22.07.2019 | Presseinfo Nr. 20

Aktuelle NRW-Statistik zu Arbeitsentgelten 2018

Qualifizierung lohnt sich!
Menschen mit qualifizierter Berufsausbildung haben im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen im Schnitt monatlich 839 Euro brutto mehr verdient als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss. Das ist ein Ergebnis der jährlichen Auswertung der Medianentgelte, die seit heute vorliegt. Auch regional bestehen teilweise deutliche Unterschiede nach Qualifikation.

Sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte verdienten 2018 in Nordrhein-Westfalen im Schnitt 3.391 Euro brutto. Im bundesweiten Vergleich liegen die Menschen an Rhein, Ruhr und Lippe damit 87 Euro über dem Durchschnitt. Doch wer nach der Höhe des Brutto-Arbeitslohns gemäß der Qualifikation fragt, findet deutliche Unterschiede. Im Schnitt 3.341 Euro verdienten 2018 Menschen, die eine qualifizierte Berufsausbildung absolviert haben. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Ausbildung kamen hingegen nur auf ein Median-Einkommen von 2.502 Euro brutto. Wer eine akademische Ausbildung vorweisen konnte, verdiente 2018 im Median 5.176 Euro brutto.

„Nicht nur die Jahreszahlen zum Entgelt zeigen: Eine Berufsausbildung lohnt sich“, sagte Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Menschen ohne Berufsausbildung drohten auch eher arbeitslos zu werden und dann länger ohne Arbeit zu bleiben. Schönefeld sagte, es sei daher wichtig, möglichst vielen Menschen die Chance zu geben, eine fehlende Qualifikation nachzuholen. „Deshalb haben die Agenturen für Arbeit ihre Angebote zur Förderung von Weiterbildung stark ausgebaut. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer soll die Chance haben, eine gute berufliche Qualifikation zu erwerben.“

Das zu Anfang des Jahres verabschiedete Qualifizierungschancengesetz weite die Möglichkeiten der Agenturen für Arbeit deutlich aus, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Unternehmen zu Chancen in der Weiterbildung zu beraten und diese finanziell zu fördern: „Das ist auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant. Bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten, der Bezüge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die während der Weiterbildung freigestellt werden sowie der weiteren Kosten, die durch eine Fortbildung entstehen, können finanziell gefördert werden.“

Weiterbildung sei eine zentrale Antwort auf die Herausforderungen am Arbeitsmarkt in NRW, sagte Schönefeld. Sie verstehe zwar, dass sich Menschen scheuten, noch einmal sprichwörtlich die Schulbank zu drücken. „Wir wünschen uns, dass Menschen den Schritt in die Qualifizierung gehen - trotz aller Bedenken. Vielleicht motiviert sie ja auch der Blick auf die Einkommen ein wenig.“

Einkommen schwanken lokal deutlich

Auch der Blick in die Kreise und kreisfreien Städte offenbart deutliche Unterschiede nach der Qualifikation. So verdienten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss 2018 in Bonn am meisten mit brutto 2.876 Euro monatlich. Das waren 717 Euro mehr als Berufstätige für vergleichbare Arbeit in Mönchengladbach erhielten - dort lag das Medianentgelt für Menschen ohne Qualifikation bei 2.159 Euro monatlich. Der NRW-Median lag 2018 bei 2.502 Euro. Gut verdienen lässt sich ohne Berufsabschluss vor allem in Industrie und verarbeitendem Gewerbe. Daher liegen über dem NRW-Schnitt auch viele Städte und Kreise aus Südwestfalen und dem Bergischen Land, etwa Olpe mit 2.821 Euro monatlich oder der Märkische Kreis mit 2.709 Euro.

Die Rangliste der Beschäftigten mit einem qualifizierten Berufsabschluss führte Leverkusen mit einem Medianeinkommen von 4.041 Euro brutto an, gefolgt von Düsseldorf mit 3.707 Euro. Am unteren Ende der Bruttoverdienstskala rangierte 2018 der Kreis Höxter mit einem monatlichen Medianentgelt von 2.995 Euro. Der Abstand der Arbeitsentgelte sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter mit und ohne Berufsabschluss lag hier bei 616 Euro. Am geringsten fiel dieser Abstand in Bottrop aus, wo Menschen ohne Berufsabschluss 442 Euro weniger verdienten als Menschen mit. Am größten fiel die Differenz in Leverkusen (1.310 Euro), in Münster (1.107 Euro) und im Kreis Gütersloh (1.103 Euro) aus. Landesweit bestand ein Abstand der Entgelte qualifizierter und unqualifizierter Beschäftigter von 839 Euro.

Akademiker verdienten auch in Leverkusen 2018 am meisten. Über 6.500 Euro im Median brachten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit einem Hochschulabschluss hier monatlich nach Hause. Auf Platz zwei folgt Mülheim an der Ruhr sowie Remscheid mit 5.819 bzw. 5.675 Euro Brutto-Medianeinkommen. Das geringste Einkommen erzielten Akademiker wiederum in Höxter. Hier lag der Median bei 4.580 Euro. Kaum darüber lagen Kleve und Coesfeld mit jeweils 4.589 Euro.

Der Medianlohn bezeichnet das mittlere monatliche Bruttogehalt, das sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte erhalten. „Median“ bedeutet, dass die Anzahl der Menschen, die mehr verdient genauso groß wie die derjenigen, die weniger als die Mediansumme verdienen.

Gerechnet wird mit dem Arbeitsentgelt vor dem Abzug von Steuern (Lohnsteuer, Solidaritätsbeitrag, ggf. Kirchensteuer) und Sozialversicherungsbeiträgen (i.d.R. Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung). Auch Urlaubs- und Weihnachtsgelder, Tantiemen, Gratifikationen, Mehrarbeits- oder Überstundenvergütungen und Mehrarbeitszuschläge, Familienzuschläge, Gefahrenzuschläge und Schmutzzulagen, Provisionen und Abfindungen werden eingerechnet.