29.10.2020 | Presseinfo Nr. 47

Der Arbeitsmarkt im Oktober - Hessischer Arbeits- und Ausbildungsmarkt vor weiteren Herausforderungen

Der hessische Arbeitsmarkt startete mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen in das vierte Quartal. Zum zweiten Mal in Folge baute sich die Arbeitslosigkeit seit Beginn der Corona-Krise ab. Die Arbeitslosenzahl sank im Oktober um -3,4 Prozent auf rund 194.000 arbeitslose Frauen und Männer. Die Arbeitslosenquote erreichte 5,6 Prozent.

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, stellte fest, dass der hessische Arbeitsmarkt die erste Welle der Corona-Krise bislang gut überstanden hat: „Die Arbeitslosigkeit ist in diesem Monat sogar stärker rückläufig als sonst für einen Oktober üblich. Im letzten Monat hat der Arbeitsmarkt seine Aufnahmefähigkeit weiter verbessert und mehr Menschen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden. Die Fachkräftenachfrage stieg seit Juli kontinuierlich an. Wir haben, wenn auch deutlich unter dem Niveau des Vorjahres, einen Zuwachs bei den offenen Stellen. Neben Akademikern waren auch wieder Helfer gefragt. Eine Vielzahl von Branchen wie das Baugewerbe, das Gesundheitswesen, aber auch der Informations- und Kommunikationsbereich und die Energie- und Wasserversorgungsbranche können ein Beschäftigtenplus verzeichnen“. Krisenbedingt, so Martin, gingen die Beschäftigtenzahlen allerdings im Gastgewerbe und im Kultursektor zurück.

„Im Oktober kam es nochmals zu einem Rückgang bei den Anzeigen für Kurzarbeit“, fasst Martin, die Entwicklung des letzten Monats zusammen. „Rückblickend haben wir laut unserer Hochrechnungen eine abnehmende Tendenz bei der realisierten Kurzarbeit. Im April zählten wir über 44.000 Betriebe mit fast 470.000 Mitarbeitern, die kurzgearbeitet haben. Für Juli gehen wir von knapp 26.000 Betrieben und etwa 330.000 Kurzarbeitern aus.“

Die jetzt geplanten Einschränkungen des öffentlichen Lebens stellen den hessischen Arbeitsmarkt jedoch vor weitere Herausforderungen. „Wir gehen davon aus, dass die Anzeigen für Kurzarbeit gerade aus dem Gastgewerbe und dem Kultursektor wieder steigen werden. Generell bin ich der Überzeugung, dass die hessische Wirtschaft diesen befristeten Lock-Down durchaus meistern kann. Durch die Erfahrungen der letzten Monate sind die meisten Betriebe besser vorbereitet. So sind zum Beispiel Home-Office- und IT-Strukturen auf Vordermann gebracht worden. Ein großer Vorteil ist auch, dass auf die Schließung von Schulen und Kitas verzichtet wird. Ein nachhaltiger, branchenübergreifender Anstieg der Arbeitslosigkeit ist unter diesen Bedingungen erstmal nicht zu erwarten, sofern die neuen Restriktionen wie geplant am Monatsende auslaufen.“

Ausbildung: Jede zehnte betriebliche Ausbildungsstelle blieb unbesetzt

Das Ausbildungsjahr 2019/2020 konnte an die gute Entwicklung der letzten Jahre nicht anschließen. In diesem Jahr blieb zum Stichtag jede zehnte gemeldete Ausbildungsstelle unbesetzt und deutlich mehr junge Menschen als in den Vorjahren gelten als unversorgt.

„Wir müssen in diesem Jahr mit Hochdruck an die Nachvermittlung herangehen. Ich bin mir sicher, dass wir auf diesem Weg, wie auch in den Jahren zuvor, bis zum Ende des Jahres noch viele junge Menschen in eine Ausbildung vermitteln werden. Viele Ausbildungsbetriebe haben bereits vor dem ersten Lock-Down im März Azubis gefunden und Verträge abgeschlossen, sodass wir in diesem Jahr noch mit einem blauen Auge davongekommen sind. Größere Sorgen mache ich mir für den Ausbildungsbeginn 2021. Falls sich die allgemeine wirtschaftliche Situation nicht langsam normalisiert, wird sich das auch auf das Angebot an Ausbildungsstellen auswirken. Im schlechtesten Fall wird die Zahl der unversorgten Bewerber weiter ansteigen“, so Martin.

Martin appelliert an alle Bewerberinnen und Bewerber sowie an die Ausbildungsbetriebe, sich trotz der weiterhin angespannten Situation an ihre Agenturen für Arbeit zu wenden: „Unsere Berufsberatungen und Arbeitgeberservices stehen bereit, um die Lücken zu schließen“.

Im Ausbildungsjahr 2019/2020 meldeten sich bis September 39.040 Bewerberinnen und Bewerber bei den hessischen Arbeitsagenturen und somit rund 3.000 (-7,2 Prozent) weniger als im Vorjahr. Zum 30.September waren noch 2.376 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Die hessischen Betriebe meldeten insgesamt 34.132 betriebliche Ausbildungsstellen und somit fast 3.150 Stellen (-8,4 Prozent) weniger als im vorangegangenen Ausbildungsjahr. 3.331 Ausbildungsstellen waren zum Stichtag noch nicht besetzt. Die meisten noch offenen Ausbildungsstellen gab es im September für die Berufe Kaufmann/- frau im Einzelhandel (295) und Verkäufer/innen (177).

Arbeitslosigkeit in Hessen: Nochmals Rückgang im Oktober bei fast allen Personengruppen

Im Oktober waren in Hessen 193.972 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 6.761 (-3,4 Prozent) weniger als im September und 47.453 (+32,4 Prozent) mehr Menschen als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf jetzt 5,6 Prozent. Im Oktober 2019 lag die Quote noch bei 4,3 Prozent.

Saisonbereinigt sank die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um -4.000 Personen, zum Vorjahr zeigt sich allerdings ein signifikanter Anstieg um +49.000 Personen.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Vormonat betraf fast alle betrachteten Personengruppen. Den prozentual höchsten Rückgang verzeichneten zum zweiten Mal in Folge junge Menschen unter 25 Jahren: -10,7 Prozent. Nur bei den Langzeitarbeitslosen stieg die Zahl um +2,5 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen bei allen Personengruppen an. Am stärksten mit 37,9 Prozent bei jungen Menschen unter 25 Jahren.

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im Oktober 2020 auf 248.209 Personen. Das waren rund 39.000 mehr (+18,7 Prozent) als vor einem Jahr.

Entwicklung in den Rechtskreisen: Leichter Rückgang zu Vormonat und Vorjahr

Insgesamt zählten im Berichtsmonat 44,0 Prozent (85.364 Personen) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 56,0 Prozent (108.608) zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung).

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) fällt der Anstieg mit rund + 62,1 Prozent zum Vorjahr am stärksten aus. In der Grundsicherung (SGB II) wurde ein Plus von +15,7 Prozent erreicht.

Offene Stellen: Einstellungsbereitschaft der Betriebe leicht gestiegen

Die Nachfrage nach Arbeitskräften – Stellenzugang und Bestand – ist zum dritten Mal in Folge wieder leicht gestiegen. Dennoch weist der Stellenbestand der hessischen Agenturen mit 39.860 offenen Stellen einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (-27,5 Prozent) auf. Der monatliche Zugang stieg um 7,1 Prozent auf rund 10.285, lag damit jedoch weiterhin um -13,8 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Rückgang zum Vorjahr setzt sich weiter fort

Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich im Monat August auf 2.645.000. Der Abstand gegenüber dem Vorjahr steigt mit -0,6 Prozent weiter an. Insgesamt ergibt sich so eine Differenz von rund 15.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weniger als noch vor einem Jahr. Hessen liegt damit leicht über den Werten des Bundes und der westdeutschen Länder (beide -0,3 Prozent).

Deutliche Rückgänge mussten insbesondere die Arbeitnehmerüberlassung (-16,6 Prozent), das Gastgewerbe (-8,3 Prozent) und das Verarbeitende Gewerbe (-3,3 Prozent) verzeichnen.

Die Mehrzahl der Branchen wies jedoch weiterhin gegenüber dem Vorjahr einen Beschäftigungszuwachs auf. Unter anderem: Bergbau, Energie und Wasserversorgung (+2,7 Prozent), Öffentliche Verwaltung (+2,6 Prozent), Heime und Sozialwesen (+2,4 Prozent), Information und Kommunikation (+2,3 Prozent), Baugewerbe (+1,9 Prozent), Gesundheitswesen (+1,9 Prozent), Verkehr und Lagerei (+1,2 Prozent).

Entwicklung in den Regionen: Zwölf Kreise weiterhin unter 5-Prozent-Marke

Aktuell weisen zwölf der 26 hessischen Kreise eine Arbeitslosenquote von unter 5,0 Prozent auf. Der Landkreis Fulda liegt mit einer Quote von 3,4 Prozent hessenweit am niedrigsten. Unter der Fünf-Prozent-Marke lagen ebenfalls die Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg, Limburg-Weilburg, Wetterau, Rheingau-Taunus, Main-Taunus und der Kreis Bergstraße.

Die höchsten Quoten weisen die Städte Offenbach (10,5 Prozent), Kassel (8,5 Prozent), Wiesbaden (7,8 Prozent), Frankfurt (7,3 Prozent), Darmstadt (6,5 Prozent) sowie die Kreise Groß-Gerau (6,1 Prozent) und Gießen (5,9 Prozent) auf.

Entwicklung Kurzarbeit: Anzeigen nochmals gesunken

Die neuen Anzeigen für Kurzarbeit sind im Oktober weiter gesunken. Im Berichtsmonat Oktober erreichten die Agenturen rund 530 Anzeigen für 8.400 Personen. Für den Zeitraum März bis Oktober sind somit bei den hessischen Arbeitsagenturen insgesamt rund 68.000 Anzeigen für knapp 932.000 Personen eingegangen.

Im April bezogen knapp 470.000 hessische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in rund 44.000 Betrieben Kurzarbeitergeld. Erste Hochrechnungen weisen einen stetigen Rückgang der Zahlen seit Mai aus. Für Juli geht die Bundesagentur für Arbeit von fast 26.000 Betrieben und knapp 330.000 Kurzarbeitern aus.