30.09.2021 | Presseinfo Nr. 27

NRW-Arbeitsmarkt im September

Weniger als 700.000 Arbeitslose in NRW
In NRW ist die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen im September unter die Grenze von 700.000 Arbeitslosen gefallen. Landesweit sank die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 29.750 Personen auf 688.652 Arbeitslose. Damit waren 85.116 Menschen weniger arbeitslos als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,3 Punkte auf 7,0 Prozent. Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zum Herbstbeginn ist üblich, doch fiel das Minus in diesem September etwas stärker als gewöhnlich aus. Eine aktuelle Herausforderung für den Arbeitsmarkt bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit. Sie lag im September bei 330.398 Personen - und damit auf dem höchsten Stand in einem September seit 2014.
 

"Seit einigen Monaten erholt sich der Arbeitsmarkt schrittweise von den Auswirkungen der Corona-Pandemie. In diesem Monat sind fast 30.000 Personen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen - damit ist der Schritt im September etwas größer ausgefallen als für diesen Monat üblich", sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. "Damit ist die Arbeitslosigkeit bei uns in NRW erstmals seit Beginn der Pandemie wieder unter die Grenze von 700.000 Arbeitslosen gefallen. Das freut mich sehr."

Im September waren in NRW 688.652 Menschen arbeitslos gemeldet. "Damit sank die Arbeitslosigkeit unter das Niveau von 2017. Das unterstreicht den aktuell positiven Trend am Arbeitsmarkt deutlich", sagte Withake weiter. Ein weiteres Indiz für eine Erholung sieht der Arbeitsmarktexperte darin, dass der Rückgang im Vergleich zum Vormonat stärker als in den vergangenen Jahren üblich ausgefallen ist. "In der Regel sinkt die Zahl der Arbeitslosen zum Herbstbeginn kräftig. Vor allem junge Menschen, die wenige Monate zuvor ihre Ausbildung abgeschlossen haben, finden in dieser Jahreszeit gute Perspektiven bei Unternehmen die nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern suchen. Das war in diesem Jahr nicht anders. Doch mit einem Minus von 29.750 Personen oder 4,1 Prozent konnten wir den stärksten Rückgang in der Arbeitslosigkeit in einem September seit 2011 beobachten."

Diese positive Entwicklung zeige im Rückblick erneut, sagte Withake, wie wichtig es gewesen sei, während der Pandemie konsequent auf das arbeitsmarktpolitische Instrument der Kurzarbeit zu setzen. "Kurzarbeit sichert Beschäftigung und verhindert Arbeitslosigkeit. Deshalb war es gut, dass so viele Unternehmen und Betriebe in NRW auf verkürzte Arbeit gesetzt haben. Auch wenn die verkürzte Arbeit viele Menschen auf eine harte Probe gestellt und schwere persönliche Einschränkungen verlangt hat: Ohne Kurzarbeit wäre die Zahl der arbeitslosen Menschen deutlich stärker gestiegen. Zudem wären viele Arbeitsplätze verloren gegangen, die jetzt, bei anspringender Konjunktur, die Grundlage für viele weitere neue Beschäftigungsverhältnisse bilden können."

Spürbar wieder angezogen habe in den vergangenen Monaten der Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sagte Withake weiter. "Vor einem Jahr gab es etwas wie eine leichte Verschnaufpause am Arbeitsmarkt. Es gab aufgrund der Pandemie mehr Fachkräfte am Markt. Wer konnte, sicherte sich qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Zeit nach der Pandemie. Doch derzeit suchen Unternehmen wieder verstärkt nach Fachkräften. 2019, unmittelbar vor der Pandemie, gab es auf eine Fachkraftstelle nur zwei Bewerberinnen oder Bewerber. Diesen angespannten Verhältnissen am Arbeitsmarkt kommen wir aktuell wieder näher."

Eine Lösung sieht Withake in der Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wie auch von Menschen, die schon länger arbeitslos sind: "Von den aktuellen Erholungstendenzen am Arbeitsmarkt profitieren nicht alle Menschen gleichermaßen - insbesondere Menschen bei uns in NRW, die keine formal ausreichende Qualifizierung haben, aber vor der Pandemie durchaus auch Erfolg im Job gehabt haben. Wer von diesen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kurz vor oder während der Pandemie arbeitslos wurde, hat es häufig schwerer, zurück in eine Beschäftigung zu finden." Eine Qualifizierung sei in vielen Fällen der beste Weg, um die Chancen der wieder anspringenden Wirtschaft auch für sich nutzen zu können, sagte Withake weiter: "Ich bin zuversichtlich, dass wir für alle, die sich weiterbilden und qualifizieren wollen, die richtigen Angebote finden, damit sie ihre Potentiale und Talente weiter entwickeln können. Davon profitiert auch der Wirtschaftsstandort NRW und die Unternehmen, die qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen."

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im September waren in NRW 688.652 Menschen arbeitslos gemeldet. Damit lag die Arbeitslosigkeit über der der Septembermonate 2019 und 2018, jedoch unter der des Septembermonats 2017 (damals 691.432 Personen). Landesweit waren das 29.750 Personen oder 4,1 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Das war der drittstärkste Rückgang der Arbeitslosigkeit in einem September seit 1980. Nur in den Jahren 2010 (mit rund 35.000 Personen) und 2011 (mit rund 30.000 Personen) war die Zahl der Arbeitslosen in NRW stärker gesunken.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Arbeitslosigkeit in NRW um 11,0 Prozent oder 85.116 Personen. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten jungen Menschen unter 25 Jahren, die sogenannte Jugendarbeitslosigkeit, sank um 11,7 Prozent oder 7.389 Personen auf 56.016 arbeitslos gemeldete Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach das einem Rückgang von 23,2 Prozent oder 16.902 Personen. Die landesweite Arbeitslosenquote sank in NRW im Monatswechsel um 0,3 Punkte auf 7,0 Prozent. Vor einem Jahr lag sie um 0,9 Punkte höher.

Länger als ein Jahr arbeitslos waren im September in NRW 330.398 Menschen. Das waren 39.366 Personen oder 13,5 Prozent mehr als vor einem Jahr, und 5.374 Personen oder 1,6 Prozent weniger als vor einem Monat. Während die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken ist, liegt die Zahl der Langzeitarbeitslosen also weiterhin deutlich über der des Vorjahres und nahm auch im Vergleich zum Vormonat im September weniger ab. Das letzte Mal waren in einem September im Jahr 2014 vergleichbar viele Menschen arbeitslos gemeldet - damals genau 330.000. In den Jahren darauf war die Langzeitarbeitslosigkeit kontinuierlich gesunken. Erst durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie war die Langzeitarbeitslosigkeit in NRW wieder gestiegen.

Die Arbeitslosigkeit getrennt betrachtet nach den beiden Rechtskreisen - dem Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) und dem Bereich der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) - offenbart sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während im Rechtskreis SGB III, dem Aufgabenbereich der Arbeitsagenturen, die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vorjahresvergleich stärker abnahm - um 29,5 Prozent oder 82.920 Personen -, nahm sie im Rechtskreis SGB II, dem Aufgabenbereich der Jobcenter, nur leicht ab. Hier sank die Zahl arbeitslos gemeldeter Personen im gleichen Zeitraum um 2.196 Personen oder 0,4 Prozent. Auch im Vergleich zum Vormonat nahm die Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen ab: Im SGB II um 2,5 Prozent oder 12.532 Personen. Damit waren im September 490.667 Menschen im SGB II arbeitslos. Im SGB III sank die Zahl der Arbeitslosen kräftiger - um 17.218 Personen oder 8,0 Prozent auf jetzt 197.985 arbeitslos gemeldete Menschen.

Auch die Unterbeschäftigung sank im September. Als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos galten 207.712 Personen. Zählt man die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen hinzu, erhält man die gesamte Unterbeschäftigung: Landesweit galten im abgelaufenen Monat 896.364 Menschen als unterbeschäftigt. Das waren 85.952 Personen oder 8,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Monatsvergleich sank die Zahl unterbeschäftigter Menschen um 24.396 Personen oder 2,6 Prozent.

Arbeitskräftenachfrage legte im September weiter zu

Im September wurden in NRW 35.417 offene Arbeitsstellen neu gemeldet. Das waren 4.643 Stellen oder 15,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Vor einem Monat wurden 437 oder 1,2 Prozent weniger Stellen gemeldet. Insgesamt waren im September bei den Agenturen für Arbeit 162.839 Stellen gemeldet - 36.839 oder 29,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das bedeutet im Vergleich zum Vormonat eine Steigerung von 5.747 Stellen oder 3,7 Prozent.

Gesucht werden vor allem Fachkräfte. Bei den Agenturen für Arbeit waren im September 92.396 offene Stellen für Fachkräfte auf dem Niveau der dualen Berufsausbildung angezeigt. Das waren 56,7 Prozent aller gemeldeten Stellen. Dem standen 189.601 arbeitslose Fachkräfte gegenüber. Das Verhältnis von Stellen und Bewerberinnen und Bewerbern betrug im September 1,0 zu 2,1. Vor einem Monat lag es noch bei 1,0 zu 2,3. Für Menschen ohne aktuelle Ausbildung ist das Angebot deutlich geringer: 40.733 Stellen oder 25,0 Prozent aller Arbeitsangebote waren für Helfertätigkeiten gemeldet. Arbeitslos gemeldet waren 392.653 Menschen ohne aktuelle Ausbildung. Das Verhältnis betrug 9,6 Bewerberinnen und Bewerber auf eine offene Stelle.

Deutlich erkennbar zieht der Bedarf an Mitarbeitenden vor allem in Branchen an, die von den Auswirkungen der Pandemie unmittelbar betroffen waren. Dazu gehören, neben dem Gastgewerbe, das verarbeitende Gewerbe wie auch der Handel. Hier zeigte sich auch im September der Nachholbedarf im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Im Gastgewerbe waren im September 6.412 offene Arbeitsangebote gemeldet - 107,2 Prozent oder 3.318 Stellen mehr als vor einem Jahr. Im verarbeitenden Gewerbe waren mit 14.098 unbesetzten Arbeitsangeboten 77,5 Prozent oder 6.154 Stellen mehr gemeldet, als zwölf Monate zuvor. Im Handel zeigte sich ein Plus zum Vorjahr von 40,2 Prozent oder 5.146 Stellen. Hier gab es im abgelaufenen Monat 17.934 offene Arbeitsangebote.

Beschäftigung im Juli (aktueller Stand) stabil

Der aktuelle Datenstand für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in NRW ist der Juli 2021. Wie für die Jahreszeit üblich - für den Beginn der Sommerferien -, stagnierte die Zahl der Beschäftigten, jedoch weiterhin auf hohem Niveau. So gingen im Juli 7.077.100 Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das waren 123.901 Personen oder 1,8 Prozent mehr als vor einem Jahr, 16.500 oder 0,2 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Die Rekordmarke von über sieben Millionen Beschäftigten war erstmals 2019 überschritten worden.

Kurzarbeit im Juni (aktueller Stand)

Für den Monat Juni liegt eine erste Hochrechnung vor, wieviel Kurzarbeit tatsächlich realisiert wurde: Demnach rechneten 44.817 Unternehmen in NRW mit den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit ab. Das waren 18.843 weniger als im Vormonat Mai. Im Juni arbeiteten 274.024 Beschäftigte verkürzt, 211.454 Personen weniger als im Mai. Die Kurzarbeiter-Quote sank von Mai auf Juni um 2,9 Punkte auf 3,9 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in NRW.

Kurzarbeit ist ein zweistufiges arbeitsmarktpolitisches Instrument. Es erlaubt Unternehmen, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an. Wenn sie die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich realisieren, gehen sie mit der Auszahlung des Lohnersatzes - des Kurzarbeitergeldes zum Beispiel für den September - in Vorleistung. Frühestens nach Ablauf des Monats, spätestens nach drei Monaten rechnen Unternehmen und Betriebe das an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei den Agenturen für Arbeit ab. Wieviel im September in NRW tatsächlich verkürzt gearbeitet wurde, weiß man erst nach Ablauf dieser drei Monate, wenn alle Unternehmen ihren Antrag auf Erstattung der in Vorleistung erbrachten Lohnersatzleistung gestellt haben. Die realisierte Kurzarbeit gibt wieder, wie vielen Unternehmen und für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Lohnersatzleistung in einem Monat erstattet wurde.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen im September

Im September ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat in allen Arbeitsagenturbezirken in NRW gesunken. Auch im Vergleich zum Vorjahr ist landesweit die Arbeitslosigkeit gesunken. Mit Blick auf die Regionen sank sie im Vorjahresvergleich am stärksten in Südwestfalen (minus 18,0 Prozent), gefolgt vom Münsterland (minus 16,9 Prozent).

In Südwestfalen sank im September die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen gegenüber dem Vorjahr um 18,0 Prozent oder 8.749 Personen auf nun 39.751 Arbeitslose. Vor einem Monat galten 2.318 Männer und Frauen oder 5,5 Prozent mehr als arbeitslos. Die Arbeitslosenquote sank im Vorjahresvergleich um 1,1 Punkte auf 5,1 Prozent - 0,3 Punkte weniger als vor einem Monat.

Im Münsterland sank die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 16,9 Prozent oder 7.364 arbeitslos gemeldete Personen. Damit waren im September im Münsterland 36.259 Personen arbeitslos, 6,1 Prozent oder 2.340 weniger als einen Monat zuvor. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent. Vor einem Monat lag sie 0,2 Punkte höher.

In Ostwestfalen-Lippe waren im September 59.913 Menschen arbeitslos gemeldet - 3.103 Personen oder 4,9 Prozent weniger als im August 2021. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen deutlich um 10.915 Personen oder 15,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank im Monatswechsel um 0,2 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent. Das waren 0,9 Punkte weniger als vor einem Jahr.

Im Bergischen Land ging die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres um 12,6 Prozent oder 9.716 Personen auf jetzt 67.519 arbeitslos gemeldete Menschen zurück. Vor einem Monat waren 2.533 Menschen oder 3,6 Prozent weniger arbeitslos gemeldet. Die Quote sank um 0,2 Punkte im Vergleich zum Vormonat auf jetzt 6,9 Prozent. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote 1,0 Prozentpunkte höher.

Im Ruhrgebiet lag die Arbeitslosigkeit vor einem Jahr um 24.146 Personen oder 9,2 Prozent höher. Hier waren im September 237.486 Menschen arbeitslos gemeldet. Damit sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 9.278 Personen oder 3,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag im September bei 9,7 Prozent, 0,3 Punkte unter dem Vormonat und 1,0 Prozentpunkte niedriger als vor zwölf Monaten.

Im Rheinland nahm im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen um 8,9 Prozent oder 24.226 Personen ab. Mit 247.724 Personen waren im Monat September 3,9 Prozent oder 10.178 Personen weniger arbeitslos gemeldet als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank um 0,3 Punkte zum Vormonat auf 7,1 Prozent. Vor einem Jahr lag sie 0,7 Prozentpunkte höher.

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