30.04.2020 | Presseinfo Nr. 33

Der Arbeitsmarkt im April 2020

„Die Corona-Krise kommt allmählich auf dem Arbeitsmarkt an“

  • 250.275 Arbeitslose im April 2020
  • Quote erhöht sich auf 4 Prozent
  • Jugendarbeitslosigkeit steigt auf 3,4 Prozent


Arbeitslosigkeit hat kräftig zugenommen
Ende April wurden 250.275 Arbeitslose gezählt, 16,9 Prozent mehr als im Vormonat und 32,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. 134.918 entfielen auf die Arbeitslosenversicherung (Arbeitsagenturen) und 115.357 auf die Grundsicherung (Jobcenter). Die Arbeitslosenquote betrug 4 Prozent nach 3,1 Prozent im Vorjahr.

Betroffen vom starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen sind alle Personengruppen in Baden-Württemberg. „Seit 1997 ist der Anstieg im Vorjahresvergleich nur 2009 noch höher gewesen“, kommentiert Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, die Daten zum Arbeitsmarkt.

Der einmalige Anstieg lässt sich über vier Faktoren erklären:
„Leider hat sich aufgrund der Krise auch die Zahl der Menschen, die sich arbeitslos melden müssen, erhöht“, erklärt Rauch. Betroffen sind vor allem die Branchen Arbeitnehmerüberlassung, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen, Verkehr und Lagerei und das Gastgewerbe. „Allerdings konnten wir bereits vor Ausbruch der Corona-Krise eine gebremste Konjunkturentwicklung feststellen.“
Die übliche Frühjahrsbelebung ist durch Corona leider ausgeblieben.

So meldeten die Unternehmen deutlich weniger Stellen zur Besetzung, und im Vergleich zum Vorjahr konnten nur wenige Arbeitslose eine Beschäftigung aufnehmen.

Auch viele Selbstständige können Ihre Existenz nicht mehr alleine sicherstellen, sodass im Vergleich zum Vorjahr 17,7 Prozent mehr Menschen Grundsicherungsleistungen beziehen. „Das ist der stärkste Anstieg, den wir jemals im Bereich der Grundsicherung gemessen haben“, erläutert der Leiter der Regionaldirektion.

Aufgrund der Einschränkungen der persönlichen Kontakte konnten auch nicht alle Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik in alternativer Weise fortgeführt werden, so dass deren Teilnehmer wieder arbeitslos sind.

„Ohne die intensive Nutzung der Kurzarbeit wäre die Arbeitslosigkeit allerdings noch weit höher ausgefallen“, betont Christian Rauch. „Kurzarbeit hat zunächst wieder einmal in hohem Maße seine Aufgabe erfüllt, die Arbeitsplätze zu erhalten.“

Hohe Dynamik der Arbeitslosigkeit
Im Laufe des Monats haben sich 73.144 Personen arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig konnten 36.857 ihre Arbeitslosigkeit beenden. Diese umfangreichen Bewegungen machen die hohe Dynamik des Arbeitsmarktes deutlich.

Uneinheitliche Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Die Arbeitslosigkeit der Männer stieg gegenüber dem Vorjahr um 35,9 Prozent, die der Frauen nahm um 28,6 Prozent zu. Bei den Jugendlichen erhöhte sich die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr um 49,4 Prozent. Ihre Arbeitslosenquote lag bei 3,4 Prozent, 1,1 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Im April gab es bei den älteren Arbeitslosen ab 50 Jahre 25,4 Prozent mehr als vor einem Jahr, bei den schwerbehinderten Arbeitslosen einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 17,4 Prozent.

Stellenbestand im Vorjahresvergleich zurückgegangen
Im Monatsverlauf meldeten die Arbeitgeber im Land 9.419 Stellen. Am Monatsende konnten die Vermittlungsfachkräfte aus einem Fundus von 75.409 offenen Stellen schöpfen, 32,2 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Mehr Beschäftigte als vor einem Jahr
Ende Februar 2020 arbeiteten in Baden-Württemberg 4,76 Mio. Menschen sozialversicherungspflichtig, 0,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Branche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei profitierte am stärksten (+7,5 Prozent). Schlusslicht war der Bereich Arbeitnehmerüberlassung (-14,1 Prozent).

Entwicklung der Kurzarbeit in Baden-Württemberg
Für die Monate März und April 2020 liegen nun statistisch valide Zahlen zur Kurzarbeit in Baden-Württemberg vor. Die in den vergangenen Wochen veröffentlichten Zahlen hatten aufgrund gesetzlicher Konstruktionen zum Kurzarbeitergeld (KUG) auf manuellen Auszählungen beruht. Seit März 2020 haben 101.086 Betriebe im Land Kurzarbeit angezeigt. Im Vorjahreszeitraum wurden 305 Anzeigen gestellt.
Die Zahl der Beschäftigten, für welche die baden-württembergischen Betriebe seit März 2020 Kurzarbeit angezeigt haben, beläuft sich auf 1.671.421. Alleine im April 2020 waren es 1.273.739. Im Vorjahreszeitraum war Kurzarbeit für rund 7.000 Personen angezeigt.
Bei der Bewertung ist wichtig, dass die Zahlen der Anzeige einen maximal möglichen Kurzarbeitsrahmen abbilden, jedoch noch nichts über die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit aussagen. Dazu sind Aussagen erst möglich, sobald die Arbeitgeber die Anträge auf Abrechnungen vorgelegt haben und diese bearbeitet sind.
Mittlerweile hat die Bundesagentur für Arbeit die Zahl der Mitarbeitenden, die Anzeigen und Anträge auf Kurzarbeit bearbeiten, durch interne Umstrukturierung um das Vierzehnfache auf 8.500 erhöht.
Ab sofort steht den Unternehmen die kostenlose KUG-App der BA zur Verfügung. Die App erleichtert die Anzeige und die Antragsstellung von KUG: Unterlagen können per Smartphone eingescannt, hochgeladen und per E-Mail direkt an die zuständige Stelle geschickt werden.