen und Berufsschulen auch in Krisen agil und digital leistungsfähig zu machen.“

Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin: „Die gute Nachricht aus dem Handwerk: Betriebe bieten in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr an. Das Angebot erstreckt sich auf die meisten Handwerksberufe. Wer heute seine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb beginnt, wählt den richtigen Einstieg in eine berufliche Karriere. Die zentrale Herausforderung bleibt, Jugendliche und Betriebe zueinander zu bringen. In diesem schwierigen Corona-Jahr hat die Handwerkskammer etwas ganz Neues gewagt: „open-air-Vermittlung“.  Unser Karrieremobil war unterwegs und hat unter freiem Himmel Jugendliche beraten und Ausbildungsplätze vermittelt. Das war ein großer Erfolg und deswegen werden wir damit auch im kommenden Jahr weitermachen. Ob auf Schulhöfen, vor Berliner Rathäusern oder in den sozialen Medien - die Handwerkskammer ist vor Ort.“