31.03.2020 | Presseinfo Nr. 11

NRW Arbeits- und Ausbildungsmarkt

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Virus-Pandemie in der zweiten Märzhälfte haben deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Jobcenter und Agenturen für Arbeit in NRW arbeiten derzeit unter Hochdruck daran, schnell und unbürokratisch eine steigende Zahl von Anzeigen zur Kurzarbeit, aber auch von Arbeitslosmeldungen und Anträgen auf Grundsicherung zu bearbeiten. Statistische Angaben zu diesen Auswirkungen, die die Pandemie in den vergangenen 14 Tagen für den Arbeitsmarkt in NRW hatten, lassen sich derzeit jedoch noch nicht treffen.
 
Erste Einschätzungen über die Zahl der Anzeigen zur Kurzarbeit in Deutschland und jeweils in den Bundesländern veröffentlicht Bundesarbeitsminister Hubertus Heil im Zuge einer Pressekonferenz gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit bereits heute um 14.00 Uhr in Berlin.

„Welche Folgen die Corona-Virus-Pandemie für den Arbeitsmarkt in NRW hat, können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht bilanzieren,“ sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Der Zeitraum, seitdem die Beschränkungen des Alltagslebens zur Bekämpfung der Pandemie durch die Bundes- wie auch die Landesregierung in Kraft getreten sind, ist dafür noch zu kurz. Das wird uns Schritt für Schritt ab April möglich sein.“

„Als wir die Daten für den Berichtsmonat März gezogen haben, am Donnerstag, 12. März, hatte gerade die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt in NRW eingesetzt“, sagte Withake. Bis dahin war die Arbeitslosigkeit in NRW im Vergleich zum Vormonat Februar um 6.533 Personen auf 648.187 arbeitslos gemeldete Menschen gesunken. „Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt auch schon erste Auswirkungen der Pandemie zu erkennen“, sagte Withake weiter. „So war etwa bis zum 12. März die Zahl der neu gemeldeten Stellen zurückgegangen – um 14,2 Prozent zum Vormonat und um 20,4 Prozent zum Vorjahr. Üblich ist zu dieser Jahreszeit eine Zunahme, kein Rückgang.“

Bereits seit Anfang März hatten sich Agenturen für Arbeit und Jobcenter schrittweise auf stärkere, die wirtschaftlichen Aktivitäten einschränkende Maßnahmen der Politik vorbereitet. „Besondere Aufmerksamkeit haben wir dabei auf die Bearbeitung von Anzeigen zur Kurzarbeit gelegt“, sagte Withake: „Kurzarbeit hat den Sinn, dass Arbeitsplätze gesichert werden und dass sich Unternehmen Fach- und Arbeitskräfte sichern. Wenn Arbeitgeber ihre Beschäftigten im Unternehmen halten, können sie, sobald sich die Auftragslage wieder erholt, ihren Wirtschaftsbetrieb sofort wieder erfolgreich hochfahren. Deshalb ist es gut, dass so viele Unternehmen derzeit von der Kurzarbeit Gebrauch machen wollen.“

In NRW wurde die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Agenturen und Jobcenter Anzeigen von Kurzarbeit sowie im zweiten Schritt Anträge auf Kurzarbeitergeld bearbeiten, innerhalb von wenigen Tagen vervielfacht: „Für uns steht als oberstes Ziel, dass wir schnell und unbürokratisch alle Anträge aufnehmen und bearbeiten. Wir wissen um die Sorgen der Menschen – seien es Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie alle benötigen jetzt maximale Sicherheit in einer Phase, die sie existentiell herausfordert. Die möchten wir ihnen geben. Dafür tun wir derzeit alles.“ So wurde in NRW auch die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die telefonisch in den Jobcentern und Agenturen für Arbeit Kundinnen und Kunden, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beraten, massiv erhöht.

Eine erste Einschätzung, wie hoch die Zahl der Anzeigen von Unternehmen ist, die in NRW im März Kurzarbeit angezeigt haben, gibt die Bundesregierung heute, am Dienstag, 31. März, um 14.00 Uhr bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wird die Regionaldirektion NRW die Zahl auch gesondert für das Bundesland veröffentlichen.

Eine stabile Datenbasis zu den tatsächlich Kurzarbeitenden wird dann aber noch nicht vorliegen, sagte Withake. Das liege am Ablauf des Verfahrens. „Wenn Betriebe Kurzarbeit planen, müssen sie das bei der Agentur für Arbeit zunächst anzeigen. Nur mit vorheriger Anzeige ist später eine Zahlung möglich. Wenn tatsächlich kurzgearbeitet wird, kann der Betrieb innerhalb von drei Monaten die erforderliche Abrechnungsliste einreichen. Erst danach haben wir endgültige Daten dazu, in wie vielen Unternehmen wie viele Personen tatsächlich kurzgearbeitet haben, in welcher Branche und wie groß der Arbeitsausfall war.“

Der Arbeitsmarkexperte geht jedoch davon aus, dass die Zahl der Menschen, die in NRW im März und April verkürzt arbeiten, deutlich höher liegen könnte, als bei der Finanzkrise 2008 und 2009: „Damals war vor allem die Industrie von der krisenhaften Entwicklung betroffen. In den Dienstleistungsbranchen waren die Auswirkungen deutlich schwächer. Heute stehen wir vor einer ganz anderen Herausforderung. Durch die Beschränkungen des Alltagslebens aufgrund der Corona-Virus-Pandemie stehen nicht nur die Förderbänder in den Fabriken still, es sind auch Läden, Cafés und zum Beispiel Reisebüros geschlossen. Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass auch die Zahl der Kurzarbeiter in der Spitze erheblich höher ausfallen wird als vor zwölf Jahren“.

Ausbildung in NRW: Nachwuchs mit allen Mitteln halten!

Am Ausbildungsmarkt wird Ende März die Halbjahresbilanz gezogen – und damit die heiße Phase für Bewerberinnen und Bewerber sowie Ausbilder eingeläutet. „Auch der Ausbildungsmarkt ist derzeit von den Auswirkungen der Pandemie auf das Wirtschaftsleben geprägt“, sagte Withake. „Viele Unternehmen warten jetzt aufgrund der Unsicherheit mit einer Entscheidung, ob sie in diesem Jahr weiter auf Ausbildung setzen wollen. Auch entwickeln sich gerade die Verfahren weiter, um neue Auszubildende kennen zu lernen.“ Entscheidend sei die Dauer der das Wirtschaftsleben einschränkenden Maßnahmen, so Withake: „Im besten Fall holt der Ausbildungsmarkt das, was er jetzt verpasst hat, in kurzer Zeit wieder auf. Denn die Herausforderung, dass viele Unternehmen strukturell gut ausgebildeten Nachwuchs benötigen, bleibt für die Wirtschaft weiter bestehen – auch nach Covid-19.“

Eine besondere Herausforderung sehen viele Unternehmen in den Regeln für Kurzarbeit für Auszubildende, sagte Withake. Lehrlinge können in der Regel erst nach sechs Wochen in die Kurzarbeit gehen. Bis dahin müssen sie von ihren Ausbildern in Höhe ihres vollen Entgeltes bezahlt werden. „Für Arbeitgeber und Ausbilder lohnt es sich, trotzdem weiter auf ihren Nachwuchs zu setzen. Diese jungen Leute, die seit ein, zwei oder bald schon drei Jahren bei ihnen in der Ausbildung sind und sich engagiert einbringen, sind die Zukunft der Unternehmen. Unsere Botschaft: Es lohnt sich, auf diese jungen Menschen zu bauen! Sie werden davon profitieren!“

Arbeitsmarkt in NRW zum Stichtag 12. März

Im März 2020 waren in NRW zum Stichtag 12. März landesweit 648.187 Personen arbeitslos gemeldet. Damit war die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 6.533 Personen oder 1,0 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Vorjahres-März waren landesweit 13.544 Personen oder 2,1 Prozent mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote blieb auf dem Stand des Vormonats bei 6,7 Prozent. Damit lag sie weiterhin 0,1 Punkte über dem Vorjahr.

Dabei war die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat sowohl im Bereich des Arbeitslosengeldes als auch des Arbeitslosengeldes II gesunken. Auch die Unterbeschäftigung, also zusammengezählt die Zahl der arbeitslosen Menschen und der Menschen, die bspw. eine Qualifizierungsmaßnahme absolvieren, war weiter zurückgegangen. Landesweit waren am 12. März 900.054 Menschen unterbeschäftigt. Das waren 4.079 Personen oder 0,5 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl unterbeschäftigter Menschen um 18.354 Personen oder 2,1 Prozent höher. Zu den Menschen, die unterbeschäftigt waren, aber nicht arbeitslos, gehören auch die Personen, die gefördert mit Hilfe der beiden arbeitsmarktpolitischen Instrumente des Teilhabechancengesetzes, der „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ und „Eingliederung nach langer Arbeitslosigkeit“ eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen konnten. Im Januar wurden in NRW die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze von 12.258 Personen gefördert.

Ausbildungsmarkt in NRW zum Stichtag 12. März

Mitte März waren am Ausbildungsmarkt in NRW 89.834 junge Menschen als Bewerberinnen und Bewerber auf eine Ausbildungsstelle bei den Agenturen für Arbeit gemeldet. Das waren 9.189 Personen oder 9,3 Prozent weniger als im Vorjahr und ein Rückgang der Bewerberinnen und Bewerber für eine duale Ausbildung im dritten Jahr in Folge.

Auch bei den Ausbildungsstellen gab es einen Rückgang. Bis Mitte März waren in NRW 91.214 Berufsausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet worden. Das waren 5.335 Stellen oder 5,5 Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. Das Verhältnis von gemeldeten Stellen zu Jugendlichen, die sich für eine duale Berufsausbildung interessieren lag bei 1,02 Stellen auf eine Bewerberin bzw. einen Bewerber. In den vergangenen Jahren hatte zu diesem Zeitpunkt in der Regel das Verhältnis Stellen/Bewerber zu Gunsten der Stellen gelegen.