08.10.2020 | Presseinfo Nr. 46

Betriebliche Aktivitäten: Betriebe mit jüngerer Belegschaft investieren stärker

Je jünger die Belegschaft, desto stärker investieren Unternehmen in Produkt-, Dienstleistungs- und Prozessinnovationen. Zu diesem Ergebnis kommt das Mitte August veröffentlichte IAB-Betriebspanel 2019.

42 Prozent der hessischen Betriebe hatten mit jüngeren Beschäftigten im Geschäftsjahr 2018 Produkte bzw. Dienstleistungen weiterentwickelt - im Vergleich zu 27 Prozent der Betriebe mit älterer Belegschaft. Bei völlig neuen Produkten bzw. Dienstleistungen zeigte sich ein vergleichbares Bild (8 Prozent gegenüber 3 Prozent). Betriebe mit jüngerer Belegschaft setzten zudem mehr Roboter ein und verfügten über eine neuere EDV- und IT-Ausstattung.

Als jung wurden Belegschaften gewertet, wenn mehr als ein Fünftel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jünger als 30 Jahre und weniger als 35 Prozent älter als 50 waren. Dies traf auf ein Viertel der befragten Unternehmen zu. Daran gemessen, hatte jeder dritte Betrieb eine alte Belegschaft (weniger als 20 Prozent unter 30 Jahre, aber mehr als 35 Prozent über 50 Jahre).

Betriebe mit jüngeren Mitarbeitern engagieren sich auch stärker in der Ausbildung: Im Ausbildungsjahr 2018/2019 schlossen 32 Prozent der Betriebe mit jüngerer Belegschaft neue Ausbildungsverträge ab, von den Betrieben mit älteren Beschäftigten dagegen nur 12 Prozent. Auszubildende machten bei ihnen auch nur 2,4 Prozent des Personals aus, bei den jüngeren Belegschaften dagegen 6,4 Prozent. In Betrieben mit jüngeren Belegschaften blieben 23 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt, in den Betrieben mit älterer Belegschaft waren es 28 Prozent.

Die Unterschiede äußerten sich auch in der Weiterbildung: 61 Prozent der Betriebe mit jüngerer Belegschaft ermöglichten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im 1. Halbjahr 2019 eine Weiterbildung, 44 Prozent von den Betrieben mit älteren Mitarbeitern. Gewinn- bzw. Erfolgsbeteiligung als Instrument der Fachkräftebindung setzten 11 Prozent der Betriebe mit jüngerer Belegschaft ein, aber nur 3 Prozent der Betriebe mit älterer Belegschaft.

„Das Alter der Beschäftigten sollte keinen Einfluss auf die Innovationskraft eines Unternehmens haben. Den eigenen Betrieb zukunftsfähig aufzustellen, heißt auch, mit der Zeit zu gehen. Der Schlüssel liegt in der Weiterqualifizierung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in altersmäßig gemischten Teams sowie dem Engagement in der Ausbildung“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir zu den Ergebnissen des IAB-Betriebspanels. „Mit dem Hessenplan wollen wir die hessische Wirtschaft widerstandsfähiger, innovativer und nachhaltiger machen. Dazu gehört auch ein Programm zur Weiterqualifizierung im Bereich Künstliche Intelligenz sowie zusätzliche Mittel für die Digitalisierung kleiner und mittlerer Betriebe. Damit wollen wir den entscheidenden Impuls geben, damit in der wirtschaftlichen Krise die Innovationsbereitschaft nicht erlahmt.“

Mit Blick auf die Befragungsergebnisse sieht Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen einen deutlichen Handlungsbedarf bei einigen Betrieben: „Wer jetzt schon einen deutlich höheren Anteil an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über 50 Jahren hat, muss sich genau überlegen, wie die Zukunft des eigenen Betriebes aussehen soll. Wer sich der demografischen Entwicklung entgegenstellen will, muss verstärkt in Ausbildung und Weiterbildung investieren. Investitionen in neue Technologien und EDV sind ebenfalls wichtige Faktoren. Letztendlich kommt es bei einem sinkenden Erwerbspersonenpotential darauf an den richtigen Mix zu finden, der Mitarbeiter längerfristig bei der Stange hält. Dies wird umso wichtiger, je weniger Menschen, wie aktuell durch die Corona-Krise bedingt, aus dem Ausland zu uns kommen, um die demografischen Lücken zu schließen.“

 

Hintergrundinformationen:

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch Kantar befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur. Gefördert werden die hessischen Zusatzauswertungen aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie der Europäischen Union - Europäischer Sozialfonds.

 

Das vollständige IAB-Betriebspanel finden Sie hier: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-h/content/1533718996721