11.11.2020 | Presseinfo Nr. 52

Schleswig-Holstein: RD-Chefin Haupt-Koopmann und Staatssekretär Dr. Rohlfs ziehen Bilanz am Ausbildungsmarkt

-   "Wir sind auf dem Ausbildungsmarkt in Schleswig-Holstein glimpf­lich davongekommen. Angesichts der Pandemie-bedingten Ein­schrän­­kungen hat der Ausbildungsmarkt seine Robustheit unter Beweis gestellt."(Margit Haupt-Koopmann)

-   „Die duale Ausbildung ist noch immer das Aushängeschild Deutschlands und bietet hervorragende Voraussetzungen für den Start ins Berufsleben.“(Dr. Thilo Rohlfs)

-   Besonders im Einzelhandel und im Handwerk werden auch aktuell noch Auszubildende gesucht
 

In Schleswig-Holstein haben sich im Berichtszeitraum Oktober 2019 bis Ende September 2020 16.966 Jugendliche in den regionalen Arbeitsagenturen als Bewerber/-innen gemeldet. Von ihnen waren En­de September noch 1.970 - aus unterschiedlichen Gründen – ‚unversorgt‘. Im glei­chen Zeitraum wur­den 18.712 Ausbildungsplätze gemeldet. 2.001 offene Stellen konnten bis Ende September nicht besetzt werden.

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs betonte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, heute (11. November 2020) in Kiel: "Wir sind auf dem Ausbildungsmarkt in Schleswig-Holstein glimpf­lich davongekommen. Angesichts der Pandemie-bedingten Ein­schrän­­kungen hat der Ausbildungs­markt seine Robustheit unter Beweis gestellt. Alle Ausbildungsmarktpartner waren und sind gemeinsam engagiert, die Auswirkungen der Pandemie auf den Ausbildungs­markt so gering wie möglich zu halten. Das ist bisher besser gelungen, als viele zu Beginn der Pandemie er­wartet haben.“

„Besonders wichtig ist allerdings, dass wir nun gemeinsam mit unseren Part­nern die bis Ende Januar 2021 laufenden Nachvermittlungsaktionen nutzen, um insbesondere den Corona-bedingten Zeitverzug aufzuholen. Denn wir können erkennen, dass wir durch die verzögerten Bewerbungs- und Entschei­dungs­prozesse hinterherhinken. Dass dies gelingen kann, zeigen uns aktuelle Rückmeldungen von Bewerberinnen und Bewerber, die uns mitteilen, dass sie gerade einen Ausbildungsvertrag unter­schrieben ha­ben.“

Dr. Rohlfs, Arbeits-Staatssekretär, betonte: „Der Start in das neue Ausbil­dungsjahr war und ist nicht einfach. Die potenziellen Auszubildenden waren viel mehr auf sich selbst gestellt, als in den Jahren davor, da in den Schulen kaum Veranstaltungen zur Berufsorientierung stattfinden konnten und auch digitale Ausbildungsmessen nicht unbedingt das direkte Gespräch vor Ort ersetzen können. Die Corona-Pandemie macht es den jungen Menschen schwerer, eine zukunftssichere Entscheidung zu treffen. Dass trotzdem so viele Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden, zeigt, dass die Zusam­men­arbeit aller Akteure und die Appelle an junge Leute und Betriebe erfolgreich waren. Auch die Corona-Hilfsprogramme von Bund und Land ha­ben gewirkt und größere Zahlen von Entlassungen und aufgelösten Ausbil­dungs­verträgen verhindert.“

An die Betriebe in Schleswig-Holstein, die noch freie Ausbildungsplätze zu b­e­setzen haben, appel­lierte Haupt-Koopmann: „Es ist wichtig, dass Sie trotz aller Unsicherheiten an der Ausbildung festhalten und jungen Menschen noch einen verspäteten Eintritt in Ausbildung ermöglichen. Denn es gibt eine Zeit nach Corona! Angesichts der sich abzeichnenden Fachkräfteengpässe ist es in Ihrem Eigeninteresse, möglichst alle an­gebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen und so ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern. Dazu nur eine Zahl: Aktuell sind 73.600 Fachkräfte in Schleswig-Holstein 60 Jahre alt und älter. Der Ersatzbedarf in den kommenden Jahren ist also enorm. Nutzen Sie daher die vielfältigen Unterstützungsangebote, die wir im Bereich Ausbildung bereit­halten -  von der Einstiegsqualifizierung (EQ) bis hin zur Ausbildungs­prämie.“ An die Jugendlichen gewandt, sagte sie: „Viele von Euch waren und sind ver­unsichert und machen sich Sorgen um die berufliche Zukunft. Doch ich möch­te Euch Mut machen. Aktuell sind noch 2.000 Stellen unbesetzt. Es ist also selbst jetzt noch möglich, in diesem Jahr eine Ausbildung zu beginnen.“ Ab­schließend forderte Haupt-Koopmann alle Schülerinnen und Schüler auf, die im Jahr 2021 ihre Schul­zeit be­enden, sich frühzeitig über die sie interes­sieren­den Ausbildungsberufe zu infor­mieren. „Ich möchte hier insbesondere für die breite Palette unserer Online-Angebote (siehe Anlage) werben, die von zu­hau­se aus genutzt werden können.“

Dr. Rohlfs hob hervor: „Die duale Ausbildung ist noch immer das Aushänge­schild Deutschlands und bietet hervorragende Voraussetzungen für den Start ins Berufsleben. Gerade für die Unternehmensstruktur in Schleswig-Holstein mit den vielen kleinen und mittleren Unternehmen ist die duale Ausbildung das Rückgrat und das wichtigste Mittel, um Fachkräfte zu sichern. Während des Lockdowns im Frühjahr haben die Unternehmen und auch die Berufs­schu­len ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt, schnell digitale Ange­bote geschaffen und die Ausbildung an die neuen Bedingungen angepasst. Das zeigt: das duale Ausbildungssystem hat Zukunft. Es muss nicht immer ein Studium sein, die duale Ausbildung ist eine echte Alternative!“

Kurz-Info 1: Daten

Ausbildungsmarkt S-H (Ende September 2020 im Vorjahresvergleich)

  • Unversorgte Bewerber/-innen: 1.970 / Vorjahr: 2.177 / -207 / -9,5 Prozent
  • Unbesetzte Ausbildungsplätze: 2.001 / Vorjahr: 1.754 / +247 / +14,1 Prozent

Top 10 der unbesetzten Ausbildungsplätze

  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 138
  • Verkäufer/-in: 100
  • Anlagenmechaniker/-in - Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: 95
  • Fachverkäufer/-in - Bäckerei: 95
  • Koch/Köchin: 84
  • Hotelfachmann/-frau: 77
  • Fachverkäufer/-in - Fleischerei: 61
  • Restaurantfachmann/-frau: 59
  • Elektroniker/-in - Energie- und Gebäudetechnik: 56
  • Kaufmann/-frau - Büromanagement: 48

Kurz-Info 2: Online-Angebote für Jugendliche
  • Unter der Rubrik „Schule, Ausbildung und Studium“ der Home­page www.arbeitsagentur.de finden Jugendliche das kostenlose und eig­nungs­diagnostisch fundierte Erkundungstool Check-U. Es hilft dabei, Berufe zu finden, die zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passen.
  • Informationen zu über 3.000 Berufen bieten das Filmportal www.berufe.tv und die Seite www.berufenet.arbeitsagentur.de 
  • Die kostenlose App AzubiWelt ermöglicht u.a. die komfortable und perso­na­lisierte Suche nach freien Ausbildungsstellen direkt am Smartphone.
  • Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss oder einen Mit­tleren Schulabschluss anstreben, finden im Portal www.planet-beruf.de Reportagen und Interviews sowie Material rund um die The­men Ausbi­l­dungs­­suche, Berufswahl und Bewerbung.

Ansprechpartner/in:

  • Karen Sieksmeyer I Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tou­rismus I Kiel I Telefon: 0431 988-4412 I karen.sieksmeyer@wimi.landsh.de
  • Dr. Horst Schmitt I Regionaldirektion Nord der BA I Telefon: 0431-3395-5160 I nord.pressemarketing@arbeitsagentur.de