20.08.2020 | Presseinfo Nr. 55

Wie gut sind die Schlüsselbranchen im Land angesichts aktueller und zukünftiger Herausforderungen aufgestellt?

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) hat eine Studie veröffentlicht

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) mit Sitz in Tübingen hat eine Studie zum Thema Forschung, Entwicklung, Innovation und Qualifizierung in den industriellen Schlüsselbranchen Baden-Württembergs veröffentlicht. Die Studie, die für die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt wurde basiert auf einer Betriebsbefragung, dem Betriebspanel des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB).

Die Branchen Maschinenbau, Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, Metall- und Elektroindustrie stehen infolge der Globalisierung, des technologischen und demografischen Wandels sowie der Erfordernisse des Umweltschutzes und der Digitalisierung vor großen Herausforderungen. Im Ergebnis dieser Studie spiegeln sich die Aktivitäten der Betriebe, diesen Herausforderungen zu begegnen, allerdings nur teilweise wider.

Weniger Erneuerungen der technischen Anlagen
Knapp 60 Prozent der Betriebe in den Schlüsselbranchen gaben an, ihre technischen Anlagen seien auf dem neuesten Stand, in 2009 und 2010 waren es noch 77 bzw. 71 Prozent. Auch bei Betrieben, die im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) tätig sind, zeigt sich eine eher rückläufige Tendenz: Von 73,2 Prozent im Jahr 2009 auf 67,5 Prozent im Jahr 2019 zu Zeiten der Hochkonjunktur.

Nach wie vor die forschungsintensivste Branche
Der Anteil der Betriebe, die 2019 in Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten (FuE-Tätigkeit) investiert haben, liegt in den industriellen Schlüsselbranchen bei rund 30 Prozent. Im Vergleich aller Branchen ist das der Spitzenwert. Im restlichen Verarbeitenden Gewerbe ist der Anteil mit 13 Prozent weniger als halb so hoch. In der Dienstleistungsbranche liegen die Anteile sogar noch deutlich darunter.

Bei Produktinnovationen: Luft nach oben
Die industriellen Schlüsselbranchen bewegen sich hinsichtlich der Entwicklung von Produkt- und Leistungsangeboten mit einem hohen Neuerungsgrad nur „im Mittelfeld“. Die Unternehmen im sonstigen verarbeitenden Gewerbe und vor allem im Handel und der Reparatur erreichen hier deutlich höhere Werte.
Von den Betrieben in den Schlüsselbranchen, die FuE betreiben, hat nach eigenen Aussagen hingegen ein höherer Anteil (29,7 Prozent) innovative Produkte oder Dienstleistungen entwickelt. Allerdings nimmt dieser Anteil im Zeitverlauf ebenfalls ab, denn in 2009 hatten noch deutlich mehr Betriebe (55,7 Prozent) angegeben, eine Leistung bzw. ein Produkt entwickelt zu haben.

Führend bei Prozessinnovationen
Allerdings erreichen die Betriebe, die nach eigenen Angaben 2019 ihre Produkte oder Leistungen verbessert oder weiterentwickelt haben, mit einem Anteil von über 50 Prozent einen Spitzenwert. Keine andere Branche erzielt höhere Werte.

Aufholbedarf bei Weiterbildung
Die Weiterbildung spielt eine zentrale Rolle sowohl für die Erhaltung der Innovationsfähigkeit als auch für die Bewältigung des Strukturwandels. Zwar liegt der Anteil an Weiterbildungsbetrieben in den Schlüsselbranchen mit gut 60 Prozent über dem Landesdurchschnitt und ist in den letzten Jahren tendenziell gestiegen, aber der Wert im öffentlichen Dienst und bei unternehmensnahen Dienstleistungen war deutlich höher und was bezüglich der genannten Herausforderungen vermutlich schwerer wiegt: Die Weiterbildungsquote, also der Anteil der Beschäftigten, die von Weiterbildung profitieren, ist für Betriebe in den Schlüsselindustrien mit FuE nicht wesentlich höher als in den Betrieben ohne FuE.

Rückläufiger Trend in der betrieblichen Ausbildung
Im Hinblick auf die Fachkräftesicherung der Zukunft ist die Ausbildungstätigkeit ein wichtiger Faktor. 57 Prozent aller Betriebe in den Schlüsselbranchen, die eine Ausbildungsberechtigung haben, bildeten 2019 auch tatsächlich aus. Dieser Anteil liegt über dem Landesdurchschnitt. Allerdings zeigt sich in den letzten Jahren ein rückläufiger Trend in den Schlüsselbranchen, zumindest für jene Betriebe, die nicht im Bereich FuE aktiv sind.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Schlüsselbranchen in Baden-Württemberg grundsätzlich weiterhin gut aufgestellt und die Lokomotive der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sind. Diesen Vorsprung gilt es für die Vielzahl der kleineren Betriebe insbesondere ohne Forschung und Entwicklung zu erhalten bzw. zurückzuerobern“, so Christian Rauch, der Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.

Link zu den IAW-Kurzberichten:
http://www.iaw.edu/index.php/IAW-Kurzberichte

Link direkt zum Dokument:
http://www.iaw.edu/tl_files/dokumente/iaw_kurzbericht_2020_01.pdf

Für Nachfragen stehen Ihnen Anne Zühlke und Günther Klee zur Verfügung:

E-Mail: anne.zuehlke@iaw.edu
Tel.: 07071/9896-23

E-Mail: guenther.klee@iaw.edu
Tel.: 07071/9896-25