30.09.2019 | Presseinfo Nr. 37

Jahreszeitlich übliche Abnahme der Arbeitslosigkeit nach den Sommerferien

 

„Im September treten viele ehemalige Schüler und Studierende eine Ausbildung oder Beschäftigung an und melden sich aus der Arbeitslosigkeit ab. So geht in der Gruppe der 15- bis 25-jährigen die Arbeitslosigkeit um 5.231 bzw. 18,3 Prozent deutlich zurück. Das wirkt sich auch auf den Gesamtbestand der Arbeitslosen aus, der ebenfalls im Vergleich zum August um 9.713 Personen bzw. 4,4 Prozent zurückgeht.

Im Vorjahresvergleich allerdings stieg die Arbeitslosigkeit wie in den letzten zwei Vormonaten. Insgesamt waren 2.464 Menschen bzw. 1,2 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als im September 2018. Der Zuwachs fällt leicht höher aus als im August (+1.905 bzw. 0,9 Prozent). Wir beobachten einen erhöhten Zugang aus Erwerbstätigkeit in die Arbeitslosigkeit. Im September waren das 2.122 Personen bzw. 6,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Dagegen blieb der Abgang aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit unverändert. Ebenfalls wie in den zwei Vormonaten stieg die Arbeitslosigkeit allein im Bereich des SGB III (+9.945 bzw. 9,4 Prozent), während sie im Bereich der Grundsicherung zurückging (-7.481 bzw. 7,4 Prozent).

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 2,8, das ist ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte im Vergleich zum August. Im Vorjahresvergleich bleibt die Quote unverändert“, erklärte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern.

Arbeitslosenzahl im September:                      - 9.713 auf 209.469 (- 4,4 Prozent)

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:        + 2.464 (+ 1,2 Prozent)

Arbeitslosenquote gegenüber Vormonat:       - 0,1 Prozentpunkte bei 2,8 Prozent

Arbeitslosenquote gegenüber Vorjahr:           keine Veränderung

 

„Das Arbeitsmarktbarometer[1] des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erholt sich leicht auf nun 101,8 Punkte. Nach Aussage des IAB erwarten die Arbeitsagenturen zwar weiterhin einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, jedoch in moderatem Umfang. Die Aussichten auf die Beschäftigungsentwicklung sind weiterhin positiv. Laut IAB macht der Konjunkturabschwung dem Arbeitsmarkt zwar zu schaffen, aber er hält sich weiterhin insgesamt gut", so Holtzwart weiter.


[1] Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert.

Die Zahl der Unterbeschäftigung, die auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und mit Sonderstatus erfasst, beträgt im September 292.392. Im Vorjahresvergleich stieg die Unterbeschäftigung mit einem Plus von 4.511 bzw. 1,6 Prozent stärker als die Arbeitslosigkeit. „Es ist richtig, jetzt in die Qualifizierung der Menschen zu investieren. Denn wer über aktuelle und zukunftsfähige berufliche Kompetenzen verfügt, findet leichter den Weg zurück in den Arbeitsmarkt“, betonte Holtzwart.


Vier Regierungsbezirke haben eine Quote von nur 2,6

In allen Regierungsbezirken fällt die Arbeitslosenquote im Vergleich zum August. Im Vorjahresvergleich ist das Bild differenzierter. Nur in Oberbayern geht die Quote um 0,1 Prozentpunkte zurück. In der Oberpfalz steigt sie um 0,2, in Oberfranken und Unterfranken um 0,1 Prozentpunkte. Die drei anderen Regierungsbezirke halten ihre Quote aus dem Vorjahr. Trotz der Anstiege liegt in fünf Bezirken die Arbeitslosenquote weiterhin unter der Drei-Prozent-Marke, in Unterfranken bei 2,8, in Oberbayern, Niederbayern, der Oberpfalz und Schwaben sogar nur bei 2,6. Nur in Mittelfranken und Oberfranken liegt sie über 3,0 Prozent.

Regierungsbezirk

 

September 2019

Vormonat

Vorjahresmonat

 

       

Oberbayern

 

2,6

2,7

2,7

Niederbayern

 

2,6

2,8

2,6

Oberpfalz

 

2,6

2,8

2,4

Schwaben

 

2,6

2,7

2,6

Unterfranken

 

2,8

3,0

2,7

Oberfranken

 

3,2

3,3

3,1

Mittelfranken

 

3,4

3,6

3,4

 

Rückgang bei neu gemeldeten Stellen hält an

„Aktuell sind 128.605 offene Stellen im Bestand der bayerischen Arbeitsagenturen und gemeinsamen Einrichtungen, das sind 6.788 bzw. 5,0 Prozent weniger als im letzten Jahr. Der Rückgang erklärt sich aus den geringer werdenden Neumeldungen von Stellen. Die Arbeitskräftenachfrage ist aber weiterhin auf hohem Niveau und konzentriert sich insbesondere auf Fachkräfte. Lediglich gut 17 Prozent der offenen Stellen sind für Helfer ausgeschrieben, knapp zwei Drittel (65 Prozent) für Fachkräfte und weitere knapp 18 Prozent für Akademiker. Von den knapp 130.000 gemeldeten Arbeitsstellen im Bestand entfallen 37.166 (ca. 29 Prozent) auf die Arbeitnehmerüberlassung. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen der Handel und das Verarbeitende Gewerbe mit 14.711 bzw. 13.381 gemeldeten Arbeitsstellen.

Bei den insgesamt 258.320 neu gemeldeten Stellen seit Jahresbeginn bleibt es ebenfalls bei einem Rückgang um 26.506 bzw. 9,3 Prozent. In beinahe allen Branchen gehen die Neumeldungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Besonders große Rückgänge waren aus der Arbeitnehmerüberlassung (-10.444 bzw. -11,4 Prozent), dem Verarbeitenden Gewerbe (-4.953 bzw. -16,7 Prozent), hier vor allem aus der Metall- und Elektroindustrie (-2.905 bzw. -17,5 Prozent) und dem Handel (-3.756 bzw.
-11,8 Prozent) zu verzeichnen. Mehr Stellen seit Jahresbeginn in größerem Umfang meldete die Öffentliche Verwaltung (+920 bzw. +8,9 Prozent)“, so Holtzwart weiter.


Beschäftigungsaufwuchs besteht je nach Branche unterschiedlich stark fort

Der Beschäftigungsaufwuchs hält unvermindert an. Nach der aktuellen Hochrechnung waren im Juli in Bayern 5.691.300 Personen beschäftigt. Im Vergleich zum Juni bedeutet dies zwar einen jahreszeitlich üblichen Rückgang um 11.500 Personen bzw. 0,2 Prozent. Der Vergleich zum Vorjahr aber zeigt weiterhin ein solides Wachstum von 98.600 Personen bzw. 1,8 Prozent.

„Entgegen dem Aufwuchs von Arbeitslosigkeit nun schon im dritten Monat in Folge zeigt sich die Beschäftigungsentwicklung in Bayern weiterhin positiv. Wir sehen aktuell unterschiedliche Entwicklungen, die gleichzeitig ablaufen. Während im Verarbeitenden Gewerbe das Beschäftigungswachstum weiterhin besteht, jedoch seit einigen Monaten geringer wird (aktuell +1,0 Prozent statt +2,2 Prozent im Januar), ist das Wachstum beispielsweise in der Branche Information und Kommunikation deutlich überdurchschnittlich (aktuell 5,3 Prozent).

In absoluten Zahlen ist das Wachstum bei den Immobilien, freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, in denen z. B. Büro-Fachkräfte und Software-Entwickler beschäftigt sind, am größten (+18.900 bzw. 4,4 Prozent). Ähnlich hohe absolute Zuwachszahlen hat das Verarbeitende Gewerbe (+14.200 bzw. 1,0 Prozent). Rückläufige Beschäftigtenzahlen sind allein in der Arbeitnehmerüberlassung (-20.400 bzw. 15,1 Prozent) zu verzeichnen“, erläuterte Holtzwart.


Beschäftigung[1] von 2013 auf 2019 kräftig gestiegen

„Etwa eine dreiviertel Millionen Menschen mehr als im Jahr 2013 waren nach der aktuellen Hochrechnung am 30. Juni 2019 in Bayern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Den Großteil dieses Wachstums steuert das Verarbeitende Gewerbe bei. Um gut 130.000 Beschäftigte wuchs diese Branche an, die das Rückgrat der bayerischen Wirtschaft bildet. Sie wächst noch weiter, aber der Schwung hat im Zuge der aktuellen konjunkturellen Delle etwas eingebüßt. Auf dem zweiten Platz folgt mit gut 120.000 Beschäftigten mehr das Gesundheits- und Sozialwesen. Durch viele Programme und Initiativen mit unseren Partnern ist es uns gelungen, die Beschäftigung in diesem Bereich auszubauen, obwohl gerade hier der Bedarf an Arbeitskräften weiterhin größer ist als das Angebot“, erklärte Holtzwart.

Die prozentual größten Zuwächse verzeichnen mit jeweils 33 Prozent die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, deren Haupttreiber Verwaltung und Führung von Unternehmen (u.a. Büro-Fachkräfte) und Beschäftigte in Architektur- und Ingenieurbüros sind, und der Bereich Information und Kommunikation.

„Wir sehen auf dem bayerischen Arbeitsmarkt großes Potential in zukunftsträchtigen Branchen. Und es ist erfreulich, dass in den letzten Jahren hier die Beschäftigung so kräftig gewachsen ist. Das ist ein gutes Zeichen für die nächsten Jahre“, betonte Holtzwart.


[1] Methodischer Hinweis: Die Beschäftigtenstatistik nimmt jeweils den 30. Juni eines Jahres als Jahreswert, weil hier die saisonüblichen Ausschläge am geringsten sind. Aufgrund einer Wartezeit von sechs Monaten werden Daten für den 30. Juni 2019 hochgerechnet und gerundet.

 

Investition in Qualifizierung lohnt sich

In absoluten Zahlen geht das Wachstum[1] der Beschäftigung mit rund 40 Prozent (+260.681) vor allem auf die Fachkräfte zurück. Mit weiteren 37 Prozent haben Meister, Techniker und Akademiker einen ähnlich hohen Anteil (+242.314). Aber auch die Beschäftigung von Helfern legt mit 180.171 mehr Beschäftigten kräftig zu.

„Wir wissen aber, dass Helfer fünfmal stärker von der Gefahr arbeitslos zu werden betroffen sind als Personen mit einem Abschluss. So lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss im letzten Jahr bayernweit bei 10,0, während sie bei Personen mit Abschluss bei 1,9 lag. Der Zugang in Arbeitslosigkeit aus Erwerbstätigkeit erhöhte sich im September im Vergleich zum Vorjahresmonat bei Helfern um 10,2 Prozent, bei Fachkräften jedoch nur um 3,9 Prozent. Das spricht dafür, sich am besten schon während der Beschäftigung um die Qualifikation zu kümmern. Wir beraten Unternehmen und Arbeitnehmer gerne zu unseren Fördermöglichkeiten für Arbeitslose und Beschäftigte. Die Umsetzung des Qualifizierungschancengesetzes ist in Bayern gut angelaufen, aber es könnten noch viel mehr profitieren. Es stehen uns ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung. Daher ermuntere ich ausdrücklich dazu, den anstrengenden, aber lohnenden Weg der Qualifizierung zu gehen. Die Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte, wäre das Angebot größer, wäre auch das Beschäftigungswachstum noch größer ausgefallen“, so Holtzwart abschließend.


[1] Für die Beschäftigung nach Qualifikationsstufen liegen keine Hochrechnungen vor, so dass sich die Angaben hierzu auf den 30. Juni 2018 im Vergleich zu 2013 beziehen.