31.08.2021 | Presseinfo Nr. 22

Der Arbeitsmarkt und Ausbildungsmarkt in Hessen Arbeitsmarkt weiterhin auf Erholungskurs

Im Berichtsmonat August stieg die Arbeitslosigkeit zum Vormonat leicht an; saisonbereinigt sowie insbesondere zum Vorjahr setzte sich der sinkende Trend der Vormonate jedoch fort.

Mit rund 177.500 arbeitslosen Frauen und Männern erhöhte sich die Arbeitslosigkeit binnen eines Monats um etwa 940 Personen. Die Arbeitslosenquote verblieb bei 5,1 Prozent. Die Arbeitskräftenachfrage und die damit einhergehende Zahl der gemeldeten offenen Stellen blieben dennoch weiterhin stabil. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg zum Vorjahr um 32.400 Personen an und liegt damit mit rund 2.656.000 Personen sogar über dem Vorkrisenniveau (Juni 2019: 2.631.000).

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der hessische Arbeitsmarkt weiterhin auf Erholungskurs befindet. Auch wenn, wie für einen August üblich, die Arbeitslosenzahlen leicht gestiegen sind, zeigt sich der Arbeitsmarkt derzeit stabil und von einer möglichen vierten Welle noch unberührt. Saisonbereinigt sinken die Zahlen weiter und der Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Vorjahr ist mit 31.000 Personen deutlich“, erläutert Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen.

Weitere positive Signale sieht Martin in der wachsenden Nachfrage nach Arbeitskräften: „Stellenbestand und Stellenzugänge sind längst wieder auf dem Vorkrisenniveau angelangt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung liegt nach ersten Berechnungen sogar über den Werten aus 2019.“.

Anspruchsvoller gestaltet sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. „Die Zahlen der Bewerberinnen und Bewerber sowie der gemeldeten Ausbildungsstellen blieben hinter dem Vorjahresniveau zurück. Erfreulicherweise ist jedoch die Zahl der unbesetzten Stellen und unversorgten Bewerber/innen im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Ich bin zuversichtlich, dass wir gerade im Zuge der bald startenden Nachvermittlungsaktion noch einige junge Menschen erreichen werden und bis Dezember noch viele Ausbildungsplätze besetzen können“, so Martin.

Arbeitslosigkeit in Hessen: Leichter Anstieg zum Vormonat, deutlicher Rückgang zum Vorjahr

Im Berichtsmonat ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat angestiegen. Im August waren in Hessen 177.517 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 938 (+0,5 Prozent) mehr als im Juli und 30.950 (-14,8 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote verblieb bei 5,1 Prozent. Im August 2020 lag die Quote noch bei 6,0 Prozent. Saisonbereinigt ergab sich zum Vormonat ein Rückgang um -1.000 Personen, zum Vorjahr zeigte sich ein Rückgang um -31.000 Personen.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat betraf im August fast alle betrachteten Personengruppen. Wie für die Sommermonate und kurz vor Ausbildungs- und Studienbeginn üblich, stieg mehrheitlich die Zahl junger Menschen unter 25 Jahren an (+10,8 Prozent). Einen Zuwachs von +2,2 Prozent gab es ebenfalls bei der Personengruppe der Frauen sowie Menschen ohne deutschen Pass (+0,4 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich die Zahl der Arbeitslosen bei fast allen Personengruppen. Mit einem Plus von rund 20,0 Prozent bildete die Gruppe der Langzeitarbeitslosen die Ausnahme.

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im August 2021 auf 232.646 Personen. Das waren 26.875 (-10,4 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

Entwicklung in den Rechtskreisen: Rückgang der Arbeitslosenzahlen in erster Linie im Rechtskreis SGB III

Insgesamt zählten im Berichtsmonat 36,9 Prozent (65.484) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 63,1 Prozent (112.033 Personen) zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung).

Im Vorjahresvergleich liegt der Rückgang im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) bei -30,5 Prozent. In der Grundsicherung (SGB II) gab es eine Veränderung um -1,9 Prozent.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: 32.400 Beschäftigte mehr als im Vorjahr – Gastronomie weiterhin deutlich von Krise betroffen

Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich im Juni 2021 auf 2.655.900 Personen und somit 1,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt kann damit ein Anstieg von 32.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verzeichnet werden. Hessen liegt damit leicht hinter dem Bund und den westdeutschen Ländern (+1,4 Prozent).

Folgende Branchen konnten gegenüber dem Vorjahr einen Beschäftigungszuwachs verzeichnen: Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen und Land-/Forstwirtschaft (+4,0 Prozent), Baugewerbe (+3,8 Prozent), Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen (+3,7 Prozent), Information und Kommunikation (+3,4 Prozent), Erziehung und Unterricht (+2,4 Prozent), Heime und Sozialwesen (+2,2 Prozent), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+1,9 Prozent), Verkehr und Lagerei (+0,6 Prozent) sowie Handel und Kunst- und Kultursektor (+0,2 Prozent). Den größten Zuwachs gab es bei der Arbeitnehmerüberlassung (+15,1 Prozent).

Deutliche Rückgänge in der Beschäftigungsentwicklung mussten weiterhin insbesondere das Gastgewerbe (-6,9 Prozent), sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (-1,8 Prozent) und das Verarbeitende Gewerbe (-1,7 Prozent) verzeichnen. Ein leichter Rückgang ergab sich zudem mit -0,8 Prozent im Bereich Bergbau, Energie und Wasserversorgung.

Offene Stellen: Zugänge und Bestand weiterhin auf Vorkrisenniveau

Der monatliche Zugang liegt mit rund 12.150 gemeldeten Stellen im August deutlich höher (+37,0 Prozent) als noch im Vorjahresmonat. Die meisten Stellen kamen im August aus der Arbeitnehmerüberlassung, dem Handel und dem Verarbeitenden Gewerbe.

Der Stellenbestand der hessischen Agenturen liegt mit rund 50.500 offenen Stellen mit +32,0 Prozent über dem Vorjahr.

Entwicklung in den Regionen: 7 Kreise blieben unter 4-Prozent-Marke

Aktuell weisen insgesamt 16 der 26 hessischen Kreise eine Arbeitslosenquote von unter 5,0 Prozent auf. Sieben Kreise liegen dabei sogar unter 4,0 Prozent: Fulda (3,1 Prozent), Waldeck-Frankenberg (3,5 Prozent), Hersfeld-Rotenburg, Bergstraße, Schwalm-Eder (alle 3,6 Prozent), Vogelsberg (3,7 Prozent) und Kassel (3,9 Prozent). Unter 5,0 Prozent liegen die Kreise Marburg-Biedenkopf, Wetterau, Main-Kinzig, Hochtaunus, Limburg-Weilburg, Rheingau-Taunus, Main-Taunus sowie die Kreise Darmstadt-Dieburg und Odenwald.

Die höchsten Quoten weisen die Städte Offenbach (9,5 Prozent), Kassel (8,1 Prozent), Wiesbaden (8,0 Prozent), Frankfurt (6,6 Prozent), Darmstadt (5,8 Prozent) sowie die Kreise Groß-Gerau (5,7 Prozent) und Gießen (5,6 Prozent) auf.

Entwicklung konjunkturelle Kurzarbeit: Weniger Anzeigen als im Vormonat und Vorjahr

Die Anzeigen für Kurzarbeit sind im August weiter gesunken. Im Berichtsmonat erreichten die Agenturen rund 180 neue Anzeigen für etwa 3.200 Personen.

Im Februar bezogen fast 276.000 hessische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in rund 30.500 Betrieben konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Erste Hochrechnungen gehen von einem Rückgang der Zahlen für die Folgemonate aus. Für Mai werden rund 24.000 Betriebe und knapp 213.000 Kurzarbeiter in Hessen prognostiziert.

Ausbildungsmarkt 2020/21: Weniger Bewerber/innen und weniger Ausbildungsstellen

Bis August meldeten sich 33.944 Bewerberinnen und Bewerber bei den hessischen Agenturen für Arbeit und somit rund -10 Prozent weniger als für das vorangegangene Ausbildungsjahr. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen sank um -6 Prozent auf 32.249.

Rund 7.200 unversorgte Bewerber/innen standen zum Stichtag rund 9.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen gegenüber.

Am häufigsten werden immer noch Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer/innen, Kaufleute – Büromanagement, Zahnmedizinische Fachangestellte, Köche/Köchinnen, Fachkräfte Lagerlogistik, Fachverkäufer/innen Bäckerei, Bankkaufleute, und Hotelfachleute von den hessischen Ausbildungsbetrieben gesucht.

Hinweis:

Die nächsten Zahlen zum Berufsausbildungsstellenmarkt (Abschluss des Ausbildungsjahres 2020/2021) werden am 28.10.2021 bekannt gegeben.