Arbeitsmarktbericht für Juni 2023

30.06.2023 | Presseinfo Nr. 13

Nr. 13/ 2023 – 30. Juni 2023

Sperrfrist: Freitag, 30. Juni 2023, 9:55 Uhr

 

Arbeitslosigkeit steigt leicht im Vorjahresvergleich -
Erste Anzeichen einer momentan ungünstigeren konjunkturellen Entwicklung erkennbar 

 

Arbeitslosenzahl im Juni:                                     +1.219 auf 243.962 (+0,5 Prozent)

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:            +13.356 (+5,8 Prozent)

Arbeitslosenquote im Vormonatsvergleich:       3,2 Prozent (+/-0 Prozentpunkte)

Arbeitslosenquote im Vorjahr:                              3,1 Prozent

 

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenzahl ist im Vergleich zum Vormonat um 1.219 bzw. 0,5 Prozent auf 243.7962 gestiegen. Diese Zunahme ist saisonal unüblich und deutet auf einen konjunkturellen Abschwung hin. Dies spiegelt sich auch in der gestiegenen saisonbereinigten Arbeitslosigkeit wider (Plus 5.400).

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Arbeitslosenzahl um 13.356 bzw. 5,8 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg basiert zur Hälfte auf Arbeitslose mit deutscher Staatsangehörigkeit. Deutliche Zuwächse sind aber auch bei arbeitslosen Syrer:innen (+2.777) und Afghan:innen (+1.231) zu verzeichnen.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB III auf 114.422 um 8.738 bzw. 8,3 Prozent zeigt dagegen deutlich, die sich verschlechternde konjunkturelle Entwicklung.

Im Juni ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat gleichbleibend bei 3,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hingegen stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte.
Bayern hat weiterhin bundesweit die niedrigste Arbeitslosenquote.

„Die Arbeitslosenzahlen im Freistaat sind zwar im Vergleich zum Vormonat nur leicht gestiegen, dennoch erkennen wir anhand des Anstiegs im Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und an den tendenziell rückläufigeren Frühindikatoren (Stellenzugang gesamt und bei der Zeitarbeit sowie dem geringeren Zuwachs an Beschäftigten) erste konjunkturelle Abschwächungen. Wir werden diese Entwicklungen in der nächsten Zeit weiterhin intensiv beobachten, um zu sehen, ob sich dieser Trend fortsetzen wird. Der eklatante Arbeits- und Fachkräftemangel überlagert, dass sich diese konjunkturelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt.

An der Stelle dürfen wir auch nicht vergessen, dass sich die bayerische Wirtschaft nach wie vor auf viele Herausforderungen einstellen und handeln muss. Die Themen Digitalisierung, Automatisierung und Energiewende, sind natürlich auch der demografische Wandel und der damit einhergehende Arbeitskräftemangel weiterhin die treibenden Faktoren, die die Dynamik am Arbeitsmarkt im ersten Schritt bremsen“, so Klaus Beier, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, der Bundesagentur für Arbeit.

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Grundsicherung

Im Juni liegt die Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung (SGB II) bei 129.540 Personen. Im Vergleich zum Vormonat sind 1.349 bzw. 1,1 Prozent mehr Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosenzahl um 4.618 bzw. 3,7 Prozent. Auf den ersten Blick fällt der Vorjahresvergleich geringer aus als noch im Mai, das liegt daran, dass im Juni 2022 erstmals die Ukrainer:innen im SGB II erfasst wurden.

Unterbeschäftigung

Im Juni steigt die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 335.688 um 33.911 bzw. 11,2 Prozent. Somit steigt die Unterbeschäftigung im Vorjahresvergleich stärker als die Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum – vor allem die Inanspruchnahme von Fremdförderungen (Integrationskurse für Ukrainer:innen) entlastet den Arbeitsmarkt weiterhin.

Im Juni 2023, befinden sich 89.625 Personen in einer Maßnahme; damit liegt diese Zahl mit 2.442 bzw. 2,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch im Juni gibt es unterschiedliche Entwicklungen in den Maßnahmenkategorien: Während nach den aktuellsten hochgerechneten Werten die Zahl der Teilnehmenden an Aktivierungsmaßmaßnahmen und Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung im Vergleich zum Vorjahr zum Teil deutlich zugenommen hat, wurden weniger Menschen bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder durch eine Beschäftigung schaffende Maßnahme gefördert.

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Weiterhin hoher Stand bei der Arbeitskräftenachfrage – Stellenmeldungen dennoch nicht mehr so dynamisch wie noch vor einem Jahr

„Mit einem Bestand von 151.112 gemeldeten Arbeitsstellen ist die Nachfrage nach Arbeitskräften - vor allem in der langfristigen Betrachtung - als sehr hoch einzuschätzen. Unternehmen zeigen sich allerdings in den letzten Monaten deutlich verhaltener mit der Meldung neuer Stellenangebote, insbesondere sind auch die Zahlen Stellenmeldungen der Arbeitnehmerüberlassung rückläufig (im Vergleich zum Vorjahresmonat um -12,6 Prozent). Die Stellenzugänge seit Jahresbeginn liegen mit einem Minus von 21.823 oder 12,2 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert.

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 „Die Gewinnung von Fachkräften ist eine der großen Aufgaben, die uns in den nächsten Jahren begleiten wird. Es gilt alle Potenziale zu aktivieren, Möglichkeiten zu ergreifen, Fachkräfte aus dem Ausland schnell nach Deutschland bzw. Bayern zu holen. Das größte Potenzial sehen wir unter anderem bei den Beschäftigten der Betriebe. Hier möchten wir Unternehmen mit dem Qualifizierungschancengesetz unterstützen.

 Das heißt, wir fördern die Qualifizierung von Hilfskräften zu Fachkräften mit der Qualifizierung selbst und unter bestimmten Voraussetzungen auch mit einem Zuschuss zum Arbeitsentgelt – die Höhe des Zuschusses ist abhängig von der Größe des Unternehmens. Auch für eine Anpassungsqualifizierung von Beschäftigten kann die Bundesagentur für Arbeit im Rahmen dieser gesetzlichen Möglichkeit Beschäftigte in Unternehmen fördern.
Unternehmen die weiterhin auf dem Markt wettbewerbsfähig, produktiv und wirtschaftlich bestehen möchten, kommen nicht umhin, sich neben den Arbeitskräften auch um Digitalisierung, Künstliche Intelligenz sowie um Automatisierungstechniken zu kümmern, sonst verlieren sie den Anschluss.

Dazu sind wir bayernweit mit all unseren Partnerinnen und Partner im Austausch. Wir möchten hier gemeinsam gute Lösungen finden, um die Wirtschaft im Freistaat zu unterstützen. Wir sehen all das nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance, dass sich Betriebe jetzt für die Zukunft fit machen – und die Zukunft hat bereits begonnen. Auch wenn die Befürchtungen groß sind, dass bestimmte Jobs wegfallen, sagt beispielsweise das IAB, dass neben der Substituierbarkeit von Jobs, andere neu entstehen werden. Ich bin mir sicher, dass es uns gemeinsam gelingen wird, Lösungen zu finden und Bayern als attraktiven und produktiven Wirtschaftsstandort weiter zu etablieren“, so Beier.

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Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Bayern bleibt hoch, das Wachstum verlangsamt sich jedoch 

"Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im April 2023 ist auf 5.911.100 gestiegen. Mit einem Plus von 68.600 wird das Vorjahresergebnis um 1,2 Prozent übertroffen. Das Vorjahresplus hat sich seit September 2022 kontinuierlich reduziert; das Beschäftigungswachstum hat sich somit weiter verlangsamt. Auch hier sehen wir trotz noch steigender Beschäftigung, dass die Dynamik beim Zuwachs der Beschäftigung abschwächt – auch ein weiterer Indikator, dass sich die Konjunktur momentan etwas eintrübt“, sagt Beier.

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