30.09.2019 | Presseinfo Nr. 28

NRW-Arbeitsmarkt

Saisonüblicher Rückgang der Arbeitslosigkeit im September
Im September ist die Zahl der Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen wie für die Jahreszeit üblich gesunken. 21.623 Menschen waren weniger arbeitslos gemeldet als einen Monat zuvor. Insgesamt galten 635.034 Personen als arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit geringfügig um 672 Personen. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 6,5 Prozent. Den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit gab es bei Menschen unter 25 Jahren.

Auf dem Arbeitsmarkt zeigte sich in NRW das für den September typische Bild“, sagte Torsten Withake, Geschäftsführer Arbeitsmarktmanagement der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. „Nach dem Ende der Sommerpause nimmt der Arbeitsmarkt wieder Fahrt auf. Davon profitieren zum Beispiel junge Menschen, die nach dem Ende ihrer Ausbildung und einer kurzen Phase der Arbeitslosigkeit als begehrte Fachkräfte in Arbeit finden. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit minimal um 672 arbeitslos gemeldete Personen gestiegen. In den vergangenen starken Jahren hatten wir uns daran gewöhnt, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich immer weiter sinkt.“

Branchen und Regionen in NRW sind von der leichten Abkühlung am Arbeitsmarkt ganz unterschiedlich betroffen, sagte Withake. „Wir beobachten sehr unterschiedliche Entwicklungen in NRW. In Regionen, deren Arbeitsmarkt stark von produzierendem Gewerbe geprägt sind, wie zum Beispiel in Südwestfalen, ist der Einfluss größer als im Rheinland, wo Dienstleistungsberufe eine größere Rolle spielen.“

Landesweit betrachtet, sagte Withake weiter, liege „das Risiko, arbeitslos zu werden, vor allem bei Menschen, die keine ausreichende Qualifikation haben. Die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte mit dualer Ausbildung lag im September hingegen weiter unter dem Niveau des Vorjahres“. Während der Markt für Fachkräfte eng sei, die Unternehmen daher versuchten, auch bei schlechter Auftragslage ihre Fachkräfte zu halten, könne eine wirtschaftliche Schwächephase für ungelernte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Aus in einem Unternehmen bedeuten: „Die Agenturen für Arbeit werben bei den Unternehmen dafür, dass sie verdiente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterqualifizieren. Viele sind schon lange im Betrieb, absolut zuverlässig und loyal. Wir wollen gemeinsam mit den Arbeitgebern Wege finden, das Potential dieser Menschen für die Unternehmen zu nutzen,“ sagte Withake.

Unternehmen, die auf Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen, fördern die Agenturen für Arbeit im Rahmen der bundesweiten Qualifizierungsoffensive der Bundesagentur für Arbeit mit bis zu 100 Prozent bei den Lehrgangskosten und 75 Prozent beim Arbeitsentgelt ihrer Angestellten: „Arbeitgeber werden in Zukunft immer häufiger neue Wege gehen müssen, um qualifiziertes Personal zu finden.“ Diese Förderung kann auch in Phasen genutzt werden, in denen verkürzt gearbeitet werden muss.

Darin sieht Withake auch einen wichtigen Schlüssel für Menschen, die aufgrund konjunktureller Zyklen arbeitslos werden: „Viele Menschen, die jetzt arbeitslos werden und keine berufliche Ausbildung oder eine vergleichbare Qualifikation haben, werden es aufgrund des Wandels in der Arbeitswelt schwerer haben, wieder zurück in Arbeit zu finden. Andererseits verfügen sie in vielen Fällen über eine langjährige Berufserfahrung. Unser Ziel ist es, zusammen mit Arbeitgebern, den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern Wege zu finden, auch diese Menschen für Weiterbildung zu interessieren, sie zu fördern und so für viele Unternehmen neu qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im September sank in NRW landesweit die Arbeitslosigkeit auf 635.034 Personen. Das waren 21.623 arbeitslos gemeldete Menschen oder 3,3 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosigkeit um 672 Personen oder 0,1 Prozent niedriger. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 6,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Quote um 0,1 Prozentpunktei.

Am stärksten sank die Arbeitslosigkeit bei Menschen unter 25 Jahre – um 10,2 Prozent oder 6.512 Personen unter 25 Jahre auf jetzt 57.059 arbeitslos gemeldete junge Menschen. Aufgrund des Beginns des Ausbildungsjahres im August und September bzw. mit der Aufnahme einer Tätigkeit als Fachkraft nach der Sommerpause geht die Jugendarbeitslosigkeit üblicherweise im September deutlich zurück.

Die Zahl der Menschen, die als Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen Arbeitslosengeld beziehen, sank im Monatsvergleich um 9.510 Personen oder 4,8 Prozent. Im Jahresvergleich stieg die Zahl der Arbeitslosengeldbeziehenden um 10.759 Personen oder 6,0 Prozent. Hier zeigt sich die leichte Abkühlung am Arbeitsmarkt am ehesten. Bei den Kundinnen und Kunden der Jobcenter, die Arbeitslosengeld II beziehen, sank die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum September 2018 um 2,2 Prozent oder 10.087 Personen. Im Vergleich zum Vormonat sank die Arbeitslosigkeit dieser Gruppe um 12.113 Personen oder 2,7 Prozent.

Die Zahl der Unterbeschäftigten nahm von August auf September um 10.726 Personen oder 1,2 Prozent ab. 244.195 Personen galten im September als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos. Zählt man die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen hinzu, erhält man die gesamte Unterbeschäftigung: Landesweit waren im September 879.229 Personen unterbeschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg damit die Zahl der Unterbeschäftigten geringfügig um 0,3 Prozent oder 2.890.

Beschäftigung steigt weiter – Zahl der offenen Stellen stabil

Im Juli (aktueller Datenstand) waren in NRW mit 6.967.000 Personen 119.600 Menschen oder 1,7 Prozent mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt, als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Vormonat Juni sank die Zahl der Beschäftigten saisonbedingt um 7.400 Personen oder 0,1 Prozent geringfügig.

Mit 166.447 offenen Stellen lag die Arbeitskräftenachfrage um 14.247 Stellen oder 7,9 Prozent unter dem Höchstwert aus dem Jahr 2018, der vor einem Jahr im September erreicht worden war – und damit immer noch auf einem hohen Niveau. Etwas schwächer, aber im Rahmen des langjährigen Mittels, fiel die Zahl der neu gemeldeten Stellen aus: 36.006 Stellen wurden im September bei den Agenturen für Arbeit gemeldet, 2.951 oder 7,6 Prozent weniger als im Monat, und 6.537 oder 15,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 

Regionale Arbeitsmärkte in NRW

In allen sechs NRW-Arbeitsmarktregionen konnte im September die Arbeitslosigkeit reduziert werden. Ebenso ging in allen Agenturen die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen gegenüber dem Vormonat zurück. Am stärksten waren die Rückgänge in Coesfeld mit 7,2 Prozent, gefolgt von der Agentur für Arbeit Paderborn mit 6,4 Prozent und Bergisch Gladbach mit 4,7 Prozent.

Zum Ende der Sommerpause sank im Münsterland die Arbeitslosigkeit im Vormonatsvergleich um 1.703 Personen oder 4,5 Prozent auf nun 36.391 Arbeitslose. Ein Jahr zuvor waren es 36.390. Die Quote lag im September bei 3,9 Prozent, 0,1 Punkte unter der des vorhergehenden Jahres und 0,2 Punkte unter der des Vormonats.

Im September waren im Ruhrgebiet 219.268 Menschen arbeitslos gemeldet – 3.573 Personen oder 1,6 Prozent weniger als vor einem Jahr und 5.740 Personen oder 2,6 Prozent weniger als vor einem Monat. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Punkte auf jetzt 9,0 Prozent. Vor einem Monat waren es 0,2 Punkte mehr.

Im Rheinland waren im September 220.871 Menschen arbeitslos gemeldet, 8.372 Personen oder 3,7 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Vor einem Jahr waren 249 Menschen oder 0,1 Prozent weniger arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote sank im September auf 6,4 Prozent. Sie lag damit 0,2 Punkte unter dem Vormonat und auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr.

Im Bergischen Land waren zum Ende der Sommerpause 61.302 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 2.376 Personen oder 3,7 Prozent weniger als einen Monat zuvor, aber 653 Personen oder 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im September bei 6,3 Prozent, damit 0,2 Prozentpunkte unter dem Vormonat und 0,1 Punkte über dem Vorjahreswert.

Südwestfalen hat nach dem Münsterland die geringste Zahl an Arbeitslose. Im September waren 38.469 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.452 Personen oder 3,6 Prozent weniger als im Monat zuvor. Vor einem Jahr waren 2.046 Personen oder 5,6 Prozent weniger arbeitslos gemeldet. Die Quote bei den Arbeitslosen sank im September auf 4,9 Prozent  - das waren 0,2 Punkte weniger als im August; im Vergleich zum Vorjahr stieg sie jedoch um ebenfalls 0,2 Punkte. 

Auch in Ostwestfalen-Lippe ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im September lag sie mit 58.733 arbeitslos gemeldeten Menschen, 2,3 Prozent oder 1.296 Personen höher als vor zwölf Monaten. Gesunken ist sie dagegen im Vergleich zum Vormonat – um 1.980 Personen oder 3,3 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat sank die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte auf 5,2 Prozent. Sie lag damit um 0,3 Punkte höher als vor einem Jahr.

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i Im Berichtsmonat Mai fand die jährliche Aktualisierung der Bezugsgrößen für die Berechnung der Arbeitslosen- und Unterbeschäftigungsquoten statt. Diese aktualisierten Bezugsgrößen werden von Mai 2019 bis April 2020 zur Quotenberechnung genutzt. Eine Rückrechnung findet nicht statt, d. h. schon veröffentlichte Quoten verändern sich nicht. Durch die Aktualisierung kann es vorkommen, dass sich Arbeitslosenzahl und Arbeitslosenquote im Vormonatsvergleich unterschiedlich entwickeln, d. h. bspw. die Anzahl steigt aber die Quote sinkt. Das ist im September 2019 geschehen. Die Bezugsgröße ist durch den großen Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten deutlich größer geworden. Auch das Niveau der Quote kann sich zum Vormonat verändern.