01.07.2020 | Presseinfo Nr. 33

Arbeitslosenzahl in Bayern bleibt unter 300.000

 

"Die Arbeitslosigkeit in Bayern steigt erneut an, jedoch nicht mehr im so starken Ausmaß wie in den vorherigen Monaten. So waren im Juni insgesamt 293.823 Menschen in Bayern arbeitslos gemeldet. Das sind 3.243 Menschen bzw. 1,1 Prozent mehr als im Mai. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,9 Prozent. Positiv ist, dass trotz der schwierigen Situation wieder mehr Menschen eine Beschäftigung gefunden haben. So konnten im Juni rund 25.000 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung beenden. Dennoch haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie verbunden mit den strukturellen Entwicklungen, die vor der Krise eingesetzt haben, den bayerischen Arbeitsmarkt weiter im Griff. So ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 96.310 Personen gestiegen", erklärte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern.

 

Arbeitslosenzahl im Juni:                                  + 3.243 auf 293.823 (+1,1 Prozent)

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:        + 96.310 (+ 48,8 Prozent)

Arbeitslosenquote gegenüber Vormonat:       + 0,1 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent

Arbeitslosenquote im Vorjahr:                         + 2,6 Prozent

 

"Was uns besonders freut ist, dass trotz der Herausforderungen und Einschränkungen im Geschäftsalltag die Ausbildungsbereitschaft der bayerischen Unternehmen weiterhin groß ist. Das Angebot an Ausbildungsstellen übersteigt weiterhin die Nachfrage. Aktuell können Ausbildungsinteressierte noch aus 42.030 unbesetzten Lehrstellen in Bayern wählen. Insbesondere im Einkauf, Vertrieb und Verkauf, sowie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik gibt es noch viele freie Ausbildungsplätze. Junge Menschen sollten sich durch die aktuelle wirtschaftliche Schieflage nicht verunsichern lassen und sich um eine Ausbildung bewerben. Gleichzeitig appelliere ich an die Betriebe, die ausbilden wollen, ihre Ausbildungsverträge jetzt auch abzuschließen. Ein Auszubildender von heute ist die Fachkraft von morgen“, betonte Holtzwart.

 

 

Unterbeschäftigung

„Im Juni umfasste die Unterbeschäftigung 367.546 Personen. Damit liegt die Unterbeschäftigung mit einem Plus von 27,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Aufgrund der bestehenden Einschränkungen nehmen weiterhin weniger Menschen an Fördermaßnahmen teil. Dies wirkt sich erhöhend auf die Arbeitslosigkeit aus, nicht jedoch auf die Unterbeschäftigung, da diese auch Maßnahmeteilnehmer erfasst. Erfreulich ist, dass die Zahl der Teilnehmenden an beruflichen Weiterbildungen 2,3 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt", so Holtzwart weiter.

 

 

Ausbildungsmarkt in Bayern weiterhin Bewerbermarkt

Bis Juni haben sich 63.748 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle an die Arbeitsagenturen in Bayern gewandt. Im selben Zeitraum wurden 95.507 Ausbildungsstellen gemeldet. Die 23.384 Bewerber, die derzeit noch keine Ausbildung
oder eine Alternative gefunden haben, können aus 42.030 unbesetzten Lehrstellen wählen. Die Zahl der unversorgten Bewerber ist im Vergleich zum Vorjahr zwar um 8,5 Prozent bzw. 1.838 gestiegen. Rein rechnerisch stehen jedem unversorgten Bewerber jedoch immer noch 1,8 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.

"Auf der einen Seite gehören Verkaufs-, Handels- und Fahrzeugtechnikberufe zu den Top 5 der meisten unbesetzten Ausbildungsstellen in Bayern. Gleichzeitig ist die Zahl der unversorgten Bewerber, die sich für eine Ausbildung in den oben genannten Berufen gemeldet haben, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das deutet auf eine abwartende Haltung der Unternehmen hin. Das Kabinett hat am 24.6.2020 die Eckpunkte für ein Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ beschlossen. Alle jungen Menschen sollen möglichst eine Ausbildung beginnen und erfolgreich abschließen. Entscheidend ist, dass die Betriebe in Bayern ihre Ausbildungsverträge jetzt abschließen und den jungen Menschen Sicherheit geben und nicht warten, bis das Bundesprogramm umgesetzt wird", betonte Holtzwart.

 

Erneut mehr Stellenmeldungen zum Vormonat

Nach der schrittweisen Lockerung der Pandemiemaßnahmen nimmt die Zahl an neu gemeldeten Stellen seit dem Einbruch im April nach Mai erneut leicht zu. So wurden im Juni insgesamt 17.238 neue Stellenangebote gemeldet, das sind 2.071 bzw. 13,7 Prozent mehr als im Vormonat. Mit einem Minus von 43,1 Prozent unterschreitet das Angebot neu gemeldeter Stellen jedoch weiterhin deutlich das Vorjahresniveau.

"Vor allem im Gastgewerbe (+150 Prozent), im Gesundheits- und Sozialwesen, im Bereich Immobilien, freiberufliche, technische und wissenschaftliche Dienstleistungen sowie im Handel wurden wieder mehr Stellen gemeldet als noch im Mai. Es ist zu erkennen, dass vor allem die Branchen, die am stärksten von den behördlichen Beschränkungen betroffen sind, nun wieder Personal einstellen möchten. Immerhin konnten im Juni auch 11.127 Stellen besetzt werden. Das ist ein gutes Zeichen. Gesucht werden vor allem Fachkräfte. 60 Prozent der Stellenmeldungen im Juni sind für Fachkräfte ausgeschrieben, 21 Prozent für Akademiker und 19 Prozent für Helfer. Im Vergleich zum Juni 2019 sehen wir jedoch weiterhin einen starken Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Einbruch der Arbeitskräftenachfrage bedingt durch die Pandemie wird durch die strukturelle Entwicklung nochmal verschärft", sagte Holtzwart weiter.

 

Beschäftigungswachstum gestoppt

Nach den aktuellsten hochgerechneten Daten waren im April insgesamt 5.691.800 Menschen sozialversicherungspflichtig in Bayern beschäftigt. Das waren 28.200 Beschäftigte bzw. 0,5 Prozent weniger als im März. Im Zuge der Corona-Krise ist die Beschäftigung von März auf April das erste Mal seit fünf Jahren leicht rückläufig. Mit einem Plus von 100 Personen bleibt die Beschäftigtenzahl auf dem Vorjahresniveau.

„Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt erkennen, wobei in den letzten beiden Monaten weniger Anzeigen hinzugekommen sind. Dass die Beschäftigung zum Vormonat nicht noch stärker zurückgegangen ist, zeigt, dass Kurzarbeit ein akzeptiertes und erfolgreiches Instrument ist und die Auswirkungen der Krise deutlich abmildert. Laut einer aktuellen Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren im Mai etwa 22 Prozent und damit circa 1,25 Millionen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern in Kurzarbeit[1].

Wichtig ist, dass Unternehmen nach Ende der Krise schnellstmöglich durchstarten können. Dazu gehört auch eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Betriebe. Um Unternehmen dabei zu unterstützen, setzen wir stark auf die Qualifizierung von Beschäftigten. Was viele Betriebe nicht wissen: auch in Zeiten der Kurzarbeit ist die Weiterbildung ihrer Belegschaft möglich und wird von uns gefördert. Ich empfehle Arbeitgebern, die Fördermöglichkeiten intensiv zu nutzen“, erklärte Holtzwart abschließend.

 

 


[1] Offizielle Zahlen zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit liegen erst deutlich zeitverzögert vor. Durch die Online-Befragung „Leben und Erwerbstätigkeit in Zeiten von Corona“ des IAB, bei der bundesweit Personen auch zum Thema Kurzarbeit befragt wurden, liegen nunmehr bereits erste Ergebnisse zur Inanspruchnahme vor. http://www.iab-forum.de/kurzarbeit-in-der-corona-krise-wer-ist-wie-stark-betroffen/