03.06.2020 | Presseinfo Nr. 35

Der Arbeitsmarkt im Mai

Arbeitsmarkt stark unter Druck

Nach dem bereits deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im April hat der zurückliegende Monat Mai eine weitere Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt gebracht: Die Arbeitslosigkeit steigt trotz Rekordwerten bei der Kurzarbeit nochmals erheblich an, während zugleich die Zahl der freien Stellen einbricht.

Entwicklung der Kurzarbeit in Hessen
Betriebe müssen bei der zuständigen Agentur für Arbeit Kurzarbeit vor deren Beginn schriftlich anzeigen. Dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Für den Zeitraum März bis Mai 2020 wurden bei den Agenturen für Arbeit nahezu 61.000 Anzeigen für insgesamt knapp 840.000 Personen erfasst. Zwar heißt dies nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle Kurzarbeit in Anspruch nehmen werden, dennoch sind die Daten eine im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten nie da gewesene Größenordnung und übersteigen um ein Vielfaches die Anzeigen während der Finanzkrise 2008/09. Im gesamten „Krisenjahr 2009“ gingen bei den hessischen Agenturen für Arbeit Anzeigen für etwa 214.000 Menschen ein.

Arbeitslosigkeit in Hessen steigt weiter deutlich
Im Mai waren in Hessen 192.149 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 15.521 mehr (+8,8 Prozent) als im April und 43.219 Menschen mehr (+29 Prozent) als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg zum Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent. Im Mai 2019 lag die Quote bei 4,4 Prozent.

„Auch wenn der Anstieg der Arbeitslosigkeit erheblich ist, zeigen die ungleich höheren Zahlen in der Kurzarbeit, wie groß das Risiko für die Folgemonate noch ist. Kurzarbeit ist ein funktionierender Puffer gegen Arbeitslosigkeit, der jedoch nicht auf Dauer ausgelegt ist. Eine zeitnahe Rückkehr zu einer höheren Wirtschaftsleistung ist daher aus Sicht des Arbeitsmarktes von essentieller Bedeutung“, so Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten noch weiter ansteigen kann. Das Ausmaß wird in erster Linie davon abhängen, in welcher Geschwindigkeit sich die wirtschaftliche Lage wieder normalisiert.“

Rechtskreis SGB III mit deutlichem Anstieg zum Vorjahr
Insgesamt zählten im Mai 2020 42,3 Prozent (81.366) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung). 57,7 Prozent (110.783) waren dem Rechtskreis SGB II (Grundsicherung) zugeordnet. Im Vorjahresvergleich weist der Rechtskreis SGB III knapp 57 Prozent mehr arbeitslose Menschen aus als noch im Mai 2019. Im Rechtskreis SGB II liegt der Anstieg bei etwa 14 Prozent.

Stellenbestand weiter im Abwärtstrend
Der Stellenbestand der hessischen Agenturen weist mit nur noch 39.727 offenen Stellen einen deutlichen Rückgang der verfügbaren Stellen gegenüber dem Vorjahr (-27,3 Prozent) auf. Im Mai 2019 lag die Zahl der zu besetzenden Stellen noch bei ca. 54.600.

„Trotz dieses massiven Rückgangs der vakanten Stellen haben die letzten Wochen in einzelnen Branchen gegenüber April wieder einen leichten Anstieg der Einstellungsbereitschaft erkennen lassen. Exemplarisch lassen sich das Baugewerbe oder das Gesundheitswesen benennen, wo jeweils die Nachfrage nach Arbeitskräften auf niedrigem Niveau leicht anstieg“, erläutert Dr. Frank Martin.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Markt nur wenig aufnahmefähig
In den vorliegenden Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie statistisch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht valide abbildbar. Nach hochgerechneten Angaben für März 2020 waren insgesamt 2.654.500 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt (+1,0 Prozent zum Vorjahr). Für den Beginn der Krise im März 2020 kann lediglich hervorgehoben werden, dass das Verarbeitende Gewerbe (-9.400) und das Gastgewerbe (-1.100) die am meisten betroffenen Branchen waren.

Ausbildungsmarkt
Der Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt hat sich im Zuge der Corona-Krise insgesamt verlangsamt.

Von Oktober 2019 bis Mai 2020 meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 32.859 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle im Herbst, 3.015 weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig waren in Hessen 31.324 Ausbildungsstellen gemeldet, 3.016 weniger als im Mai 2019. Am häufigsten wurden Ausbildungsstellen gemeldet für angehende Kaufleute für Büromanagement, für Verkäuferinnen und Verkäufer sowie für Kaufleute im Einzelhandel.

Arbeitsmarkt in den hessischen Regionen im Mai
Aktuell weisen nur noch 13 der 26 hessischen Kreise eine Arbeitslosenquote von unter 5,0 Prozent auf. Der Landkreis Fulda liegt mit einer Quote von 3,6 Prozent im Hessenvergleich am niedrigsten. Unter der Fünf-Prozent-Marke lagen ebenfalls die Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg, Hochtaunus, Wetterau, Odenwald, Main-Taunus, Rheingau-Taunus und der Kreis Bergstraße.

Zwischen 5,1 und 6 Prozent liegen die Kreise Werra-Meißner, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Main-Kinzig, die Kreise Darmstadt-Dieburg und Offenbach.

Die höchsten Quoten weisen die Städte Offenbach (10,1 Prozent), Wiesbaden (7,4 Prozent), Frankfurt (6,9 Prozent), Darmstadt (6,2 Prozent) und die Kreise Gießen (6,2 Prozent) und Groß-Gerau (6,1 Prozent) auf.

Bericht zu Auswirkungen der Corona-Krise auf den hessischen Arbeitsmarkt
Die Regionaldirektion Hessen legt in diesem Monat erstmalig einen Bericht zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den hessischen Arbeitsmarkt vor. Der Datenreport bietet einen Überblick über die zentralen Arbeitsmarktindikatoren, anhand derer die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders sichtbar werden. Zudem liefert er zu einzelnen Themen regionalisierte Analysen und Betrachtungen.

„Es ist uns wichtig, dass wir die Tragweite der Krise für ganz Hessen, aber auch in den einzelnen Regionen möglichst gut einschätzen können. Ein Blick in die Daten verdeutlicht, dass die Entwicklungen in den hessischen Regionen teilweise stark variieren“, so Dr. Frank Martin.

Datenangebot bis auf Landkreisebene
Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit stellt ein abgestimmtes Datenpaket zu den „Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt“ bis auf Landkreisebene in ihrem Statistikangebot zur Verfügung. Das Produkt finden Sie unter dem Link: https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Corona/Corona-Nav.html