06.03.2020 | Presseinfo Nr. 5

Frauen am Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen

Stärkere Beschäftigung von Frauen unverzichtbar
Frauen üben nach wie vor die klassischen MINT-Berufe, also Berufe im mathematischen, technischen und naturwissenschaftlichen Bereich sowie der Informatik, seltener aus als Männer. Doch je höher die Anforderungen an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmer sind, desto größer wird der Anteil der Frauen in den Unternehmen und Betrieben in NRW. Dieses steigende Interesse junger Frauen an technischen Berufen sei ein positives Signal, sagte Torsten Withake, Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit in NRW. Sie seien Vorbilder für Andere und zeigten neue Wege auf – auch den Unternehmen, die Fachkräfte suchen.

Zum Weltfrauentag am 8. März veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit heute die Broschüre „Frauen am Arbeitsmarkt in NRW“.

„Vor allem viele junge Frauen haben die technischen Berufe für sich entdeckt und streben eine Ausbildung oder ein Studium in einem der MINT-Bereiche ein“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Das ist eine gute Nachricht für den Arbeitsmarkt, da gerade in den technischen Berufen händeringend Nachwuchs und Fachkräfte gesucht werden.“ Unternehmen und Betriebe erhielten durch das gestiegene Interesse ganz neue Perspektiven: „Denn in vielen technischen und gewerblichen Berufsfeldern, in denen Unternehmen sich mit starken Engpässen bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auseinandersetzen müssen, sind Frauen nach wie vor – teils sogar stark - unterrepräsentiert.“

Allerdings, sagte Withake angesichts der Internationalen Frauentages am 8. März, fordere das auch die Bereitschaft bei den Arbeitsgeberinnen und Arbeitgebern, neue Wege zu gehen. „Auch für Frauen, die neue Wege gehen wollen und sich für technische, für Handwerksberufe oder für einen MINT-Beruf wie Automatisierungstechnik oder IT-Softwareentwicklung interessieren, gilt: Die Rahmenbedingungen müssen für sie stimmen. Sonst entscheiden sie sich gegen eine Beschäftigung in einem dieser Bereiche. In vielen Unternehmen und Betrieben folgen die Rahmenbedingungen noch immer zu sehr einem traditionellen Rollenverständnis. Das schreckt gerade auch junge Frauen ab, die eigentlich für die Aufgaben und Anforderungen sehr aufgeschlossen wären“, sagte der Arbeits- und Ausbildungsmarktexperte.

Trotz des positiven Trends, sei der Anteil der Frauen an allen Beschäftigten in technischen Berufen immer noch gering, sagte Withake: „Die Agenturen für Arbeit legen deshalb auch einen besonderen Schwerpunkt darauf, attraktive Wege für Frauen in technischen und gewerblichen Berufen aufzuzeigen. Denn noch immer ist es nur eine Minderheit der Frauen, die ihre berufliche Zukunft im MINT oder anderen technischen Bereichen sieht. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich positive Beispiele herumsprechen und motivierend wirken. Denn wir sprechen hier auch über Berufe, in denen gut und häufig besser verdient wird, als in vielen der von Frauen bevorzugten Berufen, den kaufmännischen, den sozialen oder den pflegerischen Tätigkeiten. Und es sind auch Berufe, in denen man als gesuchte Fachkraft gute Zukunfts- und Karriereperspektiven hat!“

Frauen holen am Arbeitsmarkt auf – vor allem, wenn gute Kenntnisse und Qualifikationen gefragt sind

In Nordrhein-Westfalen waren 2019 im Juni 3.153.991 Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Jahresvergleich stieg die Zahl der beschäftigten Frauen damit um 59.665 Personen oder 1,9 Prozent. Die Beschäftigung von Frauen legte stärker zu als die der Männer, die ein Plus von 1,7 Prozent verbuchten. Von diesen Frauen arbeitet beinahe die Hälfte in Teilzeit. Bei den Männern ist es lediglich rund jeder Zehnte. Dies hängt häufig mit der Familiensituation zusammen. Die Erziehung der Kinder oder die Pflege von Angehörigen ist in vielen Fällen noch immer Aufgabe der Frauen.

Am Arbeitsmarkt spielen die sogenannten MINT-Berufe eine immer größere Rolle. So stieg in diesen Berufsfeldern die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um rund 86.000 auf 1.622.647 Personen oder 5,6 Prozent. Insgesamt sind 23 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in einem dieser Berufe tätig. Auch bei den Frauen stieg der Anteil der Beschäftigten an den MINT-Berufen im Vergleich zu allen vom weiblichen Geschlecht ausgeübten Tätigkeiten. So waren von allen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen im Juni 2019 etwa 7,2 Prozent in den MINT-Berufen tätig. Drei Jahre zuvor waren es 6,8 Prozent. Dennoch ist der Anteil der Frauen in den MINT-Berufen nach wie vor gering. Im Juni 2019 lag er bei 14,1 Prozent. Doch holt das weibliche Geschlecht auf: Seit 2016 wuchs die Zahl der beschäftigten Frauen in MINT-Berufen um 12,4 Prozent; die Männer legten nur um 4,6 Prozent zu.

Je anspruchsvoller eine Tätigkeit in einem MINT-Beruf ist, desto häufiger wird sie von einer Frau ausgeübt: Mit jeweils 16,0 Prozent bzw. 18,7 Prozent liegen die Frauenanteile bei den Tätigkeiten als Spezialistin bzw. akademische Expertin deutlich über dem Anteil der Frauen bei den Fachkräften mit dualer Ausbildung von 12,0 Prozent. Dennoch bilden die Frauen mit Fachkraft-Ausbildung mehr als die Hälfte der 228.263 weiblichen Beschäftigten in den MINT Berufen.  Mehr als ein Viertel der in den MINT-Berufen beschäftigten Frauen arbeitete als spezialisierte Fachkraft (Spezialistin) und etwas mehr als ein Fünftel als akademische Fachkraft (Expertin).

Arbeitslosigkeit von Frauen geht zurück

Frauen verdienen nach wie vor im Schnitt weniger als Männer. Ihr mittleres Einkommen lag im Dezember 2018 (aktueller Stand) bei 3.086 Euro, bei den männlichen Beschäftigten bei 3.548 Euro.

2019 waren in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 284.536 Frauen arbeitslos gemeldet. Damit sank ihre durchschnittliche Arbeitslosigkeit landesweit um 9.811 Frauen oder 3,3 Prozent. Bei den Männern ging die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf weniger stark zurück – um lediglich 1,5 Prozent. Insgesamt waren wie im vergangenen Jahr rund 45 Prozent aller Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen weiblich.

Drei von fünf arbeitslosen Frauen in Nordrhein-Westfalen besaßen 2018 keinen Berufsabschluss. Hier besteht großer Qualifizierungsbedarf, sollen die Frauen eine nachhaltige Perspektive auf Eingliederung in den Arbeitsmarkt erhalten. Bei vielen Frauen reichen aber schon kurze Fortbildungsmaßnahmen, die sie wieder auf den aktuellen Stand des Berufs bringen, den sie erlernt haben, aber aufgrund einer Familien- oder Pflegephase länger nicht ausgeübt haben.