22.11.2021 | Presseinfo Nr. 43

Ausbildungsmarkt: Zurückhaltung auf beiden Seiten – viele Stellen unbesetzt

2021 bleiben in Baden-Württemberg 10.174 Stellen unbesetzt, deutlich mehr als im Vorjahr.

Gleichzeitig wächst die Zahl der jungen Menschen, die pandemiebedingt ihre Ausbildung lieber verschieben und stattdessen weiterhin die Schule besuchen, ein Studium aufnehmen oder anfangen zu jobben. Wieder andere möchten sich gerne ausbilden lassen, brauchen aber Unterstützung dabei.

Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber ist im Vorjahresvergleich um 12,5 Prozent auf 52.296 deutlich gesunken. Von den insgesamt 7.646 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zum 30. September 2021 noch einen Ausbildungsplatz suchten, blieben 1.118 unversorgt (11,6 Prozent weniger als im Vorjahr), 6.528 (11,9 Prozent weniger als im vergangenen Jahr) nahmen eine Alternative auf, besuchen beispielsweise eine berufliche Schule, belegen eine Qualifizierungsmaßnahme oder haben eine Arbeit begonnen.
Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist im Vorjahresvergleich um 5,7 Prozent auf 73.268 gesunken. 10.174 unbesetzten Ausbildungsstellen (24,7 Prozent mehr als im Vorjahr) stehen rechnerisch den 7.646 Ausbildungsplatznachfragen gegenüber. Es gibt somit 2.528 weniger Ausbildungsnachfragen als unbesetzte Ausbildungsstellen. 

Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, ist überzeugt: „Die Ausbildungsbereitschaft der jungen Menschen ist nicht plötzlich eingebrochen, aber ihr Eintritt in eine duale Ausbildung verzögert sich. So erklärt sich, dass die Zahl der Ausbildungsstellen und die Bewerberzahlen noch weiter auseinanderdriften.“

Es gibt 2021 also nicht den befürchteten Corona-Jahrgang, der keine Ausbildung findet, stattdessen rechnet Christian Rauch mit einer stark wachsenden Zahl künftiger Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber. 
Gleichzeitig beobachtet er: „Derzeit stehen 100 jungen Menschen mit Hauptschulabschluss nur 85 betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung. Ihre Chancen werden durch die Absolventinnen und Absolventen von Realschulen noch geringer. Betriebe sollten im Interesse der Fachkräftegewinnung schon jetzt über das Potenzial von Hauptschulabgängern nachdenken: Mittelfristig müssen sie sie aufgrund der demographischen Entwicklung ohnehin als Auszubildende einplanen.“ Die Berufsberatung in Agenturen und Jobcentern unterstützt junge Menschen mit Lern- und anderen Defiziten und auf Wunsch auch Ausbildungsbetriebe durch die assistierte Ausbildung. 

Angesichts der erwarteten künftigen Zahl an Auszubildenden und des auch weiterhin hohen Fachkräftebedarfs empfiehlt Christian Rauch den Betrieben, ihre Bereitschaft zur Ausbildung beizubehalten. Nach Möglichkeit sollten die Ausbildungszahlen noch über das Vor-Corona-Niveau steigen. 
Die Jungen fordert er auf, ihre Zukunft in die Hand zu nehmen: „Es lohnt sich nicht, die Berufswahl vor sich herzuschieben, auch wenn die Entscheidung durch Corona objektiv schwieriger geworden ist. Informiert euch über Berufe auf den Plattformen planet-beruf.de oder abi.de und prüft eure Interessen und Fähigkeiten mit dem Online-Selbsterkundungstool Check-U. Und vor allem: Wendet euch an die Berufsberatung, am besten persönlich; es geht aber auch telefonisch oder digital. So könnt ihr herausfinden, was zu euch passt.“ 

Weitergehende statistische Informationen gibt es im Internet unter 
https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Ausbildungsstellenmarkt/zu-den-Daten/zu-den-Daten-Nav.html.


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