04.01.2022 | Presseinfo Nr. 1

Der Arbeitsmarkt im Dezember 2021

Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg zeigt sich robust, die Dynamik bleibt aber verhalten

  • 212.300 Arbeitslose im Dezember 2021
  • Quote bleibt bei 3,4 Prozent
  • Jugendarbeitslosigkeit sinkt auf 2,1 Prozent

Im Dezember sinkt die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen in Baden-Württemberg leicht, entgegen dem saisonalen Trend, die Arbeitslosenquote bleibt stabil. Dennoch bleibt die Dynamik am Arbeitsmarkt gebremst: Die Abgangszahlen in Beschäftigung gehen zurück, die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist weiterhin hoch.

Im Dezember 2021 waren in Baden-Württemberg 212.300 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.704 weniger als im November 2021, was unüblich für einen Dezember ist. Die Arbeitslosenquote bleibt bei 3,4 Prozent. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 2,1 Prozent gesunken. 
„Aktuell sind 52.221 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im Dezember 2020“, stellt Christian Rauch fest, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. „Das entspricht im Vergleich mit dem Vorjahr einem Rückgang von fast 20 Prozent, ganz überwiegend in der Arbeitslosenversicherung. Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt im Jahresverlauf trotz der Belastungen durch die Pandemie also robust. Wir nähern uns kontinuierlich dem Niveau von 2019 an, ohne es allerdings zu erreichen.“

Dynamik am Arbeitsmarkt verhalten, Langzeitarbeitslosigkeit erhöht
Zudem weist Rauch auf die verhaltene Dynamik am Arbeitsmarkt hin: „Im September dieses Jahres gingen noch 24.500 arbeitslos Gemeldete in Beschäftigung ab, im Dezember sind es 16.489. Bei den Beschäftigtenzahlen beobachteten wir zuletzt (im Oktober) eine Stagnation in den Bereichen Hotels und Gaststätten und Arbeitnehmerüberlassung.“ Die Zahl der Langzeitarbeitslosen habe sich im Vergleich mit dem Vorkrisenjahr 2019 deutlich erhöht: „Im Dezember 2019 waren in Baden-Württemberg 49.272 Menschen langzeitarbeitslos gemeldet, im Dezember 2021 sind es 76.651, das entspricht einer Steigerung von gut 55 Prozent.“
Auffallend ist auch die sehr unterschiedliche Entwicklung in den Regionen in der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II): Während in Baden-Württemberg die Zahl der Arbeitslosen in der Grundsicherung insgesamt um 0,6 Prozent zurückgegangen ist, hat sie sich im Agenturbezirk Mannheim mit 11,2 Prozent am stärksten im Land erhöht.

Individuelle Lösungen für den Fachkräftebedarf
„Der Arbeitsmarkt hat im Jahresverlauf in weiten Teilen zwar schon Pandemiefolgen abgebaut. Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einzelne Personengruppen deutlich härter getroffen hat als andere – vor allem arbeitsmarktferne Menschen, die besondere Unterstützung auf dem Weg in Beschäftigung brauchen bzw. Menschen ohne Berufsabschluss“,  resümiert Christian Rauch. „Der Tendenz hin zu einer sich verfestigenden Sockelarbeitslosigkeit müssen wir entgegenwirken. Betrieben und Unternehmen empfehle ich daher, sich verstärkt um diesen Personenkreis zu kümmern. Schon allein deshalb, weil ihr steigender Fachkräftebedarf nur gedeckt werden kann, wenn sie wie in den Zeiten vor der Pandemie gemeinsam mit Arbeitsagenturen und Jobcentern nach individuellen Lösungen für potenzielle Beschäftigte suchen. Es gibt keine Reserve an Fachkräften, die schnell und leicht zu rekrutieren wäre, weder im In- noch im Ausland.“

Entwicklung der Kurzarbeit in Baden-Württemberg
Die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit anzeigen, ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Im Dezember zeigten in Baden-Württemberg 3.282 Betriebe für 38.703 Beschäftigte Kurzarbeit an. 
Die tatsächlich realisierte Kurzarbeit kann aufgrund der statistischen Erfassungslogik bis Juni 2021 ausgewiesen werden, alle Zahlen zu späteren Monaten in diesem Jahr sind vorläufige Werte beziehungsweise Hochrechnungen. 
Im September 2021 haben demnach in Baden-Württemberg hochgerechnet 118.232 Beschäftigte konjunkturell bedingt kurzgearbeitet. Die Kurzarbeiterquote – der Anteil der Kurzarbeiter an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – betrug damit 2,4 Prozent.
Der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld wurde bis zum 31. März 2022 verlängert. Damit besteht unter anderem die Möglichkeit, die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes von bis zu 24 Monaten zu verlängern. 
Nähere Information zum Kurzarbeitergeld gibt es unter https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-bw/kug.
Für Betriebe und Unternehmen ist wichtig zu wissen: Bei erneuter Kurzarbeit müssen sie eine neue Anzeige stellen, wenn der letzte Arbeitsausfall und Kurzarbeitergeldbezug mehr als drei Monate zurückliegt. Dies gilt auch dann, wenn ein bewilligter Zeitraum für Kurzarbeit vorliegt.