01.09.2020 | Presseinfo Nr. 31

NRW-Arbeitsmarkt im August

Arbeitslosigkeit nimmt saisonüblich zu
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt in NRW haben im August deutlich nachgelassen. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen nahm im Sommer- und Ferienmonat August um 6.277 Personen oder 0,8 Prozent zum Vormonat und damit in einem für die Jahreszeit üblichen Umfang auf 799.931 Personen zu.

Damit waren 143.274 Personen oder 21,8 Prozent mehr arbeitslos gemeldet, als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent. Den stärksten Zuwachs gab es mit einem Plus von 4,6 Prozent zum Vormonat bei jungen Menschen unter 25 Jahren. Grund ist, dass viele Abschlussprüfungen der dualen Berufsausbildung in Folge der Pandemie erst verzögert abgelegt werden konnten.

Für die Kurzarbeit im Mai liegt eine erste Hochrechnung vor. Demnach arbeiteten im Mai 1.173.008 Menschen verkürzt.

„Die Dynamik am Arbeitsmarkt hat sich im August weitgehend normalisiert und lag wieder auf dem Niveau der Zeit vor der Corona-Virus-Pandemie“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „So konnten im abgelaufenen Monat genauso viele Menschen eine Arbeit aufnehmen, wie vor einem Jahr. Zudem lag die Zahl der Menschen, die sich aus einem Arbeitsverhältnis arbeitslos melden mussten um rund 15,0 Prozent unter der des Vorjahres.“

Das sei eine gute Nachricht, sagte Withake, über die er sich sehr freue. „Von dieser Entwicklung können viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren.“ Der Arbeitsmarktexperte glaubt allerdings auch, dass es für viele Menschen, die in den vergangenen Monaten arbeitslos geworden sind, kein einfacher Weg zurück in Arbeit werde. Im August waren in NRW 143.274 Personen mehr arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr: „Obwohl die Wirtschaftstätigkeit in unserem Bundesland und damit auch der Arbeitsmarkt wieder spürbar angezogen haben, müssen wir realistisch sein: Die Corona-Pandemie und ihre Folgen für den Arbeitsmarkt sind noch nicht vorüber. Wir beobachten, dass viele Branchen noch lange brauchen werden, um die Auswirkungen der Pandemie bewältigen zu können“. Als Beispiel nannte Withake das Gastgewerbe sowie den Verkehrs- und Logistikbereich: „Diese Branchen melden aktuell deutlich weniger offene Stellen, als dies in den vergangenen Jahren üblich war. Das bedeutet in nächster Zeit weniger Arbeitsangebote und damit weniger Übergangsmöglichkeiten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Arbeitslosigkeit in Arbeit.“

Das zeige einmal mehr, wie wichtig die Kurzarbeit als starkes arbeitsmarktpolitisches Instrument sei, das Beschäftigungsverhältnisse nachhaltig zu bewahren helfe, sagte der Arbeitsmarktexperte weiter. „Der Einsatz von Kurzarbeit hat einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht nur während der Zeit des Lockdowns verhindert. Aus der Sicht der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ist es wichtig, dass sie durch die Kurzarbeit ihre Fachkräfte auch während der durch die Pandemie bedingten wirtschaftlichen Schwächephase halten können. Beide Seiten, die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wie auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten damit eine greifbare Perspektive und Sicherheit für ihre Zukunft.“ Nach einer ersten Hochrechnung im Mai in NRW haben von rund sieben Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern 1.173.008 Menschen verkürzt gearbeitet. Mit 103.799 waren rund 23 Prozent der Unternehmen und Betriebe in NRW betroffen. „Wenn wir das in den Blick nehmen, wird auch noch einmal deutlich, wie wichtig die Option verkürzter Arbeit für uns als Gesellschaft ist.“

Withake begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes zu verlängern. Sie gebe den Unternehmen weitere Planungssicherheit. Positiv sei auch die Entscheidung, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im kommenden Jahr bei einer Verbindung von Kurzarbeit mit Qualifizierung die Sozialbeiträge weiterhin zu 100 Prozent erstattet bekommen können. „Diese Entscheidung der Bundesregierung ist auch für die Entwicklung des Arbeitsmarktes in NRW von Bedeutung. Sie kann dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort NRW trotz der Auswirkungen der Corona-Krise zu stärken, indem wichtige Transformations- und Strukturwandelprozesse, die zum Beispiel durch die zunehmende Digitalisierung am Arbeitsplatz vorangetrieben werden, frühzeitig durch die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen und Betrieben angegangen werden können.“

Auch die duale Berufsausbildung spiele für die Zukunft von NRW eine bedeutende Rolle: „In diesem Jahr ist vieles anders. Auch wenn heute, am 1. September, viele Azubis ihre Lehrstelle antreten, läuft der Endspurt am Ausbildungsmarkt erst jetzt und zieht sich noch weit in den Herbst. Für alle, die eine Berufsausbildung anstreben, ist es noch lange nicht zu spät. Viel Unternehmen haben erkannt, dass es gerade jetzt wichtig ist, in die Ausbildung zu investieren. Deshalb gibt es für Jugendliche aktuell auch noch viele tolle Angebote!“ Unter dem Titel „Ausbildung Jetzt!“ haben die Arbeitsmarktpartnern im Ausbildungskonsens NRW ein Handlungskonzept abgestimmt, wie der Ausbildungsmarkt im Bundesland gezielt unterstützt werden kann, um die Herausforderungen der Corona-Krise zu meistern.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im August 2020 waren in NRW landesweit 799.931 Personen arbeitslos gemeldet. Damit stieg die Zahl der Arbeitslosen landesweit im Monatswechsel um 6.277 Personen oder 0,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Arbeitslosigkeit um 143.274 Personen oder 21,8 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote stieg von Juli auf August um 0,1 Prozentpunkte auf nun 8,2 Prozent. Vor zwölf Monaten lag sie um 1,5 Prozentpunkte niedriger.

Den größten Zuwachs in der Arbeitslosigkeit gab es bei den jungen Menschen unter 25 Jahren. Bereits im Juli hatten sich viele junge Menschen arbeitslos gemeldet. Grund ist das Ende der dreijährigen Berufsausbildungsgänge vor den Sommerferien. Viele Absolventen melden sich nach dem Abschluss erst einmal für eine Übergangszeit arbeitslos. Üblich ist es, dass im folgenden August die sogenannte Jugendarbeitslosigkeit dann kaum mehr weiter steigt. Das war in diesem Jahr anders. Hintergrund ist, dass es aufgrund der Corona-Pandemie in vielen Fällen zu einer Verschiebung von Abschlussprüfungsterminen gekommen ist. Die Ausbildungen enden erst mit der Bekanntgabe der Ergebnisse. Durch die Verschiebung war die Ausbildung noch nicht abgeschlossen, die jungen Fachkräfte konnten sich erst im August arbeitslos melden. Im Vergleich zum Vormonat stieg damit die Arbeitslosigkeit der Unter-25jährigen um 3.537 Personen oder 4,6 Prozent auf 80.012 arbeitslos gemeldete junge Menschen. Das waren 16.441 Personen oder 25,9 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Während im Bereich des Sozialgesetzbuches III (SGB III) – bei den Kundinnen und Kunden der Agenturen für Arbeit, die Arbeitslosengeld beziehen – die Arbeitslosigkeit im August weiter stieg, blieb sie nahezu auf dem Niveau des Vormonats bei den Kundinnen und Kunden der Jobcenter, die Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuches II beziehen. So stieg beim Arbeitslosengeld die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum Vormonat um 2,0 Prozent oder 5.772 Personen auf 294.312 Arbeitslose. Beim Arbeitslosengeld II nahm die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen um 0,1 Prozent oder 505 Personen zu.

Annähernd gleich im Vergleich zum Vormonat blieb die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung. Sie stieg im August geringfügig um 627 Personen oder 0,1 Prozent auf 995.195 Personen. Vor einem Jahr lag die Unterbeschäftigung um 11,8 Prozent oder 105.366 Personen niedriger. Die Unterbeschäftigung setzt sich zusammen aus der Zahl der 799.931 arbeitslos gemeldeten Menschen und 195.264 Personen, die nicht arbeitslos sind, aber als unterbeschäftig gelten.

Erste Hochrechnung für realisierte Kurzarbeit im Mai

Für den Mai liegt eine erste Hochrechnung zur realisierten Kurzarbeit vor. Demnach arbeiteten landesweit im Mai 1.173.008 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 103.799 Unternehmen und Betrieben verkürzt. Die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für die Kurzarbeit im Mai abgerechnet wurde, lag damit um 46.015 Personen tiefer als im April. Die Zahl der Unternehmen, die im Mai Kurzarbeit realisiert haben, sank im Vergleich zum Vormonat April um 17.924 Betriebe oder 14,7 Prozent. Damit wurde im Mai in rund 23 Prozent der Betriebe in NRW verkürzt gearbeitet.

Kurzarbeit ist ein zweistufiges arbeitsmarktpolitisches Instrument, das es Unternehmen erlaubt, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an. Wenn sie die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich realisieren, gehen sie mit der Auszahlung des Lohnersatzes – des Kurzarbeitergeldes zum Beispiel für den August - in Vorleistung. Frühestens nach Ablauf des Monats, spätestens nach drei Monaten rechnen Unternehmen und Betriebe das an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei den Agenturen für Arbeit ab. Dazu stellen sie einen Antrag auf Erstattung der in Vorleistung erbrachten Summe. Die realisierte Kurzarbeit gibt wieder, wie vielen Unternehmen und für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Lohnersatzleistung in einem Monat erstattet wurde.

Stellenmarkt in NRW – Beschäftigung bleibt auf hohem Niveau

Die Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie machen sich in NRW bei der Nachfrage nach Arbeitskräfte weiterhin bemerkbar. Zwar steigt die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen im Vormonatsvergleich in den meisten Agenturbezirken in NRW. Doch setzte sich der starke Anstieg des Vormonats – damals ein Plus von 19,1 Prozent bei den offenen Stellen – im August nicht fort. So wurden im August landesweit 26.742 offene Arbeitsstellen neu gemeldet. Das waren 111 Stellen oder 0,4 Prozent weniger als vor einem Monat.

Die Gesamtzahl der freien Stellen in NRW wuchs damit auf 122.441 Stellenangebote. Das waren 2.022 oder 1,7 Prozent mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Bestand der gemeldeten Arbeitsstellen bei den Agenturen für Arbeit in NRW um 44.597 Stellen oder 26,7 Prozent höher. Der Rückgang bei den Stellenangeboten trifft alle Branchen, besonders stark aber die Logistik und Lagerbetriebe sowie das Gastgewerbe. Im Bereich Logistik wurden vor zwölf Monaten 7.591 Stellen angeboten, in diesem Jahr waren es im August nur 3.893 – ein Minus von 3.698 Stellen oder 48,7 Prozent. Im Gastgewerbe ging die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen um 3.051 oder 51,4 Prozent zurück auf 2.890 Stellenangebote. Doch auch im verarbeitenden Gewerbe hinterlässt die Corona-Virus-Pandemie ihre Spuren. Vor einem Jahr wurden hier 4.319 Stellen oder 35,7 Prozent mehr angeboten. Aktuell gab es im August 7.786 freie Stellen.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen im April

In NRW ist die Arbeitslosigkeit in den meisten Agenturbezirken in einem für die Jahreszeit üblichen Umfang gestiegen. Einige Agenturen für Arbeit meldeten sogar sinkende Arbeitslosigkeit. So die drei Agenturen Bielefeld (minus 0,1 Prozent), Herford (minus 1,0 Prozent) und Paderborn (minus 1,7 Prozent) aus Ostwestfalen-Lippe, aber auch die Agenturen Bochum (minus 0,5 Prozent), Iserlohn (minus 0,1 Prozent) und Mettmann (minus 0,3 Prozent).

Ein vergleichbares Bild bieten auch die NRW-Arbeitsmarktregionen. Im Vergleich zum Vormonat ging in Ostwestfalen-Lippe die Arbeitslosigkeit zurück. In allen anderen Regionen meldeten sich in einem saisonüblichen Rahmen Menschen neu arbeitslos.

In Ostwestfalen-Lippe sank die Arbeitslosigkeit im August um 0,6 Prozent oder 456 Personen auf 74.343 arbeitslos gemeldete Menschen. Das waren 13.630 Arbeitslose oder 22,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 6,5 Prozent und übertraf das Niveau des Vorjahresmonats damit um 1,1 Prozentpunkte.

In Südwestfalen lag die Arbeitslosenquote im August bei 6,5 Prozent und damit auf dem Niveau des Vormonats. Vor einem Jahr lag die Quote 1,4 Punkte niedriger. Mit 50.755 arbeitslos gemeldeten Menschen stieg die Arbeitslosigkeit um 88 Personen oder 0,2 Prozent. Vor einem Jahr waren in Südwestfalen 10.834 Personen oder 27,1 Prozent weniger arbeitslos gemeldet als heute.

Im Ruhrgebiet stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen um 2.302 Personen oder 0,9 Prozent auf 268.611 Arbeitslose. Damit waren im August im Ruhrgebiet 43.603 Menschen oder 19,4 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Monatsvergleich um 0,1 Punkte auf 11,0 Prozent. Vor zwölf Monaten lag sie um 1,8 Prozentpunkte niedriger.

Im Bergischen Land stieg im August die Arbeitslosigkeit um 770 Personen oder 1,0 Prozent auf 80.348 arbeitslos gemeldete Personen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Plus von 26,2 Prozent oder 16.670 Personen. Die Arbeitslosenquote legte im Monatsvergleich um 0,1 Punkte zu auf 8,2 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 6,5 Prozent.

Im Rheinland stieg die Zahl der Arbeitslosen um 3.062 arbeitslos gemeldete Menschen oder 1,1 Prozent auf 279.814 Personen. Das waren 50.571 Personen oder 22,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte zu auf nun 8,0 Prozent. Vor zwölf Monaten lag sie um 1,4 Punkte niedriger.

Die niedrigste Arbeitslosigkeit in NRW weist nach wie vor das Münsterland auf. Im August stieg hier die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 511 Personen oder 1,1 Prozent auf nun 46.060 Arbeitslose. Damit waren im August 7.966 Personen oder 20,9 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor. Die Quote verharrte im abgelaufenen Monat auf dem Niveau des Vormonats – bei 4,9 Prozent. Vor zwölf Monaten lag sie um 0,8 Punkte niedriger bei 4,1 Prozent.

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