31.07.2019 | Presseinfo Nr. 31

Im Juli steigt die Arbeitslosigkeit sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch zum Vorjahr

 

„Wie saisonal üblich steigt die Arbeitslosigkeit im Juli gegenüber dem Vormonat an. 202.554 Menschen sind aktuell arbeitslos gemeldet, das sind 5.041 bzw. 2,6 Prozent mehr als im Juni. Diese Entwicklung geht vor allem auf die Gruppe der 15- bis 25-jährigen zurück. Nach dem Ende des Ausbildungsjahres und des Sommersemesters melden sich viele von ihnen arbeitslos. So betrug der Anstieg bei dieser Personengruppe 3.528 bzw. 19,5 Prozent. Einen Rückgang erwarten wir für die Zeit ab September, wenn das neue Schuljahr beginnt.

Im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit ebenfalls an. Im Juli waren 1.350 Menschen bzw. 0,7 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als im Juli 2018. Damit steigt zum ersten Mal seit September 2014 die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich wieder an. Der Grund liegt in der bereits berichteten Entwicklung im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III). Hier steigt die Arbeitslosigkeit um 8.234 Personen bzw. 8,0 Prozent an. In den vergangenen Monaten konnte die nach wie vor positive Entwicklung im Bereich der Grundsicherung (SGB II) das ausgleichen. In diesem Monat waren zwar 6.884 Menschen bzw. 7,0 Prozent weniger bei den Jobcentern arbeitslos gemeldet. Diese Zahl reicht aber im Juli nicht mehr für einen Rückgang insgesamt aus.

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 2,7, das ist ein Anstieg um 0,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Juni. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt sie unverändert“, erklärte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern.

 

Arbeitslosenzahl im Juli:                                   + 5.041 auf 202.554 (+ 2,6 Prozent)

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:        + 1.350 (+ 0,7 Prozent)

Arbeitslosenquote gegenüber Vormonat:       + 0,1 Prozentpunkte bei 2,7 Prozent

Arbeitslosenquote gegenüber Vorjahr:           keine Veränderung

 

„Nach dem Arbeitsmarktbarometer[1] des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist davon auszugehen, dass die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird. Das Barometer fällt auf 101,6 Punkte, liegt also noch im positiven Bereich, erreicht allerdings den niedrigsten Wert seit Sommer 2013. Das IAB spricht von einem Konjunkturabschwung, der nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigehen wird, auch wenn er insgesamt noch auf Kurs bleibt", so Holtzwart weiter.


 

[1] Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert.

Die Zahl der Unterbeschäftigung, die auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und mit Sonderstatus erfasst, beträgt im Juli 293.507. Im Vorjahresvergleich steigt die Unterbeschäftigung mit einem Plus von 742 bzw. 0,3 Prozent etwas geringer als die Arbeitslosigkeit. „Wir sehen, dass die eingesetzten Förderungen nicht ausreichen, um für eine ausreichende Entlastung am Arbeitsmarkt zu sorgen. Erfreulich ist aber, dass wir aktuell im Bereich der beruflichen Weiterbildung deutlich mehr Menschen fördern, nämlich 17,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur künftigen Beschäftigungsfähigkeit“, betonte Holtzwart.

 

 

Arbeitslosenquote steigt in drei Regierungsbezirken

In den Agenturbezirken Bayerns gibt es unterschiedliche Entwicklungen. So steigt im Agenturbezirk Regensburg die Arbeitslosigkeit um 11,4 Prozent, während der Agenturbezirk München einen Rückgang um 4,3 Prozent verzeichnet. Dementsprechend ist auch die Situation in den Regierungsbezirken nicht einheitlich. Während in Oberbayern und Mittelfranken die Arbeitslosenquote um jeweils 0,1 Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr zurückgeht, erhöht sich die Quote in der Oberpfalz um 0,2 Prozentpunkte, in Unterfranken und in Niederbayern um je 0,1 Prozentpunkte. In Schwaben und Oberfranken bleibt die Quote unverändert im Vergleich zum Vorjahr.

 

Regierungsbezirk

 

Juli 2019

Vormonat

Vorjahresmonat

 

       

Oberpfalz

 

2,5

2,4

2,3

Schwaben

 

2,5

2,4

2,5

Oberbayern

 

2,6

2,5

2,7

Niederbayern

 

2,6

2,5

2,5

Unterfranken

 

2,7

2,6

2,6

Oberfranken

 

3,0

2,9

3,0

Mittelfranken

 

3,3

3,3

3,4

Rückgang bei gemeldeten Stellen wird deutlicher

„Aktuell sind 128.768 offene Stellen im Bestand der bayerischen Arbeitsagenturen und gemeinsamen Einrichtungen, das sind 5.669 bzw. 4,2 Prozent weniger als im letzten Jahr. Der Rückgang fällt damit deutlicher aus als noch im Juni. Die Arbeitskräftenachfrage konzentriert sich insbesondere auf Fachkräfte. Lediglich 17 Prozent der offenen Stellen sind für Helfer ausgeschrieben, knapp zwei Drittel (65 Prozent) für Fachkräfte und weitere 18 Prozent für Akademiker. Von den rund 129.000 gemeldeten Arbeitsstellen im Bestand entfallen 36.510 (ca. 28 Prozent) auf die Arbeitnehmerüberlassung. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen der Handel und das Verarbeitende Gewerbe mit 14.479 bzw. 13.830 gemeldeten Arbeitsstellen.

Bei den insgesamt 202.153 neu gemeldeten Stellen seit Jahresbeginn zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Auch hier gibt es einen Rückgang um 22.111 bzw. -9,9 Prozent. Die Neumeldungen gehen schon seit einigen Monaten zurück, aktuell fallen die Rückgänge aber deutlicher aus“, so Holtzwart weiter.

Zwischen den einzelnen Branchen ergeben sich deutliche Unterschiede. Aus den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen und der Öffentlichen Verwaltung wurden seit Jahresbeginn 334 (+2,2 Prozent) bzw. 683 (+8,6 Prozent) mehr Stellen gemeldet als vor einem Jahr. Der Aufwuchs fällt aber deutlich geringer aus als im letzten Monat. Ein deutlicher Rückgang der gemeldeten Stellen war dahingegen aus der Arbeitnehmerüberlassung (-8.798 bzw. -12,2 Prozent), dem Verarbeitenden Gewerbe (-3.915 bzw. -16,7 Prozent), hier vor allem aus der Metall- und Elektroindustrie (-2.228 bzw. -17,1 Prozent) und dem Handel (-3.530 bzw. -14,0 Prozent) zu verzeichnen.

 

Beschäftigungsaufwuchs setzt sich auch im Mai fort

Anders als die Entwicklung der Arbeitslosigkeit gibt es beim Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung weiterhin keinen Einbruch. Nach der aktuellen Hochrechnung waren im Mai in Bayern 5.698.000 Personen beschäftigt. Im Vergleich zum April bedeutet dies ein Wachstum von 9.200 Personen bzw. 0,2 Prozent. Das Beschäftigungswachstum im Vorjahresvergleich bleibt auf ähnlichem Niveau wie in den Vormonaten. So waren im Mai 109.300 Personen bzw. 2,0 Prozent mehr Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als im Mai 2018.

„Die aktuelle Hochrechnung bezieht sich auf den Mai. In diesem Monat berichteten wir schon über steigende Arbeitslosenzahlen im Bereich der Arbeitslosenversicherung. Dies war aber nicht mit einem Abbau von Beschäftigung verbunden. So ist die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Bayern nach wie vor erfreulich. Allenfalls eine leichte Abschwächung des Zuwachses im Vorjahresvergleich bei den Hauptbranchen können wir feststellen.
In der größten Beschäftigungsbranche – dem Verarbeitenden Gewerbe – wächst die Beschäftigung um 22.200 Personen (+1,6 Prozent; Vormonat: +1,7 Prozent) zum Vorjahr. Den weitaus größten Teil des Wachstums innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes verbucht die Metall- und Elektroindustrie mit einem Aufwuchs von 17.600 Beschäftigten (+1,8 Prozent; Vormonat: +2,0 Prozent). Hier ist allerdings zu beachten, dass zu Jahresanfang noch ein Beschäftigungsaufwuchs von 2,7 Prozent im Vorjahresvergleich zu verzeichnen war. Dies schwächt sich seither ab. Aktuell liegt das Beschäftigungswachstum prozentual unter dem Durchschnitt. Gleiche Zuwachszahlen wie das Verarbeitende Gewerbe verzeichnen wir bei den Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (+22.200 bzw.5,2 Prozent; Vormonat: +5,5 Prozent), in dem z. B. Büro-Fachkräfte und Software-Entwickler beschäftigt sind. Ebenfalls hohe Zuwächse gibt es in der Informations- und Kommunikationsbranche (+12.400 bzw. 5,8 Prozent; Vormonat: +5,9 Prozent) sowie im Baugewerbe (+12.000 bzw. 3,7 Prozent; Vormonat: +3,8 Prozent). Rückläufige Beschäftigtenzahlen sind nach wie vor allein in der Finanzbranche (-500 bzw. 0,3 Prozent) und der Arbeitnehmerüberlassung (-21.200 bzw. 15,6 Prozent) zu verzeichnen“, erläuterte Holtzwart.

Für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung wird es noch schwerer

In den Monaten August 2018 bis Juli 2019 meldeten sich insgesamt 404.971 Menschen aus Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt oder Selbstständigkeit arbeitslos. Das waren 4.240 bzw. 1,1 Prozent mehr als von August 2017 bis Juli 2018. Gleichzeitig gingen die Neumeldungen von offenen Stellen um 35.649 bzw. 9,3 Prozent zurück. Den zahlenmäßig größten Aufwuchs von Arbeitslosmeldungen gab es mit einer Zunahme von 3.714 bzw. 11,9 Prozent bei Personen, die zuvor in Fertigungstechnischen Berufen tätig waren. Ebenfalls mehr Arbeitslosmeldungen kamen aus Verkehrs- und Logistikberufen (+2.798 bzw. 4,9 Prozent) und den Fertigungsberufen (+2.157 bzw. 5,8 Prozent). Aus diesen Berufssegmenten gingen auch die neuen Stellenmeldungen prozentual deutlich zurück. Bei den Bau- und Ausbauberufen gingen dagegen die Arbeitslosmeldungen deutlich zurück (-2.547 bzw. 5,9 Prozent).

Besonders Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung waren vermehrt von Entlassungen betroffen: in dieser Personengruppe stiegen die neuen Arbeitslosmeldungen um 6.009 bzw. 5,1 Prozent, während die Zahl der Stellenmeldungen für Helfer um 12.461 bzw. 15,1 Prozent zurückging.

„Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung finden immer schwerer den Weg aus der Arbeitslosigkeit. Wir können diesen Menschen oft keine passenden Stellen anbieten. Ich ermuntere daher alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, den anstrengenden aber lohnenden Weg der Qualifizierung zu gehen. Dazu muss niemand bis zum Eintritt der Arbeitslosigkeit warten. Schon in der Beschäftigung besteht die Möglichkeit, an Qualifizierungen teilzunehmen. Auch die Arbeitgeber profitieren von der frühzeitigen Qualifizierung ihrer Belegschaft: Wenn bewährte Helfer berufsbegleitend zur Fachkraft entwickelt werden, gewinnen Unternehmen Fachkräfte aus dem eigenen Haus. Wir bieten attraktive finanzielle Unterstützung. Die Qualifizierungskosten zahlen wir bis zu 100 Prozent. Außerdem erhält der Arbeitgeber einen Lohnkostenzuschuss“, so Holtzwart abschließend.