29.05.2019 | Presseinfo Nr. 23

Trotz steigender Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung positive Entwicklung am Arbeitsmarkt in Bayern

 

„Der bayerische Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin sehr robust. Die Arbeitslosigkeit sank im Mai um 2.882 bzw. 1,4 Prozent auf 201.226. Die aktuelle Zahl der Arbeitslosen ist für einen Mai der geringste Wert seit 1991. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Arbeitslosigkeit um 1.235 Personen bzw. 0,6 Prozent zurück. Der Abbau der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich verlangsamt sich verglichen mit den vergangenen Monaten deutlich. Ursächlich ist hierfür die steigende Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung (SGBIII). Für Bayern steigt dieser Wert um 5.770 Personen, bzw. 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Zugang aus Erwerbstätigkeit ist höher als der Abgang in Erwerbstätigkeit. Dies deutet auf eine aktuell eingetrübte Konjunktur hin. Dass die Arbeitsmarktlage dennoch insgesamt positiv ist, liegt an der guten Entwicklung in der Grundsicherung (SGBII). Trotz einer BA-internen statistischen Korrektur ist ein deutlicher Rückgang um 6,9 Prozent bzw. 7.005 Personen zu verzeichnen.

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 2,7, das ist der gleiche Wert wie im Mai des Vorjahres und 0,1 Prozentpunkte weniger als im April“, erklärte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern.

 

Arbeitslosenzahl im Mai:                                   - 2.882 auf 201.226 (- 1,4 Prozent)

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:        - 1.235 (- 0,6 Prozent)

Arbeitslosenquote gegenüber Vormonat:       - 0,1 Prozentpunkte bei 2,7 Prozent

Arbeitslosenquote gegenüber Vorjahr:           - 0,0 Prozentpunkte

 

„Nach der aktuellen Prognose[1] des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird für die nächsten Monate erwartet, dass die Arbeitslosigkeit jenseits der Saisoneffekte eher etwas zunimmt. Auf der anderen Seite prognostiziert das IAB aber auch einen weiteren Anstieg der Beschäftigung. Laut Enzo Weber vom IAB hinterlässt die aktuelle konjunkturelle Flaute ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt, die sich allerdings derzeit nur in einer Verlangsamung der Dynamik zeigt", so Holtzwart.


[1] Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert.

Die Zahl der Unterbeschäftigung, die auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und mit Sonderstatus erfasst, beträgt im Mai 293.888. Im Vorjahresvergleich geht die Unterbeschäftigung mit einem Minus von 4.660 bzw. 1,6 Prozent stärker zurück als die Arbeitslosigkeit. „Viele Menschen finden auch ohne unsere Fördermaßnahmen zurück in den Arbeitsmarkt. Eine notwendige Förderung unterstützen wir aber nach wie vor. Arbeitsagenturen und Jobcenter verfügen über ausreichende finanzielle Mittel. Aktuell fördern wir beispielsweise 3.028 Personen (14,2 Prozent) mehr im Bereich der beruflichen Weiterbildung als im Mai 2018“, betonte Holtzwart.

Zwei der Regierungsbezirke mit geringerer Arbeitslosenquote als im Vorjahr

In den einzelnen Regionen ist die Entwicklung unterschiedlich. Während die Arbeitslosenquote im Vorjahresvergleich in Oberbayern und Mittelfranken zurückgeht, steigt die Quote in der Oberpfalz und Niederbayern. In Schwaben, in Unterfranken und in Oberfranken bleibt die Quote auf gleichem Niveau. Im Vergleich zum April geht die Quote in fünf der Regierungsbezirke um 0,1 Prozentpunkte zurück. Nur in der Oberpfalz und in Schwaben bleibt sie auf dem gleichen Wert wie im Vormonat.

 

Regierungsbezirk

 

Mai 2019

Vormonat

Vorjahresmonat

 

       

Oberbayern

 

2,5

2,6

2,7

Oberpfalz

 

2,5

2,5

2,4

Schwaben

 

2,5

2,5

2,5

Niederbayern

 

2,6

2,7

2,5

Unterfranken

 

2,6

2,7

2,6

Oberfranken

 

3,0

3,1

3,0

Mittelfranken

 

3,3

3,4

3,4

 

Rückgang bei gemeldeten Stellen setzt sich fort

„Aktuell sind 127.733 offene Stellen im Bestand der bayerischen Arbeitsagenturen und gemeinsamen Einrichtungen, das sind 1.846 bzw. 1,4 Prozent weniger als im letzten Jahr. Der Rückgang fällt deutlicher aus als noch im April. Dennoch befindet sich der Bestand auf einem hohen Niveau. Die Arbeitskräftenachfrage konzentriert sich insbesondere auf Fachkräfte. Lediglich 17 Prozent der offenen Stellen sind für Helfer ausgeschrieben, knapp zwei Drittel (65 Prozent) für Fachkräfte und weitere 18 Prozent für Akademiker. Von den rund 128.000 gemeldeten Arbeitsstellen im Bestand entfallen 36.042 (ca. 28 Prozent) auf die Arbeitnehmerüberlassung. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen der Handel und das Verarbeitende Gewerbe mit 13.896 bzw. 13.845 gemeldeten Arbeitsstellen“, berichtete Holtzwart.

„Bei den insgesamt 146.440 neu gemeldeten Stellen seit Jahresbeginn zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Schon in den vergangenen Monaten verzeichneten wir einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Dieser fällt im Mai mit -12.377 bzw. -7,8 Prozent vergleichsweise deutlich aus. Dies deutet ähnlich wie der Rückgang beim Stellenindex BA-X auf konjunkturelle Ursachen hin. Die Unternehmen agieren etwas zurückhaltender bei Neueinstellungen und Neumeldungen von Stellen. Man darf aber auch nicht übersehen, dass die bayerischen Arbeitsagenturen allein im Mai 26.487 neue Stellenangebote entgegennahmen. Das belegt die weiterhin starke Nachfrage nach Arbeitskräften im Freistaat“, so Holtzwart weiter.

Zwischen den einzelnen Branchen ergeben sich deutliche Unterschiede. Aus den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen und der Öffentlichen Verwaltung wurden seit Jahresbeginn 1.381 (+13,6 Prozent) bzw. 578 (+10,4 Prozent) mehr Stellen gemeldet als vor einem Jahr. Der Großteil der Stellenzugänge aus den genannten Dienstleistungsbranchen stammt aus den Bereichen Rechtsberatung (vor allem Assistenten in Rechtsanwaltskanzleien und im Notariat, aber auch Rechtsanwälte), Steuerberatung, Lokführung (Fahrzeugführung im Eisenbahnverkehr), Verkauf, Fachberatung im Lager und Stellen in Architektur- und Ingenieurbüros (Architekten/ Bauplaner, Bürofachkräfte). Aus der öffentlichen Verwaltung sind es insbesondere die Bereiche Verwaltung, Büro, Erziehung, Sozialarbeit, Bauingenieure in Verwaltung und Aufsicht sowie Mitarbeiter in der Sozialversicherung. Ein deutlicher Rückgang der gemeldeten Stellen war dahingegen aus der Arbeitnehmerüberlassung (-5.069 bzw. -10,0 Prozent), dem Verarbeitenden Gewerbe (-2.714 bzw. -16,2 Prozent), hier vor allem aus der Metall- und Elektroindustrie (-1.468 bzw. -15,6 Prozent) und dem Handel (-1.724 bzw. -10,0 Prozent) zu verzeichnen.

Beschäftigungsaufwuchs dauert an

Auf ähnlichem Niveau wie in den Vormonaten stieg aktuellen Hochrechnungen zufolge die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und liegt im März bei 5.669.900 Beschäftigten. Im Vergleich zum Vormonat bedeutet dies ein Wachstum von 26.400 Personen bzw. 0,5 Prozent. Das Beschäftigungswachstum zeigt sich noch deutlicher im Vorjahresvergleich. So waren im März 126.000 Personen bzw. 2,3 Prozent mehr Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als im März 2018.

„Der aktuelle Beschäftigungsanstieg spiegelt weiterhin die gute Lage am bayerischen Arbeitsmarkt. Auch bei vorübergehend verhaltenen Aussichten reagieren die Unternehmen besonnen und entlassen nicht voreilig Mitarbeiter, die sie beim nächsten Aufwärtstrend dann wieder neu gewinnen müssten. Wo es nötig ist, helfen wir den Betrieben durch Zahlung von Kurzarbeitergeld.

In der größten Beschäftigungsbranche – dem Verarbeitenden Gewerbe – wächst die Beschäftigung um 27.100 Personen bzw. +1,9 Prozent zum Vorjahr. Dies ist das größte Wachstum in absoluten Werten. Den weitaus größten Teil des Wachstums innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes verbucht die Metall- und Elektroindustrie mit einem Aufwuchs von 21.500 Beschäftigten (+2,2 Prozent). Ebenfalls hohe Zuwachszahlen verzeichnen wir bei den Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (+5,6 Prozent bzw. 23.900), in dem z. B. Büro-Fachkräfte und Software-Entwickler beschäftigt sind, im Baugewerbe (+5,0 Prozent bzw. 15.400) sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche (+6,1 Prozent bzw. 12.800). Rückläufige Beschäftigtenzahlen sind nach wie vor allein in der Finanzbranche (-0,6 Prozent bzw. 1.100) und der Arbeitnehmerüberlassung (-12,9 Prozent bzw. 17.300) zu verzeichnen“, erläuterte Holtzwart.

Der Fachkräftebedarf in Bayern

Im Verlauf des Jahres 2018 wurden den bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcentern 212.246 sozialversicherungspflichtige Stellen auf Fachkraftniveau oder höher gemeldet. Das entspricht einem Zuwachs von 0,9 Prozent zum Vorjahr. Mit 14.744 kamen die meisten neuen Stellen aus dem Verkauf, gefolgt von Stellenzugängen aus dem Bereich Erziehung und Sozialarbeit (11.860) sowie Büro und Sekretariat (10.881). Jede zweite Stelle, die durchschnittlich im Bestand war, blieb drei Monate oder länger unbesetzt. Im Schnitt lag die Vakanzzeit bei 122 Tagen. Zum Vergleich: 2008 waren es in Bayern noch 67 Tage, bis die Stelle wieder abgemeldet wurde. Auf 100 Stellen kamen im Jahr 2018 153 Arbeitslose auf Fachkraftniveau oder höher, was auf einen Fachkräfteengpass hindeutet. Ein Merkmal für einen Fachkräfteengpass ist, wenn auf 100 offene Stellen bei Fachkräften und Spezialisten weniger als 200 und bei Experten weniger als 400 Arbeitslose kommen. Besonders lange suchten bayerische Einrichtungen nach Fachkräften in der Altenpflege (221 Tage). Hier kamen gerade einmal 15 Arbeitslose auf 100 Arbeitsstellen. Ebenfalls lange unbesetzt blieben Stellen im Bereich Klempnerei, Sanitär, Heizung- und Klimatechnik (219 Tage).

„Dem Fachkräfteengpass begegnen wir mit drei Säulen: die Unterstützung bei der Berufsorientierung und Ausbildung, die Förderung der Fachkräftezuwanderung aus dem Ausland sowie die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten. Gerade bei letzterem haben wir mit den Fördermöglichkeiten durch das Qualifizierungschancengesetz einen erweiterten Spielraum. Wir können Unternehmen bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiterschaft gut unterstützen und entweder die Weiterbildung vom Helfer zur Fachkraft fördern oder die Anpassungsqualifizierung finanzieren, damit sie auch morgen noch die notwendigen Kenntnisse haben", so Holtzwart abschließend.