06.04.2021 | Presseinfo Nr. 8

Pandemie trifft Geringqualifizierte – Arbeitslosigkeit steigt

Beschäftigte ohne oder mit nur geringen Qualifikationen haben es in wirtschaftlichen Krisen und bei strukturellen Veränderungen meist schwer, ihren Arbeitsplatz zu behalten oder einen neuen Job zu finden.
 

Der Bedarf an Arbeitskräften ohne formale Qualifikation ist in Hessen gering. Helfer*innen machten 2020 nur 14,6 Prozent oder 382.000 Personen (im Vergleich Westdeutschland: 15,5 Prozent) aller 2,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus.

Das Risiko den Job zu verlieren, lag im letzten Jahr bei dieser Personengruppe fast dreimal höher als bei qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig war die Chance, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen deutlich geringer als bei ausgebildeten Arbeitnehmer*innen.

Abgangschancen für Geringqualifizierte sinken durch Pandemie

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren knapp 88.500 Helfer*innen in Hessen arbeitslos gemeldet und stellten somit mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen. Allein von März bis Dezember 2020 stieg die Zahl um 14.000 Personen (+18,5 Prozent) an. Betrachtet man die Entwicklung von März 2020 bis Februar 2021 liegt der Anstieg bereits bei 21.400 Personen (+28 Prozent). Die Arbeitslosenquote für diese Personengruppe lag im letzten Jahr bei 15,3 Prozent (Fachkräfte: 3,2 Prozent). Fast 30.000 Personen waren 12 Monate oder länger arbeitslos.

Die Nachfrage bzw. der Anteil von Helferstellen an allen gemeldeten offenen Stellen war mit 20 Prozent (8.100) ebenfalls rückläufig. Der Rückgang zum Vorjahr betrug 14 Prozent. Somit kamen im letzten Jahr rund 11 arbeitslose Frauen und Männer auf eine gemeldete Helferstelle. Bei den Fachkräften lag die Relation bei 2,5 Arbeitslosen zu einer Stelle.

Seit Beginn der Pandemie sind die Chancen die Arbeitslosigkeit zu beenden, deutlich gesunken. Im Mai 2020 konnten nur 2,9 Prozent der arbeitslosen Helfer*innen eine Arbeit aufnehmen, der bisher niedrigste Wert seit langem. Zum Vergleich: im Jahr 2019 waren es noch 5,8 Prozent. Durchschnittlich gelang es 4,3 Prozent der Helfer*innen innerhalb eines Monats im Jahr 2020 eine Beschäftigung aufzunehmen. Noch schlechtere Chancen ihre Arbeitslosigkeit zu beenden, hatten über 55-Jährige (3,2 Prozent) sowie Langzeitarbeitslose (1,0 Prozent). Am besten lief es mit 11 Prozent bei der Gruppe der Experten.

Anstieg der Beschäftigungsverhältnisse bei Helfer*innen in den letzten Jahren

Rückblickend wuchs die Beschäftigung von Helfer*innen in Hessen bis 2019 an. Konnte 2015 ein Plus von 24.000 Beschäftigungsverhältnissen verzeichnet werden, lag der Zuwachs 2019 nur noch bei 5.000. Strukturelle Veränderungen haben bereits vor der Corona-Pandemie zum Stellenabbau bei der Arbeitnehmerüberlassung und dem Verarbeitenden Gewerbe geführt.

Im Juni 2019 lag die Anzahl insgesamt bei rund 394.000 sozialversicherungspflichtigen Jobs. Mit Beginn der Krise gab es in 2020 einen Rückgang auf 382.000 (Juni 2020).

Mit Blick auf die Branchen wurden im letzten Jahr in erster Linie Helferjobs bei der Arbeitnehmerüberlassung (58 Prozent), dem Verarbeitenden Gewerbe (22,5 Prozent) und in der Gastronomie (42,7 Prozent) abgebaut. Neue Helferjobs entstanden mehrheitlich im Baugewerbe, dem Bereich Heime und Sozialwesen und dem Gesundheitswesen. Allerdings konnte der Gesamtrückgang der Helferjobs dadurch nicht kompensiert werden.

„Ausbildung und Qualifizierung schützt vor Arbeitslosigkeit“ (Dr. Frank Martin, Leiter der RD Hessen)

„Dass gerade in Krisenzeiten Menschen ohne Ausbildung und formale Qualifikationen ihren Arbeitsplatz verlieren, ist ein wiederkehrendes Phänomen. Das trifft auch auf die jetzige Situation zu. Ob mit oder ohne Kurzarbeit: Betriebe halten meist an ihren gut qualifizierten Fachkräften fest. Man kann gar nicht oft genug wiederholen, wie wichtig ein Schulabschluss, eine Ausbildung, ein Studium und die regelmäßige Weiterqualifizierung für Arbeitnehmer ist. Die Zahlen geben uns recht: Die Mehrzahl der arbeitslosen Personen in Hessen hat keine Berufsausbildung. Das sind 58,5 Prozent. Das Risiko langzeitarbeitslos zu werden ist hoch. Die Chancen wieder einen Job zu finden, sind deutlich geringer als bei anderen Personengruppen. Deswegen appelliere ich immer wieder dringend an junge Menschen eine Ausbildung zu beginnen. Arbeitslose Menschen, die sich weiterqualifizieren wollen, können durch uns gefördert werden. In diesem Jahr sollen es nach den derzeitigen Planungen bis zu 16.000 sein“, so Frank Martin.