30.01.2020 | Presseinfo Nr. 3

Saisontypische Entwicklung am NRW-Arbeitsmarkt

Mit 659.619 Menschen waren in Nordrhein-Westfalen 35.260 Personen mehr arbeitslos gemeldet als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr waren 11.458 Personen mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote legte im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent zu. Mit den Möglichkeiten des neuen Teilhabechancengesetzes konnten im vergangenen Jahr 12.809 Arbeitsverhältnisse für langzeitarbeitslose Menschen gefördert werden.

„Im Januar hat sich die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen so entwickelt, wie wir es für diese Jahreszeit aufgrund des langjährigen Mittels erwarten konnten“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit: „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit lag bei rund 35.000 Personen und damit im Schnitt der letzten fünf Jahre.“ Das Auslaufen des Weihnachtsgeschäftes im Einzelhandel, die Kündigungstermine zum Jahresende sowie das Ende der zweieinhalb- und dreieinhalbjährigen Berufsausbildungen seien auch im aktuellen Januar 2020 die maßgeblichen Einflüsse gewesen.

„Wir können allerdings auch einen Einfluss der im Vergleich zu den Vorjahren leicht abgekühlten Konjunktur erkennen. Im Januar lag die Zahl der Menschen, die Versicherungsleistungen beziehen - also Arbeitslosengeld - um rund acht Prozent oder knapp 16.000 Personen höher als vor zwölf Monaten. Dagegen bezogen weniger Menschen als vor zwölf Monaten Arbeitslosengeld II.“ Vor allem das vom Export abhängige verarbeitende Gewerbe und Regionen wie Südwestfalen, das Bergische Land oder Ostwestfalen-Lippe seien davon stärker betroffen, sagte der Arbeitsmarktexperte: „Wir spüren in NRW die konjunkturelle Schwächephase. Doch trifft sie auf einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt“.

Einen Erfolg in der Grundsicherung sieht Withake in der Umsetzung des vor einem Jahr in Kraft getretenen Teilhabechancengesetzes, dass es ermöglicht, Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit wieder eine Chance am Arbeitsmarkt zu bieten: „Ich freue mich, dass wir mit dem neuen arbeitsmarktpolitischen Instrument und gemeinsam mit allen Partner am Arbeitsmarkt erfolgreich etwas für Menschen tun können, die schon sehr lange arbeitslos sind. Bis Anfang Januar konnten in NRW rund 13.000 Menschen eine Arbeit aufnehmen, davon fast 6.000 im Ruhrgebiet.“ Die Arbeitsplätze werden bis zu fünf Jahren gefördert. Rund 34 Prozent der Arbeitsplätze sind in der privaten Wirtschaft entstanden, sagte Withake: „Viele private Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben die Chance ergriffen, ihre Fachkräfte durch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten. Dass diese Chancen für Unternehmen wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf breite Akzeptanz stoßen und erfolgreich genutzt werden, freut mich besonders“, sagte Withake. „2020 wollen wir in NRW weitere 9.000 Arbeitsverhältnisse fördern.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im Januar stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen auf landesweit 659.619 Personen. Das waren 35.260 arbeitslos gemeldete Menschen oder 5,6 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosigkeit um 11.458 Personen oder 1,8 Prozent niedriger. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat im Januar um 0,4 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Punkte.

Die Zahl der Menschen, die als Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld beziehen, wuchs stärker als die der Menschen, die Grundsicherung, also das Arbeitslosengeld II erhalten.

Arbeitslosengeld erhielten im Januar 213.624 Menschen, das waren 22.338 Personen oder 11,7 Prozent mehr als im Dezember. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Menschen mit Arbeitslosengeld um 8,1 Prozent oder 15.940 Personen.

Bei den Kundinnen und Kunden der Jobcenter, die Arbeitslosengeld II beziehen, stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Dezember um 12.922 Personen oder 3,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank sogar die Arbeitslosigkeit dieser Gruppe um 4.482 Personen oder 1,0 Prozent.

Die Zahl der Unterbeschäftigten nahm von Dezember auf Januar landesweit um 24.270 Personen oder 2,8 Prozent zu. 239.912 Personen galten im Januar als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos. Zählt man die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen hinzu, erhält man die gesamte Unterbeschäftigung in NRW: Landesweit waren im Januar 899.531 Personen unterbeschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg damit die Zahl der Unterbeschäftigten leicht um 2,0 Prozent oder 17.667 Personen.

Mit dem Teilhabechancengesetz, das die Förderung von Arbeitsverhältnissen bis zu fünf Jahren ermöglicht, konnten im vergangenen Jahr 12.809 Arbeitsverhältnisse gefördert werden. Davon entfielen 10.528 geförderte Arbeitsstellen auf das arbeitsmarktpolitische Instrument der Teilhabe am Arbeitsmarkt (§ 16i SGB II), 2.281 auf die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen (§16e SGB II). Anfang Januar bestanden noch 11.893 dieser Arbeitsverhältnisse, 9.836 in der Teilhabe am Arbeitsmarkt (§16i SGB II) und 2.057 in der Eingliederung von Langzeitarbeitslosen (§ 16e SGB II). Im Ruhrgebiet entstanden insgesamt 5.630 dieser geförderten Arbeitsverhältnisse.

Beschäftigung steigt weiter – mehr Kurzarbeit in NRW

Im November - als dem aktuellen Datenstand für die Analyse der Beschäftigung - waren in NRW 7.120.500 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt gemeldet. Das waren 113.300 Menschen oder 1,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Vormonat Oktober stieg die die Zahl der Beschäftigten um 8.600 Personen oder 0,1 Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren, im November 2009, lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in NRW um 1.209.420 Menschen niedriger, bei 5.911.080 beschäftigten Personen.

Mit 140.051 offenen Stellen lag die Arbeitskräftenachfrage um 4.353 Stellen oder 3,0 Prozent unter dem Dezember 2019. Im Vergleich zum Januar 2019 sank die Zahl der gemeldeten offenen Stellen landesweit um 21.208 oder 13,2 Prozent.

Die Zahl der Menschen in konjunktureller Kurzarbeit ist in NRW im Verlauf des Jahres von Monat zu Monat leicht gestiegen. Wieviel Kurzarbeit realisiert worden ist, lässt sich statistisch erst mit einem halben Jahr Verspätung festhalten. Um dennoch möglichst nahe an einen aktuellen Zeitpunkt zu rücken, kann eine Hochrechnung für das jeweils vorletzte Quartal berechnet werden, die auf bereits vor der Frist abgerechnete Fälle von Kurzarbeit gründet.

Der letzte gesicherte Stand für das konjunkturelle Kurzarbeitergeld liegt im Juni 2019. Damals waren in NRW in 512 Unternehmen und Betrieben 8.505 Menschen in Kurzarbeit. Der letzte Stand für die Hochrechnung liegt im September 2019. Die Schätzung für diesen Monat ergibt Kurzarbeit in 766 Unternehmen, wovon 16.927 Beschäftigte betroffen waren. Dabei betrug der durchschnittliche Ausfall im Juni 25,2 Prozent der üblichen Arbeitszeit.

Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2010 hatten im Juni 9.760 Unternehmen zumindest teilweise Kurzarbeit. Damals waren 84.587 Personen davon betroffen. Im Juni 2009 waren sogar 13.675 Unternehmen mit 304.947 Beschäftigten in Kurzarbeit gegangen. Die prozentual hoch anmutende Steigerung der Betriebe in Kurzarbeit und der von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten im Verlauf der vergangenen Monate beruht auf dem historisch niedrigen Niveau, das die Kurzarbeit im Jahr 2018 erreicht hat.

Regionale Arbeitsmärkte in NRW

In allen sechs NRW-Arbeitsmarktregionen stieg im Januar die Arbeitslosigkeit. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit in fünf Regionen. Nur im Ruhrgebiet waren im Januar weniger Menschen arbeitslos als im Vorjahr.

Im ersten Monat des Jahres stieg im Münsterland die Arbeitslosigkeit im Vormonatsvergleich um 2.238 Personen oder 6,5 Prozent auf nun 37.420 Arbeitslose. Das waren 171 Personen oder 0,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Januar um 0,2 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote höher – 0,1 Punkte bei 4,1 Prozent. Das Absinken der Quote trotz eines Anstieges im Jahresvergleich von 171 arbeitslos gemeldeten Personen ist auf die jährliche Aktualisierung der Bezugsgröße für die Berechnung der Arbeitslosenquote zurückzuführen. Die Bezugsgröße ist die Summe aus Arbeitslosen und zivilen Erwerbstätigen, der Anteil der Arbeitslosen an dieser Summe ist die Arbeitslosenquote. Jedes Jahr wird diese Bezugsgröße neu ermittelt. Sie schwankt zum Beispiel aufgrund von Zu- und Wegzügen in einer Region oder auch aufgrund demografischer Bewegungen. Im Münsterland hat sich die Bezugsgröße nun vergrößert. Das heißt: Es sind mehr Erwerbstätige hinzugekommen als Arbeitslose, so dass trotz eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit um 171 Personen, im Jahresvergleich die Quote gesunken ist.

Im Ruhrgebiet waren im Januar 225.795 Menschen arbeitslos gemeldet – 1.493 Personen oder 0,7 Prozent weniger als vor einem Jahr und 10.197 Personen oder 4,7 Prozent mehr als vor einem Monat. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Punkte auf jetzt 9,2 Prozent. Vor einem Monat waren es 0,4 Punkte weniger.

Im Rheinland waren im abgelaufenen Monat 226.738 Menschen arbeitslos gemeldet, 11.700 Personen oder 5,4 Prozent mehr als im Dezember. Vor einem Jahr waren 3.316 Menschen oder 1,5 Prozent weniger arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote stieg im Januar auf 6,5 Prozent. Sie lag damit 0,3 Punkte über dem Vormonat und auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr.

Im Bergischen Land waren im Januar 65.200 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 4.002 Personen oder 6,5 Prozent mehr als einen Monat zuvor sowie 3.481 Personen oder 5,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im Januar bei 6,7 Prozent, damit 0,5 Prozentpunkte über dem Vormonat und 0,4 Punkte über dem Vorjahreswert.

Südwestfalen hat die zweitgeringste Zahl an arbeitslos gemeldeten Menschen. Im Januar waren 41.840 Menschen arbeitslos, 2.537 Personen oder 6,5 Prozent mehr als im Monat zuvor. Vor einem Jahr waren 2.960 Personen oder 7,6 Prozent weniger arbeitslos gemeldet. Die Quote bei den Arbeitslosen stieg im Januar um 0,3 Punkte auf 5,3 Prozent; im Vergleich zum Vorjahr stieg sie um ebenfalls 0,3 Punkte.

Auch in Ostwestfalen-Lippe ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im Januar lag sie mit 62.626 arbeitslos gemeldeten Menschen 5,1 Prozent oder 3.023 Personen höher als vor zwölf Monaten. Gestiegen ist die Zahl der Arbeitslosen auch im Vergleich zum Vormonat Dezember – um 4.541 Personen oder 7,8 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Arbeitslosenquote um 0,4 Punkte auf 5,5 Prozent. Sie lag damit um 0,2 Punkte höher als vor zwölf Monaten.