30.07.2020 | Presseinfo Nr. 29

Erste Hochrechnung zur Kurzarbeit im April liegt vor

Arbeitslosigkeit steigt im Juli weiter
In Nordrhein-Westfalen ist im Juli die Arbeitslosigkeit um 22.861 Personen auf 793.654 arbeitslos gemeldete Menschen gestiegen. Der Anstieg ist sowohl auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie als auch auf Faktoren zurückzuführen, die für die Jahreszeit üblich sind. Im Juli laufen zum Start der Sommerpause viele befristete Arbeitsverträge aus, zudem beenden viele junge Menschen erfolgreich ihre Ausbildung, ohne sofort einen Anschlussvertrag als Fachkraft zu finden. Die Arbeitslosenquote stieg im Juli um 0,2 Punkte auf 8,1 Prozent. Vor einem Jahr lag sie 1,5 Prozentpunkte niedriger.

Für den Umfang der realisierten Kurzarbeit im April liegt auf Landesebene eine erste Hochrechnung vor: Demnach realisierten 118.007 Unternehmen im April die von ihnen angezeigte Kurzarbeit. Betroffen waren davon 1.210.666 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit, wie wir ihn in den vergangenen Monaten als direkte Auswirkung der Corona-Virus-Pandemie erlebt haben, lässt nach“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Zwar sei die Arbeitslosigkeit im Juli mit einem Anstieg von 22.861 arbeitslos gemeldete Menschen um rund 10.000 Personen stärker ausgefallen, als im langjährigen Mittel üblich. „Doch der Zuwachs der Arbeitslosigkeit übertrifft den saisonal üblichen Wert nicht mehr so stark, wie in den vorhergehenden Monaten seit März. Wir beobachten zudem eine wieder steigende Bereitschaft der Wirtschaft, neue offene Stellen zu melden und Personal einzustellen.“ Die Auswirkungen der Pandemie am Arbeitsmarkt in NRW blieben dennoch weiterhin deutlich sichtbar, sagte Withake: „Eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent hatten wir zum letzten Mal im Juli 2015.“

Die Folgen der Pandemie spürten derzeit auch viele junge Menschen unter 25 Jahren, sagte der Arbeitsmarktexperte weiter: „Viele junge Menschen haben noch kurz vor den Sommerferien ihre Ausbildung abgeschlossen, finden aktuell aber als frischgebackene junge Fachkräfte keine Möglichkeit zum direkten Übergang in eine Arbeit.“ Diese Übergangsarbeitslosigkeit gebe es in jedem Sommer: „Hinzu kommt ein Rückgang bei Stellen in der Zeitarbeit sowie der vorübergehende Wegfall vieler befristeter Stellen, die beim Berufseinstieg jeweils eine wichtige Rolle spielen. Das zusammen führt dazu, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen derzeit leicht höher liegt als der der Arbeitslosigkeit insgesamt.“ So stieg die allgemeine Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli um 22,9 Prozent, die der Menschen unter 25 Jahren um 25,6 Prozent. „Die positive Nachricht aber sei, sagte Withake, „die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in NRW wissen gut, dass sie Fachkräfte und insbesondere den Fachkräfte-Nachwuchs dringend in den kommenden Jahren benötigen. Für die jungen Menschen ist das eine gute Perspektive, sobald die Wirtschaft wieder in Tritt gekommen ist.“

Fehlende Übergangsmöglichkeiten in Arbeit sieht Withake als den derzeitig wichtigsten Grund für den Anstieg der Arbeitslosigkeit: „Die Zahl der Arbeitslosen ist in den vergangenen Monaten vor allem gestiegen, weil die im Frühjahr übliche Belebung und damit die Arbeitsangebote ausgeblieben sind. Viele Menschen konnten ihre Arbeitslosigkeit wie zu dieser Jahreszeit in den vorhergehenden Jahren üblich, nicht beenden. Auch konnten Praktika vielfach nicht stattfinden, die zum Beispiel im Rahmen einer Aktivierungsmaßnahme für viele schon länger arbeitslose Menschen eine wichtige Brücke zurück an den Arbeitsmarkt sind.“

Zur ersten Hochrechnung zur realisierten Kurzarbeit im April sagte Arbeitsmarktexperte Withake: „Mit rund 1.210.000 Personen haben im April in NRW so viele Menschen verkürzt gearbeitet, wie wir es uns noch einen Monat zuvor nicht haben vorstellen können. Doch gerade im April, in der Zeit des Lockdowns, hat Kurzarbeit vielfach Arbeitsplätze gesichert und Arbeitslosigkeit verhindert. Durch die Anzeige von Kurzarbeit erhalten Unternehmen und Betriebe die Möglichkeit zu einer flexiblen Personalpolitik, die Beschäftigungsverhältnisse sichert und gleichzeitig den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern Sicherheit in einer existentiell schwierigen Situation gibt. Dass die realisierte Kurzarbeit im April letztlich deutlich niedriger ausgefallen ist, als ursprünglich angezeigt worden war, ist ein gutes Zeichen: Es ist gut, dass viele Unternehmen die Option verkürzte Arbeit ins Auge gefasst haben, auch wenn sie diese am Schluss nicht ziehen mussten. Das hat Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Wissen um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze gegeben, es hat den Unternehmen die Sicherheit der Planung – und damit der Wirtschaft und der Gesellschaft die Sicherheit gegeben, die wir alle gebraucht haben, um die schwierige Zeit des Lockdowns gut zu bewältigen.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im Juli stieg die Arbeitslosigkeit in NRW auf 793.654 arbeitslos gemeldete Menschen. Landesweit bedeutete dies im Vergleich zum Vormonat ein Plus von 22.861 arbeitslos gemeldeten Menschen oder 3,0 Prozent. Damit lag die Arbeitslosigkeit in NRW um 147.744 Personen oder 22,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg sie um 1,5 Prozentpunkte. Der für die Jahreszeit übliche, saisonale Anstieg der Arbeitslosigkeit liegt im langjährigen Mittel bei 12.870 Personen.

Den größten Zuwachs in der Arbeitslosigkeit verbuchte die Gruppe junger Menschen unter 25 Jahren. Grund ist das Ende der dreijährigen betrieblichen Ausbildungen. Viele junge Menschen melden sich für eine Übergangszeit arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat stieg die sogenannte Jugendarbeitslosigkeit um 6.385 Personen oder 9,1 Prozent auf 76.475 arbeitslos gemeldete junge Menschen. Das waren 15.583 Personen oder 25,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit ist die Jugendarbeitslosigkeit mit 2,7 Prozentpunkten etwas stärker gestiegen als die Arbeitslosigkeit insgesamt.

Die Zahl der Menschen, die als Kundinnen und Kunden der Jobcenter Arbeitslosengeld II beziehen, stieg leicht um 2.886 Personen oder 0,6 Prozent auf 505.114 Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Menschen in der Grundsicherung kräftig um 54.647 Personen oder 12,1 Prozent. Anders entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Bereich Arbeitslosengeld, also bei den Kundinnen und Kunden der Agenturen für Arbeit. Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 19.975 Personen oder 7,4 Prozent. Zwei Gründe sind maßgeblich für diesen Anstieg im Juli: Zum einen kommt im Bereich des Arbeitslosengeldes das saisonale Muster zum Tragen, da die Absolventinnen und Absolventen beruflicher Ausbildungen sowie die Mehrzahl der Menschen, deren Arbeitsverhältnisse zum Halbjahr beendet wurden, Kundinnen und Kunden der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III und damit der Agenturen für Arbeit sind. Zum anderen schlagen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie am NRW-Arbeitsmarkt vor allem in der Arbeitslosenversicherung nieder: Vor einem Jahr lag die Zahl der Menschen, die Leistungen der Arbeitslosenversicherung bezogen, im Juli um 93.097 Personen oder 47,6 Prozent niedriger.

Die Unterbeschäftigung legte in NRW landesweit aufgrund der gestiegenen Zahl der Arbeitslosen leicht um 1,7 Prozent oder 16.282 Personen zu. Damit waren im Juli 992.103 Personen unterbeschäftigt. Diese Zahl setzt sich zusammen aus den 793.654 arbeitslos gemeldeten Menschen und 198.449 Personen, die nicht als arbeitslos, aber unterbeschäftigt gelten.

Erste Hochrechnung realisierte Kurzarbeit im April

Zudem liegt mit dem Juli-Bericht zum Arbeitsmarkt in NRW auch die erste Hochrechnung für die realisierte konjunkturelle Kurzarbeit im April vor. Demnach haben im April in NRW 1.210.666 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verkürzt gearbeitet. In 118.007 Unternehmen und Betrieben wurde im April verkürzt gearbeitet. Damit lag die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit abgerechnet worden ist, deutlich unter der von rund 2,26 Millionen Personen, für die sie potentiell angezeigt worden war. Ebenso lag damit die Zahl der Unternehmen und Betriebe, die Kurzarbeit im April realisierten unter der von rund 159.000 Anzeigen, die bei den Agenturen für Arbeit im März und April eingegangen waren.

Kurzarbeit ist ein zweistufiges arbeitsmarktpolitisches Instrument, das es Unternehmen erlaubt, trotz konjunkturelles Engpässe Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an und gehen mit der Auszahlung des Lohnersatzes, des Kurzarbeitergeldes, in Vorleistung. Nach Ablauf des Monats rechnen Unternehmen und Betriebe das Kurzarbeitergeld mit den Agenturen für Arbeit ab. Dazu stellen sie einen Antrag auf Erstattung der in Vorleistung erbrachten Summe. Die realisierte Kurzarbeit gibt wieder, wie vielen Unternehmen und für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Lohnersatzleistung in einem Monat erstattet wurde.

Beschäftigung auf Vorjahresniveau – Arbeitskräftenachfrage stabilisiert sich niedrigem Niveau

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Zuge der Corona-Pandemie war im Frühjahr das Ausbleiben der Frühjahresbelebung. In dieser Zeit werden in der Regel weniger Menschen arbeitslos als eine neue Arbeit finden. Im März, April und Mai war in diesem Jahr aber der Stellenmarkt massiv eingebrochen. Neue offene Arbeitsplatzangebote wurden kaum gestellt, bestehende Angebote erst einmal nicht besetzt. Erste Anzeichen einer Besserung zeigten sich bereits Ende Mai und im Juni. Das setzte sich im Juli fort. 26.853 offene Stellen wurden neu gemeldet, 4.433 oder 19,8 Prozent mehr als vor einem Monat. Zwar waren das immer noch 8.426 oder 23,9 Prozent weniger, als vor einem Jahr im Juli neu gemeldet worden war. Doch stabilisierte sich damit der Arbeitsmarkt mit nun insgesamt 120.419 freien Stellen. Das waren 691 mehr als vor einem Monat, aber 47.477 oder 28,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Eine Konstante am Arbeitsmarkt in NRW war in den vergangenen Jahren der kontinuierliche Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Im Mai (aktueller Datenstand) lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in NRW mit 6.984.500 Personen um 1.759 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern über dem Niveau des Julis vor zwölf Monaten. Im Vergleich zum Vormonat sank sie, wie es für die Jahreszeit üblich ist, leicht um 0,3 Prozent oder 18.600 Personen.

Regionale Arbeitsmärkte in NRW

Bis auf Remscheid ist in allen Kreisen und kreisfreien Städten des Landes die Arbeitslosigkeit gestiegen. In Remscheid nahm sie im Juli um 2,0 Prozent oder um 98 Personen ab. Den geringsten Anstieg gab es in Krefeld. Hier legte die Arbeitslosigkeit binnen eines Monats um 0,8 Prozent oder 108 arbeitslos gemeldete Personen zu. Den stärksten Anstieg vermeldete die Stadt Düren. Hier waren im Juli 7,5 Prozent oder 756 Menschen mehr arbeitslos, als noch im Juni.

In allen Arbeitsmarktregionen in NRW stieg im Juli die Arbeitslosigkeit unter dem Eindruck der Corona-Auswirkungen und der Sommerpause am Arbeitsmarkt.

Im Rheinland stieg die Zahl der Arbeitslosen um 8.469 arbeitslos gemeldete Menschen oder 3,2 Prozent auf 276.752 Personen. Das waren 50.942 Personen oder 22,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte zu auf nun 7,9 Prozent. Vor zwölf Monaten lag sie um 1,4 Punkte niedriger.

Im Ruhrgebiet stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen um 7.174 Personen oder 2,8 Prozent auf 266.309 Arbeitslose. Damit waren im Juli mehr Menschen im Ruhrgebiet arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr – 43.253 Personen oder 19,4 Prozent. Die Quote stieg im Monatsvergleich um 0,3 Punkte auf 10,9 Prozent. Vor zwölf Monaten lag sie um 1,8 Prozentpunkte niedriger.

Im Bergischen Land stieg im Juli die Arbeitslosigkeit um 2.157 Personen oder 2,8 Prozent auf 79.578 arbeitslos gemeldete Personen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Plus von 27,7 Prozent oder 17.278 Personen. Die Arbeitslosenquote legte im Monatsvergleich um 0,2 Punkte zu auf 8,1 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 6,4 Prozent.

In Südwestfalen lag die Arbeitslosenquote im Juli bei 6,5 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte höher als im Monat Juni. Vor einem Jahr lag die Quote 1,6 Punkte niedriger. Mit 50.667 arbeitslos gemeldeten Menschen stieg die Arbeitslosigkeit im Juli um 1.361 Personen oder 2,8 Prozent. Vor einem Jahr waren in Südwestfalen 12.041 Personen oder 31,2 Prozent weniger arbeitslos gemeldet als heute.

Die niedrigste Arbeitslosigkeit in NRW weist das Münsterland auf. Im Juli stieg hier die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 1.666 Personen oder 3,8 Prozent auf nun 45.549 Arbeitslose. Damit waren im Juli 8.712 Personen oder 23,7 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor. Die Quote stieg im abgelaufenen Monat um 0,2 Punkte auf 4,9 Prozent. Vor zwölf Monaten lag sie um 0,9 Punkte niedriger bei 4,0 Prozent.

In Ostwestfalen-Lippe nahm die Arbeitslosigkeit im Juli um 2,8 Prozent oder 2.034 Personen auf 74.799 arbeitslos gemeldete Menschen zu. Das waren 15.518 Arbeitslose oder 26,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 6,6 Prozent und übertraf das Niveau des Vorjahresmonats damit um 1,4 Prozentpunkte.

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