29.08.2019 | Presseinfo Nr. 25

NRW-Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit steigt im August
Im August ist die Zahl der Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen um 10.747 Personen auf 656.657 arbeitslos gemeldete Menschen gestiegen. Das waren 1.153 Personen weniger als vor zwölf Monaten. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,7 Prozent - 0,1 Prozentpunkte höher als vor einem Monat und 0,1 Punkte unter dem Vorjahreswert. Im August wirkte sich neben den typischen saisonalen Faktoren, wie der in der Ferienzeit vorübergehend deutlich steigenden Arbeitslosigkeit junger Menschen, auch eine leichte Eintrübung der Konjunktur auf den Arbeitsmarkt aus. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sank im Vergleich zum Vorjahr leicht. Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten aber weiter zu.

„In den vergangenen Monaten, insbesondere im zweiten Quartal, haben wir Anzeichen für eine leichte Eintrübung der Konjunktur und damit einhergehend einer leichten Abkühlung am Arbeitsmarkt beobachtet. Das hat sich im August nun bestätigt“, sagte Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Der nun abgelaufene Monat habe zwar auch ganz im Zeichen der Sommerferien gestanden und einem für diese Jahreszeit üblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Doch dieser sei in diesem Jahr stärker ausgefallen als im langjährigen Mittel, sagte die Arbeitsmarktexpertin: „Es meldeten sich mehr Menschen aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos. Daran spüren wir einen leichten konjunkturellen Einfluss auf den Arbeitsmarkt“.

Gemessen am vorhergehenden Jahr sei die Nachfrage nach Arbeitskräften zurückgegangen, sagte Schönefeld weiter: „Vor einem Jahr lief die Konjunktur auf Hochtouren. Mit ihr hat sich nun auch die Nachfrage nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abgekühlt. Zwar wurden im August wieder zehn Prozent mehr freie Arbeitsstellen als im Juli gemeldet. Doch im Vergleich zum vergangenen Spitzenjahr 2018 sind fast sieben Prozent offene Stellen weniger gemeldet worden.“

Vor allem Menschen ohne ausreichende Qualifikationen spürten diesen Rückgang. „Während das Angebot für Fachkräfte sich um nur sechs Prozent verringert hat, verzeichnen die Agenturen für Arbeit einen Rückgang von beinahe zehn Prozent bei Stellen für Menschen ohne Berufsausbildung.“ Dafür sieht Schönefeld zwei Gründe: „Viele Stellen für angelernte Arbeitskräfte gibt es in den Produktionsberufen. Diese sind aber besonders konjunkturabhängig. Viele Menschen, die sich neu arbeitslos melden mussten, haben vorher im verarbeitenden Gewerbe, zum Beispiel im Maschinenbau, aber auch in den Bereichen Logistik und Lager gearbeitet.“ Das habe auch regionale Auswirkungen: „In einigen nordrhein-westfälischen Arbeitsmarktregionen, wie zum Beispiel Südwestfalen, prägen diese Berufsbilder die Wirtschaftstätigkeit. Daher hat sich hier auch stärker neue Arbeitslosigkeit aufgebaut als in anderen Regionen.“

Gleichzeitig bestünden trotz leichter Abkühlung Engpässe am Fachkräftemarkt weiter: „Ob sie eine Fachkraft aufgrund einer Nachfrageschwäche entlassen wollen, überlegen sich viele Arbeitgeber lieber zwei Mal. Schließlich haben sie in den Jahren zuvor die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, passende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu finden.“ Viele Unternehmen sehen sich daher nach Alternativen um, sagte die Arbeitsmarktexpertin: „Die mediale Aufmerksamkeit, die die Diskussion um das Kurzarbeitergeld in den vergangenen Wochen gefunden hat, ist sicherlich auch ein Grund dafür, warum sich in den Agenturen für Arbeit aktuell viele Unternehmen und Betriebe nach Kurzarbeitergeld erkundigen.“ Wenn Kapazitäten nicht ausgelastet werden könnten, sei Kurzarbeit ein bewährtes Mittel, Entlassungen zu vermeiden.

Jedoch sei landesweit im ersten Halbjahr 2019 die Zahl der Anzeigen von Unternehmen, die möglicherweise Kurzarbeit einführen wollen, im Vergleich zum ersten Halbjahr des vergangenen Jahres nur leicht gestiegen: „In den ersten sechs Monaten haben in NRW rund 1.200 Betriebe mögliche Kurzarbeit angezeigt. Im konjunkturell starken Vorjahr lag dieser Halbjahreswert knapp unter 1.000 Anzeigen. Auch das zeigt, dass die Lage am Arbeitsmarkt trotz Eintrübung nicht dramatisch ist. In Krisenjahren wie 2009 wurde regelmäßig in einem Monat mehr Kurzarbeit angezeigt als aktuell in einem halben Jahr.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im August stieg in NRW die Arbeitslosigkeit auf 656.657 Personen. Das waren 10.747 arbeitslos gemeldete Menschen oder 1,7 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Vor zwölf Monaten, im August 2018, lag die Arbeitslosigkeit um 1.153 Personen oder 0,2 Prozent höher. Die Arbeitslosenquote stieg mit 6,7 Prozent um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr sank sie um 0,1 Prozentpunkte.

Den größten Zuwachs gab es in der Gruppe der jungen Menschen unter 25 Jahren. Nach dem Abschluss von Ausbildung oder Schule haben sie sich für eine Übergangszeit arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat stieg daher die Jugendarbeitslosigkeit um 2.679 Personen oder 4,4 Prozent auf 63.571 arbeitslos gemeldete junge Menschen. Das waren 1.414 Personen oder 2,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Mit dem Beginn der Ausbildung bzw. mit der Aufnahme einer Tätigkeit als Fachkraft wird ihre Zahl in den kommenden Monaten deutlich zurückgehen.

Menschen ohne berufliche Ausbildung waren stärker von der gestiegenen Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen mit einer dualen Berufsausbildung. So stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen mit dem Anforderungsniveau des Helfers mit einem Plus von 3.738 Personen oder 1,2 Prozent im Monatsvergleich zwar in einer ähnlichen Größenordnung wie die der Fachkräfte mit 3.185 Personen oder 1,4 Prozent. Doch im Jahresvergleich ging die Zahl arbeitsloser Fachkräfte um 2.831 Personen oder 1,2 Prozent zurück, während bei den Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung die Arbeitslosigkeit um 1,7 Prozent oder 5.530 Personen zunahm.

Die Zahl der Menschen, die als Kundinnen und Kunden der Jobcenter Arbeitslosengeld II beziehen, stieg im Vergleich zum Monat Juli um 1,4 Prozent oder 6.172 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Menschen mit Arbeitslosengeld II um 10.387 Personen oder 2,2 Prozent. Im Bereich Arbeitslosengeld, also der Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen, stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 4.575 Personen oder 2,3 Prozent. Hier gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 4,8 Prozent oder 9.234 Personen.

Die Zahl der Unterbeschäftigten in NRW nahm im August geringfügig um 0,1 Prozent oder 662 Personen zu und lag bei 890.300 Personen. Die Unterbeschäftigung ist die Summe aus der Anzahl der Arbeitslosen und der Menschen, die nicht als arbeitslos gelten, da sie an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen oder krankgemeldet sind. Die Zahl dieser Menschen, die als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos gelten, betrug im August 233.643 Personen.

Beschäftigung steigt weiter - Zahl offener Stellen sinkt leicht

Gleichzeitig legte zum aktuellen Auswertungsmonat auch die Beschäftigung weiter zu. So waren in NRW 6.971.900 Menschen und damit 119.300 Personen oder 1,7 Prozent mehr als im Juni vor einem Jahr sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Juni ist der Monat des aktuellen Datenstandes. Im Vergleich zum Monat Mai sank die Beschäftigung, wie saisonal üblich, geringfügig um 0,1 Prozent oder 9.100 Personen.

Mit 167.038 offenen Stellen lag landesweit die Arbeitskräftenachfrage im August um 858 Stellen oder 0,5 Prozent unter dem Wert des Vormonats. Der monatliche Zugang im August lag mit 38.957 Stellen um 10,4 Prozent höher als vor einem Monat und auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Im Vergleich zum Vorjahr allerdings schwächelte die Arbeitskräftenachfrage im August mit einem Minus von 6,2 Prozent oder 11.035 Stellenangeboten.

Im ersten Halbjahr 2019 haben 1.209 Betriebe für 22.267 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mögliche Kurzarbeit angezeigt. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 805 Betriebe, die für 8.912 Personen Anzeigen für Kurzarbeit abgegeben hatten. Im Krisenjahr 2009 zeigten 20.147 Unternehmen Kurzarbeit für 531.071 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Wollen Unternehmen bei weiterer Nachfrageschwäche auf Kurzarbeit setzen, müssen sie dies vorher anzeigen. Ob sie die angezeigte Kurzarbeit auch realisieren, steht auf einem anderen Blatt. Angezeigte Kurzarbeit kann kurzfristig statistisch mit einer Wartezeit von einem Monat ausgewertet werden. Tatsächlich realisierte Kurzarbeit hat mehrere Monate Wartezeit bis zu einer möglichen Auswertung, da die Unternehmen diese mit den Agenturen für Arbeit erst abrechnen müssen.

Regionale Arbeitsmärkte in NRW

In allen Arbeitsmarktregionen in NRW stieg im August im Vergleich zum Vormonat die Arbeitslosenquote. Der Vergleich mit der Arbeitslosigkeit von vor zwölf Monaten offenbart ein abweichendes Bild. Im Ruhrgebiet, dessen Arbeitsmarkt von Berufen im Dienstleistungssektor geprägt ist, sank die Arbeitslosenquote genauso wie im Münsterland und im Rheinland. Anders verlief die Entwicklung in Südwestfalen, wo die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte im Vergleich zum Vorjahr stieg sowie in Ostwestfalen-Lippe und dem Bergischen Land, die im Vorjahresvergleich einen Anstieg der Quote um 0,1 Punkte meldeten.

Im Münsterland stieg im August im Vergleich zum Vormonat die Arbeitslosigkeit um 1.257 Personen oder 3,4 Prozent auf 38.094 arbeitslos gemeldete Menschen. Damit waren im August 302 Personen oder 0,8 Prozent weniger arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor. Die Quote lag im abgelaufenen Monat bei 4,1 Prozent: 0,1 Prozentpunkte unter der des vorhergehenden Jahres und 0,1 Punkte über der des Vormonats.

In Südwestfalen lag die Arbeitslosenquote im August bei 5,1 Prozent. Hier gab es die landesweit stärkste Steigerung der Quote um 0,2 Prozentpunkte sowohl zum Vormonat als auch zum gleichen Monat des Vorjahres. 39.921 Menschen waren im August arbeitslos gemeldet, 1.295 Personen oder 3,4 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Vor einem Jahr waren in Südwestfalen 1.948 Personen oder 5,1 Prozent weniger arbeitslos gemeldet als heute.

In Ostwestfalen-Lippe stieg die Arbeitslosigkeit im August um 2,4 Prozent oder 1.432 Personen auf 60.713 arbeitslos gemeldete Menschen. Das waren 1.072 Arbeitslose oder 1,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 5,4 Prozent – und übertraf den Vorjahresmonat damit um 0,1 Punkte.

Das Bergische Land verbuchte wie alle Arbeitsmarktregionen einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im August. 63.678 Personen waren arbeitslos gemeldet – 1.378 Personen oder 2,2 Prozent mehr als im Vormonat und 955 Personen oder 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,1 Punkte auf nun 6,5 Prozent. Vor einem Jahr lag sie um 0,1 Punkte niedriger.

Im Rheinland stieg die Arbeitslosigkeit im August um 3.433 Personen oder 1,5 Prozent auf nun 229.243 arbeitslos gemeldete Personen. Das waren 57 Personen mehr als vor einem Jahr. Die Quote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 6,6 Prozent und lag damit 0,1 Punkte unter der von vor zwölf Monaten.

Im Vergleich zum Vormonat stieg im Ruhrgebiet die Arbeitslosigkeit um 1.952 Personen oder 0,9 Prozent. Das waren 4.883 arbeitslos gemeldete Menschen oder 2,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Quote stieg zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 9,2 Prozent und lag damit 0,3 Prozentpunkte unter der des Vorjahres-August.