05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitslosenquote in Bayern bleibt zum Jahresende unverändert bei 3,6 Prozent

 

„Die Arbeitslosigkeit in Bayern ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Im Dezember waren 275.067 Menschen arbeitslos gemeldet, 4.385 mehr als im November. Der Anstieg ist vor allem saisonal bedingt. So ist die Arbeitslosigkeit insbesondere bei Männern gestiegen (+4.415 bzw. 3,0 Prozent), da Männer eher in witterungsbedingten Branchen arbeiten. Die Zahl der arbeitslosen Frauen hingegen ist zum Vormonat leicht gesunken (-30). Die Arbeitslosenquote bleibt mit 3,6 Prozent auf dem Niveau vom Vormonat. Mit einem Plus von 66.646 bzw. 32,0 Prozent liegt die Arbeitslosigkeit hingegen immer noch deutlich über dem Vorjahresniveau. Letztes Jahr im Dezember betrug die Arbeitslosenquote 2,8 Prozent. Unternehmen, die den strukturellen Wandel meistern müssen, stehen mit den Auswirkungen der Pandemie vor einer Doppelbelastung", erklärte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern.

 

Arbeitslosenzahl im Dezember:                        +4.385 auf 275.067 (+1,6 Prozent)

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:        +66.646 (+32,0 Prozent)

Arbeitslosenquote gegenüber Vormonat:       unverändert bei 3,6 Prozent

Arbeitslosenquote im Vorjahr:                         2,8 Prozent

 

"Der zweite Lockdown trifft einzelne Branchen hart, betrifft dieses Mal aber weniger Wirtschaftsbereiche als im Frühjahr. Die Auswirkungen des Lockdowns auf dem Arbeitsmarkt sind vor allem in den steigenden Anzeigen auf Kurzarbeit zu erkennen. Die Zahl der Anzeigen, die in den Sommermonaten kontinuierlich gesunken ist, ist zuletzt erneut gestiegen. Im Dezember wurden 12.348 Anzeigen für 108.731 Beschäftigte eingereicht. Im Vergleich: im September wurde in Bayern für 13.831 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Die Anzeigen sind vor allem auf Branchen zurückzuführen, die unmittelbar von den Beschlüssen betroffen sind. Darüber hinaus ist der Bedarf an Arbeitskräften rückläufig. Die Arbeitskräftenachfrage ist nicht nur geringer als im Vorjahr, sondern auch gegenüber dem November weiter gesunken," sagte Holtzwart.

 

Unterbeschäftigung

„Die Zahl der Unterbeschäftigung umfasste im Dezember 361.064 Personen, 19,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Entwicklung der Unterbeschäftigung fällt weiterhin günstiger aus als die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Arbeitslose Personen können sich trotz Lockdown weiterhin beruflich weiterbilden. Die Zahl derjenigen, die eine berufliche Weiterbildung absolvieren, ist erfreulicherweise im Vergleich zum Vorjahr gestiegen", so Holtzwart weiter.       

 

Arbeitskräftenachfrage weiter gesunken

Im Dezember wurden den bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcentern (gE) 21.668 Stellen gemeldet. Der Lockdown hat den bereits rückläufigen Personalbedarf der Unternehmen nochmal verstärkt. So sind die Stellenmeldungen um 1.894 bzw. 8,0 Prozent im Vergleich zum November zurückgegangen. Insgesamt befinden sich aktuell 93.613 Arbeitsstellen im Stellenpool, 22.076 (-19,1 Prozent) weniger als im Vorjahr.

„Der zweite Lockdown macht sich bei der Arbeitskräftenachfrage insbesondere im Gastgewerbe sowie dem Handel deutlich bemerkbar. Daneben verzeichnen u.a. auch die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie die Arbeitnehmerüberlassung einen Rückgang. In einigen Branchen hat der Personalbedarf im Vergleich zum Vormonat leicht zugenommen, z.B. im Baugewerbe, im Sozialwesen, im Verarbeitenden Gewerbe sowie in der Öffentlichen Verwaltung. Betrachtet man die neu gemeldeten Stellenangebote seit Jahresbeginn, so zeigt sich in den meisten Branchen ein Rückgang des Arbeitskräftebedarfs im Vergleich zum Vorjahr. Lediglich die Land- und Forstwirtschaft sowie die Öffentliche Verwaltung suchen mehr Personal als letztes Jahr. Die Nachfrage bleibt insgesamt weiterhin auf niedrigerem Niveau. In der derzeit wirtschaftlich angespannten Lage wechseln weniger Menschen ihren Arbeitsplatz. Diese niedrigere Fluktuation trägt neben dem geringeren Bedarf an zusätzlichem Personal dazu bei, dass weniger Stellen auf dem Arbeitsmarkt zu besetzen sind“, erklärte Holtzwart.

 

Beschäftigungsentwicklung abhängig von Branche

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt nach den aktuellsten hochgerechneten Daten im Oktober 2020 bei 5.758.300. Die Beschäftigung ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 25.400 bzw. 0,4 Prozent leicht zurückgegangen.

„In Bayern ist die Beschäftigungsentwicklung branchenabhängig. Branchen, die weniger von der strukturellen Transformation betroffen sind, können sich trotz Krise über ein anhaltendes Beschäftigungswachstum freuen. Im Baugewerbe, dem Gesundheits- und Sozialwesen, der öffentlichen Hand oder im Bildungssektor ist die Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Auch der Bereich Information und Kommunikation sowie qualifizierte Unternehmensdienstleistungen wachsen weiterhin überproportional. Ein Beschäftigungsrückgang ist vor allem strukturell bedingt bei der Arbeitnehmerüberlassung, der Metall- und Elektroindustrie des Verarbeitenden Gewerbes sowie krisenbedingt beim Gastgewerbe zu verzeichnen. Die Kurzarbeit sichert auch angesichts der aktuellen Beschränkungen Arbeitsplätze. Das hält den Arbeitsmarkt bislang vergleichsweise robust. Mittelfristig werden jedoch die vor der Krise dominierenden Themen – Fachkräftesicherung, Transformation und Demografie – nach der Krise wieder in den Vordergrund rücken. Wir unterstützen Arbeitgeber und Beschäftigte und helfen Unternehmen, sich zukunftsorientiert aufzustellen", sagte Holtzwart.

 

Bayerns Arbeitsmarkt im Jahresverlauf 2020

"Wir blicken auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Die Corona-Pandemie stellt uns nach wie vor große Herausforderungen mit deutlichen Auswirkungen für die Wirtschaft und damit verbunden den Arbeitsmarkt. Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt im Freistaat in Anbetracht der gravierenden Auswirkungen, ausgelöst durch die Krise, zum Jahresende verhältnismäßig robust. Bereits vor der Krise war seit der zweiten Jahreshälfte 2019 ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Der Anstieg war vor allem strukturbedingt und wurde durch die Krise zunächst überlagert. Mit Ausbruch der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit ab Mitte März stark gestiegen, das Beschäftigungswachstum wurde gestoppt und die Personalnachfrage ist eingebrochen. Über die Sommermonate hat sich die Lage auf dem bayerischen Arbeitsmarkt leicht entspannt. Unternehmen haben wieder mehr Stellen gemeldet, die Arbeitslosigkeit ist gesunken und auch auf dem Ausbildungsmarkt hatten junge Menschen weiterhin gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden. 2020 waren durchschnittlich 275.075 Personen arbeitslos gemeldet. Zu der vergleichsweise robusten Situation auf dem Arbeitsmarkt trägt auch der massive Einsatz von Kurzarbeit bei. Im April konnten so knapp 1,1 Millionen Beschäftigungsverhältnisse gesichert werden, im September immer noch über 400.000", so Holtzwart abschließend.