03.06.2020 | Presseinfo Nr. 31

Auswirkungen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt weiterhin deutlich spürbar

 

"Im Zuge der Corona-Krise hat sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit weiter verschlechtert. Im Mai waren insgesamt 290.580 Menschen in Bayern arbeitslos gemeldet. Das sind 89.354 Menschen bzw. 44,4 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,8 Prozent. Das ist die höchste Quote für einen Mai seit zehn Jahren. Der Arbeitsmarkt in Bayern ist auch im Mai wenig aufnahmefähig. Zwar haben im Mai weniger Menschen ihre Arbeitsstelle verloren als im Vormonat (-29,8 Prozent). Allerdings konnten gleichzeitig weniger Personen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung beenden (-16,6 Prozent). Dadurch ist die Arbeitslosigkeit insgesamt weiterhin gestiegen. Nicht zuletzt führen die Einschränkungen bei den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen dazu, dass weniger Menschen qualifiziert werden können", erklärte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern.

 

Arbeitslosenzahl im Mai:                                   + 18.727 auf 290.580 (+6,9 Prozent)

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:        + 89.354 (+ 44,4 Prozent)

Arbeitslosenquote gegenüber Vormonat:       + 0,2 Prozentpunkte auf 3,8 Prozent

Arbeitslosenquote gegenüber Vorjahr:           + 1,1 Prozentpunkte

 

"Trotz der steigenden Arbeitslosenzahlen haben die Unternehmen schnell und flexibel auf die neuen Rahmenbedingungen reagiert, um ihre Geschäftsfähigkeit zu erhalten. Betriebe mussten ihre Arbeitsabläufe zum Teil massiv umstellen, um dem Gesundheitsschutz Rechnung zu tragen, Homeoffice wurde ausgebaut und wo erforderlich das Produktsortiment angepasst und Vertriebswege geändert. Auch die starke Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes zeigt, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter halten möchten. Das Kurzarbeitergeld[1] sichert Beschäftigung und vermeidet Arbeitslosigkeit", sagte Holtzwart weiter.

 

 

Unterbeschäftigung

„Die Entwicklung der Unterbeschäftigung fällt weiterhin günstiger aus als die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Aufgrund der bestehenden Einschränkungen war es arbeitslosen Personen bis vor kurzem nicht möglich, an Präsenzmaßnahmen teilzunehmen. Dies wirkt sich erhöhend auf die Arbeitslosigkeit aus, nicht jedoch auf die Unterbeschäftigung. Denn in letztere fließen neben arbeitslosen Menschen auch Maßnahmeteilnehmer mit ein. Im Mai betrug die Zahl der Unterbeschäftigung 366.058. Damit ist die Unterbeschäftigung mit einem Plus von 24,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zwar erneut deutlich gestiegen, aber nicht so stark wie die Arbeitslosigkeit", so Holtzwart weiter.

 

 

Hohe Ausbildungsbereitschaft der bayerischen Wirtschaft

Bis Mai haben sich 61.755 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle an die Arbeitsagenturen in Bayern gewandt. Im selben Zeitraum wurden 92.151 Ausbildungsstellen gemeldet. Aus Sicht der Jugendlichen ist die Lage am Ausbildungsmarkt somit gut. Die 26.237 Bewerber, die derzeit noch keine Ausbildung oder eine Alternative gefunden haben, können aus 45.757 unbesetzten Lehrstellen wählen. Rein rechnerisch stehen jedem unversorgten Bewerber 1,7 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.

Die Corona-Krise scheint auf dem Ausbildungsmarkt – im Moment zumindest – nur sehr begrenzte Auswirkungen zu haben. Zwar sind die Zahlen der Bewerber und der Ausbildungsstellen geringer als im Vorjahr. Die Pandemie hat diese Entwicklung jedoch nur geringfügig verstärkt. Bereits seit Oktober 2019 ist ein Rückgang bei den gemeldeten Berufsausbildungsstellen und Bewerbern festzustellen. Dieser ist strukturell bedingt. Insgesamt haben seit Oktober bereits 23.165 Bewerber eine Ausbildung gefunden. Besonders viele offene Lehrstellen gibt es für Verkaufsberufe, Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe, Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe, Einkaufs-, Vertriebs- sowie Handelsberufe.

"Unsere Botschaft ist hier ganz klar: Unternehmen sollen ihre Ausbildungsbereitschaft weiter hochhalten! Trotz der bestehenden Unsicherheiten muss die Ausbildung der Nachwuchskräfte fest im Blick behalten werden. Der Azubi von heute ist die Fachkraft von morgen. Corona ist irgendwann vorbei, doch der Bedarf an Fachkräften bleibt und ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit eines jeden Unternehmens. Erfreulicherweise stellen wir fest, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ungebrochen hoch ist", betonte Holtzwart.

 

Personalbedarf weiter rückläufig

"Schon vor Beginn der Pandemie gingen die Stellenmeldungen in Bayern zurück. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung nochmal deutlich verstärkt. Allerdings zieht die Nachfrage nach Arbeitskräften schon wieder an, so wurden im Vergleich zum Vormonat 2.223 bzw. 17,2 Prozent mehr Stellen gemeldet. Vor allem im Handel, im Baugewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Verwaltung wurden wieder mehr Stellen gemeldet als noch im April. Im Vergleich zum Mai 2019 sehen wir jedoch weiterhin einen starken Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften. So wurden im Mai 15.167 neue Arbeitsstellen gemeldet, 11.320 bzw. 42,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. In der Arbeitnehmerüberlassung sind im Mai 2020 4.931 (-57,2 Prozent) Arbeitsstellen weniger gemeldet worden als im Vorjahr. Auch Betriebe aus dem Gastgewerbe (-1.319 bzw. -76 Prozent), dem Verarbeitenden Gewerbe (-972 bzw. -38 Prozent), dem Gesundheits- und Sozialwesen (-928 bzw. -38,3 Prozent) und Handel (-907 bzw. -32,5 Prozent) suchten weniger Arbeitskräfte als letztes Jahr im Mai", sagte Holtzwart weiter.

 

Beschäftigungswachstum deutlich abgeschwächt

Nach den aktuellsten hochgerechneten Daten waren im März 2020 rund 5.718.800 Menschen sozialversicherungspflichtig in Bayern beschäftigt. Das Beschäftigungswachstum setzt sich mit einem Plus von 50.900 bzw. 0,9 Prozent zum Vorjahr zwar fort, hat sich aber deutlich abgeschwächt. Da das Corona-Virus Ende März bereits erste Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte, kann diese Abschwächung zumindest teilweise darauf zurückgeführt werden.

„Trotz der Lockerungen der Beschränkungen steht die bayerische Wirtschaft noch vor großen Herausforderungen. Die Unternehmen nutzen Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitmodelle, um ihre Belegschaft zu halten. Falls erforderlich wird Personal durch natürliche Fluktuation sowie das Auslaufen von Befristungen abgebaut. Manche Bereiche der Wirtschaft sind weiterhin geschlossen, Lieferketten funktionieren noch nicht überall, andere Vertriebswege müssen gefunden werden. Zudem müssen teilweise Arbeitsabläufe angepasst und Produktpaletten geändert werden. Das alles wirkt sich auch auf die Arbeitsproduktivität aus. Wichtig ist, die Krise auch als Chance zu begreifen und die Erkenntnisse zu nutzen. Die Erfahrungen und Lösungen, die sich in der Krisenzeit als gut herausgestellt haben, können und sollten in der Gestaltung des künftigen Arbeitsalltags mit einfließen“, erklärte Holtzwart abschließend.

 


[1] Im Mai 2020 sind in Bayern 13.364 (April und März: 125.998) Anzeigen zu Kurzarbeit eingegangen. In einigen Wirtschaftsbereichen wurde Kurzarbeit bereits wieder beendet oder eine Verlängerung von Kurzarbeit wurde angezeigt.