30.04.2020 | Presseinfo Nr. 9

Schutzschirm Kurzarbeit wirkt – noch stärkerer Anstieg der Arbeitslosenzahlen verhindert

Die Einschränkungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wegen der Corona-Pandemie haben im April zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Insbesondere in Berlin sind die Auswirkungen sehr deutlich: Die Arbeitsagenturen und Jobcenter registrierten Mitte April 182.618 Arbeitslose. Das sind 28.369 Personen und 18,4 Prozent mehr als im März sowie 33.804 Personen und 22,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Brandenburg lag die Zahl der Arbeitslosen bei 83.140. Das ist eine Steigerung um 7.570 Personen und 10 Prozent zum März sowie um 6.430 Personen und 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt. In Brandenburg gab es in einem Monat April keinen Anstieg der Arbeitslosigkeit mehr seit 1991, in Berlin seit 2009.
 

In Berlin wurden vor allem aus den Bereichen Dienstleistungen, Gastgewerbe, Verkehr und Lagerwirtschaft deutlich mehr Menschen als im März arbeitslos. In Brandenburg betraf es insbesondere Dienstleistungsbereiche und Gastgewerbe sowie Handel, Instandhaltung und Reparaturen von Kraftfahrzeugen.

Die Vollbremsung in weiten Teilen der Wirtschaft spiegelt sich auch in einer sprunghaften Zunahme der Kurzarbeit – vor allem in den Branchen Gastronomie und Einzelhandel in beiden Ländern - wider. In Berlin haben wegen der Corona-Pandemie im März und im April 2020 insgesamt 32.201 Unternehmen Kurzarbeit angezeigt. Im Vorjahreszeitraum waren es 32 Unternehmen.

In Brandenburg zeigten in den Monaten März und April 2020 21.584 Unternehmen Kurzarbeit an. Im Vorjahreszeitraum waren es 37 Unternehmen mit 755 Personen.

Kurzarbeit ist das wichtigste Instrument, um Kündigungen zu vermeiden und die Fach- und Arbeitskräfte in den Unternehmen zu halten.

Vor allem in Berlin haben die Corona-Folgen auch in der Grundsicherung zu einer steigenden Zahl an betroffenen Haushalten und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten geführt. Bei den Jobcentern haben mehr Menschen Anträge auf Lebensunterhalt gestellt, denen zum Beispiel als Solo-Selbstständige die Aufträge weggebrochen sind oder bei denen das Kurzarbeitergeld nicht bedarfsdeckend ist.

Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, zur aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt: „Die Region ist von der Corona-Krise hart getroffen. Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeit sind stark gestiegen – in Berlin deutlich stärker als in Brandenburg. Dabei wird durch die Nutzung der Kurzarbeit, die über viele Jahre in der Region kaum eine Rolle spielte, bis jetzt noch Schlimmeres am Arbeitsmarkt verhindert. Die Unternehmen in beiden Ländern handeln verantwortungsbewusst. Wir müssen damit rechnen, dass die angespannte Situation mittelfristig anhält. Wegen des massiven Konjunktureinbruchs in vielen Bereichen der Wirtschaft ergeben sich für Arbeitslose zurzeit geringe Möglichkeiten, einen neuen Job zu finden. Zurzeit ergeben sich auch kaum Entlastungseffekte durch Arbeitsmarktinstrumente, da die Bildungsträger ihre Bildungsaktivitäten weitgehend einstellen mussten. Der Arbeitsmarkt ist aber nicht komplett zum Stillstand gekommen. In Berlin beendeten im April 8.100 Personen ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, in Brandenburg waren es 5.000 Personen. Auch meldeten die Unternehmen insgesamt 5.700 Stellen zur Besetzung – hauptsächlich in den sogenannten systemrelevanten Berufen. Im Zuge von möglichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen werden sich diese Chancen in den kommenden Wochen und Monaten vielleicht moderat verbessern.

Die Corona-Pandemie stellt die Arbeitsagenturen und Jobcenter vor enorme Herausforderungen. Wir setzen alle Kräfte an den entscheidenden Stellen für die schnelle und unbürokratische Auszahlung von Geldern ein, um damit den Lebensunterhalt der Menschen zu sichern und die Unternehmen finanziell zu entlasten.“

 

Daten zur konjunkturellen Kurzarbeit sind im neuen Bericht „Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt“ enthalten, den die Bundesagentur für Arbeit - beginnend mit diesem Monat - zusätzlich zum Arbeitsmarktbericht herausgibt. Darin werden die Auswirkungen der aktuellen Krise näher beleuchtet. Enthalten sind darin unter anderem Daten zur Kurzarbeit, differenzierte Zahlen zur Arbeitslosigkeit und zur Grundsicherung sowie Branchenübersichten.

 

Der Arbeitsmarkt in Berlin und Brandenburg im Überblick:

Region

Arbeitslose

Arbeitslosen-Quote

April 2020

Veränderung zum

April 2020

Veränderung zum

März 20 2020

April 19

März 20

April 19

    Berlin

182.618

28.369 (+18,4 %)

33.804 (+22,7 %)

9,3 %

1,4 %

1,6 %

    Brandenburg

 

 

 

83.140

 7.570 (+10,0 %)

6.430 (+8,4 %)

6,2 %

0,5 %

0,4 %

 

Arbeitsmarkt Land Berlin

Im April 2020 waren in Berlin bei den Agenturen für Arbeit und den 12 Jobcentern insgesamt 182.618 Arbeitslose gemeldet, 28.369 Personen mehr als im März 2020 und 33.804 mehr als im April 2019.

Die Arbeitslosenquote auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug 9,3 Prozent. Sie lag damit um 1,6 Prozentpunkte über der des April 2019.

Die Zahl der Arbeitslosen von 15 bis unter 25 Jahren ist gegenüber dem März um 2.364 bzw. 18,1 Prozent auf 15.397 gestiegen – dies sind 3.438 Jugendliche mehr als im April 2019 (+28,7 Prozent).

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, lag im April bei 238.392 Personen (ohne Kurzarbeit). Das waren 16.236 mehr als im März und 21.452 mehr als im April 2019.

Im Februar 2020 waren 1.557.800 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 45.900 Personen mehr als im Februar 2019. Mit dieser Steigerung von 3,0 Prozent liegt Berlin 1,8 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Den Arbeitsagenturen und Jobcentern wurden im April 2.354 neue Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 4.169 weniger als im Vormonat. Insgesamt waren in diesem Monat im Land Berlin 22.667 freie Arbeitsstellen gemeldet, 6.321 weniger als im April 2019.

12.397 Personen nahmen an beruflichen Bildungsmaßnahmen teil.

 

Arbeitsmarkt Land Brandenburg

Im April 2020 waren in Brandenburg bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern insgesamt 83.140 Arbeitslose gemeldet, 7.570 Personen mehr als im März 2020 und 6.430 mehr als im April 2019.

Die Arbeitslosenquote auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug 6,2 Prozent. Sie lag damit um 0,4 Prozentpunkte über der des April 2019.

Die Zahl der Arbeitslosen von 15 bis unter 25 Jahren ist gegenüber dem März um 887 bzw. 15,1 Prozent auf 6.765 gestiegen – dies sind 1.311 Jugendliche mehr als im April 2019 (+24,0 Prozent).

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, lag im April bei 107.874 Personen (ohne Kurzarbeit). Das waren 3.355 mehr als im März und 766 mehr als im April 2019.

Im Februar 2020 waren 852.200 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 7.300 Personen mehr als im Februar 2019. Mit dieser Steigerung von 0,9 Prozent liegt die Region 0,3 Prozentpunkte unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Den Arbeitsagenturen und Jobcentern wurden im April insgesamt 3.361 neue Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 2.045 weniger als im Vormonat. Es gab in diesem Monat im Land Brandenburg 21.820 Arbeitsstellen, 2.652 weniger als im April 2019.

5.134 Personen nahmen an beruflichen Bildungsmaßnahmen teil.

 

Der kompletten Arbeitsmarktbericht Berlin-Brandenburg im Web unter https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-bb/presse und die Eckwerte in den kostenfreien Smartphone-Apps „BA Statistik“ und „BA SGB II“.
Im Webauftritt der Regionaldirektion geben die Arbeitsmarkttelegramme für Berlin und für Brandenburg einen kompakten Überblick – unter Berücksichtigung der Lage in den Branchen.

Alle Informationen zu Aktivitäten der Arbeitsagenturen zu Corona im Serviceportal COVID-19 auf der Startseite unter https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-bb/startseite oder direkt auf www.dafürsie.de.
Dort wird auch auf die Jobbörse der Bundesagentur verlinkt, in der unter dem Stichwort JobsNOW sofort zu besetzende Job-Angebote zu finden sind.