29.07.2021 | Presseinfo Nr. 19

Der Arbeitsmarkt und Ausbildungsmarkt in Hessen

Hessischer Arbeitsmarkt sendet positive Signale

Der hessische Arbeitsmarkt startet ohne den sonst saisonüblichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in das zweite Halbjahr 2021. Im Berichtsmonat sank die Arbeitslosenzahl in Hessen zum sechsten Mal in Folge. Mit rund 176.600 arbeitslosen Frauen und Männern reduzierte sich die Arbeitslosigkeit binnen eines Monats um 1.100 Personen. Die Arbeitslosenquote verblieb bei 5,1 Prozent. Die Arbeitskräftenachfrage und die damit einhergehende Zahl der gemeldeten offenen Stellen nimmt deutlich an Fahrt auf. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg zum Vorjahr um 25.500 Personen an und erreichte so das Vorkrisenniveau.

„Die aktuellen Zahlen lassen auf eine deutliche Erholung des hessischen Arbeitsmarktes schließen. Die für einen Juli saisonuntypische Entwicklung mit gesunkenen Arbeitslosenzahlen ist ebenso bemerkenswert wie erfreulich. Insbesondere saisonbereinigt ergab sich ein hoher Rückgang zum Vormonat sowie Vorjahr. Die Stellenzugänge haben bereits das Vorkrisenniveau überschritten, ein Großteil der Branchen vermeldet steigende Beschäftigtenzahlen. Dennoch gibt es immer noch Leidtragende der Krise. Gastronomie, Verarbeitendes Gewerbe, die Luftfahrt und einige Dienstleistungsbranchen haben das Vorkrisenniveau noch lange nicht erreicht. So verlor zum Beispiel das Gastgewerbe seit Mai 2019 rund 16 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. Im Verarbeitenden Gewerbe ist ein Verlust von 5 Prozent zu verzeichnen“, erläutert Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen.

Arbeitslosigkeit in Hessen: Zahlen bewegen sich auf Vorkrisenniveau zu
Im Berichtsmonat ist die Arbeitslosigkeit weiter gesunken. Im Juli waren in Hessen 176.579 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 1.103 (-0,6 Prozent) weniger als im Juni und 27.662 (-13,5 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote verblieb bei 5,1 Prozent. Im Juni 2020 lag die Quote noch bei 5,9 Prozent.

Saisonbereinigt ergab sich zum Vormonat ein Rückgang um -8.000 Personen, zum Vorjahr zeigte sich ein Rückgang um -27.000 Personen.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Vormonat betraf im Juli fast alle betrachteten Personengruppen. Wie für den Sommermonat üblich bildeten jungen Menschen unter 25 Jahren die Ausnahme. Mit dem Ende der Schulzeit stieg deren Zahl an (+8,9 Prozent). Einen leichten Zuwachs von +0,4 Prozent gab es ebenfalls bei der Personengruppe der Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich die Zahl der Arbeitslosen bei fast allen Personengruppen. Mit einem Plus von rund 26,0 Prozent bildete die Gruppe der Langzeitarbeitslosen die Ausnahme.

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im Juni 2021 auf 234.281 Personen. Das waren rund 21.670 (-8,5 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

Entwicklung in den Rechtskreisen: Rückgang der Arbeitslosenzahlen in erster Linie im Rechtskreis SGB III
Insgesamt zählten im Berichtsmonat 38,2 Prozent (67.375) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 61,8 Prozent (109.204 Personen) zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung).

Im Vorjahresvergleich liegt der Rückgang im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) bei -26,3 Prozent. In der Grundsicherung (SGB II) gab es eine Veränderung um -3,3 Prozent.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: 25.500 Beschäftigte mehr als im Vorjahr
Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich im Mai 2021 auf 2.651.000 Personen und somit 1,0 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt kann damit ein Anstieg von 25.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verzeichnet werden. Hessen liegt damit leicht hinter dem Bund und den westdeutschen Ländern (+1,2 Prozent).

Folgende Branchen konnten gegenüber dem Vorjahr einen Beschäftigungszuwachs verzeichnen: Baugewerbe (+4,3 Prozent), Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (3,8 Prozent), Öffentliche Verwaltung (+3,6 Prozent), Gesundheitswesen (+3,4 Prozent), Information und Kommunikation (+3,3 Prozent), Land-/Forstwirtschaft (+2,9 Prozent), Erziehung und Unterricht (+2,4 Prozent), Heime und Sozialwesen (+2,1 Prozent), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+1,9 Prozent), Verkehr und Lagerei (+0,6 Prozent) sowie Kunst- und Kultursektor (+0,2 Prozent). Den größten Zuwachs gab es bei der Arbeitnehmerüberlassung (+14,2 Prozent).

Deutliche Rückgänge in der Beschäftigungsentwicklung mussten weiterhin insbesondere das Gastgewerbe (-9,3 Prozent), sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (-2,2 Prozent) und das Verarbeitende Gewerbe (-2,1 Prozent) verzeichnen. Ein leichter Rückgang ergab sich zudem mit -0,5 Prozent im Bereich Bergbau, Energie und Wasserversorgung und im Handel mit -0,1 Prozent.

Offene Stellen: Zugänge erreichen Vorkrisenniveau
Der monatliche Zugang liegt mit rund 13.200 gemeldeten Stellen deutlich höher (+50,0 Prozent) als noch im Vorjahresmonat. Die meisten Stellen kamen im Juli aus der Arbeitnehmerüberlassung, dem Handel und dem Verarbeitenden Gewerbe.

Der Stellenbestand der hessischen Agenturen liegt mit rund 48.000 offenen Stellen mit einem Plus von fast 26,0 Prozent über dem Vorjahr.

Entwicklung in den Regionen: 8 Kreise blieben unter 4-Prozent-Marke
Aktuell weisen insgesamt 16 der 26 hessischen Kreise eine Arbeitslosenquote von unter 5,0 Prozent auf. Acht Kreise liegen dabei sogar unter 4,0 Prozent: Fulda (3,1 Prozent), Waldeck-Frankenberg (3,5 Prozent), Vogelsberg und Hersfeld-Rotenburg (3,6 Prozent), Bergstraße und Schwalm-Eder (3,7 Prozent), Marburg-Biedenkopf (3,8 Prozent) und Kassel (3,9 Prozent). Unter 5,0 Prozent liegen die Kreise Wetterau, Main-Kinzig, Hochtaunus, Limburg-Weilburg, Rheingau-Taunus, Main-Taunus sowie die Kreise Darmstadt-Dieburg und Odenwald.

Die höchsten Quoten weisen die Städte Offenbach (9,6 Prozent), Kassel (8,1 Prozent), Wiesbaden (7,5 Prozent), Frankfurt (6,7 Prozent), Darmstadt (5,7 Prozent) sowie die Kreise Gießen und Groß-Gerau (beide 5,6 Prozent) auf.

Entwicklung konjunkturelle Kurzarbeit: Weniger Anzeigen als im Vormonat und Vorjahr
Die Anzeigen für Kurzarbeit sind im Juli weiter gesunken. Im Berichtsmonat erreichten die Agenturen rund 260 neue Anzeigen für etwa 8.000 Personen.

Im Januar bezogen fast 270.000 hessische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in rund 30.000 Betrieben konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Erste Hochrechnungen gehen von einem Rückgang der Zahlen für die Folgemonate aus. Für April werden rund 24.500 Betriebe und knapp 216.400 Kurzarbeiter in Hessen prognostiziert.

Ausbildungsmarkt 2020/21: Aufholprozess verlangsamt sich im Berichtsmonat
„Seit März konnte der Abstand zum Vorjahr bei den Bewerberinnen und Bewerbern und bei den gemeldeten Stellen erheblich abgebaut werden“, beschreibt Dr. Frank Martin die aktuelle Situation. „Dass sich der kontinuierliche Rückgang der vergangenen Monate aktuell verlangsamt, liegt sicherlich am Beginn der Sommerferien. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen weitere junge Menschen erreichen können. Unsere Berufsberaterinnen und -berater unterstützen auch während der Ferien persönlich, telefonisch und online. Auch Betriebe machen keine Pause und suchen weiter nach Auszubildenden, so dass ich noch einige freie Lehrstellen erwarte.“

Die Zahlen der Bewerber/innen und der gemeldeten Ausbildungsstellen sind im Vergleich zum Vormonat nochmals angestiegen.

Bis Juli meldeten sich 32.535 Bewerberinnen und Bewerber bei den hessischen Agenturen für Arbeit und somit rund -10,0 Prozent weniger als für das vorangegangene Ausbildungsjahr. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen sank um -5,8 Prozent auf 31.353.

Rund 10.800 unversorgte Bewerber/innen standen zum Stichtag rund 12.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen gegenüber.

Dr. Frank Martin sieht mehrere Ursachen für den Rückgang der Bewerber/innen-Zahlen in Hessen:
„Zum einen verzeichnen wir in Hessen seit 2008 einen kontinuierlichen Rückgang der Schulabgängerinnen und -abgänger. In diesem Jahr sind es bereits 8,0 Prozent weniger als noch 2020. Der demografische Wandel ist demzufolge auch auf dem Ausbildungsmarkt angekommen. Zum anderen beobachten wir seit geraumer Zeit einen steigenden Trend weg von der dualen Ausbildung hin zum Studium. Auch der Anteil der schulischen Berufsausbildung ist auf 15 Prozent gestiegen. Haben 2009 noch 35 Prozent der Berufsanfänger eine duale Ausbildung als Start ins Berufsleben gewählt, waren es 2020 nur noch 31 Prozent. Bei den Studienanfängern hingegen stieg der Anteil von 33 Prozent auf 41 Prozent.“

Eine positive Entwicklung sieht Martin im Rückgang des sogenannten Übergangsbereichs Schule und Beruf: „Die klassischen Berufsvorbereitungsmaßnahmen an beruflichen Schulen sind deutlich zurückgegangen. Nur noch 13 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger starteten 2020 mit einer solchen Maßnahme. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass mehr junge Menschen den direkten Schritt in die Ausbildungsphase vorziehen. Leider reicht diese Entwicklung nicht aus, um den generellen Rückgang an Bewerberinnen und Bewerbern zu kompensieren“, so Martin.

Martin bleibt dennoch zuversichtlich, dass im Laufe des Jahres noch viele junge Menschen eine duale Ausbildung beginnen werden: „Ich setze dabei auch auf die Nachvermittlungsaktionen, die bis Ende des Jahres dauern werden. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agenturen für Arbeit tun alles dafür, jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen.“

Am häufigsten werden immer noch Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer/innen, Kaufleute – Büromanagement, Zahnmedizinische Fachangestellte, Bankkaufleute, Fachkräfte Lagerlogistik, Fachverkäufer/innen Bäckerei, Köche/Köchinnen und Industriekaufleute von den hessischen Ausbildungsbetrieben gesucht.