23.09.2021 | Presseinfo Nr. 32

Schritt halten mit dem digitalen Wandel:

Qualifizierung ausbauen

Immer mehr Tätigkeiten im Berufsleben können durch digitale Technologien ersetzt werden: eine Entwicklung, die die Arbeitswelt nachhaltig verändert:
In Baden-Württemberg etwa arbeiten 36,8 Prozent aller Beschäftigten – das ist bundesweit der dritthöchste Wert – in einem Beruf mit hohem Substituierbarkeitspotenzial. Das heißt, in diesen Berufen können schon jetzt computergesteuerte Systeme viele Arbeitsschritte übernehmen. Zwar ist menschliche Arbeit auch weiterhin von zentraler Bedeutung. Doch Unternehmen und Betriebe tun gut daran, durch Qualifizierung und angepasste Ausbildungsinhalte mit dem Wandel der Berufsbilder Schritt zu halten. 

Um sich den rasanten Wandel im Zug der Digitalisierung zu vergegenwärtigen, genügt es, einen Blick auf einige der Technologien zu werfen, die allein in den Jahren zwischen 2016 und 2019 verfügbar wurden:

  1. Internet-of-Things-Plattformen ermöglichen mithilfe von Sensortechnik die vorausschauende Wartung etwa von Brücken, Flugzeugen, Bankautomaten, Maschinen oder elektrischen Geräten.
  2. Die digitale Simulation von Produkt, Prozess und Feedback (der sogenannte digitale Zwilling) wird zur Optimierung von Fertigungsabläufen eingesetzt.
  3. Beim Automatisierten Entscheidungsverfahren werden Informationen in lernenden Systemen in Echtzeit aufgegriffen und die Geschwindigkeit in Management und Geschäftsprozessen erhöht.

Hohes Substituierbarkeitspotenzial in Baden-Württemberg

Bereits 2019 (aktueller Berichtstand) arbeiteten in Baden-Württemberg 36,8 Prozent aller Beschäftigten in einem Beruf, in dem verstärkt digitale Technologien eingesetzt werden können, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Baden- Württemberg (IAB BW) errechnete. Dabei ist der Anteil der Beschäftigten in betroffenen Berufen in den einzelnen Kreisen höchst unterschiedlich: Er liegt zwischen 23,1 Prozent im Kreis Heidelberg und 53,6 Prozent im Kreis Tuttlingen.

Anders als in der Vergangenheit können digitale Technologien nicht mehr nur Helfertätigkeiten, sondern auch immer mehr Tätigkeiten von Fachkräften und Spezialisten ausführen. 

Betriebliche Ausbildung und Qualifizierung lohnen sich weiterhin

Ein hohes Substituierbarkeitspotenzial bedeutet nicht unbedingt, dass menschliche Arbeitskräfte und Tätigkeiten auch wirklich durch digitale Programme größtenteils ersetzt werden. Es können stattdessen neue Aufgaben für die Beschäftigten dazu kommen oder sich innerhalb der ausgeübten Berufe etwa in Richtung Führung und Entscheidungsfindung bzw. Beratung und persönliche Betreuung verschieben. So ist zwar anders als in der Vergangenheit auch die Substituierbarkeit von Tätigkeiten von Fachkräften deutlich gestiegen, aber gleichzeitig ist zwischen 2013 und 2019 ihre Arbeitslosenzahl im Vergleich aller Beschäftigtengruppen (Helfer, Spezialisten und Experten) am stärksten gesunken. 
„Es gilt weiterhin: Eine qualifizierte Ausbildung im richtigen Beruf lohnt sich“, erläutert Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. „Engpässe, die schon momentan – z.B. in vielen Handwerksberufen – bestehen, verdeutlichen die guten aktuellen Beschäftigungschancen. Außerdem zeigen Projektionen, dass auch zukünftig der Bedarf an fachlich ausgerichteten Tätigkeiten in Baden-Württemberg höher als das Angebot ausfallen dürfte.“

Männer und Frauen sind unterschiedlich betroffen

In fast allen Berufssegmenten hat sich das Automatisierungspotenzial durch Digitalisierung seit 2016 erhöht, am auffallendsten in den Sicherheits- und Handelsberufen oder in den Dienstleistungsberufen. Aber immer noch gibt es in den industriellen Berufen ein durchschnittlich höheres Potenzial zur Substitution von Tätigkeiten und damit ein sich veränderndes Berufsbild – in diesen Berufen sind typischerweise deutlich mehr Männer als Frauen beschäftigt.

Auch in manchen Berufszweigen, die häufig von Frauen gewählt werden, etwa in Sekretariatsberufen oder der Rechtsanwalt- und Notarassistenz, werden zunehmend digitale Technologien eingesetzt. Daher ist zwischen 2016 und 2019 der Anteil weiblicher Fachkräfte in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial weitaus stärker gestiegen als unter männlichen Fachkräften. Insgesamt sind aber auch 2019 weibliche Fachkräfte – wie auch Frauen auf allen anderen Tätigkeitsniveaus – weniger von einem hohen Substituierbarkeitsrisiko betroffen. 
Trotzdem ist die Weiterbildungsquote von Frauen in baden-württembergischen Betrieben sogar höher als die der Männer: 2019 lag sie bei 40 Prozent, unter männlichen Beschäftigten bei 35 Prozent.

Regionalchef Christian Rauch unterstützt die Bereitschaft zur Weiterbildung: „Der Wandel durch digitale Technologien ist in vollem Gang, entsprechend ändern sich die Anforderungen an die Kompetenzen aller Beschäftigten, auch von Fachkräften, ständig. Die größte Herausforderung besteht darin, die Qualifikationen der Beschäftigten durch Ausbildung und – mehr noch – durch Weiterbildung jeweils am entsprechenden Bedarf der Betriebe auszurichten. Wir können als Partner Betriebe und Unternehmen dabei unterstützen.“

Nähere Informationen zu den Substituierbarkeitspotenzialen von Tätigkeiten finden Sie auf den Seiten des IAB Baden-Württemberg:
https://www.iab.de/de/publikationen/regional/baden-wuerttemberg.aspx .
https://www.iab-forum.de/der-iab-job-futuromat-beschaeftigungsentwicklung-und-fachkraefteengpaesse-variieren-mit-dem-substituierbarkeitspotenzial/

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