03.06.2020 | Presseinfo Nr. 21

Gerade jetzt ausbilden

Die Zahl der in Nordrhein-Westfalen gemeldeten Ausbildungsplätze ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Bis Ende Mai wurden landesweit 95.583 Ausbildungsstellen gemeldet – 10.027 Lehrstellen weniger als vor zwölf Monaten. Ebenfalls gesunken ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber. Gleichzeitig gibt es im Bundesland noch viele freie Ausbildungsplätze. In die Ausbildung zu investieren lohnt sich gerade jetzt, ist Torsten Withake, Leiter der Bundesagentur für Arbeit in NRW, überzeugt.

"Aktuell werden viele Entscheidungen zur Besetzung freier Ausbildungsstellen mit Beginn Herbst 2020 verschoben“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. "Wir wissen gut um die existentiellen Sorgen vieler Ausbilderinnen und Ausbilder. Doch die grundlegenden demografischen Herausforderungen für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts bleiben. Deshalb lohnt es sich gerade jetzt, über Ausbildung nachzudenken, damit die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht noch lange nachwirken. Denn jede Fachkraft, die jetzt nicht ausgebildet wird, fehlt bereits in naher Zukunft am Arbeitsmarkt.“

Obwohl die Zahl der angebotenen Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist, gab es Ende Mai noch 49.756 freie Ausbildungsplätze in NRW. Viele dieser Angebote kommen aus dem Handel – zum Beispiel 3.378 freie Lehrstellenangebote für Kaufleute im Einzelhandel und 2.911 Lehrstellen für Verkäufer -, oder aus dem Bereich Büro, zum Beispiel mit 1.809 Angeboten für Kaufleute im Büromanagement und bei den Handelsfachwirten mit 1.077 Stellen. Aber auch in den Berufen des Baunebengewerbes, etwa bei den Elektronikern für Energie- und Gebäudewirtschaft mit 1.087 offenen Stellen oder auch im Heizungs- und Sanitärbereich geht etwas in der Ausbildung – auch wenn hier die Zahlen ein bisschen geringer sind.

Agenturen für Arbeit beraten Jugendliche und Unternehmen

"Unser Ziel ist es, diese Plätze auch in diesem Jahr alle zu besetzen“, sagte Withake. Allerdings sei Zeit durch die Pandemie verloren gegangen: "Der Start in die heiße und entscheidende Phase am Ausbildungsmarkt hat sich verzögert.“ Worauf es jetzt ankomme sei, dass "Schülerinnen und Schüler und die Stellen schon bald zusammenkommen und beide Seiten, Ausbildungsbetriebe und Bewerberinnen und Bewerber Sicherheit haben, wie es nach den Sommerferien weitergeht.“

Deshalb komme der Berufsorientierung und der individuellen Beratung von Jugendlichen, aber auch dem engen Kontakt zu Unternehmen eine besondere Rolle zu. "Aktuell sprechen wir Ausbildungsbetriebe verstärkt persönlich an, um sie besser zu aktuellen oder neuen Ausbildungsverhältnissen beraten zu können.“ Eine Botschaft für junge Menschen sei, dass zwar nicht alle Wünsche erfüllt werden können. "Doch in einer individuellen Beratung können wir gemeinsam herausfinden, welche Alternativen es gibt, welche Berufe ganz nah an den Interessen und Talenten der jungen Menschen liegen – und gute Perspektiven bieten“. Withake betonte in diesem Zusammenhang, dass die Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit auch unter Pandemie-Bedingungen jederzeit ansprechbar sind für die Jugendlichen, auch die Arbeitgeber-Services für Unternehmen und Betriebe weiterhin und jederzeit als verlässliche Berater und mit zuverlässigen Unterstützungsleistungen bereit stehen:

"Außerdem setzen wir in diesem Jahr noch stärker auf digitale Angebote wie zum Beispiel für Jugendliche das online-Selbsterkundungstool Check U. Das vereinfacht die Kommunikation und den Zugang zu wichtigen Informationen - nicht nur unter den Bedingungen von Kontaktbeschränkungen zum Gesundheitsschutz. Aber am einfachsten ist in vielen Fällen immer noch: Greifen Sie einfach zum Telefon oder schreiben Sie uns eine E-Mail, wenn Sie Fragen haben zu Ausbildungsverhältnissen oder Wunschberufen!“.

Ausbildungskonsens NRW: Unterstützung für den Ausbildungsmarkt

Eine wichtige Rolle spielt für Withake auch der Ausbildungskonsens NRW mit Politik und Partnern am Ausbildungsmarkt: "Als Partner im Ausbildungskonsens müssen wir uns der Aufgabe stellen, Ausbilderinnen und Ausbilder wirksam zu stärken und zu unterstützen. Unternehmen benötigen Verlässlichkeit und Sicherheit, damit Sie Ausbildung intensiv denken können. Wie kann ich unter den Bedingungen von Corona ausbilden – zum Beispiel im Verbund? Oder auch: Was kann ich als Unternehmen tun, damit Corona nicht zu einer Lücke am Ausbildungsmarkt und damit später auch zu einer Lücke am Arbeitsmarkt führt – vielleicht weitere Kapazitäten ausschöpfen und zusätzlich ausbilden?“

Er wolle vermeiden, sagte Withake, dass die aktuelle Pandemie auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt der Zukunft hat: "Unsere Unternehmen benötigen in Zukunft Fachkräfte. Und unsere jungen Menschen benötigen Know-How und Qualifikationen, um sich eine sichere und aussichtsreiche Zukunft aufbauen zu können. Wir müssen gemeinsam alles tun, dass wir verhindern, dass es eine sogenannte ‚Generation Corona‘ gibt – weder in den Betrieben, noch bei den jungen Menschen in unserem Land. Das muss unser Ziel sein.“

Hier werden noch viele Auszubildende gesucht:

In NRW sind noch viele Ausbildungsstellen im Handel und Verkauf frei. Im Bereich Lagerwirtschaft und Lagerlogistik warten ebenfalls noch viele Ausbildungsplätze. Wenn sich Jugendliche für die Arzt- und Praxishilfe oder einem kaufmännischen Beruf im Büromanagement, im Groß- und Außenhandel oder auch als Handelsfachwirt/in interessieren, bieten sich gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. Auch in vielen Berufen im Handwerk sind noch Ausbildungsstellen frei.

Der Ausbildungsmarkt in Zahlen – Pandemie hinterlässt erste Spuren

Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze ist im Mai landesweit im Vergleich zum Vorjahr stark um 9,5 Prozent oder 10.027 Ausbildungsstellen zurückgegangen. Gleichzeitig sank auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber. Im Mai waren bei den Agenturen für Arbeit 97.353 junge Menschen mit Interesse an einer dualen Berufsausbildung gemeldet. Das waren 12.758 Personen oder 11,6 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Um die aktuelle Entwicklung am Ausbildungsmarkt besser einschätzen zu können, empfiehlt sich ein Blick auf die Veränderungen bei den Jugendlichen und den Lehrstellen von April auf Mai. Vor einem Jahr meldeten sich von April auf Mai 4.852 Jugendliche neu bei den Berufsberatungen. In diesem Jahr waren es im selben Zeitraum 3.993 zusätzliche Bewerberinnen und Bewerber – ein Rückgang um 859 Personen oder 17,7 Prozent.

Bei den Unternehmen kam es zu einem deutlich schärferen Rückgang neu gemeldeter Ausbildungsangebote. Während von April auf Mai 2019 die Zahl der gemeldeten Lehrstellen um 4.337 zunahm, stieg sie in diesem, von der Corona-Pandemie geprägten Jahr nur um 2.570 Stellen – ein Minus von 1.767 Stellen oder rund 41 Prozent im Mai. Damit droht sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wie in der Vergangenheit wieder zu öffnen. Aktuell liegt das Verhältnis bei 102 Bewerbern auf 100 Stellen. Doch verteilt sich dieses Verhältnis regional sehr unterschiedlich. Im Münsterland kommen auf 127 Stellen 100 Bewerberinnen und Bewerber, während im Bergischen Land auf 100 junge Menschen nur 83 Lehrstellenangebote fallen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der unversorgten Jugendlichen um 6,2 Prozent oder 2.965 Personen auf 44.482 junge Menschen zurückgegangen. Rechnet man die Jugendlichen hinzu, die zwar noch keinen Ausbildungsplatz finden konnten, dafür aber schon eine Alternative im Blick haben, suchen derzeit noch 54.551 junge Menschen eine Lehrstelle.

Bei den unbesetzten Ausbildungsstellen gab es bis Ende Mai einen Rückgang von 3.395 Stellen oder 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Landesweit galten damit im Mai noch 49.756 Ausbildungsstellen als unbesetzt.

Detaillierte statistische Daten und Grafiken zum Ausbildungsmarkt finden Sie im Anhang zur Presseinformation und hier:

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