08.05.2020 | Presseinfo Nr. 31

Ausbildungsmarkt Hessen: Rückgang gemeldeter Ausbildungsstellen bereitet Sorge

Der Shut-Down im Zuge der Corona-Pandemie hemmt ebenfalls die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr waren bei den hessischen Agenturen für Arbeit im April 2020 rund 2.700 Bewerber/innen (- 7,8%) sowie 2.100 Ausbildungsstellen (- 6,5%) weniger gemeldet.

Zum Stichtag im April wurden 31.527 Bewerberinnen und Bewerber bei den hessischen Agenturen für Arbeit gezählt. Ihnen standen 30.652 betriebliche Ausbildungsstellen gegenüber.

Deutlich weniger junge Menschen konnten bisher in eine Ausbildung einmünden als noch im letzten Jahr: -15,5 Prozent oder 1.020 Personen. Gleichzeitig wurden weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe (-680) und im Handel (-500) machte sich der Rückgang zum Vorjahr bemerkbar.Ebenfalls leicht rückläufig ist die Zahl junger Menschen mit Fluchthintergrund, die eine Ausbildungsstelle suchen. Im April belief sich ihre Zahl auf 2.356 und somit -11,6 Prozent oder 309 weniger als 2019. Lediglich 190 konnten bisher einen Ausbildungsvertrag unterschreiben.

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen appellierte bereits im letzten Monat an die hessischen Ausbildungsbetriebe, ihre Ausbildungsaktivitäten nicht auszusetzen. Den Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen betrachtet Martin mit Sorge:„Falls sich diese Entwicklung weiter fortsetzt und es uns nicht gelingt, jungen Menschen, die ausbildungswillig sind, einen Ausbildungsplatz zu vermitteln, steuern wir auf eine weitere Verschärfung des Fachkräfteproblems zu. Die Nachwuchssorgen waren bereits vor der Corona-Krise offenkundig. Es wäre fahrlässig, jetzt auf Azubis zu verzichten. Die demografische Entwicklung lässt sich nicht zurückdrehen. Viele Arbeitnehmer werden in den nächsten Jahren in Rente gehen und müssen ersetzt werden. Das geht nur, wenn kontinuierlich in die Ausbildung und Qualifizierung künftiger Generationen investiert wird.“

Jugendliche, die in diesem Jahr die Schule beenden und bislang noch keinen Ausbildungsplatz haben, rät Martin dringend, sich umgehend bei den hessischen Arbeitsagenturen zu melden: „Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater stehen jungen Menschen, Eltern und Lehrern mit Rat und Unterstützung zur Seite. Wer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat oder wenn die Ausbildungszusage eines Unternehmens zurückgenommen wurde, kann sich an unseren telefonischen Beratungsservice wenden.“

Die hessischen Agenturen für Arbeit können über regionale Rufnummern in der Zeit von Montag bis Freitag von 8:00 bis 18:00 erreicht werden.

Rückblick

IAB-Betriebspanel Ausbildung 2019: Gestiegene Ausbildungsbeteiligung hessischer Betriebe

2019 haben 56 Prozent und damit mehr als die Hälfte der ausbildungsberechtigten Betriebe in Hessen die Möglichkeit zur Ausbildung genutzt. Diese Zahl stellt im Zeitvergleich der letzten 10 Jahre einen Höchststand dar. Jedoch hat sich die Anzahl der Auszubildenden im Gegensatz zur Anzahl aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nicht erhöht. Die Ausbildungsquote lag in Hessen lediglich bei 4,0 Prozent und damit erkennbar unter dem westdeutschen Schnitt von 4,7 Prozent.

Für das Ausbildungsjahr 2018/2019 boten die hessischen Betriebe 61.200 Ausbildungsplätze an. Um die Attraktivität ihrer Ausbildungsplätze und damit die Besetzungswahrscheinlichkeit zu erhöhen, gewährte ein Teil der Betriebe zusätzliche Leistungen wie die Zahlung von Zuschüssen zur Altersvorsorge oder Fahrtkostenzuschüsse.

Etwa 73 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze konnten besetzt werden. Die Besetzungsquote variierte stark zwischen den Wirtschaftszweigen. Während in der Öffentlichen Verwaltung kaum Probleme auftraten, hatten vor allem die Betriebe der sonstigen Dienstleistungen, zu denen u.a. das Gesundheits- und Sozialwesen zählt und das Verarbeitende Gewerbe Besetzungsschwierigkeiten.

36.600 Auszubildende konnten im vergangenen Jahr ihre betriebliche Ausbildung abschließen. Der Frauenanteil stieg dabei auf 49 Prozent (Vorjahr 2018: 45 Prozent). Die meisten Ausbildungsabschlüsse verzeichneten erneut die sonstigen Dienstleistungen - ein Drittel aller Absolventinnen und Absolventen. Der Frauenanteil fiel mit 65 Prozent zudem überproportional hoch aus. Auch in den wirtschaftsnahen und wissenschaftlichen Dienstleistungen (63 Prozent) und der Öffentlichen Verwaltung (61 Prozent) stellten Frauen mehr als die Hälfte der erfolgreichen Abschlüsse.

Ausbildungsjahr 2018/2019: Weniger unbesetzte Lehrstellen trotz zurückgehender Schülerzahlen

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bilden einen Großteil, aber nicht alle betrieblichen Ausbildungsplätze in Hessen ab. Viele Betriebe – besonders Großunternehmen oder der Öffentliche Dienst – nutzen fast ausschließlich ihre eigenen Recrutingwege.

Im Ausbildungsjahr 2018/2019 meldeten sich bis September 2019 42.049 Bewerberinnen und Bewerber bei den hessischen Arbeitsagenturen und somit 989 (-2,3 Prozent) weniger als im Vorjahr. 3.595 Bewerber kamen aus einem Asylherkunftsland. Zum 30.September waren noch 1.779 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, davon 225 Flüchtlinge. Die hessischen Betriebe meldeten insgesamt 37.278 betriebliche Ausbildungsstellen und somit 515 Stellen (+1,4 Prozent) mehr als im vorangegangen Ausbildungsjahr. 2.613 Ausbildungsstellen waren zum Stichtag noch nicht besetzt, ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr (-7,7 Prozent).

 

Hintergrundinformation

Die hessischen Agenturen für Arbeit können über regionale Rufnummern in der Zeit von Montag bis Freitag von 8:00 bis 18:00 erreicht werden.

Agentur Bad Hersfeld/Fulda

0661 17-111

Agentur Darmstadt

06151 304 111

Agentur Frankfurt

069 2171 1001

Agentur Gießen

0641 9393 116

Agentur Hanau

06181 672 106

Agentur Bad Homburg

06172 4869 116

Agentur Kassel

0561 701 1774

Agentur Korbach

05631 957 158

Agentur Limburg/Wetzlar

06421 605 153

Agentur Marburg

06431 209 100

Agentur Offenbach

069 82997 103

Agentur Wiesbaden

0611 9494 101