29.10.2020 | Presseinfo Nr. 42

Ausbildung in Zeiten der Corona-Pandemie – Bayerische Unternehmen halten an Ausbildungsbereitschaft fest

Von Oktober 2019 bis September 2020 haben sich 69.968 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle an die Arbeitsagenturen in Bayern gewandt. Im selben Zeitraum wurden 103.221 Berufsausbildungsstellen gemeldet.

Für das kürzlich begonnene Ausbildungsjahr scheint die Corona-Krise kaum Auswirkungen zu haben. Zwar wurden 7.421 bzw. 6,7 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr. Der rückläufige Trend war aber bereits seit Oktober 2019 festzustellen. Im März 2020, also noch vor den ersten erheblichen Einschränkungen, wurden bereits 6.202 Stellen weniger gemeldet als ein Jahr zuvor. Diese strukturelle Entwicklung wurde durch die Pandemie leicht verstärkt. Für Unternehmen ist eine abgeschlossene Berufsausbildung nach wie vor der erste Weg der Fachkräftesicherung. So wurden auch in der Hochphase der wirtschaftlichen Einschränkungen im März und April weiterhin Ausbildungsstellen gemeldet. Mit Beginn der Lockerungen im Mai nahmen die Einstellungsaktivitäten wieder zu, im September blieben schließlich 15.862 Ausbildungsstellen unbesetzt, 290 bzw. 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr", fasste Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, anlässlich der Ausbildungsmarktbilanz 2019/2020 die Situation zusammen.

"Auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber, die die Ausbildungsvermittlung der bayerischen Agenturen und Jobcenter (gE) bei der Suche nach einer Lehrstelle eingeschaltet haben, ist um 4.804 oder 6,4 Prozent zurückgegangen. Das ist der niedrigste Bewerberbestand seit September 1992. Das liegt zum einen an den rückläufigen Schulentlasszahlen aus allgemeinbildenden Schulen. Außerdem entscheiden sich immer mehr junge Menschen, eine weiterführende Schule zu besuchen oder zu studieren. Rein rechnerisch stehen jedem unversorgten Bewerber 12,5 offene Stellen zur Auswahl. Insgesamt haben die jungen Menschen auch in Zeiten der Corona-Pandemie somit sehr gute Chancen, den Einstieg ins Berufsleben über eine Ausbildung zu finden. Dennoch blieben im September 1.269 junge Menschen unversorgt, 259 bzw. 25,6 Prozent mehr als vor einem Jahr", so Holtzwart weiter.                

Nachvermittlungsphase dieses Jahr von großer Bedeutung

"Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist nach wie vor hoch. Unternehmen wollen sich ihre Fachkräfte von morgen sichern. Daran ändert auch Corona nichts. Aufgrund der Pandemie war der Bewerbungsprozess zeitweise unterbrochen. Dadurch wurde die Rekrutierung der Auszubildenden zum Teil nach hinten verschoben und dauert auch noch an. Folglich kommt der Nachvermittlungsphase eine große Bedeutung zu. Jugendliche sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn sie noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Unternehmen stellen Azubis auch noch nach dem regulären Ausbildungsstart ein", erklärte Holtzwart weiter.

Die meisten unbesetzten Stellen sind im Verkauf, in der Lebensmittelherstellung u. –verarbeitung, im Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe, in den medizinischen Gesundheitsberufen sowie in den Gebäude- u. versorgungstechnischen Berufen zu verzeichnen. Rund 50 Prozent der unbesetzten Ausbildungsstellen sind allein auf diese fünf Berufsgruppen zurückzuführen. Außerdem blieben viele Ausbildungsstellen in der Metall- und Elektrobranche, im Baugewerbe (Hochbau) sowie im kaufmännischen Bereich unbesetzt.

"Betrieben, die ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können, fehlt die Fachkraft von morgen. Ich empfehle Unternehmen, die Besetzungsschwierigkeiten haben, sich auch in der Ausbildung attraktiv und zukunftsorientiert aufzustellen. Bei noch offenen Ausbildungsplätzen beraten die Agenturen für Arbeit Arbeitgeber gerne zu alternativen Möglichkeiten zur Fachkräftesicherung. Ein großes Potenzial für die Fachkräftesicherung ist z. B. die Qualifizierung von Beschäftigten. Neben der klassischen Weiterbildung können wir im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes beschäftigte Helfer zur Fachkraft weiterqualifizieren. Währenddessen bleibt die Person beim Unternehmen beschäftigt. Hinzu kommt, dass die Phase der Kurzarbeit mit der Weiterbildung des Beschäftigten kombiniert werden kann", sagte Holtzwart abschließend.