02.12.2020 | Presseinfo Nr. 45

Inklusion auf dem Arbeitsmarkt darf aufgrund der Pandemie nicht in den Hintergrund rücken

 

Die Folgen der Pandemie wirken sich auch auf die Personengruppe der Schwerbehinderten aus. So ist die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten coronabedingt seit März gestiegen. Im November waren 24.442 schwerbehinderte Menschen in Bayern arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anstieg zum Vorjahr um 3.716 bzw. 17,9 Prozent. Der Zuwachs fällt im Vergleich zum Vorjahr jedoch deutlich geringer aus als der Anstieg der Arbeitslosigkeit insgesamt (+35,9 Prozent). 9,0 Prozent der Arbeitslosen sind aktuell schwerbehindert, letztes Jahr im November waren es 10,4 Prozent.

"Die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen ist in den letzten Jahren gestiegen. Betriebe, die Menschen mit Behinderung einstellen, schätzen vor allem ihr Engagement, die hohe Motivation sowie ihre Zuverlässigkeit. Entscheidet sich ein Arbeitgeber also dafür, einen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen einzustellen, setzt er in der Regel alles daran, diese Arbeitskraft auch langfristig zu halten. Nichtsdestotrotz bestehen nach wie vor Vorbehalte. So ist die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen auch schon vor Corona nicht in dem Maße zurückgegangen wie im Durchschnitt. Schwerbehinderte haben zwar ein deutlich reduziertes Risiko arbeitslos zu werden. Wenn sie jedoch arbeitslos sind, haben sie für den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt geringere Chancen und entsprechend bedarf es auch größerer Anstrengungen, die Arbeitslosigkeit wieder zu beenden", erklärte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit.

Um Unternehmen in allen Fragen im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen bestmöglich zu unterstützen, sind in jeder örtlichen Arbeitsagentur Reha-Spezialisten eingesetzt, der als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht. Die Palette der Förderinstrumente ist breitgefächert und reicht von Qualifizierung sowie Gehaltszuschüssen für Arbeitgeber bis hin zur Unterstützung bei der technischen Ausstattung. Arbeitgeber können sich von ihrer örtlichen Arbeitsagentur jederzeit beraten lassen.

"Mehr als 60 Prozent[1] der Unternehmen in Bayern, die gesetzlich verpflichtet sind, mindestens fünf Prozent schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen, kamen ihrer Pflicht nicht oder nicht in vollem Umfang nach. Das Ziel, um das es uns gehen muss, ist, dass Behinderung nur als Verschiedenheit aufgefasst wird. Es ist normal, verschieden zu sein. In der Wirklichkeit ist Behinderung nach wie vor die Art von Verschiedenheit, die benachteiligt wird. Es ist eine schwere, aber notwendige, eine gemeinsame Aufgabe für uns alle, diese Benachteiligung zu überwinden. Wir können alle voneinander etwas abgucken, wir können alle von Verschiedenheit profitieren. Es braucht oft nur einen Schritt aufeinander zu. Wir dürfen uns erst dann zufriedengeben, wenn Menschen mit Behinderung dieselben Chancen haben, eine Beschäftigung zu finden," so Holtzwart abschließend.

[1] Aktuellster Stand: Berichtsjahr 2018