30.06.2021 | Presseinfo Nr. 16

Der Arbeitsmarkt in Hessen

Erstes Halbjahr 2021 endet mit positivem Ausblick

Der hessische Arbeitsmarkt schließt das erste Halbjahr 2021 mit einem positiven Ausblick auf die nächsten Monate ab. Im Berichtsmonat sank die Arbeitslosenzahl in Hessen zum fünften Mal in Folge. Mit rund 177.700 arbeitslosen Frauen und Männern reduzierte sich die Arbeitslosigkeit binnen eines Monats um 4.300 Personen. Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,1 Prozent. Die Arbeitskräftenachfrage und die damit einhergehende Zahl der gemeldeten offenen Stellen bewegt sich weiter auf das Vorkrisenniveau zu. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt wieder an. Der Ausbildungsmarkt konnte ebenfalls weiter aufholen.

„Der hessische Arbeitsmarkt befindet sich in einem deutlichen Aufholprozess und ist auf einem guten Weg das Vorkrisenniveau zu erreichen. Die Arbeitskräftenachfrage hat zugenommen und spiegelt sich erfreulicherweise in der steigenden Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter wider. Noch haben sich aber nicht alle Branchen erholt. Gastronomie, Verarbeitendes Gewerbe, die Luftfahrt und einige Dienstleistungsbranchen leiden immer noch unter den Auswirkungen der Pandemie“, erklärt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen.

Arbeitslosigkeit in Hessen: Im Juni nochmals mehr Abgänge als Zugänge in Arbeitslosigkeit
Im Berichtsmonat konnten mehr Menschen eine Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Im Juni waren in Hessen 177.682 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 4.300 (-2,4 Prozent) weniger als im Mai und 19.402 (-9,8 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um weitere 0,2 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent. Im Juni 2020 lag die Quote noch bei 5,7 Prozent.

Saisonbereinigt ergab sich zum Vormonat ein Rückgang um -2.000 Personen, zum Vorjahr zeigte sich ein Rückgang um -20.000 Personen.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Vormonat betraf im Juni alle betrachteten Personengruppen. Am stärksten (-4,0 Prozent) sank die Zahl der jungen Menschen unter 25 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls bei fast allen Personengruppen. Mit einem Plus von rund 33,0 Prozent bildete die Gruppe der Langzeitarbeitslosen die Ausnahme.

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im Juni 2021 auf 236.224 Personen. Das waren rund 12.580 (-5,1 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

Entwicklung in den Rechtskreisen: Rückgang der Arbeitslosenzahlen in erster Linie im Rechtskreis SGB III
Insgesamt zählten im Berichtsmonat 38,1 Prozent (67.675) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 61,9 Prozent (110.007 Personen) zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung).

Im Vorjahresvergleich liegt der Rückgang im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) bei -20,2 Prozent. In der Grundsicherung (SGB II) gab es eine Veränderung um -2,0 Prozent.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Zuwachs gegenüber dem Vorjahr
Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich im April 2021 auf 2.647.000 Personen und somit 0,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt kann damit ein Anstieg von 11.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verzeichnet werden. Hessen liegt damit leicht hinter dem Bund und den westdeutschen Ländern (+0,7 Prozent).

Folgende Branchen konnten gegenüber dem Vorjahr einen Beschäftigungszuwachs verzeichnen: Baugewerbe (+4,1 Prozent), Land-/Forstwirtschaft (+3,3 Prozent), Öffentliche Verwaltung (+3,2 Prozent), Information und Kommunikation (+3,1 Prozent), Gesundheitswesen (+2,9 Prozent), Erziehung und Unterricht (+2,0 Prozent), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+1,9 Prozent), Heime und Sozialwesen (+1,8 Prozent). Den größten Zuwachs gab es bei der Arbeitnehmerüberlassung (+8,3 Prozent).

Deutliche Rückgänge in der Beschäftigungsentwicklung mussten weiterhin insbesondere das Gastgewerbe (-10,6 Prozent), sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (-3,3 Prozent) und das Verarbeitende Gewerbe (-2,4 Prozent) verzeichnen. Ein leichter Rückgang ergab sich zudem mit -0,1 Prozent im Kunst- und Kultursektor, im Handel, im Bereich Verkehr und Lagerei sowie von -0,8 Prozent bei Bergbau, Energie und Wasserversorgung.

Offene Stellen: Arbeitskräftenachfrage auf Vorkrisenniveau
Der monatliche Zugang liegt mit rund 12.600 gemeldeten Stellen deutlich höher (+57,4 Prozent) als noch im letzten Jahr. Die meisten Stellen kamen im Juni aus der Arbeitnehmerüberlassung, dem Handel und dem Verarbeitenden Gewerbe.

Der Stellenbestand der hessischen Agenturen liegt mit rund 44.890 offenen Stellen mit einem Plus von 16,0 Prozent über dem Vorjahr.

Entwicklung in den Regionen: 8 Kreise blieben unter 4-Prozent-Marke
Aktuell weisen 16 der 26 hessischen Kreise eine Arbeitslosenquote von unter 5,0 Prozent auf (Wetterau, Main-Kinzig, Hochtaunus, Limburg-Weilburg, Rheingau-Taunus, Main-Taunus sowie die Kreise Darmstadt-Dieburg und Odenwald). Acht Kreise haben aktuell eine Arbeitslosenquote unter 4,0 Prozent: Fulda (3,0 Prozent), Vogelsberg (3,6 Prozent), Hersfeld-Rotenburg, Waldeck-Frankenberg und Bergstraße (3,7 Prozent) Schwalm-Eder (3,8 Prozent), Marburg-Biedenkopf und Kassel (3,9 Prozent).

Die höchsten Quoten weisen die Städte Offenbach (9,7 Prozent), Kassel (8,2 Prozent), Wiesbaden (7,5 Prozent), Frankfurt (6,6 Prozent), Darmstadt (5,7 Prozent) sowie die Kreise Gießen und Groß-Gerau (beide 5,6 Prozent) auf.

Entwicklung konjunkturelle Kurzarbeit: Anzeigen gehen weiter zurück
Die Anzeigen für Kurzarbeit sind im Juni weiter gesunken. Im Berichtsmonat erreichten die Agenturen rund 360 neue Anzeigen für etwa 2.500 Personen. Im Vergleich: Im Juni 2020 wurden rund 2.300 Anzeigen für etwa 27.000 Personen gezählt.

Im Dezember 2020 bezogen fast 237.000 hessische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in rund 27.000 Betrieben konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Erste Hochrechnungen gehen von einem weiteren Anstieg der Zahlen für den Folgemonat Januar aus. Erst ab Februar 2021 erwartet die Bundesagentur für Arbeit leicht sinkende Kurzarbeiterzahlen. Für März werden rund 25.600 Betrieben und knapp 223.500 Kurzarbeitern in Hessen prognostiziert.

Ausbildungsmarkt: Zahl der unversorgten Bewerber/innen und unbesetzten Ausbildungsstellen in etwa gleich
Die Zahlen der Bewerber/innen und der gemeldeten Ausbildungsstellen sind zum Vormonat nochmals angestiegen.

Frank Martin ist zuversichtlich, dass im Laufe des Jahres noch viele junge Menschen eine duale Ausbildung beginnen werden: „Die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agenturen für Arbeit stehen telefonisch, digital und mit Beginn des Präsenzunterrichts an den Schulen auch wieder persönlich für Schülerinnen und Schüler bereit. Erfahrungsgemäß kommen viele junge Menschen nochmal kurz vor den Sommerferien auf die Agenturen zu. Ich bin mir sicher, dass wir noch vielen jungen Menschen ein Angebot unterbreiten können.“

Bis Juni meldeten sich 30.889 Bewerberinnen und Bewerber bei den hessischen Agenturen für Arbeit und somit -10,0 Prozent weniger als für das vorangegangene Ausbildungsjahr. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Lehrstellen sank um -6,2 Prozent auf 30.165.

Rund 13.300 unversorgte Bewerber/innen standen zum Stichtag der in etwa gleichen Anzahl unbesetzter Ausbildungsplätzen (13.500) gegenüber.

Am häufigsten werden immer noch Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer/innen, Kaufleute – Büromanagement, Fachkräfte - Lagerlogistik und Bankkaufleute von den hessischen Ausbildungsbetrieben gesucht.