Neue IAB-Daten zu digitalisierbaren Tätigkeiten:

Baden-Württemberg am stärksten betroffen, „WeiterbildungsLÄND“ ist die Antwort

19.04.2024 | Presseinfo Nr. 21

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: In Baden-Württemberg wächst der Anteil der Beschäftigten, deren Tätigkeiten KI oder andere digitale Technologien in hohem Maße übernehmen können, auf über 40 Prozent. Gleichzeitig entstehen um die 300 neue Berufe. Weiterbildung wird in der digitalen Transformation zum Schlüssel, um Beschäftigungsfähigkeit zu sichern und die Chancen der neuen Berufe zu nutzen.

Künstliche Intelligenz wird in Baden-Württemberg den Arbeitsmarkt stärker verändern. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial[1] steigt von 36,8 (2019) auf 41,3 Prozent (2022), so neue Daten des IAB. Baden-Württemberg ist aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur neben dem Saarland und Thüringen am stärksten betroffen.

Der durchschnittliche Anteil der digitalisierbaren Tätigkeiten ist in den Helferberufen mit 60 Prozent weiterhin hoch. Von den Fachkraft- über die Spezialisten- bis hin zu den Expertenberufen hat der Anteil an digitalisierbaren Tätigkeiten durchweg zugenommen. Bei den Expertenberufen steigt der Anteil um über 10 Prozentpunkte auf 39 Prozent signifikant an. Hochqualifizierte bekommen die Veränderung durch KI also stärker als bisher zu spüren.

Über alle Berufssegmente hinweg ist der Anteil der digitalisierbaren Tätigkeiten gestiegen. Am stärksten betroffen sind die Fertigungsberufe (z.B. Metallerzeugung und -bearbeitung), die eine tragende Rolle im Industrieland Baden-Württemberg spielen. Das Digitalisierungspotenzial ist hier mit 89 Prozent weiterhin am höchsten. Neu ist, dass das Digitalisierungspotenzial in den IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen, die bis 2019 als wenig digitalisierbar galten, durch generative KI sprunghaft um 12 Prozentpunkte auf 52 Prozent steigt.
[1] Das Substituierbarkeitspotenzial sagt etwas darüber aus, in welchem Ausmaß berufliche Tätigkeiten durch Computer (z.B. KI) oder computergesteuerte Maschinen vollautomatisch erledigt werden können.

Musati: „Baden-Württemberg muss eine Weiterbildungsgesellschaft werden“
„Der Umbruch durch KI darf zu keinem Bruch in den Erwerbsbiographien der Beschäftigten werden“, erklärt Martina Musati, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. „In den neu entstehenden Berufen und Tätigkeiten brauchen wir gut qualifizierte Fachkräfte. Baden-Württemberg, der Standort für Innovationen und Zukunftstechnologien, kann sich noch stärker zur Weiterbildungsgesellschaft entwickeln. Ich begrüße daher ausdrücklich die Initiative ‚FachkräfteLÄND‘ der Landesregierung, die der Weiterbildung eine zentrale Rolle zur Fachkräftesicherung zuschreibt. Denn: Weiterbildung ist der Schlüssel, um auch in Zukunft attraktive Berufs- und Beschäftigungschancen, gerade auch in den neu entstehenden Berufen und Tätigkeiten, zu realisieren.“

Digitalisierung und KI schaffen neue Berufe und Chancen
Im Zuge neuer Technologien, wie der generativen KI, sind seit 2019 um die 300 neue Berufe entstanden, so das Ergebnis der neuen IAB-Daten. Zu den neuen Berufen gehören z.B. 3-D-Druck-Spezialist*in oder Chatbot-Entwickler*in. Zusätzlich haben sich mehr als 100 neue Tätigkeiten bzw. Arbeitsfelder in bestehenden Berufen, darunter die Wasserstofftechnik, Hybrid Cloud Architektur oder die Umweltplanung, entwickelt. Nicht zu vergessen: Auch im Handwerk entstehen neue Tätigkeiten, gerade im Klimaschutz, wie z.B. Solarmontage.

Weitere Informationen:
Die Ergebnisse der Analysen des IAB zu den Substituierbarkeitspotenzialen in Baden-Württemberg finden Sie hier. Die Erläuterungen zu den Analysen finden Sie hier

Die Ergebnisse der Analysen des IAB zu den Substituierbarkeitspotenzialen in Deutschland finden Sie hier. Darin enthalten sind auch Analysen zu den Berufen und Tätigkeiten, die seit 2019 neu entstanden sind.

Der „Job-Futuromat“ des IAB zeigt, wie digitale Technologien Berufe und Tätigkeiten verändern. Mit dem neuen Onlineportal für berufliche Weiterbildung „mein NOW“ können sich Beschäftigte schnell und einfach rund um Berufsbilder, ihre Perspektiven, Weiterbildungs- sowie Finanzierungsmöglichkeiten informieren.

Für Nachfragen stehen Ihnen das Team des IAB Baden-Württemberg unter folgenden Kontaktdaten zur Verfügung:
Silke Hamann, E-Mail: Silke.Hamann2@iab.de, Tel.: 0711/941-1424
Rüdiger Wapler, E-Mail: Ruediger.Wapler@iab.de, Tel.: 0711/941-1451 
Christian Faißt, E-Mail: Christian.Faisst@iab.de, Tel.: 0711/941-1455  
Daniel Jahn, E-Mail: Daniel.Jahn@iab.de, Tel.: 0711/941-1452