31.03.2021 | Presseinfo Nr. 9

Frühjahresbelebung sorgt für sinkende Arbeitslosigkeit – trotz Lockdown

Am Arbeitsmarkt in NRW hat im März die Frühjahresbelebung eingesetzt – trotz der weiter anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Eindämmungsmaßnahmen. So sank die Arbeitslosigkeit mit 13.863 Personen im Vergleich zum Vormonat stärker als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Mit 756.465 arbeitslos gemeldeten Menschen waren allerdings auch 108.278 Personen oder 16,7 Prozent mehr arbeitslos als vor der Pandemie. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 7,7 Prozent. Anteilig den stärksten Rückgang bei der Arbeitslosigkeit gab es bei jungen Menschen unter 25 Jahren. Grund ist, dass viele junge Absolventen einer Berufsausbildung nach einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit jetzt eine Anstellung finden konnten.

„Trotz der Sorgen, die uns allen die Corona-Virus-Pandemie nach wie vor bereitet, hat sich der März am Arbeitsmarkt in NRW positiv entwickelt“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit. „Nach wie vor liegt zwar die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen deutlich über der Vor-Corona-Zeit. Und es wird sicher für viele Menschen nicht einfach, schnell wieder in den Job zurückzukehren, denn das Angebot an freien Arbeitsstellen liegt weiterhin auf niedrigem Niveau. Doch zugleich hat im März auch die für die Jahreszeit typische Frühjahresbelebung eingesetzt. Und zwar mit einem stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit als im langjährigen Schnitt. Darüber freuen wir uns sehr.“ In den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosigkeit im März im Schnitt um 9.300 Personen zurückgegangen, im nun ablaufenden März um 13.863 arbeitslos gemeldete Personen. Vor einem Jahr, mit dem ersten Lockdown, war die Frühjahresbelebung nahezu ausgefallen.

Positiv sehe er auch, sagte Withake, dass viele junge Menschen von der Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren konnten: „Auch hier erkennen wir nach einem Jahr Auswirkungen der Corona-Krise eine Rückkehr in das übliche saisonale Muster: Viele junge Menschen, die gerade eine duale Berufsausbildung abgeschlossen haben, konnten nach kurzer Arbeitslosigkeit eine Anstellung finden.“ Withake nutzte das, um einen Blick auf den Ausbildungsmarkt zu werfen, dessen Halbjahresbilanz heute ebenfalls veröffentlicht wurde: „Das trotz aller aktuellen Widrigkeiten junge Fachkräfte gute Aussichten am Arbeitsmarkt haben, zeigt noch einmal eindrücklich, wie wichtig eine Berufsausbildung ist. Aus dem Blickwinkel der Jugendlichen kann man sagen: Wer eine Ausbildung zur Fachkraft hat, ist am Arbeitsmarkt begehrt. Und die Ausbilderinnen und Ausbilder möchte ich direkt ansprechen: Zögern Sie nicht, jetzt Ausbildungsplätze in Ihren Unternehmen anzubieten! Denn es lohnt sich für Sie, jetzt die Fachkräfte für die Zukunft Ihres Unternehmens nach der Pandemie auszubilden!“ Withake begrüßte auch die Ausweitung des Bundesprogramms „Ausbildungsplätze sichern“. Die „Azubi-Prämie“ stelle vor allem für kleinere Unternehmen eine wichtige Unterstützung dar, um auch zusätzliche Ausbildungsstellen anbieten zu können.

Den Grund für den starken Rückgang der Arbeitslosigkeit im aktuellen März sieht Withake darin, dass sich die Zahl der Menschen, die eine Arbeit finden konnten, mit 40.946 Personen wieder annähernd auf dem Niveau der Vorjahre einpendeln konnte. Zugleich habe die Zahl der Menschen, die sich nach dem Verlust ihrer Stelle neu arbeitslos melden mussten, mit 38.714 Personen deutlich unter der für den Monat März üblichen Anzahl von rund 46.000 Personen gelegen: „Wir sehen darin zwei Entwicklungen. Zum einen sichert die Kurzarbeit aktuell, während des Lockdown, weiter erfolgreich Arbeitsplätze und verhindert Arbeitslosigkeit. Wir sehen aber zweitens auch, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nach den Entlassungen des vergangenen Jahres nun alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten wollen, um schnell wieder wirtschaftlich in Fahrt kommen zu können.“

Auch Withake setzt darauf, dass diese guten Erwartungen in Zukunft Realität werden: „Sorgen macht uns aktuell vor allem die wachsende Zahl der Menschen, die länger arbeitslos sind. Mittlerweile sind 43,5 Prozent aller Arbeitslosen länger als ein Jahr ohne Job. Ein Grund ist natürlich: Das Angebot an freien Stellen ist aktuell geringer, deshalb ist es auch schwieriger, eine neue Arbeit zu finden. Aber wir sehen auch, dass diese neuen Jobs häufig gute Qualifikationen voraussetzen. Deshalb haben wir aber auch eine Vielzahl an Maßnahmen und Angebote, um gut zu unterstützen und für alle, die sich weiterbilden wollen, das passende Angebot finden zu können. Wir sind überzeugt davon, dass diese Arbeitssuchenden an einem Arbeitsmarkt, der sich erholt, als qualifizierte Kräfte gute Chancen haben werden.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im März sank die Arbeitslosigkeit in NRW landesweit im Vergleich zum Vormonat um 13.863 Personen oder 1,8 Prozent auf nun 756.465 arbeitslos gemeldete Menschen. Damit lag der Rückgang der Arbeitslosigkeit im März deutlich über dem für diese Jahreszeit üblichen Rückgang, der in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt rund 9.300 Personen betrug.

Vor einem Jahr lag die Arbeitslosigkeit um 108.278 Personen oder 16,7 Prozent niedriger. Der März 2020 war der letzte Monat, der in der Arbeitsmarktstatistik noch nicht von der Corona-Virus-Pandemie geprägt war. Der sogenannte Corona-Effekt, der Abstand zwischen der aktuellen Arbeitslosigkeit und der des Vorjahresmonats, lag im Februar noch bei 17,7 Prozent, ist also im Laufe des März um einen Prozentpunkt gesunken. Zum Vergleich: Im August 2020 lag die Arbeitslosigkeit um 22,9 Prozent über der des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote sank im März im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf jetzt 7,7 Prozent. Vor einem Jahr lag sie um einen Prozentpunkt niedriger.

Prozentual nahm die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren im Vergleich zum Vormonat am stärksten ab. Die sogenannte Jugendarbeitslosigkeit ging im März um 3,2 Prozent oder 2.102 Personen auf 64.381 Arbeitslose zurück. Damit lag die Arbeitslosigkeit junger Menschen im März um 8.523 Personen oder 15,3 Prozent über der des Vorjahres.

Im März stieg auch die Zahl der Menschen wieder, die eine Arbeit aufnehmen konnten. 40.946 Personen fanden einen Job, das waren 3.931 Personen oder 10,6 Prozent mehr als im Februar. Vor einem Jahr waren es 1.121 Personen oder 2,7 Prozent mehr. Gleichzeitig sank die Zahl der Menschen, die sich aus der Arbeit heraus neu arbeitslos melden mussten. Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre lag diese Zahl im März bei rund 46.000 Personen. Im aktuellen März mussten sich nur 38.714 Personen arbeitslos melden. Das waren 4.381 Personen oder 10,2 Prozent weniger als im Februar und 9.231 Personen oder 19,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Im Vergleich zum Vormonat nahm die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III), den Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen, deutlich um 17.087 Personen oder 6,2 Prozent auf 257.449 Personen ab. Gleichzeitig stieg die Zahl der länger arbeitslosen Menschen im Bereich der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II), den Kundinnen und Kunden der Jobcenter, um 0,7 Prozent oder 3.224 Personen auf 499.016 Personen. Ein wichtiger Grund für diese gegenläufige Entwicklung ist der sogenannte Übertritt aus dem SGB III ins SGB II, aus der Arbeitslosenversicherung in die Grundsicherung. Dies betrifft Menschen, die in der Regel länger als ein Jahr arbeitslos sind und daher zu Kundinnen und Kunden der Jobcenter werden.

Im März sank auch die Unterbeschäftigung: Als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos galten 212.408 Personen. Zählt man die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen hinzu, erhält man die gesamte Unterbeschäftigung: Landesweit galten im ablaufenden Monat 968.873 Menschen als unterbeschäftigt. Das waren 11.850 Personen oder 1,2 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl unterbeschäftigter Menschen um 70.108 Personen oder 7,8 Prozent.

Anzeigen zur Kurzarbeit im März

Die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeit ist im März im Vergleich zum Vormonat gesunken. Unternehmen in NRW haben im vergangenen Monat in 3.263 Fällen mögliche verkürzte Arbeit neu angezeigt – im Februar waren es noch 11.249 Anzeigen. Davon potentiell betroffen waren im März 35.873 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Angezeigte Kurzarbeit muss von den Unternehmen nicht realisiert werden. Für den Monat Dezember liegt eine erste Hochrechnung vor, wieviel Kurzarbeit tatsächlich realisiert wurde: Demnach rechneten Unternehmen im Dezember in 71.449 Fällen mit den Agenturen für Arbeit verkürzte Arbeit ab – ein Plus von 9.837 zum November. Im Dezember stieg im Vergleich zum Vormonat auch die Zahl der Personen, die in NRW verkürzt arbeiteten – um 61.336 Personen auf 510.998 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zum Vergleich: Im April 2020 – während des ersten Lockdown – hatten Unternehmen in 120.891 Fällen Kurzarbeit abgerechnet für insgesamt 1.202.707 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Kurzarbeiter-Quote stieg im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Punkte von 6,3 Prozent auf 7,2 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in NRW.

Kurzarbeit ist ein zweistufiges arbeitsmarktpolitisches Instrument. Es erlaubt Unternehmen, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Im ersten Schritt zeigen Unternehmen geplante verkürzte Arbeit an. Realisieren sie die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich, gehen sie mit der Auszahlung des Lohnersatzes – des Kurzarbeitergeldes zum Beispiel für den Februar - in Vorleistung. Frühestens nach Ablauf des Monats, spätestens nach drei Monaten rechnen Unternehmen und Betriebe das an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei den Agenturen für Arbeit ab. Wieviel im Februar in NRW tatsächlich verkürzt gearbeitet wurde, weiß man erst nach Ablauf dieser drei Monate, wenn alle Unternehmen ihren Antrag auf Erstattung der in Vorleistung erbrachten Lohnersatzleistung gestellt haben. Die realisierte Kurzarbeit gibt wieder, wie vielen Unternehmen und für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Lohnersatzleistung in einem Monat erstattet wurde.

Arbeitskräftenachfrage steigt – aber weniger stark

Zwar zog im März passend zur einsetzenden Frühjahresbelebung die Nachfrage nach Arbeitskräften leicht an. Doch blieb das Niveau, auf dem freie Stellen neu gemeldet wurden, weiter eher niedrig. Das dürfte eine Auswirkung der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Corona-Virus sein. Landesweit wurden im März 31.007 offene Stellen neu gemeldet, 1.031 oder 3,4 Prozent mehr als im Februar. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl der neu gemeldeten Stellen um 408 oder 1,3 Prozent niedriger. Insgesamt waren bei den Agenturen für Arbeit im März 123.821 Stellen gemeldet – 19.382 oder 13,5 Prozent weniger als vor einem Jahr und 4.564 oder 3,8 Prozent mehr als im Vormonat.

Beschäftigung bleibt weiter auf hohem Niveau stabil

Auch gestärkt durch die Kurzarbeit ist die Beschäftigung in NRW weiter stabil geblieben. Im Januar, dem aktuellen Datenstand für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, sank die Zahl der Beschäftigten der Jahreszeit gemäß geringfügig um 0,5 Prozent oder 38.600 Personen auf 7.043.700 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Das waren 8.986 Personen oder 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit übersteigt die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung unverändert die Rekordmarke von über sieben Millionen Beschäftigten.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen im März

Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen ist im Vergleich zum Vormonat in nahezu allen Agenturen für Arbeit im März zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat März 2020 bietet sich in allen Agenturen das selbe Bild wie für die sechs Arbeitsmarktregionen in NRW: Vor einem Jahr lag die Zahl der Arbeitslosen überall niedriger.

Im Vergleich zum Vormonat ist in Südwestfalen die Arbeitslosigkeit um 1.541 Personen oder 3,3 Prozent gesunken. Arbeitslos gemeldet waren im März 45.817 Personen und damit 5.007 Personen oder 12,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag im März bei 5,8 Prozent – 0,2 Punkte niedriger als im Februar und 0,6 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr.

In Ostwestfalen-Lippe waren im März 68.105 Menschen arbeitslos gemeldet – 1.913 Personen oder 2,7 Prozent weniger als im Februar. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen um 6.624 Personen oder 10,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank im Monatswechsel um 0,2 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent. Das waren 0,6 Punkte mehr als vor einem Jahr.

Im Vergleich zum Vormonat sank im Münsterland die Zahl der Arbeitslosen um 2,6 Prozent oder 1.082 Personen auf 40.630 arbeitslos gemeldete Menschen. Vor einem Jahr galten 4.234 Personen oder 11,6 Prozent weniger als arbeitslos. Die Arbeitslosenquote sank über den Monatswechsel um 0,2 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent. Vor einem Jahr lag sie 0,4 Punkte niedriger.

Im Bergischen Land ging die Arbeitslosigkeit im März um 2,1 Prozent oder 1.570 Personen auf jetzt 74.645 arbeitslos gemeldete Menschen zurück. Vor zwölf Monaten, im März 2020, waren 10.616 Menschen oder 16,6 Prozent weniger arbeitslos gemeldet. Die Quote sank von Februar auf März um 0,2 Punkte auf jetzt 7,6 Prozent. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote bei 6,5 Prozent.

Im Rheinland waren im März 269.395 Personen arbeitslos gemeldet. Damit sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 3.970 Personen oder 1,5 Prozent. Vor einem Jahr lag die Zahl der Arbeitslosen um 45.590 Personen oder 20,4 Prozent niedriger. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Februar um 0,1 Punkte auf 7,7 Prozent. Vor einem Jahr lag sie 1,2 Prozentpunkte niedriger.

Im Ruhrgebiet ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum Vormonat um 3.787 Personen oder 1,4 Prozent gesunken. Hier waren im März 257.873 Menschen arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr waren im Ruhrgebiet 36.207 Personen oder 16,3 Prozent weniger arbeitslos. Die Quote lag im abgelaufenen Monat bei 10,5 Prozent, 0,2 Punkte niedriger als im Vormonat und 1,4 Prozentpunkte höher als vor zwölf Monaten.

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